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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 23.12.1900
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-23
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-190012232
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-19001223
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-19001223
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-23
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 23.12.1900
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Sonntag dcn 23. December 1900. Anzeigen-Preis die 6gespaltene Petitzeile 25 H. Neclame» unter dem Redactionsstrich (4 gespalten) 75 vor den Familieunaäi- richte» (6 gespalten) 50 H. Tabellarischer und Ziffernsay entsprechend böher. — Gebühren sür Nachweisungen und Offcrtenannahme 25 (excl. Porto). (Srtra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbrsörderung 60.—, mit Postbrsörderung ^4 70.--. Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittags 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittag- 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abend» 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polj in Leipzig. 94. Jahrgang. I dürfte, vorbanden sein, um sich mit rninöS-liebevoller Gründ- Allü dek Wüllie. I lichkeit in die Wasservorlage zu versenken. Und kommt Vie Tarif- / I Vorlage wirklich erst über» Iabr, wird sie dann noch von dem ^.Svunenwende liegt hinter uns. Wenn der Winter G^fxn PosadowSky vertreten werden können? Vielleicht auch für Monate eme drückende Herrschaft anfzunchten ver- ,st Vorstoß gegen ihn, den Herr Bueck soeben unter mag, fast ein Drittel seine« Rechte» ist unau-genuyt geblieben ein Snmvtom der erschütterten Stellung dieses und damit ist den Unbemittelten unter den Heizmaterial-!Staatssekretärs Wollte aber der Angriff die Er- verbrauchern ein viel größerer Dienst erwiesen worden als durch l schlier««» erst herbeifitbren oder vollenden, so glauben die viertägige RrichSlagsdebatte über Kohlentbeuerung. I wir er seinen Zweck verfehlt habe. ' Denn Lewer bat sich die Natur zur Zabreswende nicht durchweg gnädig tzer Bogen ist diesmal vom Ccntralverband deutscher erwiesen. Die MeereSwellen haben ein schöne» deutsche» Schiff, Industrieller zu straff gespannt worben. Aber mit oder ohne tapfere Ofsiciere und hoffnungsvolle Junger des Scekriegswesen» Grasen Posadowsky: eine Bercinbarung über die künftige in die Tiefe gezogen und in vielen Familien die Weihnacht». Wirlhschaflspvlitik wird zu Stande kommen. Wie au» einer freude in Schmerz und Kummer verkehrt. Leider .st die Er- anderer Stelle mitgetheilten Nachricht aus Königsberg orterung der Frage einer Verschuldung oder Nichtverschuldung hervorgeht, ist G r a f Klinckowström allerdings noch bei dem Unglück der „Gneisenau" vorzeitig, ohne genaue I „nig mit dem Grafen Bülow, aber die Verständigung»- ^rÜer Umstände und darum m nicht taktvoller I oe^suche sind im Ganze, und zwar ohne die extremen Agrarier. Weise ausgenommen worden, und zwar gilt dies von den Daß die Presse der Leitung de» Bundes der Landwirthe Vertheidigern nicht minder, als von denen, die Anklagen I ^her den ostpreußischen Großgrundbesitzer weniger ungehalten erhoben. Em schwacher Trost sind die von allen gesitteten .„an vorauSsetzen durfte, läßt darauf schließen, daß Nationen der unserigen bezeigte «ympathie und Hilfsbereit- „,an auch auf dieser Seite einzusehen beginnt, daß allzu schäft gewesen, von allen Nationen ohne Ausnahme, und wenn I i^arf schartig macht eine einzige und deren angebliche Blutsfreundschaft besonders Der widerwärtige Proceß Sternberg ist durch die hervorgehoben wurde, so entsprach dies nicht dem in I Verurtbeilunq de» Angeklagten zn Zuchthausstrafe beendet Deutschland allaeme.nen Dankesgefuhle Der englische worden. Lebt er selbst nickt noch ein dritte» Mal auf, so wird Admiral Sir John Fisher hat Schiffe cnijandt, als I hoch eine Reihe anderer strafrechtlicher Verfolgungen nach sich die Spanier und Andere zur Rettung und menjchen-1 Hetzen. Noch sind sicher nickt alleVerhaftlingen vorgenoinmen, die freundlichen Verpflegung der «schiffbrüchigen schon gethan, I Gefolge dieses ProcesseS erfolgen werden. Ein Fall hat durch was zu thun möglich gewesen, selbst der hockconservative I versöbnenve Tragik seine endgiltige Lösung gefunden, der des ReichSbote" bedE gesonderte Betonung gerade des Pg,j^j„c,orS v. Meerscheidt-Hiillessem, den der britischen guten Willens und er scheut sogar nicht davor! Dop befreit hat. Während der Achtzehn-Millionen-Mann der zuruck, der Wendung »Blut ist dicker als Wasser die Er- l Bestrafung entgegenging, wurde ein auf einen Besitz von innerung an das brutale Verhalten der „Crathie bei dem I fünfundzwanzig und mehr Millionen geschätzter skrupelloser VA englischen schiffe verschuldeten Untergange der I Geldraffer mit drei Anderen unter schwerem Verdacht in „Elbe entgcgenzusetzen. . »Berlin verhaftet. Dieser neue Criminalfall fordert mnach neuester I unter einem anderen Gesichtspunkte als dem gestern deutsch-offlcleller Völkergenealogie Gott sei Dank nicht mehr l yon „»s hervorgehobenen einen Vergleich mit dem Staminesgenosfen angesehen werben muffen, I Proceß Sternberg heraus. Er wird von der agrarconser- De Wet un«. slejir, khren sich nicht an die ihnen nun auch ! Presse sehr leise behandelt und eS findet sich bei von Deutschland zu Theil gewordenen ,stieutralen Winke. I seiner Erwähnung keine Spur jener VerallgemeinerungSsuckt ^ie fahren vielmehr in unchrlstlicher Hartnäckigkeit fort,! „nd lauten Entriistuna, die den anderen Proceß llnauSgesetz, sich der Erfüllung ->nec englischen Euiturmission zu wider- begleitet haben. Wä^c Sanden, wären d:r Sckmidt, Puch setzen und der durch Herzensgute ausgezeichneten Kon.gm „nd Wassi-Ski Liberale, könnte man sie der Victoria Verdruß zu bereiten. Sie sind wieder im Capland, Börse" an die Rockscköße hängen, welch ein Getöse also auf britischem G-b,cte, iwd habm sich erhoben haben! Aber Sanden ist Kirchen ¬ borte Dreistigkeit begangen, ein GerichtSversahren, da» ihre I ^^^h und gleich ihm haben sich die Anderen als Orlbo» Freunde wegen Hochverraths der gerechten Bestrafung zu-1 hoxe und Konservative ausgezeichnet. Daher die Stille, sichren sollte, durch ungebührlichen Wasfenlarm zu Ulw ^e „Mittelstands" - Organe, namentlich aber die stören. Diese» schmähliche Betragen zeigt auch, zur I n^xarischen, hätten allen Grund, Sanden zu fluchen. Der Mann Genüge, was eö nut der vielgeruhmten Religiosität I ^hört zu den schlimmsten Berliner Bauschwinblern, er Hal sich dieser rohen Bauern auf sich hat. Sie mußten wissen, daß ! für seinen Actien- und Pfandbriefschwindel seine Opfer zumeist in London aus Anlaß der als siegreich gedachte» Heimkchr I unter den kleinen und kleinsten Bauern der Mark, Pommerns ein feierlicher Dankgottesdienst geplant war, und nun gehen I u. s. w. ausgesucht und Schmidt bat ihn „redlich" dabei sie mit Flinten und Kanonen hin und entziehen diesem! unterstützt. In Berlin „zogen" die Herren Sander und frommen Acte den Anlaß. Wenn die gedankenlosen Nach-1 Schmidt nicht, dort soll auch wenig Geld an ihnen verloren treler der alldeutschen Bierbankpolitiker auch jetzt noch nicht l worden sein. Der neueste Fall bietet auch sonst höchst ernst einseben, daß sie sich ihrer Sympathien für diese halbwilden I BetrachtSpuncte, die aber noch nicht reif zur Erörterung sind. Afrikaner zu schämen haben, dann ist ihnen nicht mehr I Bemerkt sei nur noch, daß er, da particularistisch, von den zu helfen. I bayerischen Schimpfhelden, die mit Vorliebe vom „Berliner Bleibt für die Erfolge der englischen Waffen in Afrika I Schwindel" reden, nickt auSgebeutet werden kann. Schmidt noch Einiges zu wünschen übrig, so hat die Diplomatie der I ist Bayer und der Name Puchmüller klingt auch nicht Briten in China auf der ganzen Linie gesiegt. England ist es I „preußisch". gewesen, welches da» in den Papierkorb versenkte „irrevocabls" I wieder hervorgeholt und in die Forderungen der Gesandten I ^u^"zngL"hat^^u^^rcL-tzt""Lß "L Generalfeldmarschall Graf v. Mmenlhal f. Chinesen kund und zu wissen gethan werde, die ver- Der Größten einer aus der großen W-rdezeit des Reiches, bündeten Truppen würden m Peking und in der Provinz Generalfeldmarschall Leonbard Graf v. Blumenthal, ist nun ^sch'l' solange ble.ben bis zene Forderung gestorben. Neunzigjährig ragte er noch in unsere willigt eien. Namentlich diese so überaus überraschende Epjg^^ herein, die zu der unmodern eigenwillig- Verscharfung ist eS, was d,e Situation in einem durchaus I staken, einheitlichen, großen Gestalt mit Bewunderung, "^"..""^^lmt^iinst'^"^'^ mit etwas Staunen, cmporschaute. Seine ob a lle Machte militärisch in Peking vertreten bleiben werden, I Leistungen als Generalstabschef des Kronprinzen in den zwei kann man nicht wissen, und das allerneueste Abkommen ^oßen Kriegen sind Großtbaten und stellen ibn in.die erste ist von dem amerikanijchen Gesandten noch nicht unterschrieben Reihe der neuzeitlichen Feldherren. Was er als treibende worden. Er hofft aber daß er eS wird unterzeichnen dürfen, dem ganzen deutschen Baterlande im letzten Feldzuge und w,r hoffen -S mtt,hm. Warum sollt« sich d,e Regierung gegeben, waS für Verzögerungen er paralysirt oder wett- ^se^> "E'"'llung aussckließen, die über I gemacht, von wie großen Gesichtspunkten er den Muth zeit alle Bethe.ligten den Ruhm unerschütterlicher Festigkeit auS-! meiligerNücksichtslosigkeit fand,wie er auSMilde barsch sein konnte, gießt? Zwar die Forderung der Todesstrafe für die k Alles ist bekannt, Viele« erst aus jüngerer Zeit, Hauptschuldigen haben d,e Geem.gten fallen lassen allerdings nicht Vielen. Aber die merkwürdige Er- und da ür die „schwersten Strafen" verlangt. Diese I Meinung, daß wahre Größe intuitiv auch auf die Waffen irrevocable Aenderung ,st aber unverkennbar auchi wirkt und keiner Commentare bedarf, hat auch dem Grafen eine Verschärfung und sie ist zugleich ein sinniges kleines Blumenthal, der doch nie eine Armee bat wirklich führen Compliment für Deutschland deffen großer Dichter ,a gesagt I dürfen, seinen lebendigen Nachruhm gesichert, der in Frisch hat: „Das Leben ist der Gitter höchstes nickt". So fallt „och viele Geschlechter überdauern möge. »7 Wenn der Reichstag in.Ferien jst, wird über den vorher I Leonhard Graf von Blumenthal, preußischer Genrralfeld- gezeigten Unfleiß der Abgeordneten rasonnirt; das wiederbolt I marschall, geb. 30. Juli 1810 zu Schwedt an der Oder, wurde im sich alle Jahre zu Weihnachten, .Ostern und Pfingsten. Aber I CadrttencorpS erzogen, trat 1827 al» Osslcler in da» Garderrserve« eS bleibt immer Alles beim Alten. Und so wird eS die I (jetzige Garde-Füsilie») Regiment und besuchte 1830—33 die All- Herren Mandat«inhaber nicht einmal rühren, daß ein Blatt I gemeine Kriegsschule zn Berlin. Nachdem Blumenthal hieraus diesmal feststellt, ein Reichstag habe in dem verflossenen 1837-45 Adjutant de» Koblenzer Garde-Landwehrbataillon« ge- SitzungSabschn.tt gar nicht-x.st.rt ^D.e vorgeschlagen-Abhilfe- „esen «nb inzwischen 1844 zum Premierleu.nant befördert worden Maßnahmen sind aüch imnter dieselben: Tage- oder Anwesen-1 .... ° -r- « b-it-gelder, Anschaffung eines gedruckten Prangers für die ,846 nn. Berufung Lässigen, Minderung der EommissionSarbeit rc. DaS wird 3" den folgenden Jahren zu gründlichem Studium der technischen All-S Nickt» helfen» so lange nicht wieder ein großer Zug und I Waffen aus je 3 Monate zur Dienstleistung bei der Gardeartilleri,- eine gesunde principielle Gegensätzlichkeit durch unsere I brigade und der Gardepionirrabtheilung commandirt, nahm Blumen innere Politik gebt. Im nächsten Januar soll da», die I ihal 18. März 1848 beim Füsilirrbataillon de» 31. Regiments am Frequenz deS Reichstag» in der Regel nicht beeinträchtigende, I Straßenkampfe in Berlin Theil. Kurz darauf wurde er zum Nebeneinander von R-ichStgy.und prenßischem Abgeordneten-1 Großen Generalstabe commandirt und 1. Januar 1849 al« Haupt- hauS eine Woche früher beginnen, al« sonst üblich, und von in den Beneralstab dtt Armee versetzt. Im Stabe deS da ab w,rd wohl auch w,-der d.e preuß,sch. von Bonin wohnte » 1849 dem Feldzug- in Schleswig 'm Vorläufig loben wer un« den rheinischen Conservativen v. Pleiten-1 sckleSwig-hoUteiniichen Armee ernannt. Nach dem Kriege war berg-Mehrum, der da« letzte Mal sich der Abstimmung fern-1 " ^^0 der mobilen Division Dietzen in Kurhessen beigegeben. In- gehalten und soeben erklärt hat, daß er anch jetzt noch nickt I zwischen zum Oberstleutnant befördert, wurde er 1858 zum persön- mit stch im Reinen über den Canal sei! Kommt die Taris-1 lichen Adjutanten d»S Prinzen Friedrich Karl ernannt und befehligte vor tag 4 »icht, s» Wird «eh, Zeit, al« Mauchs» lieb sein I al» Oberst dni Jahr« lang da« 71. Infanterie-Regiment. Nachdem Blumenthal hierauf etwa eia Jahr Chef de- Stabes beim 3. Armee- corps gewesen war, wurde er am 15. December 1863 zum Ches Les Generatstabes des combinirten mobilen Nrmeccorps gegen Dänemark ernannt und hatte alS solcher enifchelbenden Antheil am Sturme auf die Düppeler Schanzen und am Uebergange nach Alse». Jin Juni 1864 wurde er zum Generalmajor befördert und übernahm im November desselben JahreS da» Lommando der 7., dann im April 1865 dos der 30. Jnsanteriebrigadr. Beim AuSbruche des Krieges gegen Oesterreich 1866 wurde er Chef des Generatstabes der zweiten Armee unter dem Kronprinzen von Preußen. In dieser Stellung zeichnete er sich hervorragend au«, insbesondere 3. Juli (Königgrätz), sowie bei Anordnung der B-efolgungsmärsche und Operationell zwischen Olmütz und Wien. Im October 1866 erhielt er das Commando der 14. Division in Düssel dorf und das Patent als Generalleutnant. Im deutsch, französischen Kriege von 1870 und 1871 war er wieder Ckef deS Generalstabes bei der Armee des Kronprinzen von Preußen. Er rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen so glänzend, daß er in wichtigen Fragen auch von der oberen Heeresleitung mit zur Berathung gezogen wurde, so bei Gelegenheit der berühmten Operation, die zur Katastrophe bei Sedan führte, sowie bei Vor bereitung zur Einschließung von Paris und den später zur Deckung der Belagerung gegen die Loirearmee getroffenen Anordnungen (von der Tann, Großherzog von Mecklenburg). Nach dem Frieden wurde Blumenthal durch eine Dotation belohnt, zum commandirende» General des 4. ArmeecorpS und 22. März 1873 zum General der Infanterie ernannt. Blumenthal ist vielfach mit militärischen Auf trägen in das Ausland und namentlich nach England gesandl worden. 1883 begleitete er den Kronprinzen von Preußen nach Spanien und wurde in den erblichen Grafenstand erhoben. Von Kaiser Friedrich wurde er 12. März 1888 zum Generalfeldmarschall und bald darauf zum Inspekteur der 4. Armreinspection und Ches Les reitenden Feldjägercorps ernannt. Blumenthal ist auch Chef des preußischen Infanterie-Regiment- Nr. 36. 1892 erhielt er die 3. Armceinspection (mit dem Standort Berlin), die er bis 1898 ir.nehatte. * Dessau, 2?. D-cember. (Tel.) Die Sticke des Feld- ./ilrschallü chr-ufen Blumenthal wird morgen Nach nittag nach Dessau und von da nach Berlin über geführt. In Berlin wird eine Trauerfeier abgehaltrn. Die Beisetzung soll auf dem Stammgute Krampser bei Per le berg erfolgen. Die Wirren in China. Ter Sultan und Sic chinesischen MoSlim«. Um das Jahr 1200, also etwa im Jahre 600 nach der mo- hameoanischen Zeitrechnung, wurde die Zahl der Bekenner des Propheten in China nur Mf einige Hunderttausende geschätzt. Bis zu dieser Zeit waren die in China wohnenden Mohameoancr von Arabien gekommen; sie hatten, ohne in der dringenden Art christlicher Missionare, Seelen zu sangen, allmählich und lang sam an Zahl zugenommen und erfreuten sich vollkommener Dul dung im Reiche der Mitte. Der gewaltige Aufschwung des Islam in China begann erst mit dem Auflauchen des großen weltgeschichtlichen mongolischen Sternes Dshengischan. Dieser kraftvolle Mann, der Asiens Geschick für lange Zeit die Richtung gab, bahnte die Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten Asiens an; auch die Theilfürsten der nach dem Zerfall seines Reiches entstandenen Herrschaften bleiben in Verkehr mit dem Osten. Es war ein beständiges Kommen und Gehen zwischen den Hauptstädten des großen Mongolenreiches, sagt Martin Hartmann in seiner Studie „China und der Islam", und nicht nur Naturprodukte und Maaren tauschte man aus, sondern auch Gelehrte und Kunsthandwerker. So traten die beiden Culturkreife, der buddhistisch-chinesische und der islamisch persische, in enge Beziehungen. Zu den in Samarkand durch Tamerlan und sein« Nachfolger ausgeführten Prachtbauten wurden neben Künstlern der ganzen islamitischen Welt auch Kunsthandwerker aus China verwandt. Mehr alber, als der Osten dem Westen gab, gab dieser jenem. Persische Einflüsse in Kunst und Literatur machten sich in China bemerkbar, und noch heute ist das Persische und auch das Ara- dische den chinesischen Moslims wohlbekannt. Seit dem grauen Mittelalter bis in die neueste Zeit werden in China religiöse Bücher des Islam in arabischer Sprach« gedruckt, wenngleich die Herstellung und der Verkauf nicht öffentlich geschehen. Dir Ver ehrung des Alten, des Hergebrachten, theilt der chinesische Musel man mit feinen andersgläubigen Landsleuten. Obgleich die Muselmanen in China in vielen Beziehungen rin Sonderdasein führen, hat sich im Laufe der Zeit die feste Verbindung mit ihren westlichen Glaubensgenosien sehr gelockert. Von den schiitischen Persern völlig getrennt, blieben sie durch die Mongolei über Kaschgar und Darkand mit den Sunniten Turkestans in Be ziehungen. In Konstantinopel 'sind Besuche bedeutender chine sischer Mohamedaner große Seltenheiten gewesen. M. Hart mann erwähnt nur 1845 dcn Besuch von Mafutschu und 1894 den von Suleiman Effendi. Es liegt nicht außerhalb des Be- reiches der Möglichkeit, die Verbindung zwischen vem Stambuler Khalifat und d«n Sunniten Chinas fester zu gestalten, namentlich sobald eine innerasiatischc Eisenbahn den Verkehr zwischen dem Westen Asiens und den vorwiegend mohamevanischen Provinzen «Chinas erleichtern wird. An Versuchen des Sultans hatte es bisher gefehlt. Die Gerüchte, die die .iband des Sultans in dem Aufstand« der Mohamedaner gegen die Ruffen in Andidshan 1898 gespürt haben wollten, sind in den damaligen Verhand lungen des russischen Kriegsgerichts unerwiesen geblieben, ja al» grundlos erwiesen worden. Die „Pol. Corr." laßt sich nun aus Konstantinopel über einen Versuch deS Sultan-, sich als Khalifen den Moslims ThinaS in Erinnerung zu bringen, unter Anderem melden: „Der Ursprung des Gedankens, eine au» zwei Ulema» und zwei Civilbeamitn zusammenzusetzende Abordnung nach dem Reiche der Mitte zu schicken, ist nicht auf der Pforte, sondern im Ailvis Kiosk zu suchen. Obgleich die Türkei in der chinesischen Frage keinerlei Rolle spielt, möchte der Sultan diese Angelegen heit doch nicht al« eine seinem politischen Wirkungsbereich fern- uege.id« ansehen. Er hat vielmehr in Unterredungen mit den «stschaftern »er Ekoßmiicht. sehr häufig den »erlauf tzn Er eignisse in China besprochen. Sein Interesse für diesen Gegen stand verdichtete sich sogar, wie erinnerlich, zu der Absicht, ein türkische Truppenabtheilung behufs Mitwirkung mit den Streit kräften der Mächte nach China zu entsenden, von welchem Plan: er jedoch durch Einwendungen von diplomatischer Seite ab gebracht wurde. Dec eingangs erwähnte Plan, den der Sultan mit dem russischen und dem italienischen Botschafter, den Herren Sinrwjew und Pansa, besprochen hat, ist offenbar nur eine neue Form des Wunsches, beider Lösung der chinesischen Frage irgendwie mitzu wirken. In den diploma tischen Kreisen überwiegt die Ansicht, daß die Ausführung des unerwarteten Planes, eine türkische Mission nach China zu ent senden, der Erreichung des von den Mächten in Ostasien der folgten Zieles in keiner Weise förderlich, ja, wahrscheinlich so gar nachtheilig wäre. Der russische Botschafter, Herr Sinowjew, hat denn auch die mehrerwähnte Absicht für unzweckmäßig er klärt, während man von anderer Seite dem Sultan gegentheilige Nathschläge eriheilt haben soll. Es heißt, daß auch in den leitenden türkischen Kreisen selbst der neue Plan keineswegs ein müthige Zustimmung findet. 8LL. Karlsruhe, 21. December. Eine sinnige Weihnacht»- sreude wird dieier Tage, wie wir vernehmen, auf Bcranlaffuvg der Großherzogin unseren mackeren badische» Landsleuten zu Theil werden, die als Angehörige der verschiedenen Truppenteile des ostasiatischen Expeditionskorps derzeit im fernen China für Deutschlands Evre kämpien. Die Großherzogin hat nämlich schon vor mehrere» Wochen durch Vermittelung der Bremer Hauptsammel stelle für Liebesgaben nach China in mehrere» Kisten verpackt eine Sendung abgehen lassen, welche für Oificiere und Mannschaften je einen hübsch ausgesiatteten, in Leder gebundenen Taschen kalender für da- neue Jahr, mit dem Bildniß Sr. königl. Hoheit des Großherzogs geschmückt, und mehrere Dutzend der welt bekannte» Freiburger Breyelcken enthält. Die Sendung ist gerichtet an Len Commandeur Les 4. Ostasiatifchen Jnsanterie-RegimentS. Oberst Hoffmeister, mit dem Ersuchen, für die Verthrilung des Allerhöchsten Weihnachtsgrußes aus der Heimath unter die badischen Landsleute besorgt zu jein. * Berlin, 22. December. (Tel.) Wie der Chef des Kreuzergeschwaders telegraphirt, hat der Dampfer „Frank furt" am 19. d. M. von Tsingtau aus mit einem zweiten Transport von abgelösten Marine mannschaften die Heimreise angetreten. Der Trans port setzt sich zusammen aus 7 Unterofficieren unv 52 Mann der ersten Matrosendioision, 15 Unterofficieren und 75 Mann der zweiten Matrosendivision, 4 Deciofficieren, 17 Unteroffi cieren und 10 Mann der ersten Werftdivision, 2 Teäosficieren, 18 Unterofficieren und 15 Mann der zweiten Werftdivision, 4 Mann der ersten Torpedo-Abtheilung, 1 Unterofficier und 3 Mann der zweiten Torpedo-Abtheilung. Dem Transport sind angeschlosscn Oberleutnant zur See Kühlenthal als Transport führer und Marineingenieur Kruse, die Beide krank sind, 15 Scesoldaten und 1 Matrosenartillerist. In Hongkong treten noch hinzu 2 Zahlmeister und 2 Feuermeistermaate der zweiten Werftblvision. In Summa sind es 245 Köpfe. Die Namen werden später bekannt gegeben. Die beiinkehrenden Mann schaften waren mit wenigen Ausnahmen bereits für die Heim kehr im Juni vorgesehen, haben sich aber freiwillig dazu ge neidet, dort zu bleiben, und haben bei sehr guter Disciplin und unter schwierigen Verhältnissen Vorzügliches geleistet. Es be finden sich darunter viele Decorirte. * New Pork, 22. December. (Tel.) Eine hier eingeiroffene Depesche aus Peking vom 21. d. Mis. melvet: Man hegte ernste Besorgnisse über den G c s u n d he i t s z u sta n o von Li - Hnng - Tschang, -der sich jedoch, wie verlautet, heute besser befinden soll. * London, 22. December. (Tel.) Die „Times" ver öffentlicht die aus Peking unter dem 20. December telegra phirte gemeinsame Note der Gesandten der Mächte. Die Note beginnt mit einer längeren Einleitung, in der die neuerlichen Unthaten als in der Geschichte der Menschheit unerhörte Verbrechen und als Ver brechen gegen das Völkerrecht bezeichnet werden, und zählt die hauptsächlichsten dieser Verbrechen auf. Die E r mordung des Gesandten Frhr. v. Ketteler durck den regulären Befehlen eines commandirenden Officiers ge horchende Soldaten, die Belagerung der Gesandt schaften durch Boxer und kaiserliche Soldaten unter Befehlen, die sie vom Hofe erhalten haben. Die Note beschuldigt die chinesische Regierung des Verraths, da sie durch ihre Vertreter im Auslände erklärt habe, sie beschütze die Gesandtschaften, während sie sie thatsächlich habe belagern lassen, und erhebt Anklagen wegen der Ermordung des japanischen Kanzlers Sugiyama durch kaiserliche Sol daien, wegen FolterungundErmordungvonAus ländernin Peking und in vielen Provinzen, wegen der E n t- weihung von Friedhöfen der Ausländer und Schändung der Leichen durch Boxer und kaiserliche Soldaten. Gezwungen, nach Peking zu marschiren und chinesische Streitkräfte zu besiegen, sind die verbündeten Mächte bereit, der Bitte Chinas um Frieden unter nachstehenden, u n- widerruflichen Bedingungen, die als unerläßlich für die Sühnung der begangenen Verbrechen und zur Verhinde rung einer Wiederholung erachtet worden find, stattzugeben: 1) Ein chinesischer Prinz soll nach Berlin ge sandt werden und dort dem Bedauern des Kaisers über die Ermordung des Gesandten Frhr. v. Ketteler Ausdruck geben. Ferner soll an der Stelle, wo der Mord geschehen ist, ein Denkmal errichtet werden, das in lateinischer, deutscher und chinesischer Sprach« das Bedauern des Kaisers über den Mord ausspricht. 2) Die aller strengste Strafe soll, entsprechend den begangenen Verbrechen, den in dem kaiserlichen Decrrt vom 21. September bezeichneten Persönlichkeiten auferlegt werden. (Ihre Namen werden nicht genannt. Es sind die Prinzen Tuan und Tschwang, zwei andere Prinzen, der Herzog Lan, Tschao-schu-tschiao, Jangyi, Jinghien und eine Anzahl anderer Personen, die die Gesandten noch bezeichnen werden.) Die Staat» Prüfungen sollen in Städten, wo Fremde ermordet oder grausam behandelt worden sind, fünf Jahre lang unterbleiben. 3) Japan soll für die Ermordung seines Kanz lers Sugiyama eine gebührende Genugthuung erhalten. 4) Tuhnstzenkmill«« sollen auf allen Kirchhofen
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