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selbst von einigen kurzen, an den Rändern nieder gearbeiteten, also konvexen Schnitten abgesehen, selten einen exakt geraden Schnitt beobachten können; die meisten sind in der Mitte tiefer, also konkav. Zum Vergleich führen wir die Gratsäge an (Abb. 2). Sie hat ein ganz kurzes Sägeblatt und man darf sie beim Sägen nicht ganz aus dem Schnitt führen. Abb. 2 Daraus ergibt sich, daß die Ränder des Holzes infolge der Vorsicht bei der Führung wenig Druck erhalten und die Mitte durch das ungehemmte Arbeiten tiefer eingeschnitten wird. Je kürzer das Sägeblatt ist, um so tiefer wird die Schnittkurve in der Mitte des zu zersägenden Objektes. Einen Drehpunkt nach dem Grad der Krümmung des Schnittes auszurechnen, halten wir für falsch. Wir haben die Vertiefungen in den vorgeschichtlichen Sägeschnitten durch das kurze Sägen (wir sagen Fitschein) erhalten. Wenn nun das zu zersägende Steinstück schmal war — nehmen wir an, von einem Schuhleistenkeil mußte der Nacken abgesägt werden —, so ist das Sägeblatt sicherlich länger gewesen als der aus zuführende Schnitt. An solchen Stücken finden wir auch tatsächlich den Schnitt, wie ich ihn oben demonstrierte (also konvex) (Abh. 5, 4 b). Es kommt noch ein zweites hinzu. Das vorgeschichtliche Sägeblatt, das wohl be stimmt aus Holz gewesen ist, nützte sich an den Ecken am stärksten ab. Diese Tat sache erklärt auch, daß bei den kürzeren Sägeblättern die konkave Schnittführung noch stärker hervortritt. Betrachten wir uns einmal die einzelnen Schleifspuren in den Sägeschnitten, so sehen wir eine scheinbar fortlaufende Gleichmäßigkeit der Riefelungen. Wenn nun ein Mensch stunden-, ja tagelang einen Schleif- oder Sägeapparat hin- und herzieht, so werden seine Bewegungen immer mechanischer und gleichmäßiger, aber nie so gleich mäßig wie die Bewegungen, die von einem arretierten Punkt ausgehen. Das müssen wir hierbei genau beachten. Es gibt Originalstücke, an denen plötzlich mitten in der Schnittfläche ein ganz anderer Modus einsetzt, so daß man annehmen möchte, der Sägende wäre von einer anderen Person abgelöst worden (Abb. 5, 5, 8 und 9). Bei breiten Sägeschnitten ist ein Sägeblatt mit einer Stärke von 10 mm und mehr angesetzt worden. Es schliff sich von beiden Seiten bis auf 1—2 mm Dicke nach der Schneide zu konisch ab. Die Dicke des Sägeblattes richtete sich wohl nach der Tiefe des beabsichtigten Schnittes, denn wenn das Sägeblatt bis zu dem besagten 1 mm abgeschliffen war, ging der Schleifvorgang infolge der nun keilig gewordenen Form, die das Klemmen verursachte, langsamer vor sich. Wir kennen Schnitte von 8 mm Tiefe bei einer Anfangsbreite von 4 mm. Das Verhältnis von Schnittiefe zu Sägeblatt dicke scheint durchschnittlich 2 : 1 zu sein, denn die Vergleiche 13 mm tief zu 6,5 mm breit oder 16 : 8 mm, 20 : 10 mm usw. bestätigen diese Annahme. Bei der Wahl der Dicke der Sägeblätter war man an Grenzen gebunden. Man ging nicht viel über 10 mm hinaus, weil ein zu starkes Sägeblatt wohl einen tieferen Schnitt ergab, zu diesem tieferen und breiteren Schnitt aber ein bedeutender Zeitaufwand benötigt wurde. Die Erfahrungen brachten es dazu, daß ein zweiter Schnitt bei starken Stücken — von unten angesetzt — die Absprengung sicher gewährleistete und zugleich schneller aus zuführen war. In den meisten Fällen geht der Schnitt an beiden Schnittwänden gleichmäßig konisch in die Tiefe. Das ergibt sich daraus, daß sich ja das Sägeblatt auf beiden Seiten ab nützt. Wir finden aber auch Schnitte, bei denen eine Seite senkrecht und die andere Seite die Trennflächen etwas übertrieben schräg markiert (Abb. 5,5). Diese Merkmale geben wieder Anlaß zu den wunderlichsten Vermutungen. Betrachten wir uns die Stücke jedoch genauer, so können wir feststellen, daß sie bei der Anbringung des Säge-