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Erscheint wöchentlich drei Mal und zwar Dienstag, Donnerstag und Sonnabend (Vormittag). AbonnementSpreiS beträgt vierteljährlich 1 Mark 20 Pf. pr«»uw«r»i>Ul>. Anzeiger für Inserat« werden bi« spätestens Mittags deS vorhergehenden Tages deS Erscheinens erbeten und die CorpuSspaltenzeile mit lv Pf., unter „Eingesandt" mit 20 Pf. berechnet. Zwönitz und Umgegend. Amtsblatt für den Stadtgemeinderath zu Zwönitz. 74. Dienstag, den 25. Juni 1878. 3. Jahrg. An die Bezahlung rückständigen Schulgeldes wird hierdurch erinnert. Tagesgeschichte. Berlin, 22. Juni. Bulletin von Vormittags 10 Uhr. Nach einer vollkommen ruhigen Nacht ist das Befinden des Kaisers ein durchaus erwünschtes. Berlin, 22. Juni. Die gestern stattgehabten Vorbesprechungen der Congreßeelegirlen Oesterreichs, Englands und Rußlands scheinen für die heutige Congreßsitzung noch zu keinem Abschluß gebracht zu sein. Die Vorbesprechungen von gestern werden heute von 12 Uhr bis zu Anfang der Congreßsitzung fortgesetzt. Bis jetzt geht das Einverständniß auf eine allgemeine Grenze Bulgariens bei dem Bal kan, so daß die Balkanpässe bei der Türkei verbleiben; eS ist richtig, daß von Petersburg Millheilungen und eine kaiserliche Entscheidung erwartet werden. Die Antivari-Frage ist in den Vorbesprechungen noch nicht auf dem Tapet gewesen, wie man dieselben überhaupt auf Bulgarien beschränkt hält, wo noch so viel zu regeln sei. Montenegro und Serbien werde» erst einer späteren Periode des Congresses und der Vorbesprechungen angehören, auf welchen letzteren besonderes Ge wicht liegt, indem sie die Schwierigkeiten und divergirenee» Anschau ungen zn beseitigen haben. Berlin. Gegen Hödel wird am 8. und 9. Juli der Staatsge richtshof vethaneeln. Vorgeladen sind nicht weniger als 98 Zeugen. In Bezug auf die Frage der Ausschließung der Oeffentlichkeit bei den Verhandlungen verlautet, daß nur die Vertreter der Presse zugelassen werden sollen. Die Anklageschrift, die Oberstaatsanwalt v- Luck ver treten wird, bietet, wie man vernimmt, sehr interessante Momente über Interna der Sozialdemokratie und bezüglich der Charakteristik vieler Koryphäen jener Partei. Prag, 20. Jnni. Ein dem socialdemokratischen Geheimbund angehöriger Handwerker, der sich nach Pilsen flüchtete, wurde hierher eingeliefert und dem Landesgerichte übergeben. Nom, 21. Juni. Das Befinden des Papstes hat sich in den letzten Tagen verschlimmert. Die Aerzle riclhen das Verlassen deS Vatikans an, was aber der Papst bestimmt ablehnte. Madrid, 22. Jimi. Die Königin ist am gastrischen Fieber er krankt. Man fürchtete anfangs, eS würde ein typhöses Fieber werden. Die Verwandten der Königin werden morgen hier erwartet. Athen, 2l. Juni. Der Aufstand in Epirus und Thessalien droht baldigen Wiederausbruch; 12,000 Flüchtlinge aus allen Gegen den der Türkei verweigerten die Rückkehr in die Heimath. Die griechische Regierung beabsichtigt wegen des NäuberunwesenS in Thessalien Truppen an die Grenze zu konzeniriren. Japan. Der japanesische Minister des Inner» wurde in der Frühe des 14. Mai auf dem Wege nach dem Palast ermordet. Die Mörder tödteten zuerst die Pferde und den Kutscher und ermordeten kann den Minister, als er aus der Kutsche sprang. Die Leiche war gräßlich verstümmelt, Gesicht und Nacken waren mit Wunde» bedeckt und eine Hand war abgeschnitten. Die Mörder begaben sich sofort nach dem Palaste und lieferten stch selbst ans. Es waren fanatische Anhänger der Rebellen Saino, welche den Ermordeten der Willkür und der Tyrannei anklagten. Lokales und Sächsisches. — Das „Dresdner Journal" veröffentlicht folgende» Erlaß Sr. Majestät des Königs: Bei Gelegenheit der Feier Unseres silbernen Ehejubiläums sind Mir und Meiner Gemahlin, ter Königin, aus allen Theilen des LandtS und aus allen Schichten der Bevölkerung von Einzelnen, wie von ganzen Genossenschaften und Vereinen, namentlich auch von den Bewohnern Unserer lieben Haupt» und Residenzstadt, durch Wort und Schrift, durch sinnige Gaben, festliche Aufzüge, durch Stiftungen der verschiedensten Art, unzählige unver geßliche Beweise wahrer Liebe und treuer Anhänglichkeit zugekomme». Wir sind lief gerührt von dieser allgemeinen und herzlichen Theil- »ahme. Aber auch die musterhafte, bei dem Zusammenfluß so großer Massen, wahrhaft bewnndernswerthe Haltung der Bevölkerung wäh rend der Festtage hat Mich mit inniger Freude erfüllt und der ge- samnitc Verlauf dieses Festes hat Mich in der stets bewahrten Zu versicht bestärkt, daß das Band, welches das Sächsische Volk mit seinem angestammten Fürstenhause verbindet, ein festes und inniges ist. Es ist Mir daher Bedürfniß, in Meinem Namen und im Namen der Königin, Meiner Gemahlin, Allen, welche dieses seltene Fest Uns bereitet und sei» Gelingen gefördert haben, hierdurch Unsere» herz lichsten und tiefgefühltesten Dank auszudrücken. Golt segne Mein Sachsenland und sein Volk! Dresden, am 21. Juni 1878. Albert. — Bekanntlich hat Se. Majestät aus Anlaß des silbernen Ehe jubiläums einer großen Anzahl von Dotinirten oder angeklagten Civil- und Militärpersonen besondere königl. Gnade zu Theil werden lassen. Wie das „Dr. Journ." meldet, ist nach Vortrag des k. Justizministeriums vielen in den Lanbesstrafanstalten zu Hoheneck, Sachsenburg, VoigtS- berg, Waldheim und Zwickau delinirten Sträflingen, welche sich während ihrer Detenlion durch gutes Verhalten ausgezeichnet haben, der Nest ihrer Strafe vom 18. d. M. an erlassen worden und ebenso ist für viele Angeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Personen eine Milderung, gänzlicher Erlaß der Strafen oder Niederschlagung deS eingelciteten Strafverfahrens verfügt worden. Desgleichen hat Se. königl. Majestät nach Vortrag des königl. Kriegsministeri'umS zu be stimmen geruht, daß vom 18. Juni d. I. ab alle im Disziplinarwegs verfügten Arrest- und Haflstrafcn, ebenso innerhalb gewisser Grenzen die im gerichtlichen Wege erkannten Arrest- oder im Garnisongefäng» nisse zu verbüßen gewesenen Gefängniß- oder Haststrafen, insoweit diese Strafen an gedachtem Tage noch nicht oder nicht vollständig vollstreckt waren, erlassen worden sind. Außerdem hat die allerhöchste Gnade auch noch einer größeren Anzahl von in den FestungSgefäng- mssei: zn Dresden und Königstein zu Verbüßung längerer Gefängniß« strafen delinirten Mitilärpersoiieu (sogen. Militärgefangenen), welche sich durch gute Detentionsführung ober aus sonstigeu Gründen einer allerhöchsten Gnadenerweisung würdig erwiesen, Erlaß ihrer »och übrigen Strafe vom obigen Tage ab zu Theil werden lassen. Dresden, 20. Juni. Die Jubiläumsfestlichkeilen haben mit dem gestrigen Hofball ihren Abschluß gefunden. Während der fünf Fest tage, wo die in den Straße» sich bewegende Menschenmenge oft Hunderttausend überstieg, ist kein Unfall und keine einzige Störung zn verzeichnen gewesen. Die Polizeibehörde hatte jede das Publikum belästigende Maßregel vermieden. Leipzig. Am Donnerstag fand in Connewitz die Taufe eines Kindes statt, bei welchem eS keinem Geringere» als König Albert ge falle» hat, Palhenstelle zu vertreten. Es ist das 25. Kind, das dem dortigen Hausbesitzer und Rohproductenhändler Ziliack am 25. Mai d. I. von seiner zweiten Frau geboren wurde. König Albert hat seinem Palhen zugleich mit den besten Wünschen für dessen Gedeihen eine kostbare, mit Diamanten besetzte goldene Uhr, die den königlichen Namenszug trägt, durch sein Kämmerer-Amt zum Geschenk über senden lassen. Leipzig, 21. Juni. Der schon seit mehreren Jahren in unserer Stadt lebende und vor Kurzem in'ö hiesige Johanniöhospital aufge- nommene ehemalige Seiltänzer Wilhelm Kolter begeht am kommenden Johannistag, den 24. Juni, seinen 87. Geburtstag. Nemse. In einem Anfall von Geistesstörung hat am 20. d. M. früh der 55 Jahre alle Gutsbesitzer Johann Adam PohlerS in Wickersdorf in einem einige Hundert Schritte von seinem ÄMsgehöfte entfernt gelegenen Wasserloche freiwillig den Tod gesucht und gefunden.