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Großenhainer Unterhaltungs- & Anzeigeblatt : 27.09.1884
- Erscheinungsdatum
- 1884-09-27
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id38343789X-188409274
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id38343789X-18840927
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-38343789X-18840927
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Großenhainer Unterhaltungs- & Anzeigeblatt
-
Jahr
1884
-
Monat
1884-09
- Tag 1884-09-27
-
Monat
1884-09
-
Jahr
1884
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Nr. 11L. Großenhainer Unterhaltung-» und Anzeiaeblatt. Sette L. welchem dem Beschauer das von der Hand des Professors Braun (München) hergestellte großartige Gemälde des ,,v. Bredow'schen Todesrittes" aus der Schlacht bei Mars la Tour vor Augen geführt wird. In einem Gehöft der Sidonienstraße zu Leipzig geriethen am Montag Abend ein Glasergeselle und ein Schornstein fegerlehrling feindlich aneinander, wobei ersterer eine Latte ergriff und damit den Lehrling auf den Kopf schlug. Der Getroffene wurde schwer verwundet und mußte nach dem Krankenhause gebracht werden, während man den Glaser gesellen nach dem Polizeiamte abführte. Die von der Stadt Zschopau aufzunehmende Anleihe von 400,000 M. wird nach den neuesten Beschlüssen der städtischen Collegien beim Reichsinvalidenfonds ausgenom men werden. Im Kloster Marienthal bei Ostritz fand am Dienstag, wie dem „Dr. A." aus Bautzen gemeldet wird, eine Ein kleidung von vier Jungfrauen statt, und zwar von Rosa Gotthardt aus Hainspach i. B., Toni Fabian aus Warns dorf i. B., Marie Saring aus Schirgiswalde und Anna Schiller aus Ostritz. Die Mädchen weilen bereits seit einem Jahre im Kloster, während welcher Zeit sie von einer Novizmeisterin Unterricht genossen und sich für ihren oft schweren Beruf vorbereitet haben. Am Dienstag erschienen dieselben nochmals im weltlichen Brautstaate, welchen sie am Altäre mit dem weißen Talar vertauschten, um nun dem Kloster zunächst auf zwei Jahre als Novizen anzugehören. Nach Ablauf dieses Zeitraumes erfolgt der Profeß, der Tag, an welchem sie sich erst eigentlich fürs Klosterleben binden. Ein im vorigen Jahre in Zwönitz verübter Gelddiebstahl, bei welchem zwei 50- und zwei 100-Markscheine, sowie eine Ledertasche gestohlen wurden, fand neulich dadurch seine sonderbare Erledigung, daß der Verlustträger bei einer Re paratur des Daches die fraglichen zwei 100-Markscheine nebst der Tasche auf dem Hausboden versteckt vorfand. Jedenfalls hat der betreffende Dieb nicht wieder Gelegen heit gehabt, das gestohlene Gut aus seinem Versteck zu holen; mit den beiden 50-Markscheinen, welche überhaupt früher gestohlen wurden, ist er dagegen davongekommen. Am Montag Abend wurde ein 18 jähriges Märchen in unmittelbarer Nähe der Kästner'schen Fabrik zu Schlettau durch Messerstiche am Hinterkopfe gefährlich verwundet. Der That hat sich ein junger Mensch von dort, welcher flüchtig geworden ist, schuldig gemacht; man vermuthet, daß Eifer sucht das Motiv der That war. Im Grüneberg'schen Steindrucke zu Rosenthal bei Oschatz, in welchem die für die Bauten an der Döbeln- Oschatzer Secunvärbahn erforderlichen Bruchsteine gewonnen werden, sind am 23. Septbr. durch unvermuthet herab- stürzenve Steinmassen zwei Arbeiter nicht unbedeutend ver letzt, ein dritter aber sofort getödtet worden. Eine Witwe und fünf Kinder verlieren in dem Getöoteten, der Herrmann hieß und in Saalhausen wohnhaft war, ihren Ernährer. Auch die neue Secundärbahn Döbeln-Mügeln, welche seit dem 15. Septbr. für den Rübentransport in Betrieb gesetzt ist, hat bereits eine Betriebsstörung zu erleiden ge habt, und zwar wurde diese, wie schon von anderwärts mehrfach berichtet, ebenfalls durch eine Unmasse Raupen hervorgerufen. In der Nähe von Tronitz war am Mon tag infolge dessen ein Zug festgefahren und konnte erst von der Stelle gebracht werden, nachdem der in der Nähe be schäftigte Sohn eines Tronitzer Einwohners schnell Sand herbeigebracht uns auf die Schienen gestreut hatte. Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser hat die Anstrengungen der Manöver glücklich überstanden und wird nun, nachdem auch die festlichen Tage in Münster und Köln vorübergegangen sind, auf ärztlichen Rath einen Monat hindurch im Großherzogthum Baden, zumeist in Baden- Baden, verweilen. Ueber die Manöver des VII. und VIII. Armeecorps hat sich der Kaiser, wie mit Bestimmt heit verlautet, mit überaus großer Befriedigung geäußert. Die amtlichen Erhebungen in Bezug auf die Collision des Bremer Dampfers „Hohenstaufen" mit der Glatt- deckscorvette „Sophie" sind gegenwärtig beendet. Es sind dabei ca. 80 Zeugen vernommen worden und ist das Er- gebniß ein derart günstiges für Corvetlencapilän Stuben rauch gewesen, daß die Admiralität davon Abstand genommen hat, Capitän Stubenrauch vor ein Kriegsgericht zu stellen. Dagegen ist der Norddeutsche Lloyd aufgcfordert worden, die Ersatzpflicht des der „Sophie" durch den „Hohen staufen" zugefügten Schadens anzuerkennen. Im Weigerungs fälle werde die Admiralität gegen den Norddeutschen Lloyd auf civilgerichtlichem Wege vorgehen. Wie man sagt, wird der Schaden auf 70,000 Mark angeschlagen. Der Termin der seeamtlichen Untersuchung ist noch nicht angesetzt und die Anberaumung hängt von der Einsendung der betreffenden Aussagen der an der Eollision Betheiligten ab. Aus Berlin theilt man dem „Dr. A." Folgendes mit: Die Ausweisung nicht preußischer Unterthanen, welche das Jndigenat noch nicht erworben, aus dem preußischen Staats gebiete, welche in der letzten Zeit in der Presse vielfach zur Besprechung Veranlassung gegeben haben, dürfte sich in nächster Zeit nicht blos ans Berlin beschränken, sondern auch auf die Provinzen ausdehnen. Der Verwaltungsmodus, welcher in letzterer Zeit von unsern Behörden geübt wurde, gestattete den Staatsangehörigen anderer Staaten, sobald sie in ihrer Heimath mit den Gesetzen brouillirt waren, ungehindert in Preußen Aufenthalt zu nehmen und von hier aus in ziemlicher Sicherheit ihre bisherigen Agitationen fortzubetreiben. Daß dies mit der Zeit auch für unsere preußischen Verhältnisse von nachtheiliger Wirkung sein mußte, war schließlich wohl vorauszusehen, und so hat sich denn in verschiedenen Theilen des Staates aus derartigen Elementen eine Propaganda gebildet, der schließlich Einhalt geboten werden muß. Dies kann aber nur am wirksamsten durch die rückbaltlose Entfernung aller derjenigen Elemente geschehen, welche die Ursache zu diesen die staatliche Existenz gefährdenden Agitationen bilden. Es wird deshalb auch demnächst in dieser Weise von verschiedenen Polizeiverwal tungen gegen die betreffenden Personen vorgegangen werden. Nichts ist den Polen der Provinzen Posen und West preußen so verhaßt, als die im Jahre 1873 erlassenen Ober präsidialverordnungen über den Sprachunterricht in den von den Kindern polnischer Zunge besuchten Volksschulen. Gegen wärtig werden von den polnischen Geistlichen, Gutsbesitzern und überhaupt polnischen Führern in Posen und West preußen sowohl als auch in Oberschlesien Unterschriften zu einer Petition gesammelt, in welcher nach Schilderung der gegenwärtigen Schulverhältnisse in den östlichen Provinzen folgende Forderungen gestellt werden: 1) Zurückgabe der Schulaufsicht an die Geistlichen, namentlich soweit es sich um den Religionsunterricht handelt; 2) Wiedereinführung der früheren Anzahl der Neligionsstunden; 3) Wiederein führung der polnischen Sprache als Unterrichtssprache für alle Kinder polnischer Zunge; 4) Beginn des deutschen Lese- und Schreibunterrichts bei polnischen Kindern erst dann, wenn dieselben sicher polnisch lesen und schreiben gelernt haben. Es ist wohl kein Zweifel, daß sich Negie rung und Abgeordnetenhaus niemals dazu verstehen werden, diese Forderungen als berechtigte anzuerkennen und zu er füllen. Oesterreich. Im niederösterreichischeu Landtage bean tragte am Dienstag der Abg. Weitlof nebst Genossen, die Negierung sei aufzufordern, unverzüglich die nöthigen Ein leitungen wegen Herstellung eines Donau-Oder-Canals zu treffen, und der Landesausschuß sei zu beauftragen, über die Frage der Ausführung des Donau-Elbe-Canals, über die Reihenfolge dieser Ausführungen, über die Beschaffung der hierzu erforderlichen Geldmittel, insbesondere über eine etwaige Beitragsleistung Niederösterreichs im Einvernehmen mit den Landesausschüssen Mährens und Schlesiens, be ziehentlich Böhmens, sowie mit der Gemeindevertretnng Wiens schleunigst Erhebungen und Berathungen zu pflegen und in nächster Session Anträge hierüber zu stellen. Italien. Infolge des Berichts, welchen der italienische Gesandte in Bern an den Minister des Aeußern gerichtet hat, wurde der italienische Consul in Lugano, Grecchi, aufgefordert, seine Entlassung einzureichen. Frankreich. Der französisch-chinesische Conflict ver harrt noch immer in dem Stadium der „Versumpfung", in welches er seit einiger Zeit getreten ist, und namentlich liegt über neuerliche Operationen des Admirals Courbet nicht das Geringste vor. Vielleicht ist aber die Nachricht, daß die chinesische Regierung den Vicekönig von Canton, Li-Hung-Tschang, welcher als Anhänger der Friedenspartei am Pekinger Hofe gilt, wieder in alle seine Aemter einge setzt hat, nicht ohne Bedeutung nnd wohl als ein Symptom dafür aufzufassen, daß in den chinesischen RegieruugSkreisen eine friedlichere Strömung sich bemerklich macht. Die Stille in den Nachrichten aus China läßt um so mehr die Mit- theilungeu hervortreten, welche über eine große, in Lyon ausgebrechene geschäftliche Krisis einlaufen. Ueber 25,000 Arbeiter sollen in dieser Stadt brodloS sein, und da die Wahrscheinlichkeit nahe liegt, daß socialistische Agitatoren dieses unleugbare Elend der Arbeiter für ihre Zwecke aus nützen werden, so ist man in den Pariser Negierungskreisen nicht ohne Besorgniß wegen der Lyoner Krisis. Der Polizeipräfect hat die projectirte Ausstellung von Säuglingen in Paris untersagt auf Grund eines Gutachtens des Medicinalcomites, welches es für bedenklich erklärte, die kleinen Kinder aus der Provinz kommen zu lassen und in Paris längere Zeit in einem geschlossenen Raume bei einander zu halten. Rußland. Im Flecken Nowno des Saratowschen Gouvernements ist es gelegentlich des Jahrmarktes am 14. Septbr. zu einem großen und klungen Zusammenstöße zwischen deutschen Colonisten und russischen Bauern gekom men. Ein Landgendarm wurde erschlagen, und außerdem zählt man etwa 10 Todte und 30 Schwerverwundete. Die Schlägerei würde vermuthlich noch eine größere Ausdehnung angenommen haben, wenn nicht Plötzlich Feuer entstanden wäre und beide Parteien gezwungen hätte, zu löschen. Weil eine Anzahl Studenten zur Feier des Univetsitäts- Jubiläums in Kiew nicht zugelassen wurde, entstanden am Sonntag zwischen dem Rector und den Studenten Miß- helligkeiteu, welche schließlich zu Excessen Anlaß gaben. Am Dienstag wurde nun durch Anschlag in der Universität be kannt gemacht, daß Zusammenrottungen untersagt seien und daß eventuell an solchen theilnehmende Studenten sofort rele- girt werden würden. Ein weitere Bekanntmachung besagt, daß die Vorlesungen auf der Universität nicht vor dem 27. septbr. begönnen und daß bis dahin den Studenten der Zutritt zur Universität nicht gestattet sei. Aus dem Gouvernement Jaroslaw werden wiederum Agrarverbrechen gemeldet. Im Kreise PoschechonSk wurde ein Pachtbauer, weil er vom Gutsherrn Laud gepachtet uud bearbeitet hatte, von Bauern der benachbarten fünf Dörfer beim Einbringen der Ernte überfallen. Man nahm ihm die Pferde weg und prügelte sein Gesinde; dem Bauer gelang es, zu entkommen. Da 150 Bauern das Pachtfelv besetzt halten, dürste die Ordnung ohne militärische Ein mischung kaum herzustellen sein. Egypten. Der russische Generalconsul in Kairo ist von seiner Negierung angewiesen worden, sich dem Proteste der Vertreter der anderen Mächte gegen die Suspendirung der Amortisirung der öffentlichen Schuld anzuschließen. „Reuter's Office" meldet aus Wadihalfa vom 23. d.: Ein in Ambukol eingetroffener Bote des Generals Gordon berichtet, daß mehrere der Heereshaufen, Welchs sich zur Belagerung Chartums vereinigt hätten, abgezogen seien, und daß die Verproviantirung der Stadt ohne alle Schwie rigkeiten vom Süden her erfolge. General Gordon habe vier Dampfer abgeschickt, um der Garnison von Sennaar Hilfe zu bringen; nach der Nückkehr dieser Dampfer werde Gordon eine Expedition nach Berber abgehen lassen, welche der von Kairo kommenden englischen Expedition die Hand bieten solle. Neueste Nachrichten. Köln, 25. September. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind heute Vormittag hier eingetrosfen und haben unter dem Geläute der Glocken unv unendlichem Jubel der massenhaft herbeigeströmten Bevölkerung in off nem Wagen die Rundfahrt durch die neuangelegten Stadt theile angetreten. Die Stadt ist bis in die kleinsten Straßen aufs Festlichste geschmückt, der Jubel der Bevölkerung überall, wo die Majestäten erschienen, unbeschreiblich. Alle Geschäfte sind geschloffen. Der Empfang ist so glänzend, wie ihn Köln nie gesehen. Brüssel, 25. September. Die liberale Association er ließ folgenden, von sämmtlichen Mitgliedern des ComitvS unterzeichneten Aufruf: „Das verkündete Schulgesetz muß respectirt werde«. Wir werden damit den Katholiken be weisen, daß wir die factiöse Opposition nicht uachahmen wollen, die sie bei der Verkündung des Gesetzes von 1879 gemacht, weisen mit Entrüstnng jede Gemeinschaft mit den Personen zurück, welche die herrschende Aufregung benutzen, um unter dem Rufe: Es lebe die Republik! die Grund lagen unserer nationalen Institutionen anzugreifen und weisen ferner zurück die verleumderischen Behauptungen der katho lischen Presse, welche für derartige Vorkommnisse die libe rale Partei verantwortlich macht. — Bei den zur republikanischen Liga gehörigen Per sonen wurde im Laufe des heutigen Tages mit der Vor nahme von Haussuchungen fortgefahren. Das „Echo du Parlament" behauptet, es seien dabei Waffen nnv Muni tion, sowie anarchistische Schriftstücke gefunden worden, auch will dasselbe von der Eutveckung eines gegen die Sicherheit des Staates gerichteten Complottes und von vor- genommenen Verhaftungen wissen. Bukarest, 25. September. Der König und die Kö nigin verließen heute Sinaja, um dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Ocsterreich, welche zu mehrtägigem Besuche hier eintreffen, eutgegenzufahren. Caleutta, 25. September. In dem Gefängnisse in Mandalay, der Hauptstadt von Birma, hat eine Empörung der Strafgefangenen stattgefuuden, die nur mit Blühe und unter Anwendung von Waffengewalt unterdrückt werden konnte. Wie es heißt, wären dabei mehrere hundert Straf gefangene getödtet worden. Vachnchlm aus 81M und Umgegend. —9-. Großenhain, 25. Septbr. Nachdem die zum 7. Wahl kreise gehörigen Städte Meißen, Lommatzsch und Riesa mit von den Deutschsreisinnigen veranstalteten Wähler-Ver sammlungen bedacht gewesen waren, kam gestern die Reihe an die hiesige Stadt. Im Gasthose zur goldenen Krone fand eine solche Versammlung statt, die von etwa 500 Personen be sucht war und in der sich dieselben Redner unterstützten und be- kämpsten, die in den Versammlungen der anderen Städte neben und gegen einander gestanden hatten. Es waren dies von deutschfreisinniger Seite die Herren Ur. Robert aus Meißen, der zugleich die Versammlung leitete, und 1>r. Schumann« aus Dresden, der sich als Eandidat für die bevorstehende Reichs tagswahl vorstellte. Ihnen gegenüber stand von soeialdemo- kratischer Seite Herr Cigarrenarbeiter Kaden aus Dresden, der für den erkrankten Candidaten dieser Partei, Herrn Cigarren- sabrikant Geyer hier, in den Redekampf eintrat. Da von con- servativer Seite es vorgezogen wurde, sich an einer Debatte nicht zu betheiligen, so bewegten sich auch die Redner mehr nur in solchen Auslassungen, welche die Stellung der Deutschfrei- sinnigen und der Socialdemokraten zu einander kennzeichneten. — In der nächsten Montag stattsindenden Versammlung des Gewerbe-Vereins wird der bei diesem Vereine durch seine früheren gediegenen Vorträge in bester Erinnerung stehende Schriftsteller .Herr Theodor Herrmann Lange aus Dresden einen Vortrag über Auswanderung, Colonisation und die Noth wendigkeit einer deutschen Colonialpolitik halten, der unter den jetzigen Verhältnisseil umso größeres Interesse bieten wird, als die im Vordergrund stehende Colonisationssrage ein für Viele unbekanntes Gebiet berührt, auf welchem der Vortlage'statte"' sich um so mehr heimlich suhlt und urthenssähig bewegt, als er aus seinen größeren Reisen in Asien, Afrika, Amerika und Australien reiche Erfahrungen gesammelt hat. — 27. Septbr. Auf die morgende Ablieferung der der Stadt bibliothek entlehnten Bücher sei hier mit dem Bemerken auf merksam gemacht, daß in, Unterlassungsfälle die Bücher auf Kosten der Entleiher abgeholt werden. Großenhain, am 25. September. Das Pferd Nr. 117 der 1. Escadron des hiesigen 1. Husaren-Regiments, welches seit gestern umguartiert war, schien von dem Drange beseelt zu sein, auch die weiteren Räumlichkeiten des neuen Gäbisch'schen Quar tiers kennen zu lernen. Als echtes Husarenpferd unternahm dasselbe heute Morgen 6 Uhr eine Recognoseirnng in die erste Etage, zu welcher 21 steil ansteigende steinerne Stuten führen, welches Hindernis; mit größter Schnelligkeit überwunden wurde, Aber alle Bemühungen, das Pferd zum Rückweg über die in zwischen mit Stroh lind Decken gepolsterte Treppe zu veran lassen, waren vergebens, nnd so sahen sich die anwesenden Herren Qberroßarzt Gelbke und Noßarzt Fambach genöthigt, nach einer vorhergegangenen Fesselung die Chlorosormirung desselben auf dem Schlafsaale des Quartiers vorzunehmen, welche vou aus gezeichnetem Erfolge gekrönt wurde. Nachdem das Pferd die Treppe hinabgeschleist und unten mit einigen Eimern kalten Wassers überschüttet worden war, erhielt es sein Bewußtsein wieder und wurde durch die Unterstützung mehrerer Husaren wieder auf eigenen Füßen stehend, wenn auch noch in etwas wankenden. Zustande, in seinen Stall gebracht, wo es sich als bald vollkommen erholte. — 26. Septbr. Der Berlin-Dresdner Schnellzug, welcher die Station Coswig mit vollem Dampfe passirt, ohne anzu halten, hat am Mittwoch Nachts den nach Dresden bestimmt gewesenen und beladenen Möbelwagen des Herrn Spediteur Rötzsch von hier, welcher das betreffende die Dresdner Chaussee schneidende Gleis passiren wollte, überfahren. Pferde und Kut scher sind unverletzt geblieben: der ,m vollen Carrere heran brausende Train faßte nur den Hintern noch auf den Schienen stehenden Theil des Möbelwagens. Doch auch die Locomotive hatte einen derartigen Delect erlitten, daß sie in Coswig außer Dienst gestellt werden mußte. Tie Schuld soll daran liegen, daß vom diensthabenden Weichenwärter das Schließen der be treffenden Barriere unterblieben ist. Vermischtes. Ein wenig Wasser kann nicht schaden — denken viele Brauer und Schcukwirthe und wohl nutunter auch manche Hausfrauen, und somit wird das schon fertige Bier getauft, natürlich mit Wasser. Aber es ist dieser ganz unschädlich scheinende Wasser zusatz gerade die Ursache, welche das Bier in einen für die Ge sundheit höchst nachtheiligen Zustand bringen kann. Fertig ge brautes Bier mit Wasser zu verdünnen, ist keine gewöhnliche Fälschung oder Betrügerei, sondern sie kommt schon mehr einer langsam wirkenden Vergiftung des Bieres nahe. Um sich hier von zu überzeugen, mache inan den Versuch uud lasse ein be liebiges Quantum gutes, reines Bier auf einem Porzellanteller an der Lust freiwillig verdampfen, bis ein kleiner Rest von syrupartiger Consistenz zurückblcibt; diesen versuche man und
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