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Heinz erzählte Wanda von seinen Pferden und Hunden und lockte ihr das Versprechen ab, daß sie bald mit ihrem Ponnysuhrwerk hinUberkommen werde, um all diese Wundertiere zu betrachten. »Fräulein Wanda fährt viel zu unsicher zu solch einem langen Weg," neckte der Inspektor sie, „der Groom ist nicht einmal genug Bewachung, da muh noch eine Bonne mitgenommen werden.' Wanda ivurde rot, denn alle lachten, und sie ries ärgerlich: „Ach, Herr Inspektor, wer ist neulich beinahe vom Pserde gefallen, grade als ich um die Ecke kam?" „Vergessen Sie nicht, daß all die jungen Gänse neben Ihnen herliefen, vor dieser Uebersülle an Grünschnäbeln hätte ich auch säst gescheut." Waitda schwieg, aber sie nahm sich vor, ihn zu ärgern, zu demütigen, diese überlegene Ruhe reizte sie auss äußerste. „Was macht denn Ihre Milchwirtschaft, Herr Inspektor?' fragte Heinz. Auf die Dauer kann ja niemand das Fachsimpeln lassen. „Wollen Sie auch der Genossenschaft beitreten?' „Wir denken gar nicht daran,' antwortete Wanda hastig, „wir haben unsere sesten Abnehmer in der Stadt, wir brauchen diese lang weiligen Vereinigungen nicht." „Ich denke, ich werde Frau von Einhaus bestimmen können, der Gesellschaft beizutreten,' jagte Konrad ruhig, als habe er ihre Worte überhört. „Der Verkauf wird ja bedeutend erleichtert und vereinfacht und die Käufer können nicht mehr an den Preisen mäkeln. Ich finde die Genossenschaften praktisch und verständig." „Ich gar nicht, ich gar nicht,' eiferte Wanda zornrot. „Das thul mir leid, wird aber den Beschluß kaum ändern können." „Ich werde dafür sorgen, daß es kein Beschluß wird — und gegen meinen Willen geschieht es doch nicht." „Sind Sie die Herrin des Gutes EinhauS-Oggelnburg?' fragte Konrad mit leichtem Spott. „Nein, aber auch kein Untergebener — wie Sie.' Alle schwiegen betroffen, dann erwiderte Konrad ruhig: „Ich wußte bisher nicht, daß ich mich bei Ihnen verdingt hatte — nun bitte ich mir aber ein neues Hemd und ein Paar Stiefeln zu Martini auS." „Bitte, entschuldigen Sie die Unart meiner Schwester," sagte Herbert, indem er ausstand und dem Inspektor die Hand reichte, „sie hat sich ihre Worte nicht recht überlegt, nicht wahr, Kleine?' Wanda kämpfte mit ihren Thräuen, aber sie hielt Konrad die Hand hin und bat kläglich: „Ach, vergeben Sie mir." „Was denn?" fragte er gutmütig, „daß Sie so unvernünftig kleine Finger haben?' Und er zog sie an die Lippen. Ulrike kam zurück und die ansangs etwas feierliche Stimmung wich bald dem allen, heitern Ton. „Schläft Ihr Pflegekind schon?" „Nein, er hat Kopfschmerzen, ich muß bald wieder nach ihm sehen." „Sie sind eine echte barmherzige Schwester, dabei weder super fromm noch geschmacklos brav —' „Woher wissen Sie das?' fragte Ulrike lachend, „Sie wollen nur das sehen, was Ihnen paßt.' „Nein, alles was ich sehe, ist vollkommen — an Ihnen ist nichts zu tadeln." Er schlug wirklich einen Ton an, der mehr bedeutete als Freund schaft. Ulrike fühlte sich geniert und begann ein Gespräch mit Lucie, aber eine leise Glücksempfindung wallte in ihr auf. „Wenn Du nachher zu Ajax gehst, nimm mich mit,' bat Lucie, „vielleicht kann ich ihm helfen." Ulrike sand nichts Ausfälliges in diesem Wunsch und erwiderte nur: „Quäle ihn nicht mit Fragen, er ist abends so leicht erregt.' Dann begann der Tanz von neuem und Herbert und Wanda setzten sich abwechselnd ans Klavier. Ulrike blieb aus ihrem Platz und sah dem Vergnügen zu — sie wunderte sich, daß sie keine Regung des Bedauerns verspürte — früher war sie unersättlich ge wesen! Der Inspektor hielt ihr meistens Gesellschaft, erzählte ihr von seiner Jugend und sprach von Zukunftsplänen: wie schlecht heutzutage die Aussichten für einen Landmann seien, wie man unbedingt ein großes Kapital gebrauche, um bestehen zu können, und daß es doch wieder sein Hauptwunsch sei, die Abhängigkeit bald auszugeben und sein eigener Herr zu werden. „Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als reich zu hei- raten," sagte Ulrike lachend, „Gelegenheit genug bietet sich Ihnen ja hier " Konrad von Ländern wurde dunkelrot, ahnte sie etwa, daß er Wanda —? Aber sie sprach ganz unbefangen weiter: „Ich sehe gar nichts Häßliches darin, daß ein Mann wie Sie ein reiches Mädchen heiratet. Sie bringen ja Ihren Wert in Ihren Kenntnissen mit sich und jeder Verständige muß sich freuen, wenn er weiß, daß das Land, dem er sein Leben lang Mühe und Arbeit widmete, nach ihm in demselben guten Zustand erhalten bleibt. Und so, in abhängiger Lage, können Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen niemals ganz entfalten. Es giebt hier so viele liebenswürdige, hübsche, junge Damen — ich glaube, Sie brauchen immer nur zu wählen!" Sie lachte und er widersprach ihr nicht, sie hatte nicht Unrecht. Aber verstand sie denn gar nicht, was ihn bewegte, oder neckte sie ihn? Er wollte wissen, woran er sei, und indem er ihren Blick fest in den seinen zwang, fragte er leise: „Weshalb raten Sie mir das, Ulrike? Kann man über sein Herz gebieten? Was gelten Reichtum, Ansehen, Unabhängigkeit — tritt nicht alles zurück, sobald Liebe und Leidenschaft sich regen? Sollten wir zum erstenmal verschiedener Meinung sein? Antworten Sie mir!" Er hatte sich noch zu ihr hinabgebeugt, sie empsand seinen Atem und hastig erhob sic sich. Was sollte sie ihm sagen? Mißverstehen konnte sie die Bedeutung seiner Worte nicht. Vielleicht aber nahm sie seine Neigung zu ernst, vielleicht führte ihn nur Mitleid und Teilnahme zu ihr, der Armen, der Heimatlosen — und auch über die eigenen Empfindungen war sie sich nicht klar. Sie wandte sich noch einmal lächelnd zu ihm zurück und meinte: „Das sind ja die Grundfragen, Herr Inspektor, Sein oder Nichtsein, wie könnte ich Ihnen da so schnell antworten?' Als nach einer Weile Lucie zurückkehrte, entschuldigte sic Ulrike für den Rest des Abends, da der Bruder leicht fiebere und nicht schlafen könne. „Ich wollte gern bei ihm bleiben,' setzte sie hinzu, „aber Ajax erlaubt es nicht, Ulrike hat ihn verwöhnt." Fast sand Konrad das auch, was zwang sie, der Geselligkeit zu entsagen, nur um des launigen Knaben willen? Daß sie vor ihm floh, wollte er nicht glauben, das durfte er ja nicht hoffen! Am nächsten Morgen erhielt Ulrike einen Bries von der Frau Professor, in dem diefe bat, ihr ausführlich mitzuteilen, ob die Land- tust auf Ajax von Einfluß sei und ob die wenigen Tage schon eine kleine Umwandlung hervorgebracht hätten: „Ich setze alle meine Hoffnungen in Sie, liebe Ulrike, ich weiß, niemand kann besser, auf opferungsvoller sür daS Kind sorgen. Mir ist ost, als habe Gott Sie mir gesandt, zum Trost in meiner Verzweiflung, zur Hilfe in all meiner Qual. Ich lege Ihnen mein Kind ans Herz — verlassen Sie uns nicht!' In Ulrike stieg eine nagende Reue empor, sie wußte, daß sie sich von dem jungen Leben ringsum hatte gefangen nehmen lassen, daß nicht wie sonst alle ihre Gedanken der Pflicht gegolten halten. Zwar Ivar nichts direkt versäumt, Ajax war stets in ihrer Nähe geblieben, doch nicht so geduldig wie zu Hause achtete sie seiner kleinen Wünsche und Klagen, oder saß still mit ihm allein in der Sonne, waS er so sehr liebte. Die rührende Bitte der Mutter schmerzte sie mehr als ein strafendes Wort es vermocht hätte, und sie gelobte sich, kein anderes Interesse mehr gelten zu lassen, sich mit allem Eifer wieder des Kindes anzunehmen. Sie bat deshalb Frau von Einhaus, von der Ausfahrt zurück bleiben zu dürfen, sie merkte, daß der Knabe sich nach Ruhe sehnte. „Sie will sich wohl wieder interessant machen vor dem In spektor," meinte Wanda spöttisch. „Ob er nun nicht auch plötzlich einen Grund findet, der ihn leider zwingt, aus das Vergnügen zu verzichten? Sollte mich gar nicht wundern!" „Glaubst Du wirklich, er — er liebt Ulrike?" fragte Lucie zaghaft. „Lieben! DaS ist solch großes Wort! Da wird er sich denn doch wohl besinnen! Aber Hofmachen und Schmeicheleien sagen, das thut er gründlich — mich soll eS nicht kränken," fang sie in etwas kreischenden Tönen. Aber als Konrad von Tondern sein Pferd bestieg, während die Damen vorsichtig auf den hohen, gelben Jagdwagen kletterten, rief sie ihm ein sehr heiteres: „Guten Morgen, Herr Inspektor, schon ausgeschlafen?' zu und blieb während der Fahrt so liebenswürdig wie selten. Die Wirtin des Hauses Rowe hatte sich die größte Mühe bei der Festsetzung des Menus und der vollkommenen Ausführung der Gerichte gegeben. Aber da nun auch noch der als Feinschmecker bekannte Herr von Lodewitz unter ihren Gästen war, so ängstigte sich Lottchen noch mehr als sonst, ob die Mayonnaise auch steif bleiben, die Pastetendeckel gut braun, die Gemüse heiß serviert wurden. Erst als das lange Diner die gefürchtete Mitte, die cingesandten, frischen Stangenspargel, erreicht hatte, sah sie dem „Bergab" gleichmütiger entgegen und fing nun selbst an, etwas zu genießen. Aber die aus gestandenen Sorgen halten sie trotz der leichten, lila Taille, in die sie sich gepreßt, in eine solche Hitze versetzt, daß sie sich hauptsächlich an das Eiswasser in den großen silbernen ckecanbos hielt. Zwei Tage hintereinander mit ganz denselben Personen zu sammen zu kommen, ebenso viele Stunden wie gestern in fast der selben Tischsitzung auszuharren, stellt an das Bemühen, sich zu umer- halten, große Ansprüche. Fräulein von der Höhe peinigte heule Herrn von Lodewitz mit der Herzählung skandalöser Familien- trngödien — sie sand in jedem Hause das Skelett und stellte cs frei mütig zur Schau, ohne Entree zu entnehmen — und ihr blonder Schatten schnurrte die befohlenen Daten dazu mit beleidigender Virtuosität herab. Der fromme Heinz sand Baronesse Anay lange nicht so frisch wie gestern — die Töchter des Hauses hatten nicln einmal ausschlafen dürfen, sondern in aller Morgenfrühe der eifrigen mcr :ie ih bemü! 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