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Amt;- und ÜMigeblatt fiir den Amtsgerichtsbezirk Eibenstock und dessen Umgebung Bezugspreis Vierteljahr!. M. 1.50 einschlietzl. des „Jllustr. Unterhaltungsblatts" und der humoristischen Beilage .Seifenblasen" in der Expedition, bei unseren Boten sowie bei allen Reichspostanstalten. Tel.-Adr.: Amtsblatt. ^7 L»S für Eibenstock, Larlsfeld, ljundshübel, Neuheide, Oberstützengrün, Zchönheide, Zchönheiderhammer,5osa,Unterstützengrün,wildenthal usw. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: Emil Hannebohn in Eibenstock. . 57. As-rgang. —— n- Sonnabend, den 11. Juni Erscheint täglich abends mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage für den folgenden Tag Anzeigenpreis: die kleinspaltige Zeile 12 Pfennige. Im amtlichen Teile die gespaltene Zeile 30 Pfennige. Fernsprecher Nr. 2lv. LSI» ES wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die bisher interimistisch in einem Schuppengebäude der Glashüttenwerke CarlSfeld, G. m. b. H., untergebracht gewesenen Ae«erIöschgerStschaften nach dem «euerbauten Epritzenhause überführt worden sind. CarlSfeld, den 9. Juni 1910. Der Gemeindevorstand. Bauernfeind. Der Wechsel im Reichstolomalamt. Der „Reichsanzeiger" gibt unterm 9. ds. die Er- tsilung der nachgesuchten Dienstentlassung des Staatssekretärs des Reichskolonialamtes, Wirklichen Geheimen Rates Dernburg unter Verleihung der Brillanten zum Roten Adlerochen 1. Klasse und die Ernennung, des ttnterstaatssekretärK des Reichsko- lonialamtes von Lindequist unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prä- Mat Exzellenz zum Staatssekretär des Reichskolonial amtes und die Beauftragung mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Geschäftskreise des Reichskolo- niialamles nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878 bekannt. Die „Nordd. Allg, Ztg." schreibt: Dem Staats sekretär des Reichskolonialamtes^ Wirklichen Geheimen Rat Dernburg ist anläßlich des Ausscheidens! aus sei nem Amte das nachstehende Allerhöchste Hand schreiben zugxgangen: Da Sie zu Meinem Bedauern auf dam Wunsche bestanden haben, aus Ihrem Amte als Staatssekre tär des Rvichskolonialamtes entlassen zu werden, ha be Ich Wich entschlossen, Ihnen durch Order vom heutigen Tage den erbetenen Abschied in Gnaden zu bewilligen. Ich spreche Ihnen hierbei Meine vollste Anerkennung für die hervorragenden Verdienste aus, die Sie sich in vierjähriger, an Erfolgen reicher Ar beit um die Entwickelung der deutschen Schutzgebiete erworben haben. Als Zeichen dieser Meiner Aner kennung habe Ich Ihnen die Brillanten zum Roten Adlerorden 1. Klasse verliehen und! die Generalor- denskommissron beauftragt, Ihnen die Dekoration zu gehen zu lassen. Ihr wohlgeneigter Kaiser und Könrg. Hierzu bemerkt das genannte Blatt: Die Worte hoher Anerkennung, mit denen Seine Majestät dem EntlaGungsgesuch des Staatssekretärs Dernburg ent sprochen hat, werden überall Zustimmung, finden. Die Tatsachen, auf die sich tue kaiserlichen Worte beziehen, bedürfen nicht der Aufzählung: im einzelnen. Sie fül len Sine verhältnismäßig Kurze AMtsperivde aus und find daher in frischem Gedächtnis. Wenn sich Exzellenz Dernburg nicht hat entschließen können«, sein Amt noch weiter fortzuführen, so ist das Bedauern darüber nicht am wenigsten lebhaft bei dem Reichskanzler, der in ihm einen tatkräftigen, unermüdlichen und fachverständigen Mitarbeiter auf einem Gebiete geschätzt hat, das doch wesentlich erst durch Dernburgs Tätigkeit zu einem verheißungsvollen Kruchtfeld geworben ist. Es heißt nur der ausgezeichneten Arbsit des scheidenden Staats sekretärs gerecht werden, wenn wir faststellen, daß er sich dabei in jeder Beziehung des vollstens Vertrauens beim Reichskanzler erfreuen konnte, und daß sich in keinem einzigen Kalle sine sachliche oder persönliche Differenz Mischen ihnen «eingestellt hat. Der Staats sekretär war daher auch in allen sein Ressort angehen den Kragen des Rückhalts bSi dem Reichskanzler sicher. Dieser hat auch die erfolgreiche Art, wve Dernburg fei nen letzten parlamentarischen Kampf durchgefochten hat, mit aufrichtiger Genugtuung begleitet. Bestätigen kön nen wir freilich auch, daß die Rücktrittsabfichten Derw buhgs nicht aus jüngster Zett stammen. Der Staats sekretär hat sie bereits vor Jahresfrist dem damaligen Reichskanzler angekündigt und sie daun dem jetzigen Reichskanzler bei dessen Amtsantritt wiederholt. Einen geharnischten Protest veröffentlicht der Konservative Landesverein im König reich Sachsen soeben gegen die unerhörten Beschimpf ungen der Reformation durch den Papst Pius X. „Fein de des Kreuzes CH risch Menschen mit irdischer Gefinm ung, deren Gott her Bäuch war!" Mt gerechtem Spott weist der konservative Landesverein darauf hin, daß diese Worte zwar vortrefflich auf die freigeistigen Hu manisten Italiens ttn 15. und 16. Jahrhunidert passen, die ruhig im Schoß der römischen Kirche geduldet wur den, ja in ihr hohe Ehrenstetten bekleideten, nicht aber aus die deutschen und schweizerischen Reformatoren.! „Mr haben es entweder mit einer krassen Un wissenheit des Papstes oder seiner Berater zu tun, wenn sie die „Reformatoren" mit den sittlich ver sumpften römisch-katholischen Humanisten und Mo- dernisten des 16. Jahrhunderts verwechseln, oder mit Siner b ewußten Verleumdung «des sittlichen Charak ters der Reformatoren, ihres Werkes und seiner fürst lichen Schutzherren. Mr gestehen, daß uns lange nichts so empört hat als das ebenso maßlose wie unwahre Urteil des katholischen Ober Hirten über die Reformation. Ueber deren wahre Bedeutung für das Wohl dor Völker hat die Geschichte längst gerichtet, aber gar anders als Papst Pius. Die protestantischen Staaten des Rohdens sind emporgeblüht und haben Sine gewaltige Lebenskraft gezeigt, die romanischen, katholisch gebliebenen Staaten leiden an tiefer sitt licher und Politischer Zerrüttung^ sie sind längst eine Beute des Revqlutionsgeistes geworden. Aus der Geschichte Krankreichs, Spaniens, Italiens: könnte Papst Pius lernen, welches die Folgen einer gewalt samen Unterdrückung her von ihm so geschmähten Re formation find." Der Protest schließt mit der Frage: Muß denn Rom immer wieder beweisen, daß es aus der Geschichte nichts gelernt hat und auch nichts lernen will? und mit dem Zuruf an unsere katholischen Volksge nossen : Mr glauben nicht irre zu gehen in der Annah me, daß viele unserer katholischen Mitchristen, mit denen wir in unserem sächsischen Vaterlande fried lich zusammenleben, von der päpstlichen Enzyklika sehr peinlich berührt sind. Wir wollen ihnen ge wiß die Taktlosigkeit nicht nachtragen, die sich das Oberhaupt ihrer Kirche hat zuschulden kommen las sen, allein, sfe müssen es verstehen, wenn wir der Verunglimpfung unserer Reformatoren, in denen wir die herrlichste Gottesgabe an unser deutsches Volk sehen, den alleyschärfsten Protest entgegensetzen. Tagesgeschichte. Deutschland. — Das Befinden des Kronprinzen. Der Kronprinz, der sich vor einigen Tagen einer kleinen Zahnopvration unterziehen mußte und infolge dieser an smer geschwollenen Backe litt, befindet Wch vollkom men wohl. — Die Kronprinzessin, die übrigens zum Herbst einem freudigen Ereignis entgegen- sieht, begab sichDonnerstag abend nach Schwerin. — Dementi. Die Wiener Meldung, wonach zwischen Kaiser Wilhelm und dem König von Italien für nächsten Herbst eine Begegnung verab redet sei, wird dementiert. Ebenso ist in unterrich teten Kreisen nichts davon bekannt, daß der Kaiser auf sine Einladung KönigsKarols an den großen Ma- növern in der Dobrudscha ^Rumänien) teilnehmen Wedde. — Zum Rücktritt des Staatssekretärs Dernburg schreibt man den , Berl. N. N.": Wenn von einer angeblich «gut unterrichteten Seite behaup tet wird, daß Herr Dernburg in vollkommener Ueber einstimmung mit den Ansichten dor maßgebenden Per sönlichkeiten sein EntlaGungsgesuch eingoreicht habe, so widerspricht dies direkt den Tatsachen. Man geht abor sogar nicht zu weit, wenn man behauptet, daß der Rücktritt des Staatssekrotärs im gegenwärtigen Zeitpunkt den maßgebenden Stellen durchaus uner wünscht list. Und wenn es trotzdem nicht gelungen ist, Herrn Dernburg zum Verbleiben in seinem Amte zu bewegen, so liegt dies nur an der Unerschütterlichkeit seines Entschlusses, aus dem Kolonialamt auszuschei den. — Der nächste Rückt r ilt t. In der Reichsver waltung ist noch ein weiterer Personenwechsel zu ge wärtigen, der freilich keine Ueberraschung bedeutet: Frhr. v. Schoen wird die Leitung des Auswärtigen Amtes mit derjenigen ekner Botschaft vertauschen. Daß der Bogehr «des StaatssSkretärs sich auf den Botischaf terposten in Paris richtet, hat er zwar in seiner par lamentarischen Verteidigung gegen alldeutsche Angriffe in Abrede gestellt, doch daraus würde noch nicht folgen, daß lseine Versetzung nach Paris überhaupt nicht in Frage kommen könnte, denn die französische Regierung hätte gewiß nichts gegen ihn einzuwenden. Das tem peramentvolle Eintreten des Herrn v. Bethmann-Holl weg für Krhrn. v. Schoen im Reichstag ist wohl noch in allseitiger Erinnerung. Durch den ausdrücklichen. Hinweis des Reichskanzlers auf die Bevdienste des Staatssekretärs klang es jedoch schon wie eine Andeu tung, daß dessen Wirken an dieser Stelle in Nicht ferner Zeit abgeschlossen sein werde. — Das preußische Abgeordnetenhaus nahm die Vorlage, betreffend die Erhöhung der Zivilliste, in zweiter und dritter Beratung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an. — Der Wirkungskreis des Postcheck verkehrs ich vom Reichspostamt wesentlich dadurch erweitert worden, daß fortan an Postkassen Zahlun gen mittels Postschecks zugelass,en worden sinh, und zwar über alle Beträge, die die Postbehövde aus einem bestehenden Schuldverhältnis zu fordern hat. Hierhin gehören also namentlich die von den Fernsprechteil nehmern zu entrichtenden Fernsprechgebühren. Auf Wunsch der Teilnehmer können solche Gebühren auch ein für allemal bei Fälligkeit ohne weiteres von dem Post scheckkonto abgoschrieben werden. Ferner dürfen fort- ' an Schecks und Ueberweisungen in Zahlung gegeben werden bei Einzahlung von Postanweisungen, Entrich tung der Zeitungsgelder und beim Einkauf von Wert zeichen (bei diesen von 20 Mark ab). — Die deutsche Ausfuhr von Automob i- l e n und deren Bestandteilen hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Sie wird in der so eben erschienenen Exportnummer -er Zeitschrift des Mitteleuropäischen Motorwagenvereins von Dr. Bür- ner auf 82 Millionen Mark für das letzte Jahr berech net, während sie im Jahre 1908 59 Millionen Mark und im Jahre 1907 nur 42 Millionen Mark ausmachte. Nur von einem Lande wird Deutschland auf diesem Gebiete übertroffen, nämlich von Frank-reich, das im Jahre 1909 für 119 Millionen Mark Kraftfahrzeuge ausfühtte. Aber der französische Export hat in den letzten drei Jahren keine Fortschritte gemacht, unid des halb steht zu erwarten, daß er von Deutschland in kurzer Zeit eingeholt werden wird; gewiß ein güns tiges Zeichen für die Leistungsfähigkeit unserer Auto- mo bilind ustrie. Oesterreich-Ungar«. — Zusammenkunft Giulianos mit Aeh- renthal. Die Zusammenkunft des italienischen Mi nister des Aeußeren Giuliano mit dem Grafen Aehren- thal findet wahrscheinlich im Laufe des Sommers auf dem Semmering statt. Giuliano dürfte sodann nach Ischl Weiterreisen und dort vom Kaiser empfangen werden. Frankreich. — Calais, 9. Juni. Von den acht gestern «an der „Pluvios e" befestigten Ketten sind di« zwei vor deren infolge -er Strömung heute gerissen, die hin ten befindlichen haben sich verwickelt. Allem Anschein nach ist es nicht möglich, das Tauchboot vor drei Ta gen einzuschleppen. Italien. — Rom, 8. Juni. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht heute abend folgende Note: Angesichts der in Deutschland auf Grund irrtümlicher Ausleg ungen und wenig genauer Uebersetzungen der letz ten Enzyklika des Papstes zutage getretenen Er regung sind wir ermächtigt, folgendes zu erklären: Der heilige Vater hat in der Enzyklika, welche aus An laß des Gsdächtnistages des heiligen Borromäus ver öffentlicht wurde und welche darauf abzselte, die Irr tümer der Modernisten zu bekämpfen, wie sich auch augenscheinlich aus dem Wortlaut ergibt, nicht im ent ferntesten die Absicht gehabt, die Mchtklatholiken in Deutschland.sowie ihre Fürsten zu beteiligen. In der Enzyklika befinden sich einzig und allein einige histori sche Urteile über die Epoche des heiligen Borromäus, in denen weder Völker noch Fürsten eines bestimmten Landes genannt sind. Im übrigen ist zu bemerken«, daß es sich -arm um Katholiken jener Zeit handelt.