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Großenhainer Unterhaltungs- & Anzeigeblatt : 01.05.1884
- Erscheinungsdatum
- 1884-05-01
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id38343789X-188405014
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id38343789X-18840501
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-38343789X-18840501
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Großenhainer Unterhaltungs- & Anzeigeblatt
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Jahr
1884
-
Monat
1884-05
- Tag 1884-05-01
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Monat
1884-05
-
Jahr
1884
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am Nil, der Schlüssel zum Sudan, ist den Aufständischen nach kurzer Belagerung in die Hände gefallen. Der größte Theil der Garnison ging zu den Aufständischen über, der andere Theil nebst einer Schaar von 2000 Flüchtlingen, meist Weiber und Kinder, entfloh in der Richtung nach Korosko; über ihr Schicksal fehlt jede Kunde. Mit dem Fall von Berber ist für Gordon und die Garnison von Chartum, jede Aussicht auf Rettung abgeschnitten. Eghptische Offiziere in Assouan erhielten Briefe des Mahdi, in welchen sie aufgefordert werden, innerhalb zehn Tagen abzuziehen; sonst würden sie vernichtet werden. Nr. LL. Großenhainer Unterhaltung-- und Anzeigeblatt. Seite 2 Deutsche- Reich. Der Reichstag genehmigte am 28. April den Gesetzentwurf, betreffend die Anfertigung von Phosphorzündhölzern, in zweiter Lesung mit dem vom Bundescommissar acceptirten Anträge des Abg. Baumbach, wonach zur Erleichterung des Uebergangs zu Gunsten der Hausindustrie das Gesetz erst in zwei Jahren in Kraft tritt. Bei der dritten Lesung der Novelle zum Hilfskassengesetz wurden die Beschlüsse der zweiten Lesung im Wesentlichen aufrecht erhalten und das ganze Gesetz schließlich fast ein stimmig genehmigt. Für die Mittwochs-Sitzung standen mehrere Anträge aus der Mitte des Hauses, darunter auch der fortschrittliche Antrag auf Entschädigung unschuldig Verurtheilter, auf der Tagesordnung. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Montag die Berathung der Jagdordnung fort und genehmigte mehrere Paragraphen mit den von den Abgg. Althaus, Dirichlet und Barth beantragten Aenderungen. Bei § 70 wurde die Beschränkung der Eingatterung auf Schwarzwild be schlossen. Der RegierungScommissar hatte ersucht, von jeder obligatorischen Eingatterung abzusehen, weil dieselbe praktisch unausführbar sei; Minister Lucius bezeichnete die Eingatterung als ein Moment, wogegen die Regierung sich auf das Entschiedenste wenden müsse. Oberhofprediger Or. Kögel in Berlin machte in seiner Predigt am letzten Sonntage die Mittheilung, daß in der Provinz Brandenburg 100 evangelische Pfarrstellen aus Mangel an Bewerbern unbesetzt seien; in der Provinz Posen belaufe sich die Zahl der vacanten evangelischen Pfarren fast auf den vierten Theil sämmtlicher Stellen. Berlin habe etwa 50 evangelische Gotteshäuser und 120 evangelische Geistliche; es gebe Confirmanden-Abtheilungen bis zu 600 Kindern, deren Gesichter der Geistliche nicht einmal alle behalten könne. Von einer geordneten Seel sorge könne unter solchen Verhältnissen keine Rede sein. Oesterreich. Die Orientreise des Kronprinzenpaares hat in ihrem zweiten Theile, der Heimreise, fast noch glänzendere Bilder aufgewiesen, als die Hinreise und der Aufenthalt in Konstantinopel. Namentlich gestaltete sich der Empfang der hohen Reisenden in den jüngsten Königs städten Europas, in Bukarest und Belgrad, zu einer be deutungsvollen Kundgebung für das künftige Herrscherpaar Oesterreich-Ungarns; der überaus herzliche Verkehr des kronprinzlichen Paares mit den rumänischen und serbischen Majestäten ist sicher ein neues Symptom für die wachsende Intimität in den Beziehungen zwischen der habsburgischen Monarchie und den Balkanstaaten. Ebenso erscheinen die Beziehungen zwischen Oesterreich und Bulgarien durch den Empfang des österreichischen Thronfolgerpaares in Varna einerseits, wie andererseits durch die ungewöhnlich aus zeichnende Aufnahme, welche dem Fürsten Alexander gelegent lich seiner Darmstädter Reise vom Wiener Hofe zu Theil geworden ist, im günstigsten Lichte. Italien. Turin ist als Stadt der italienischen National- Ausstellung jetzt die Stadt der Feste. An dem von dem Gemeinde-Rath zu Ehren der anwesenden Bürgermeister- Italiens veranstalteten Banket nahmen auch der Minister des Auswärtigen, Mancini, die Mitglieder des diplo matischen Corps und die Mitglieder der Behörden Theil. Nach dem von dem Bürgermeister von Turin ausgebrachten Toast ergriff der deutsche Botschafter von Keudell im Namen des diplomatischen Corps das Wort und hielt, wie dem „B. T." berichtet wird, in gutem Italienisch eine bedeutungs volle Rede. Er erinnerte daran, mit welcher Freude die Nationen die politische Wiedergeburt Italiens begrüßten, mit welcher Freude sie die ökonomische Wiedergeburt bei der Valuta-Regelung, mit welchem Interesse sie die in dustrielle Auferstehung jetzt verfolgen, und daß er bei dem Besuch der Turiner Ausstellung in einer Weltausstellung sich glaubte. Er schloß seine Rede mit dem Ruf: „Es lebe Italien!" Der Minister des Aeußern, Mancini, antwortete darauf, indem er die Friedensarbeit Italiens betonte und eiuen Trinkspruch auf alle fremde Nationen und ihre Häupter ausbrachte. Die Rede des deutschen Botschafters wurde von stürmischen Beifallsrufen begleitet. Spanien. Das Ergebniß der am Sonntag stattgefun denen Neuwahlen zu den Cortes ist ein vollständiger Sieg des jetzigen Ministeriums. Ueber 300 der gewählten De- putirten sind regierungsfreundlich, so daß das Cabinet Ca novas del Castillo in den Cortes unter allen Umständen auf eine sichere Majorität rechnen kann. Außerdem sind sämmtliche Führer der Opposition wiedergewählt worden, unter ihnen auch Castelar. Für den Wahltag hatten die Anhänger Zorilla's ein Pronunciamento geplant, das aber durch zahlreiche Verhaftungen rechtzeitig vereitelt wurde. England. Im Unterhause wurde am Montag der Antrag, auf die Einzelberathung der Wahlreformbill ein zugehen, von Rackes mit einem Amendement bekämpft, nach welchem die Eintheilung der Wahlbezirke in die Bill ausgenommen werden soll; dieser Antrag wurde aber mit 174 gegen 147 Stimmen abgelehnt. Ein darauf von Tom linson beantragtes weiteres Amendement, wonach die Wahl grenzen der Stadtbezirke ausgedehnt werden sollen, lehnte das Haus mit 158 gegen 132 Stimmen ebenfalls ab und vertagte sodann die Debatte. Die in Portsmouth im Bau begriffene neue Cavallerie- Kaserne ist am 28. April eingestürzt. Sämmtliche als Ar beiter beschäftigten Sträflinge sind unter den Trümmern begraben; man fürchtete, viele derselben todt aufzufinden. Rustland. Die Vermählnng des Großfürsten Kon stantin Konstantinowitsch mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Altenburg ist am vergangenen Sonntag in der russischen Hauptstadt mit großem Glanze gefeiert worden; die Trauung selbst wurde sowohl nach griechisch-katholischem, als auch nach protestantischem Ritus vollzogen. Prinzessin Elisabeth scheint demnach nickt zum orthodoxen Glauben übergetreten zu sein, welcher Vorschrift sich sonst alle aus ländischen Prinzessinnen, die nicht der griechischen Kirche angehörtcn und sich mit russischen Großfürsten vermählten, unterwerfen mußten. Egypten. Die Sudan-Rebellen baben einen neuen bedeutungsvollen Erfolg zu verzeichnen. Die Stadt Berber Vermischtes. fPostalisches.j Nach neuerer Bestimmung werden unent- werthete oder entwerthete Briefmarken gegen die ermäßigte Taxe für Drucksachen befördert. Selbstverständlich dürfen diese Sendungen dann nicht verschlossen werden; andernfalls wird das Briefporto erhoben. Für die Sammler alter Briefmarke» tReichssechtmeister »A, welch' Letztere verschiedentlich nach den Sammelstellen zu versenden sind, ist die Taxermäßigung von Bedeutung. — Die Versendung von Geldbriefen im Weltpost vereinsverkehr ist etwa seit sechs Jahren zulässig. Gegenwärtig nehmen an diesem Verkehre die folgenden Länder Theil: Deutschland, Oesterreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Egvp- ten, Spanien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Norwegeu, Niederlande, Portugal, Rumäuien, Rußland, Schweden und die Schweiz. Nach der Statistik der vnwu postM für das letzte Jahr betrug die Zahl der abgesaudteu Werthpapicre im Verkehr dieser Länder untereinander 2,216,118 mit 1,376,310 Fres. Werthangabe. Man sieht, welche bedeutende Werthe dieser Aus landsverkehr vermittelt, trotzdem die Taxen für diese Sendun gen theilweise noch ziemlich hoch sind. Der „Freib. Anz." bringt nachstehende heitere Geschichte: Unlängst faß au einem schönen Morgen ein ehrbarer, leider schon etwas ins Graue schimmernder Dirigent einer größeren Kasse zu Freiberg an seinem Schreibepulte, eifrig bemüht, wie immer, die starke Anzahl der einzelnen Summen des Kassen buches mit der bedeutenden Menge der einkassirten Gold- und Silberstücke nebst diversen Kassenscheinen in das so beliebte und doch so schwerwiegende europäische Gleichgewicht zu bringen. Nnr Bedacht nehmend auf seine den Geist doch bekanntlich so maltraitirende und dabei monoton werdende Arbeit, bemerkte er nicht die irdischen Dinge, welche des Schicksals Tücke um ihu her zur Ausführung brachte, beobachtete demnach auch nicht das Schnurren und Schmeicheln der allgemein gehätschelten, doch zur Zeit ziemlich corpuleuteu treueu Cvperkatzc. Tas Ein dringen eines unberufenen Wesens in den gefeiten Naum seines Feuersesten nicht vermuthend, hielt er cs nicht für uöthig, wäh rend seiner strapaziösen Arbeit den Zugang zu demselben ab- znschließcn. Doch bitter sollte dieses sowohl, als auch die nicht beachtete Freundschaft der treuen Hausmielze gerächt werden. Nachdem selbige gesehen, daß alles Gutmeinen abprallte au dem sonst nicht ganz abgehärteten Herzen, kehrte sie ihm den Rücken, wanderte nach dem geöffneten Raume deS großen Kassenbchältcrs, baute sich aus den daselbst befindlichen Lein wandsäckchcu in einem großen Geldkorbe ein bequemes, weicheS Lager und beschenkte nun ohne Weiteres unseren ehrbaren Hel- den ohne Scheu mit eiuem halben Dutzend junger, munterer Kielzchen. Erst ausmerksam gemacht durch das zarte Miauen der kleinen Wesen, bemerkte unser geschätzter Dirigent leider zu spät diese so uulicbsame Bescheerung in seinem doch anderen Zwecken dienenden Kassenschranke. Eine sich benöthigt machende Umquartierung der ungebetenen Gäste mußte uatürlich baldigst zur Ausführung gebracht werden. Die Wiener Blätter melden jetzt Genaueres über d.e ge beimnißvolle Stiftung, welche der Stadt Wien gewidmet wor den ist. Wenige Minuten vor 2 Uhr Nachmittags war ein Dicnsunann im Bureau des Bürgermeisters erschienen und übergab dem anwesenden Präsidialbeamten Mauer ein an den Bürgermeister Uhl adressirteS Packet. Da der Bürgermeister noch zugegen war, händigte .Zerr Maner das Packet demselben sosort ein. Dieser öffnete den Umschlag und mud in demselben ein verschlossenes Couvert mit der Aüffchrüt: „1M0M sl. in Goldrente zu Gunsten der Stadt Wien". Mit Rücksicht darauf, daß der Bürgermeister keine feuersichere Kasse iu seinem Bureau besitzt, um daS Geld selbst zu verwahren, und weil er eine solche Summe am sichersten in der städtischen Hauptkasse ge- Neueste Nachrichten. Berlin, 29. Avril. Das Abgeordnetenhaus genehmigte den Rest der Jagdordnuug vorwiegend nach den Beschlüssen der zweiten Lesung, einzelne Paragraphen mit nicht sehr wesentlichen, meist redaktionellen Aenderungen. Der Sonntags-Paragraph <431 ist dahin gefaßt, daß an Sonn- und Festtagen alles Hatz- Treibjagen uns während des Gottesdienstes jede Jagdausübung verboten ist. Die Oberpräsidenten resp. Regierungen können weitergehende Beschränkungen durch Polizeiverordnungen er lassen. Provinzielle weitergehende gesetzliche Bestimmungen bleiben unberührt. Morgen definitive Abstimmung; außerdem Berathuug der Anträge Zelle, Straßmanu, Bachem. Wien, 29. April. Kronprinz Rudolph ist mit seiuer Ge mahlin heute Mittag kurz uach 12 Uhr wieder hier eiegetroffen; uuter deu zur Begrüßung des kronprinzlichen Paares auf dem Bahnhofe Erschienenen befand sich auch der türkische Botschafter. — Die „Polit. Korresp." veröffentlicht den Wortlaut des Toastes, welchen der König von Serbien gestern bei dem Gala diner in Belgrad ausgebracht hat. Der König gab in dem Toast seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß die Erben der Krone des Haufes Habsburg die ersten Gäste der jungen serbi schen Königsoynastie seien und erinnerte an den Kampf der öster reichischen Soldaten gegen die Türken vor den Mauern Bel grads und au die Fürsorge des Kaisers Franz Joseph bei jeder Gelegenheit für die Konsolidationsbestrebungen Serbiens. Die Bemühungen Serbiens, im Oriente ein Element des Friedens und der Civilisation zu werden, würden durch die crhabeue Freuudschaft des Kaisers Vvu Oesterreich und durch die zahlreichen Handelsinteressen, welche Serbien an Oesterreich-Ungarn knüpfen, erleichtert. Er habe daher alle seine Sorge darauf gewendet, Beziehungen guter Nachbarschaft uud herzlicher lovaler Freund schaft zwischen beiden Ländern zu begründe«. In der Anwesen heit des kronprinzlichen PaarcS erblicke er eine Bekräftigung dieser Beziehungen und werde sich immer glücklich schätzen, seine Dankbarkeit gegen deu Kaiser Franz Joseph zu bekräftigen. Er trinke auf die Gesundheit, das Glück und den Ruhm des kron- priuzlicheu Paares. Bern, 29. April. Der Bundesrath forderte die Directiou der Gotthardtbahn auf, iunerhalb Jahresfrist technische und finanzielle Ausweise zum Bau der Bahnen Luzern-Jmmeusee- Zug - Goldau vorzulegen. 'Madrid, 29. April. Die spanischen Flüchtlinge unter Führung des Offiziers Mangado werden von zahlreichen Truppeu verfolgt wid dürften genöthigt werden, über die Grenze zurückzugehen oder in die Hände der Truppen zu falle«. Aus Santa Eoloma sind sechs Offiziere flüchtig geworden, man hält dieselben an den Umtrieben für betheiligt und glaubt, sie hätteu die Aufdeckung ihrer Theilnahme befürchtet. Petersburg, 29. April. Das „Jourual de St. Petersbourg" sagt, daß die meisten Großmächte die Einladung Englands zu der Comereuz, welche über die Frage der Revision des egyp- tischen Liquidationsgesetzes berathen soll, zustimmend beant wortet hätten. borgen wußte, ließ er sofort den Magistratsdirector Bittmann und den städtischen Kassendirector Meyer kommen und öffnete in deren Anwesenheit das Couvert. Es enthielt zehn Stück Goldrente-Obligationen, jede auf 10,OMfl. lautend, mit Coupons per 1. October 1884. Der Kassendirector nahm die Papiere sofort in Verwahrung. Der Bügermeister durchlas sodaun deu au ihu adreffirten Brief, dessen Inhalt aber nicht besagt, daß der Bürgermeister oder die Gemeinde jetzt schon über das Geld verfügen solle, sondern daß der Absender die Summe von 100,000 fl. dem Bürgermeister zur Aufbewahrung übergiebt mit der Bitte, die jeweiligen Zinsen zum Capckale zu schlagen. Die Verfügung über das Capital sei in dem beigeschlossenen gesiegelten Briefe enthalten, der aber erst im Jahre 1890 ge öffnet werden soll. Der Absender behalte es sich jedoch vor, eventuell früher eine Verfügung zu treffen, und zu diesem Zwecke habe er eine Visitkarte, von der ein Theil abgerissen üst, an das Couvert gesiegelt. Der Ueberbringer des anderen Theiles der Visitkarte werde sich hierdurch als Ueberbringer des Willens des Stifters legitimiren. Sollte aber bis 1890 diese Karte nicht gebracht werden, so solle der Brief von dem Bürgermeister der Stadt Wien oder dessen Stellvertreter geöffnet und dem darin ausgesprochenen Willen des Stifters gemäß verfahren werden. Schließlich bat der Aufgeber, vor Ablauf von acht Tagen nichts über dieses Depositum zu verlautbaren und auch nach dem Namen nicht zu forschen. Die halbe Visitkarte war derart an dem Couvert befestigt, daß der Name uicht gelesen werden konnte, der Abriß ist ein ganz unregelmäßiger und durch keinen Schnitt herbeigeführt. Der Bürgermeister legte den versiegel ten Brief und die Karte in ein Couvert, das er mit acht Sie geln verschloß, schrieb darauf die Widmung, sowie sie auf dem versiegelten Briefe des Absenders steht, und übergab auch die ses dem Kassendirector. Die Clausel, daß vou dem Depositum vorläufig nichts veröffentlicht werden soll, war zufälligerweise übersehen worden. Eine Gerichtsverhandlung in Paris beschäftigte sich mit dell Verkäufern von gelben Kap-Diamanten, die durch eiue einfache chemische Bereitung das Feuer und deu Glauz echter Diaman ten erlangt hatten und durch die viele Unkundige um ihr gutes Geld geprellt wurden. Der Experte Vauderhevm erklärte vor dem Gerichtshöfe das Verfahren und verwandelte vor den Augen der Richter die Kap-Diamanten, indem er sie einfach in ein Anilinbad tauchte, um jeue Wirkung zu erzielen, durch welche die Fälscher die längste Zeit ihr betr ügerisches Handwerk treibe« komtte«. Bei einem ähnlichen Anlässe, wo es sich jüngst um deu Verkauf falscher Perlen handelte und der nur mit der Rück gabe des Kaufgeldes gebüßt wurde, erklärte der genauute Ex perte, wie aus fälschest Perlen scheinbar echte herzustellen sind. Akan taucht uämlich die ersteren in eine salpetersaure Lösung und läßt sie daun an der Sonne trockne«; auf diese Weise ge- wiuuen sie das Ausseheu und den Glanz von echten Perlen, die dann von naiven und eitle« Leuten gern gekauft werden. Auf der Eisenbahn zwischen Badajoz und Ciudad-Real faud, wie aus Madrid gemeldet wird, am 27. April ein Eisenbahn- unsall statt, der durch deu Einbruch der acht Meter laugen Eisenbahnbrücke von Äleuda herbeigeführt wurde uud augen scheinlich eiue Schandthat vou Anhängern der revolutionären Partei ist. An der Brücke waren absichtliche Beschädigungen vorgenommen; die Stellen, wo dies geschehen, waren künstlich verborgen worden, der Telegraphendraht war durchschnitten uud die Herbeischasfnng vou Hilfe in der abgelegenen uud nur- wenig bewohnten Gegend zeitweilig unmöglich gemacht. Der Zug stürzte bis auf den Postwagen und zwei andere Wage«, die an der Brücke hängen blieben, in den Fluß. Bis jetzt sind 38 Todte, meist beurlaubte Soldateu, aus dem Flusse gezogen, die Zahl der Verwundeten beträgt 22; der Unteroffizier, wel cher die beurlaubten Soldaten führte, giebt an, daß ihm von seinen Leuten 56 fehlte«; außer vou Soldateu war der Zug auch von Laudleuten besetzt, von letzteren ist noch keiner aus dem Flusse gezogen; die Arbeiten zur Hebung der in deu Fluß gestürzte» Menschen und Wagen werden fortgesetzt. In allen Kreisen der Bevölkerung giebt sich die tiefste Entrüstung gegen die Urheber des Attentats kund. Das Erdbeben, welches am 22. April früh um 9 Uhr 15 bis 20 Minuten England beimsuchte, trat mit der größten Hef tigkeit in deu östlichen Landestheilen auf und hat dort an man chen Stellen geradezu verheerend gewirkt. Am schwersten heim gesucht wurde das Fischerdorf Wyvenhoe, iu dem «ickt eiu Gebäude unversehrt stehen geblieben ist. Die Kirche, ein. schönes, altnormanisches Bauwerk, verlor alle ihre Thürme und Thürm- chen und liegt halb in Trümmern; bei deu meisteu Hütten sind die Kamiue rind Dächer eingestürzt und die Mauern geborsten; man beziffert den Schaden, welchen die armen Leute erlitten, auf 4000 Pfd. Sterl. Auch das Schloß des GutSherru Mr. Jacksou hat schwer gelitten. Die Einwohner des Dorfes selbst kamen, mit wenigen Ausnahmen, ganz uriverletzt davon. Die Dorsschaften zwischen Colchester und Wyvenhoe weisen gleich falls deutliche Spuren deS Naturereignisses auf. In Abberton stürzte die Pfarrei ein, wobei der Rector schwere Verletzungen davontrug. Iu Langenhoe wurde die Kirche gänzlich zerstört und kein Haus blieb unbeschädigt. Iu Teldon stürzte das Dorf- wirthShauS eiu, wobei eiu Kind und eine kranke Frau erschlagen wurden. Der Erdstoß wurde auch sehr deutlich in Cambridge, Northanipton, Ipswich, Bishops, Stortiord, Woolwich, Sheer- neß, Southcnd, Harwich und bis hinunter nach Bristol ver spürt. Seine Gewalt nahm aber gegen Osten immer mehr zu und äußerte sich am stärksten an der Seeküste und in der Nähe derselben. Die Dauer des Erdbebens wird verschieden mit 5 bis 20 Secunden angegeben; die Richtung deS Stoßes ging von Osten nach Westen und war wellenförmig. In London verspürte mail das Erdbeben namentlich der Themse entlang und ganz besonders deutlich im ParlameutSgebäude; der große Vietvriathnrm soll, wie eiuige Arbeiter, die dort iu eiuem der äußersten Erker beschäftigt waren, aussageu, geschwankt und durch etwa drei Minuten deutlich vibrirt haben; Schaden aber richtete das Erdbeben in der Metropole nicht an. DaS Erd beben war von einem starten unterirdische« Rollen begleitet. Ueber die Katastrophe im CircnS zu Bukarest wird dem „EgyetmtöS" von einem Augenzeugen berichtet: Der CireuS war ein primitiver Breterbau, eine wahre Marktbude mit einem Lcinwauddache; daS Publikum hatte alle Räume der Bilde ge füllt iiiid die Vorstellung gedieh bis zur sechsten Programm- uummer. Da erhob sich ein Sturmwind, der das Leiuwand- dach in die Höhe warf und an dem Gebände io rüttelte, daß die Balten trachten. Alles blickte geängstigt nach dem Dache, daS iammt seinem Balkensvstem im nächsten Augenblicke schon auf daS Publikum gestürzt war und dasselbe unter sich ver schüttet halte. Eine entsetzliche Panik bemächtigte sich Aller. Das Publikum lag in nächtlicher Finsternis; uuter dem Dache: dieses aber fing von den umgestürzten Lampen der Mandge Feuer und stand im nächsten Augenblicke in Flammen. Die Leute krochen, sprangen, schlüpfte» unter dem Fcuerdache hervor, nnd glücklich war, Iver aus dem Oualmmecre sich befreie» konnte. Die Zahl der Verunglückten ist glücklicher Weise keine bedeutende. Zus merte ^lstWltlNtllt-Cmrcm dcs ÄMmilslkchmrs, verstärkt durch eine Anzahl auswärtiger Musiker, reihte sich würdig deu voraugegangcmen au. Dasselbe bot uicht uur eiu sehr gewähltes Programm, sondcru es wurden auch sämmtliche Nummern wacker und tüchtig auSgcführt. Der erste Theil brachte nach der Ouvertüre Ruv Blas von MeudelSsolm zwei Sätze aus der unvollendete» Si»fo»ie ll-nmll vo» Schubert, vo» deue» beiouderS das nmR-rmM mit seinen un ¬ vergleichlich herrlichen, durch alle Stimmeu wiederkehreuden
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