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aus nicht. Nachdem man zunächst geplant hatte, den Abraum der Planierungs arbeiten in die „Teichaue“ zu fahren, um den „Rathsteich“ im jetzigen Kasernengelände aufzufüllen, entschloß man sich später, den Schutt zur Ab böschung des Westhanges gegen die Nikolaikirche hin zu benützen. Schwierig keiten bereiteten beim Schulbau ferner ein lang und tief in den Schloßberg hineingetriebener Braukeller und die Keller einiger am Westhang stehender Häuser, die z. T. abgetragen wurden. Wie es damals in Döbeln leider nie manden gab, der energisch für die Erhaltung der Schloßruinen eintrat, so waren auch 30 Jahre vorher, im Jahre 1839, ohne Widerspruch die Stadttore und -mauern abgebrochen worden. Vieles ist damals ohne zwingende Gründe zer stört worden und nur sehr wenig vom Alten übrig geblieben, so z. B. am Schloßberge geringe Mauerreste am Südhang und ein vierseitiger Mauersockel an der Nordseite. Vom Schloßberge in Döbeln hat H. Hey im Jahre 1914 eine kurze, sich im wesentlichen auf die Chroniken stützende Darstellung gegeben 5 ). Als in den Kriegsjahren 1940/41 die Keller am Westhange des Schloßberges teilweise wieder ausgeräumt wurden, fanden sich auch zahlreiche slawische und frühdeutsche Gefäßscherben, die ohne Zweifel vom Plateau des Schloß berges herrühren. Die genauere Alters- und Herkunftsbestimmung des um fangreichen Scherbenmaterials haben in dankenswerter Weise G. Bierbaum (t) und J. Kretzschmar (t) durchgeführt. Zur Beurteilung des frühdeutschen und mittelalterlichen Befundes wird auf die Aufsätze von J. Kretzschmar verwiesen 6 ). Die Scherben gehören zum kleineren Teile der slawischen, zum größeren der blaugrauen frühdeutschen Tonware an. Die knappe Hälfte der slawischen keramischen Bruchstücke ist zum Stil II (850—1000 u. Z.), die größere zum Stil III (1000—1200 u. Z.) nach der Einteilung der slawischen Keramik von H. A. Knorr 7 ) zu stellen. Häufiger vorhandene gemeinsame Ornamente des Stiles II der bodenständigen Keramik sind Kammeinstiche (S.: 308/41; Abb. 1 a) und Wellenband (S.: 432/41; Abb. 1b). Es ist auch nordgermanisch beeinflußtes Material vorhanden, das J. Kretzschmar nach 900 ansetzt und selbst bearbeiten wollte. 5) H. Hey, Vom Schloßberge in Döbeln. Aus der Heimat (Festschrift zum Heimatfest Döbeln, 20. bis 22. Juni 1914); Mag. Const. Mörbitz, Chronica Doebelinensis, Leisnig 1727; C. W. Hingst, Chronik von Döbeln, 1872; E. Reinhold, Geschichtliches Heimatbuch des Bezirkes Döbeln, 1925. •) J. Kretzschmar, Die Entstehung von Stadt und Stadtrecht in den Gebieten zwischen der mitt leren Saale und der Lausitzer Neiße. Untersuchungen zur Deutschen Staats- und Rechts geschichte 75, 1905; derselbe, Die Leipziger Keramik im Zeitalter der Ostkolonisation, Sach sens Vorzeit 1, 1937, S. 146 ff.; derselbe, Münzdatierte frühmittelalterliche Gefäße aus dem nordwestlichen Sachsen und ihre Bedeutung, Sachsens Vorzeit 3, 1939, S. 89 ff.; derselbe, Die mittelalterliche Keramik des Freiberger Stadtgebietes. Mitteilungen des Freiberger Alter tumsvereins 70, 1941, S. 121 ff. ’) H. A. Knorr, Die slawische Keramik zwischen Elbe und Oder, 1937, S. 207 ff.