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Großenhainer Unterhaltungs- & Anzeigeblatt : 19.07.1884
- Erscheinungsdatum
- 1884-07-19
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id38343789X-188407195
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id38343789X-18840719
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-38343789X-18840719
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Großenhainer Unterhaltungs- & Anzeigeblatt
-
Jahr
1884
-
Monat
1884-07
- Tag 1884-07-19
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Monat
1884-07
-
Jahr
1884
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Nr. 85. Großenhainer Unterhaltung-« und Änzeigevlatt. Selk L chen rc.) Truppenbesichtigungen abzuhalten. Später begleitet der Kronprinz dann auch den Kaiser zu den großen Manövern am Rhein.— Der Großherzog, die Großherzogin und der Irbgroßherzog von Baden wollten am 17. Juli auf der Reise nach Stockholm, wohin dieselben sich zum Besuche >ei dem schwedischen Kronprinzenpaare und zur Tauffeier begeben, in Berlin eintreffen. Der französische Botschafter in Berlin war beauftragt, dem Bedauern seiner Regierung Ausdruck zu geben anläßlich des beim Nationalfeste in Paris erfolgten Herabreißens einer an einem Hotel angebrachten Fahne; wegen der Schnellig keit des ganzen Norganges habe die Polizei nicht rechtzeitig einschreiten können. (Nach einer Pariser Meldung vom 16. Juli wurde Pottzeicommiffar Gatten, welchem der Vor wurf gemacht wird, bei dem Tumult vor dem Hotel Con tinental nicht die nöthige Energie gezeigt zu haben, abgesetzt.) In einem eigenhändigen Antwortschreiben auf die ihm von Göttingen bezüglich der Dampfersubvention zugegangene Adresse erklärt Fürst Bismarck, daß er eö mit lebhafter Genugthnung begrüßen würde, wenn eö seinen Mitbürgern in Göttingen gelänge, die in ihrem Schreiben niedergelegten Anschauungen auf der Tribüne des Reichstages durch ihren Vertreter zum Ausdruck zu bringen. Der preußische Staatsrath wird thatsächlich im October berufen werden und sich zunächst mit den wirthschaftlichen Fragen zu beschäftigen haben. Die Abschaffung des Volks- wirthschaftsrathes steht sicher bevor. Geh. Rath Uv. Koch ist am Mittwoch Abend nach Berlin zurückgekehrt. Fast alle, besonders in französischen und englischen Zeitungen gebrachten Mittheilungen über Aeußerungen Koch's in Bezug auf die Cholera in den fran zösischen Häfen werden als entweder unrichtig oder entstellt wiedergegeben bezeichnet, so daß es durchaus nicht rathsam ist, diesen Mittheilungen Glauben beizumessen. Die „K. Z." entnimmt einem Briefe Koch's den praktischen Rath- schlag, daß die Regierung in die Orte, welche von der Cholera heimgesucht werden, sofort tüchtige Aerzte entsenden soll, deren Aufgabe ausschließlich darin bestände, die An steckungsgefahr bei jedem Kranken thunlichst einzuschränken. Von competeuter Seite wird jetzt die von der gesummten Presse wiedergegebene Nachricht, daß bei einer jüngst vor genommenen Ortsbesichtigung in der Nähe des Niederwald- Denkmals Dynamit gefunden worden sei, für unrichtig erklärt. Dagegen unterliegt es nach den Ermittelungen der Untersuchung, die jetzt ihrem Ende entgegengcht, keinem Zweifel, daß das grausige Verbrechen gegen den Kaiser wirklich geplant und mit kühlstem Blute vorbereitet worden ist; nur soll es noch nicht feststehen, ob durch Zufall oder durch das bewußte Handeln eines der Betheiligten das Aeußerste verhütet wurde. In dem Dorfe Eckbolsheim unweit Straßburg geriethen am Sonntag Abend Soldaten und Bauerburschen in einen Streit, welcher in Thätlickkeiten ausartete uud so lärmend wurde, daß von dem in der Nähe gelegenen Fort eine Streifwackn an den Herd dieser Unruhen entsandt wurde. Dieselbe vermochte aber nichts auszurichten und holte weitere Hilfe herbei; aber alle Bemühungen, Ruhe und Ordnung zu stiften, blieben erfolglos, so daß der commandirende Vicefeldwebel angesichts der Ruhestörer scharf laden und, trotzdem angegriffen, feuern ließ. Vier von den Civilisten wurden schwer verwundet, auch der Viceseldwebel selbst von seinen eigenen Leuten erschossen, was wahrscheinlich seine Erklärung ausschließlich in dem allgemeinen Wirrwarr des nächtlichen Kampfes findet. Oesterreich. Die „Wiener Abendpost" schreibt unterm 15. Juli: Se. Majestät der deutsche Kaiser hat heute wieder den österreichischen Boden betreten, um, wie seit einer Reihe von Jahren, Kräftigung seiner Gesundheit zu Gastein zu suchen und zu finden. Die Völker der österreichisch-unga rischen Monarchie begrüßen in dem Besuche des deutschen Kaisers ein stets erfreuliches Unterpfand der zwischen den beiden Kaiserhöfen und Reichen bestehenden innigen Freund schaft. — Wie mau der „Schles. Ztg." aus Wien meldet, will Kaiser Fran; Josef diesmal nicht erst abwarten, bis Kaiser Wilhelm nach beendigter Cur ihn besuchet, sondern daS österreichische Herrscherpaar wird dem deutschen Kaiser am 5. August in Gastein einen Besuch abstatten. Wie polnischen Blättern aus Wien telegraphirt wird, hat die vielbesprochene, in der letzten Vandtagssessiou be schlossene Volksschulnovelle die Sanction nicht erhalten, weil dieselbe Bestimmungen enthält, welche widerspruchsvoll und unausführbar sind. Im tiroler Landtage wurde am 15. Juli ein Antrag eingebracht, welcher auf die Trennung des italienischen vom deutschen Theile Tirols abzielt. Italien. Der „Fall Pidal", welcher die italienische Diplomatie jüngst stark in Anspruch nahm, ist, nachdem die spanische Regierung die beruhigendsten Erklärungen ab gegeben, in befriedigender Weise erledigt. Der spanische Minister der öffentlichen Arbeiten, Pidal, sollte sich nämlich als Anhänger der weltlichen Papstherrschast bekannt haben. Frankreich. Die Commission des Senats für die Revision der Verfassung hat nahezu einstimmig beschlossen, ' die Revision des Art. 8, betreffend die finanziellen Rechte ' des Senats, nicht stattfindeu zu lassen. Dagegen wurde England. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird Lord Cardogan die von Lord Wemhß angemeldete Resolution im Namen der Opposition durch ein Amendement bekämpfen, in welchem die Einberufung des Parlaments zu einer Herbstsession behufs Berathung einer neuen Bill über die Wahlreform und die Neueintheilung der Wahlbezirke beantragt werden soll. Der englische Ministerresident in Aden begab sich am 15. Juli mit zwei englischen Kanonenbooten nach Berbers, um diesen Hafen für England in Besitz zu nehmen. Dänemark. Der König ist von seiner Reise nach Deutschland und Oesterreich am 16. Juli wieder in Kopen hagen eingetroffen. Rußland. Ueber Stadt und Kreis Nischny - Nowgorod, sowie über die Kreise Balachne, Ssemenow und Gorbatow ist für die Zeit vom 13. Juli bis zum 22. September d. I. die Maßregel der verschärften Sicherheitsaufsicht verhängt worden. Hauses gewisse Schranken zu setzen. „Es läßt sich nicht", schloß er, „mit dem Charakter und der Freiheit der eng lischen Nation vereinbaren, daß ein unverantwortliches und nicht repräsentatives Haus die Machtvollkommenheit besitze, wenn immer es ihm beliebe, eine große und feindliche Krisis herbeizuführen. Vor Jahren sagte schon Lord Pal merston zu mir, er könne mir keinen Posten im Cabinet anbieten, weil ich mich feindselig gegen eines der Institute des Reiches geäußert habe. Ich erwiderte, eine erbliche Pairskammer kann niemals eine dauernde Einrichtung in einem freien Lande sein. Allein es giebt Mittel, diese Frage ohne Gewaltthätigkeit, Aufstand oder Revolution zu lösen." Im Unterhause sprach Whitebread die Hoffnung aus, daß sich das Oberhaus noch jetzt in Folge des von der Regie rung gemachten versöhnlichen Anerbietens für die Annahme der Wahlreform entscheiden werde. Die darauf von Glad stone ertheilte Antwort zeigte die Bereitwilligkeit, in diesem Falle an dem Compromiß festzuhalten. Wenn die Lords wohlberathen sind, ziehen sie einen mageren Vergleich einem fetten Proceß vor, den sie bei der Macht der öffentlichen Meinung in England nur dann gewinnen könnten, wenn ihnen ein für das liberale Mini sterium nachtheiliger Zwischenfall der auswärtigen Politik urplötzlich zu Hilfe käme. Gladstone's Plan zur Klärung der inneren Politik besteht darin, in der nächsten Herbst session des Parlamentes die Vorlage über die Eintheilung der Wahlkreise einzubringen und durchberathen zu lassen, jedoch das Parlament nicht aufzulösen, auch wenn das Oberhaus ein zweites Mal die Reform-Bill verwerfen sollte, sondern dasselbe mit wiederholter Einbringung der fraglichen Vorlage gründlich in die Enge zu treiben. Will das Oberhaus nicht seine Existenz muthwillig aufs Spiel setzen, so thut es sofort, was es doch nicht auf die Dauer hindern kann. Hat man im deutschen Reiche bei Begrün dung des deutschen Reichstages die allgemeinen directen Wahlen und in Oesterreich die Fünf-Gulden-Steuerzahler zur Urne zugelassen, so kann man auch dem freien Eng land eine Wahlreform nicht vorenthalten, die sich noch nicht einmal bis zu dem allgemeinen Stimmrecht versteigt. Tagesnachrichlm. Sachsen. Se. königl. Hoheit der Prinz Georg nebst hoher Familie haben am 16. Juli die schon erwähnte mehrwöchige Reise nach der Schweiz über Frankfurt a. M., Heidelberg, Straßburg rc. angetreten. Bürgermeister geh. Justizrath Uv. Rüger in Dresden hat den Rath um Genehmigung seiner Entlassung für Ende September d. I. gebeten, ohne sich, wie verlautet, über die Gründe seines Abganges auszusprechen. Wie man aus Leipzig vom 16. Juli meldet, laufen die Anmeldungen von auswärtigen Schützen zum Bundesschießen ebenso wie die Ehrengaben in bedeutender Anzahl ein; so viel sich übersehen läßt, wurde die Ziffer der Spenden am Münchner Bundesschießen bereits erreicht. Se. Majestät der König Albert spendete eine große Credenzkanne mit Untersatz aus massivem Silber; aus der Rhodestiftung sind 500 M. baar, vom Besitzer der „Gartenlaube" 1000 M. in einer silbervergoldeten Sparbüchse eingegangen. Zur Schmückung der Stadt werden umfassende Vorbereitungen getroffen. Alle Bauten auf dem Festplatze sind vollendet. Der am 20. d. stattfindende Festzug wird glänzend aus gestattet. — Auf dem baherschen Bahnhofe in Leipzig wurde am 17. Juli ein Wagenputzer überfahren und gelödtet. Dem Vernehmen nach hat sich für die Bürgermeister stelle in Stollberg, mit welcher ein Gesammteinkommen von 4500 M. verbunden ist, noch kein Bewerber gemeldet. In Heidenau ist am 15. Juli der Brauereibesitzer Hänel nach vierzehntägigen schweren Leiden an der Trichinosis gestorben. Seine Frau, Tochter und zwei Söhne liegen an derselben Krankheit schwer darnieder; an dem Aufkommen der Tochter wird gezweifelt. Der ebenfalls erkrankte Schlächter des Schweines, dessen leider nicht auf Trichinen untersuchtes Fleisch die Erkrankungen herbeiführte, wurde in das Carola haus nach Dresden geschafft. Unter allgemeiner Theitnahme der Einwohnerschaft und vieler Auswärtiger feierte am 14. Juli die Schuhmacher- Innung zu Lengefeld das 300jährige Jubiläum ihres Be stehens. Der hierbei stattgehable Festzug gestaltete sich durch die große Zahl der Theilnehmer und die Pracht der im Zuge getragenen zwölf Fahnen überaus glänzend; am Ende desselben erregte ein Wagen mit einer Schuhmacherwerkstatt nach mittelalterlicher Einrichtung und im Eostüm die größte Aufmerksamkeit uud erwarb sich allgemeinen Beifall. In Löbau wurde am 12. Juli iu einfacher Weise der Grundstein zu dem neuen Realschulgebäude gelegt. Der festgenommene Mörder des Kindes in Untersachsen- berg hat ein umfassendes Gestänvniß abgelegt. Bei dem am 15. Juli Nachmittags sich in der Dresdner und Radeberger Gegend entladenden heftigen Gewittern schlug der Blitz iu Lotzdorf bei Radeberg in das Müller'sche Haus, welches dadurch ein Raub der Flammen wurde; die Habe des Calamitosen kounte noch gerettet werden. Ein anderer Blitz schlug in die große Linde vor dem Radeberger Schießhause uud durchfuhr auch den Saal daselbst, ohne indeß erheblichen Schaden anzurichten. ein Amendement des Senators Faye, den Art. 8 zu ver vollständigen, in Erwägung gezogen. Der Tag des Nationalfesteö kostet der Stadt Paris nahe an 700,000 Francs. Die deutschfeindlichen Kund gebungen während des Festes, die in der Zerreißung einer deutschen Fahne gipfelten, bilden in Paris noch immer das Tagesgespräch. Im Allgemeinen sprechen sich die dortigen Blätter mißbilligend über die Vorgänge am Hotel Continental aus, aber an dem Geschehenen und dem, dem deutschen Volke durch jenen scandalösen Vorgang zugefügten Schimpf wird hierdurch nichts geändert. Der französische und speciell der Pariser Chauvinismus hat eben wieder einmal eine seiner Orgien gefeiert, und wenn sich hieraus keiue ernsteren Consequenzen entwickeln, so ist dies nur der kühlen Art und Weise zu dankeu, mit welcher man auf deutscher breite die ganze Affaire behandelt. Auf „Zenith Fundgrube" in Oberschöna bei Freiberg wurde am 11. Juli eiu Doppclhäuer von einem im Gestein sitzen gebliebenen Sprengschuß getroffen und blieb auf der Stelle todt; ein zweiter Arbeiter wurde leicht verwundet. Vergangene Woche hatte der Gutsbesitzer Böhmer zu Langwolmsdorf das Glück, vier Fischreiher zu erlegeu. Be kanntlich richtet dieser Vogel unter den Fischen, namentlich aber unter den Forellen, große Verheerungen an. Deutsches Reich. Nack den bis jetzt getroffenen Be- stimmnngen wird die kronprinzliche Familie am 23. Juli zum Besuch der Königin Victoria von Berlin nach London abreisen und einen längeren Aufenthalt in England nehmen. Nur der Kronprinz wird etwa am 20. August nach Deutsch land zurückkehrcn, um als Generalinspecteur der 4. Armee- Jnspection im Bereiche derselben (bei Stuttgart, Mün- Ntichrichleli aus tziM und rlmgetMd. * Großenhain. Unsere Stadt ist um ein industrielles Unter nehmen reicher geworden, das, auf solidester Basis begründet, sicher ans gerechte Würdigung von Seiten des Publikums rech nen darf. Die biesige Tischler-Innung bat ein Mobcl- M a g a gin errichtet, in daS jeder Meister seine Arbeiten roh, d. h. ungestrichen zu liefern hat. Vor der lieber»ahme werden die Niob el in Bezug aus verwendetes Material und Arbeit einer Prüfung unterworfen, so daß von einer liebervortbeilung durch Lieferung miuderwerthiger Waare, wie dies auswärts bei den sogenannten Möbelansverkäufen meist der Falt ist, keine Rede sein kann. Aus diesem Grunde ist das Unternehmen freudigst zu begrüßen, und wenn die Herren Nieister Fleiß ans die Arbeit verwenden und dein Geichmacke der Zeit Rechnung tragen, das Publikum aber den falschen Grundsatz fahren laßt, „das; Sachen nur taugen und mo dern find, wenn sie aus irgend einer Großstadt be zogen werden", so wird dem Unternehmen der Erfolg nicht fehlen. Glück aus! — Heute, Freitag, früh 7 Z Uhr, traf, mittelst EZrazuges von Freiberg kommend, der EircuS Lorch hier ein, um mehrere Vorstellungen bei uns zu geben. In Reichenbach, Plauen, .'Zwickau und Freiberg, woselbst dieser EircuS vor Kurzem Vor stellungen gab, war derselbe stets ausverkauft, da nicht allein die im Eireus entwickelten Vorführungen, sondern auch die von den einzelnen Künstlern und Künstlerinnen bekundete Bravour im Reiten, sowie nicht minder die dabei zu Tage tretende ge diegene Dressnr der Pferde den allgemeinsten Bcnall ernteten. Besondere Aufmerksamkeit erregten nach den verschiedenen Be richten die Speeialltäten des EircuS, wie ein Schlangenmensch, verschiedene JonqlenrS uud ein drcssirtes Schwein, das überall die Heiterkeit des Publikums hervorrief. — Die brennende Hitze macht die ganze Welt zu einem großen Schwitzbade. „Ach die Hitze!" ist jetzt der täglich gehörte, be rechtigte Klagerefrain, den Jedermann, namentlich der Beamte und der Geschäftsmann, die ihr Bertis auf die Straße treibt, schwelßtropfcnd auSstößt. Doch auch in den Wohnräumen wird die Temperatur im Laufe des Tages unerträglich. Die Haus frau beim Herde weiß ein ganz bewndereS Lied hiervon zu singen, ihr wendet die Kochnmichine zur Hitze noch Hitze zu. Aber selbst der rubig sitzende Schreiber im Bureau, der Kauf- manu im Eomvtoir w. klagen unter dem Drucke „dieier" Hitze über Eingenommenheit deS KopteS, die ihnen daS Rechnen er schwert, das Denken irritirt, wenn nicht geradezu unmöglich macht. Der Tischler, der seinen Hobel zu führen, der Zimmer mann, der seine Bohle auszuschweifen hat, der Schmied und Schlosser, die das Eisen schmieden müssen, wenn es warm ist, der Puddelschmied am Dampfhammer und der Former in den ' Gießräumcn, sie Alle leiden unmenschlich und suchen zum großen. Neueste Rachrichten. Berlin, 17. Juli. Aus Paris wird der „Nat.-Zta." ge meldet: Nachdem der französische Botschafter, Baron de Courcel, wie die „Agcnce Havas" meldet, in Berlin dem Bedauern der französischen Regierung über den Scandal vor dem Hotel Con tinental Ausdruck gegeben, hat auch Jules Ferru persönlich dem Fürsten Hohenlohe bei einem diesem gestern gemachten Besuche sein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen. Hiernach dürfte die Angelegenheit permuthlich als erledigt zu betrachten sein. Ueber den Deutschen, welcher angeblich auf der Place de la Concorde beschimpfende Rufe gegen Frankreich ausgestoßen haben soll und den französische Blätter gern als den eigentlichen Urheber des Scandals beschuldigen möchten, ist Folgendes zu berichten: Ein Doctor der Philologie, in-. Wurster aus Reut- lmgen in Württemberg, war bei der Kundgebung bor der Statue der Stadt Straßburg als ruhiger Zuschauer zugegen nnd hatte sich nahe herangedrängt, weil er kurzsichtig ist. Seiu Jäger'scher Wollanzug, sowie seine große Gestalt erregten Auf sehen. Man schrie: „Voilä uu M-u88wuG drängte, stieß, schlug und bespie sogar den Mann, der schließlich, da er daponlief, ver folgt wurde und sich ins Marineministerium rettete. Derselbe hat jedoch keinen Ruf auSgestoßeu, er spricht kaum französisch und war viel zu sehr erschreckt über das pöbelhafte Eindringen der Menge auf ihn, als daß er zu antisranzösischen Demon strationen aufgelegt gewesen wäre. In der Masse der Theil nehmer an der Kundgebung war der Vorgang nicht unbemerkt geblieben. Es hieß sofort: „Ein „l'i-ussimw hat Frankreich be schimpft und die französische Fahne angespieen." An einer sol chen Legende ist thatsächlich nur das Obige wahr, und alle Bemühungen, einen deutschen -Tw-ut piwvocnwm- zu construiren, sind vergeblich. Nur der rohe Angriff der Menge aut einen ruhig zuschauenden Deutschen und die Scenen am Hotel Con tinental bleiben Facta." — Aus Warschau erfährt die „Nat.-Ztg.", daß der „Kuruer WarszawSki" den Ausbruch der sibirischeu Viehseuche unter den Pferden und dem Rindvieh im Gouvernement Nowograd meldet. Auch Menschen sind angesteckt. In drei an einander- liegenden Dorfgemeinden sind 27 Personen erkrankt, von denen 5 gestorben sind. Bromberg, 17. Juli. Der Divisions-Commandeur General lieutenant v. Radecke ist heute früh,.als er den Uebnngen des Militärs im Schießen nach der Scheibe beiwohnte, durch eine Gewehrkugel am linken Oberschenkel verletzt worden. Haag, 17. Juli. Die feierliche Beisetzung des Prinzen von Oranien hat heute Vormittag stattgefunden. Dem Lcichenzuge, welcher um 9 Ubr das Palais des Verstorbenen verließ, folgten zu Wagen der König, der Grvßherzog voll Sachsen-Weimar, der Prinz Albrecht von Preußen, der Fürst zu Wied, der Graf voll Flandern, sowie die osficiellcn Vertreter Frankreichs, Eng lands, Rußlands, Schwedens, der Türkei, Rumäniens, Italiens, Würtembergs, Waldecks und des Herzogs von Nassau. Paris, 17. Juli. Von gestern Abend bis heute früh 10 Uhr starben in Marseille 21 Personen und in Toulon 14 Personen an der Cholera. Unter den in Toulon Gestorbenen befinden sich der K'assirer der Bangue de France nnd dessen Frau. London, 17. Juli. Der gestrige Schnellzug von Manchester nach Sheffield ist unweit Penistone in Folge eines Achsen braches an der Locomotive beim Passiven einer Brücke entgleist. Der Zug stürzte auf die Straße, wobei gegen M Personen getödtet und etwa 30 Personen verletzt wurden. Unter den Passagieren befanden sich einige Deutsche, welche über GrimSbv nach Deutschland reisten.
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