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^or^tr Wochen-^,, M z L l! !- lK ä A Ä L A über örtliche und vaterländische Angelegenheiten. Sechster I a k r g a n g. Preis für den Jahrgang bei Bestellung von der Post 2! Neugroscden, bei Beziehung des Blattes durch Botengelcgenhcit IS Neugroschen. Erscheint jeden Donnerstag. 4. Marz 1841. Rückblick auf die neueste Preuß. Geschichte. Von einem Konstituzionellen. Seit dem Ableben Friedrich Wilhelm III. und dem Regierungsantritte Friedrich Wilhelms IV. waren chie Blicke der deutschen Vcrfassungsfreunde gespannter als je auf Preußen gerichtet. Es war ein weit verbreiteter Glaube, daß die Stämme, die den Preußischen Staat bilden, nur aus Achtung vor dem grauen Haare des alten Königs, dessen Alter sie nicht durch die Erinnerung an vergangenes Unglück und gegebene Versprechen be schweren und beleidigen wollten, ihre Ansprüche aus Verjüngung und Belebung der politischen Form des Staates hatten ruhen lassen, daß sie aber nach seinem Tode dieselben mit lauter Stimme geltend machen wür den, nach dem Antheil an der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten verlangend, ohne den es keine selbstbe wußte Thatkraft, keine sittliche Würde, keine politische Freiheit, also auch kein öffentliches Glück giebt. Man schilderte die öffentliche Meinung in Preußen so weit vorgeschritten, daß es keinem Zweifel unterliegen konnte, es würde sich in den bedeutenderen Städten des Landes derselbe politische Geist regen, der kurz vorher die däni schen Korporazionen getrieben hatte, Christian VIII. un mittelbar nach seiner Thronbesteigung um eine Reforni der Nersassung nach dem Muster der Norwegischen zu bitten. Man sprach davon, daß die neue Verfassung schon seit langer Zeit in Berlin fertig liege und daß der Sohn der Mann nicht sei, der das aus der Ver lassenschaft des Vaters dem Volke zufallende Erbtheil einen Augenblick vorzuenthalten gesonnen sei. Man hoffte, und weil man es hoffte, sagte man es, daß Friedrich Wilhelm IV. die lang genug verkannte Stel lung Preußens begriffen habe, daß mit ihm die alte unteutsche, der Entwickelung der Verfassungen und der Bildung einer starken politischen Meinung in den teut- schen konstituzionellen Staaten feindselige Preußische Po litik abgethan sei, daß Preußen nur im Fortschritt seine Zukunst, sein Heil verbürgt sehe und so die politische Bewegung nicht mehr hemmend, sondern in seinen Be ¬ reich aufnehmend, sogar leitend, die zweifelhafte T seiner Rheinprovinzen befestigen, die argwöhnische, Y er und da selbst feindselige Gesinnung Mittel - teutschlands versöhnen und jseinen Einfluß auf Vie Ge staltung des teutschen Lebens dauernd,tbegrunden werde. Solche Reden und Hoffnungen waren vielleicht patrio tisch: unverständig, überspannt wenigstens und voreilig mußten sie denen erscheinen, in deren Ohren uoch die Abstimmung Preußens in dem hannoverschen Verfas sungsstreite tönte, die sich erinnerten, welche Lehren und Grundsätze Se. Ercellenz der Staatsminister v. Rochow in jenem bekannten Briefe an jenen Kaufmann m El bingen den Verfassungsfreunden zum Angehör gegeben, welches Schicksal die Feier der Erfindung der Buch druckerkunst zu Berlin gehabt hat in einer Zeit, wo Altenstcin noch lebte, der allein unter allen preußischen Ministern und Staatsräthen geneigt gewesen wäre, dem erwachten Geiste des Volkes Zugeständnisse zu machen. Und weil es nicht darauf ankömmt, sich in leeren Einbildungen zu wiegen, sondern die, wenn auch unan genehme, Wahrheit der Dinge sich klar zu machen und zu gestehen: was in aller Welt konnte Preußen bewegen, eine auf allgemeine Vertretung des Volkes gegründete Verfassung zu geben? — Etwa Art. 13 der Bundes akte, nach welchem in jedem Bundesstaate cM land- ständische Verfassung Statt finden soll, und die auf dem Wiener Kongreß darüber abgegebenen Erklärungen, etwa das Edikt vom 22. Mai 1^15, in welchem eine Reprä- sentazion des Volkes und eins schriftliche Urkunde als Verfassung des Preußischen Reiches verheißen wurde? Aber 25 Jahre lang wurden diese Worte gedreht und gedeutet, als ob unter Repräsentazion des Volkes die provinzielle landständische Vertretung gemeint sei; 25 Jahre haben nicht gereicht, die gegebenen Ver sprechungen zu erfüllen, und eine Repräsentazion des Volkes einzuführen; 2:5 Jahre lang wurden die alten Feudalstände und die unbeschränkte Monarchie als für vas Preußische Reich allein angemessen und zeitgemäß der That nach erklärt. Hat sich die Lage der Dinge so sehr verändert, daß ein Augenblick das Oberste zu