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Amts- und Anzeigeblatt für den Amtsgerichtsbezirk Eibenstock und dessen Umgebung Bezugspreis Vierteljahr!. M.1.50 einschlietzl. . des „JUustr. Unterhaltungsblatts" und der j humoristischen Beilage „Seifenblasen" in der j Expedition, bei unseren Boten sowie bei allen Ueichspostanstalten. für Eibenstock, Larlsseld, Hundshübel, Neuheide, Oberstützengrün, Schönheide, Schönheiderhammer, Sosa, Unterstützengrün, wildenthal usw. Erscheint täglich abends mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage für den folgenden Tag. Anzeigenpreis: die kleinspaltige Feile 12 Pfennige. Sm amtlichen Teile die gespaltene Seile 30 Pfennige. Tel.-Adr.: Amtsblatt. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: Emil Hannebohn in Eibenstock. Fernsprecher Nr. 2lv. 8« —57. Jahrgang. -7! Mittwoch, den 13. April »NIG- Das im Grundbuche für Eibenstock Blatt 1299 auf den Namen des Bäckermeisters L.«o»k»rckt eingetragene Grundstück soll am 1. Juni 1910, vormittags 10 Mr an der Gerichtsstelle im Wege der Zwang-Vollstreckung versteigert werde«. Das Grundstück ist nach dem Flurbuche 4,i Aar groß und ohne Zubehör auf 30750 M. — Pf. geschätzt. Es besteht aus Wohnhaus mit Bäckereianlage und Laden und liegt hnr>oäu^re Auerdacherstraße, Nr. 356^ Abt. .4 des Brandkatasters; die Brandkafle beträgt Die Einsicht der Mitteilungen des Grundbuchamts, sowie der übrigen das Grundstück betreffenden Nachweisungen, insbesondere der Schätzungen, ist jedem gestattet. Rechte auf Befriedigung aus dem Grundstücke sind, soweit sie zur Zeit der Eintragung des am 2. Februar I9l0 verlautbarten Versteigerungsvermerkes aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungstermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, wid rigenfalls die Rechte bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden würden. Wer ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht hat, muß vor der Erteilung deS Zuschlags die Aufhebung oder die einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeiführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegen standes tritt. Eibenstock, den 9. April 1910. Königliches Amtsgericht. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Restaurateurs ck«- «»I» in Oderftützengrün wird nach Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Eibenstock, den 9. April 1910. Königliches Amtsgericht. Der oberste Herr im Rcichsland. In vornehmer, beinahe unmerklicher Weise macht der deutsche Kaiser darauf aufmerksam, daß die neu- lichen langen Zeitungs-Erörterungen über die Beru fung eines eigenen reichsländischen Fürstengeschlechtes heute noch ebenso unpraktisch sind-, wie vor bald vierzig Jahren bei der Wieder-Vereinigung von Elsaß-Lothrin gen mit Deutschland. Damals war ernsthaft der Groß herzog von Baden als Herrscher für die alten deut schen Länder ausersehen, aber er lehnte ab, und all fertig kam man zu der Erkenntnis, daß es am be sten sei, wenn der Kaiser selbst der oberste Herr im Reichsland bleibe, während in Straßburg ein Statt halter die Verwaltung leite. Und au dieser Auffas sung empfiehlt sich auch heute nicht zu rütteln, weil für die Reichslande die stärkste Regenten-Persönlich keit die beste ist, und diese ist nun einmal der Kaiser. Kaiser Wilhelm II. weist auf die Festigkeit dieses Ver hältnisses hin, indem er demnächst seine Besitzung Ur- Ville in Lothringen aufsucht, die er, wie bekannt, gerade zu dem Zwecke erworben hat, um die enge Zusammen gehörigkeit zwischen dem Oberhaupt des Reiches und dem Reichslande zu betätigen. Dies kaiserliche Be sitztum fällt als charakteristisches Zeichen hierfür ebenso, vielleicht noch mehr ins Gewicht, wie der Kaiser-Palast in Straßburg und die dem Monarchen gewidmete, wie der neu erstandene Hohkönigsburg Die elsaß-tothringi sche Dynastie-Debatte kann getrost schließen, oberster Herr im deutschen Reichslande bleibt der Kaiser! Tagesgeschichte. Deutschland. — Kaiser Wilhelm in Mainz. Der Kaiser traf am Montag früh mit Gefolge im Automobil in Mainz ein zur Besichtigung der neuen ober- und unter irdischen Förderbahn für Kriegsmaterial von einer Station zur andern. Der Kaiser und der Großherzog von Hessen fuhren die ganze Strecke entlang. Um l Uhr traf der Kaiser in Wiesbaden ein und hat beim Regierungspräsidenten von Meister das Frühstück ein genommen. — Die Kaiserin in Frankfurt a. M. Die Kaiserin traf Montag mittag im Automobil um 2*/z Uhr von Homburg kommend dort ein und stattete zu nächst dem Priüzen und der Prinzessin Albert von Schleswig-Holstein einen einstündigen Besuch ab. Dann fuhr sie zum Besuch ihrer Schwester der Prinzessin Adelheid von Schleswig-Holstein, die in dem Sanato rium des Dr. Lampe weilt und verließ um 5 Uhr nach mittags Frankfurt. — Entwurf eines Wertzuwachssteuer gesetzes. In der Montags-Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf eines Wertzuwachssteuergesetzes die Zustimmung erteilt. Er geht dem Reichstage be reits am heutigen Dienstag zu. Regierungsseitig wird gewünscht, daß der Entwurf, der gewissermaßen ein Teil der Reichsfinanzreform darstellt, vom Reichstage noch vor der Vertagung verabschiedet wird. Der Ent wurf sieht nur eine Besteuerung des Wertzuwachses von Immobilien vor, während von der Besteuerung des Wertzuwachses bei Wertpapieren abgesehen ist. — Der Kreuzer „Emden" trat am Sonn tag die Ausreise nach Ostasien zur Verstärkung des Äreuzergeschwaders an. Ehe das Schiff im stillen Ozean erscheint, soll es zunächst amerikanische Häfen be suchen und wird sich auch zum 25. Mai in Buenos Aires cinfinden, um die deutsche Flott? gemeinsam mit dem Kreuzer „Bremen" bei der Jahrhundertfeier der argentinischen Unabhängigkeitserklär ung zu vertreten. Die Matrikularbeiträge. Die Matri- kularbeiträge haben anläßlich der letzten Sitzung des Rechnungsausschusses des Bundesrats wieder von sich reden gemacht. Sie existieren seit der Errichtung des Reiches, haben aber an sich sowohl wie in ihrem Verhältnis zu den Ueberweisungssteuern verschiedene Wandlungen durchgemacht, die letzte im neuesten Fi nanzgesetze von 1909. Hier befindet sich die Bestimm mung, daß auch die sogenannte Börsensteuer nicht mehr zu den gegen die Matrikularbeiträge aufzurechnenden Ueberweisungssteuern gehören soll. Demgemäß gilt jetzt nur noch die Branntweinsteuer als Ueberwei- sungssteuer. In den Etat für 1910 ist sie mit 180 Millionen Mark eingesetzt, während die Matrikularbei träge aus 228'/» Millionen Mark normiert sind. Das bedeutet, daß die Einzelstaaten für 1910 etatsmäßig an ungedeckten Matrikularbeiträgen 48,5 Millionen M. zu zahlen haben, ebensoviel wie ihnen durch das letzte Reichsfinanzgesetz für 1909 auferlegt war. Bekannt lich ist für die Finanzperiode bis Ende 1913 in Aus sicht genommen, in jedem weiteren Jahre ebenso zu verfahren. Nun sind aber die von den Einzelstaaten tatsächlich zu zahlenden Matrikularbeiträge insofern schwankender Natur, als ihre Höhe von der wirklichen Einnahme der Ueberweisungssteuer und der Ueber^ schüsse aus dem Ordinarimm des Reichshaushalts ab- häugt Ueberschreitet insbesondere die Branntwein steuer in ihrer tatsächlichen Einnahme den Etatsan- fatz, so würde ohne eine anderwcite Abmachung der Ueberschuß den Einzelstaaten insofern zugute kommen, als sie um diesen Betrag weniger an Matrikularbei trägen zu zahlen hätten. Läge die Dache umgekehrt, so müßten die Einzelstaaten mehr zahlen. Man wird wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß sich die Besprechungen der letzten Tage auch auf diese Punkte bezogen haben. Dem Reichsschatzsetretär muß daran liegen, gerade für die nächsten Jähre, deren Budgets so außerordentlich stark beschwert sein werden, überall da, wo es möglich ist, mit festen, weder nach unten, noch nach oben abweichenden Einnahmesummen zu rech nen. Wird diesem Bestreben Rechnung getragen, dann wird auch der Betrag von 80 Pfg. auf den Kops an Matrikularbeiträgen in jedem Jahre rein heroor- treten Privatbeamtenversicherung. Zur Ent gegennahme ihrer Wünsche hinsichtlich der Ausgestal tung der Privatangestelllenrersicherung, wurden am Sonnabend im Reichstagsgebäude von den Geheimen Ober-Regierungsräten im Reichsamt des Innern Koch und Dr. Beckmann die Vertreter des Allgemeinen Verbandes der aus Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschallsgenossenschaft, Justizrat Prof. Dr. Lrüger und Direktor Jäger, die Vertreter der freien Vereinigung für soziale Versicherung der Privatange stellten unter Führung des Ingenieurs Lüdemann so wie die Vertreter des Verbandes der deutschen Gewerk- vereine unter Führung des Stadtverordneten Gold schmidt empfangen. An den Verhandlungen nahmen auf Wunsch einzelner Beteiligter auch vier Vertreter der Siebener-Kommission des Hauptausschusfes für die Privatangestelllenvevsicherung teil. Alle in Frage kommenden Punkte über die Privatangestelltenversi cherung wurden von allen Seiten eingehend beleuch tet und erörtert. Die Regierungsvertreter nahmen von den geäußerten Ansichten Kenntnis. Ein deutscher Erfolg in der Ostmark. Die Reichstagsersatzwahl in Posen hat dem Deutsch tum einen moralischen Erfolg erfreulichster Art, dem Polentum eine moralische Niederlage von nicht gerin ger Bedeutung eingetragen. Der gemeinsame deut sche Kandidat, Oberbürgermeister Dr. Wilms, hat mit 12579 Stimmen noch 514 Stimmen mehr als bei der Wahl von 1907 erhalten und damit die höchste Stim menzahl auf sich vereinigt, die jemals für einen oeut schen Kandidaten im Posener Wahlkreise abgegeben wurden. Dagegen büßte das Polentum im Vergleich mit der letzten Wahl beinahe volle 3000 Stimmen ein. Das ist ein so beträchtlicher Rückgang, daß er bei dem nationalen Eifer der Polen auf eine ungemein tief greifende Verstimmung der polnischen Wählerschaft schließen läßt. Diese Verstimmung äußert sich des wei teren in der Verdrängung des offiziellen polnischen Kandidaten aus der Stichwähl. Wenn der polnische Demokrat rund 4500 Stimmen mehr erhiolt, als der offizielle polnische Kandidat, so liegt darin für die Par teileitung ein Mißtrauensvotum von kaum zu über bietender Schärfe. Die nur mit Hilfe der polnischen Reichstagsfraktion möglich gewesene Zertrümmerung des Blocks hat auf die polnische Wählerschaft offenbar durchaus nicht den Eindruck gemacht, den die Fraktion selbst und das Zentrum sich davon versprachen. Im Gegenteil scheint die Mitwirkung an der Reichsfinanz reform der polnischen Fraktion von der. polnischen Wählerschaft so übel genommen zu fein, daß ein Teil davon selbst mit dem demokratischen Pobenkandidaten nicht zufrieden war, sondern unmittelbar ins sozial demokratische Lager abschwenkte. Die 864 Stimmen, die der polnische Sozialdemokrat mehr erhielt, als ,,Ge nasse" Bebel im Jahre 1907, stammen sicherlich aus dem polnischen Ljager. Kür die Stichwahl, steht das Polentum vor der Frage, ob es nach polnischen Rück sichten stimmen oder dee Rationalitätsfrage zur ent scheidenden machen soll. Frankreich. — Eine stürmische, regierungsfeindli ch eKundgebun g. Während Ministerpräsident B ri - anh bei, einem Bankett in St. Chamond eine Rede hielt, kam es draußen, wie her Draht berichtet, .zu einer stürmischen, regierungsfeindlichen Kundgebung. Die Fensterscheiben des Festsaales wurden eingeworfen. Briand unterbrach seine Rede, zündete in aller Ruhe eine Zigarette an und wartete das Ende des Tumul tes ab. Die Teilnehmer am Bankett spendeten Briand lauten Beifall. Die Tumultanten wurden von der herbeigerufenen Gendarmerie zurückgedrängt. Verhaf tungen wurden nicht vorgenommen. Eine neue Unter schlagungsasfäre in Toulon. In Toulon erfolgte jetzt auch die Verhaftung des Artilleriehauptmanns Robert wegen begangener Unterschleife auf der Staatswerft und wegen Bestech lichkeit. Diese hat in Toulon um so mehr Aufsehen erregt, als eine Reihe angesehener Geschäftsleute der Stadt in die Affäre verwickelt sind, darunter die Lie feranten Noble und Guerre. Der erstgenannte stellt es in Abrede, für Robert zwei Villen erbaut zu ha ben. Der Auftraggeber war in Wahrheit aber der Schwager des Hauptmanns, namens Etienne. Noble erklärt es auch als unzutreffend, daß er die Bauten zu lächerlich niedrigem Preise ausgelührt habe Spanien. Madrid, 1 l. April. Der heutige Minister r a t hat beschlossen, noch dies? Woche das Dekret der Kammerauflösung zu veröffentlichen. Die Kam merwahlen werden am 8. Mai und die Senatsway len am 22. Mai stattfinden. Das Parlament wird zwi schen dem >2. und 15. Juni einberufen werden. Türkei. Zur Regelung der Kreta frage. Wie