Volltext Seite (XML)
Schlesien eindringenden Strom vor allem aus dem Nordwesten nach Böhmen vordrangen, und, da sie mit der Bevölkerung des böhmischen Milieus in ge wissem Sinne zusammenlebten, zu ausgeprägten Komponenten sowohl der ivner als auch der gleichzeitigen westböhmischen Variante der Chamer Gruppe (Kultur) wurden. In einigen Arbeiten wird die Kugelamphorenkultur auf dem nordwestlich von Böhmen gelegenen Gebiet im großen und ganzen als jünger angesehen als die Bernburger Kultur 10 ). Aus der Tatsache, daß die Keramik beider Kulturen gemeinsam auftritt 11 ), ergibt sich jedoch, daß beide Kulturgruppen als der gleichen Zeitperiode angehörend angesehen werden können, was schließlich auch schon N. Niklasson und andere in ihren Schluß folgerungen angedeutet haben 12 ). Beide Kulturäußerungen finden sich näm lich gemeinsam im Stil Bernburg III vor (wobei das gemeinsame Auftreten der Stile Bernburg II und III besonders betont wird), doch ist nicht einmal eine Verbindung mit dem Stil Bernburg I völlig auszuschließen 13 ). Die Kontemporaneität der Bernburger und der Kugelamphorenkultur bei gleichzeitiger, wie festgestellt wurde, beträchtlicher Vertretung der Kugel amphorenkultur in Böhmen (Abb. 3), und dies auch in Komplexen mit Riv- ner Kultur (und mit Varianten der Chamer Gruppe), wird zum Ausgangs punkt von Erwägungen bezüglich der wechselseitigen Beziehungen beider Landesgebiete und Kulturbereiche im jüngeren Äneolithikum. Autoren der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts, die böhmisches Material behandelten 14 ), sahen in zahlreichen, heute in den Rahmen der (erstmalig von J. Axamit 15 ) als ein Ganzes definierten) ivner Kultur eingereihten Formen, 10) G. Mildenberger, a. a. O.,S. 58, 70—71, 92, läßt nur bestimmte gemeinsame Berührungspunkte zu. 11) N. Niklasson, in: Jahresschrift Halle XIII, 1925, S. 169—171; H. Priebe, Die Westgruppe der Kugelamphoren, in: Jahresschrift Halle XXVIII, 1938, S. 49—50, 56—57; V. Weber, Die Kugel amphorenkultur in Sachsen, in: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmal- pflege 13, 1964, S. 158; ähnlich auch z. B. E. Sprockhoff, a. a. 0., S. 128; U. Fischer, in: Archae- ologia Geographica 2, 1951, S. 102, G. Mildenberger, a. a. O., S. 70 u. a. 12) U. Fischer, in: Archaeologia Geographica 2,1951, S. 102; siehe weiter die von G. Mildenberger, a. a O., S. 50, 58, 69 angeführten Beispiele, bei denen die Überschichtung der Gräber mit den Stilen W II/B I und B II/III und der Kugelamphorenkultur nur eine sporadische Erscheinung bildet und im Gegensatz zu zahlreichen gemeinsamen Funden der Bernburger und Kugelamphoren kultur nicht völlig eindeutig ist (s. Anm. 11). 13) G. Mildenberger, a. a. O., S. 70. 14) A. Stocky, Pravek zeme esk, I. Vek kamenn, Praha 1926, S. 100—103, beschreibt im Abschnitt über die Gefäße des sog. Bernburger Typs in Böhmen neben der typischen Tasse mit Bandhenkel und den Tontrommeln auch Gefäße (Amphoren, Krüge, Tassen, Schüsseln), die zum Inventar beider Hauptphasen (der Baalberger und der Salzmünder) der Trichterbecherkultur gehören, und außerdem auch einige Gefäße, die heute in den Rahmen der Rivner Kultur gereiht werden. Eine ähnliche Auffassung vertritt auch J. Schränil, Die Vorgeschichte Böhmens und Mährens, Berlin- Leipzig 1928, S. 63—65. 15) J. Axamit, Nov6 nälezy jordansmühlsk keramiky v Cechäch, in: Pamätky archeologick6 XXXVI, 1928—1930 (1930), S. 188—201, gab der ftivnäcer Kultur ihren Namen nach der Fundstelle in ivn (Kat. Gem. Roztoky, Kr. Praha-W.), die von C. R^zner, Rivn, prcdhistoricke hradit u Levho Hradce, in: Pamätky archeologick XII, 1884, S. 210—216, 299—302, durchforscht wurde. Zur Frage der Genesis der ftivnäcer Kultur verwies schon .1. Axamit, Badenskä keramika v Cechäch, in: Pamätky archeologick XXXVIII, 1932, S. 2—8, überzeugend auf die südöstlichen Beziehungen.