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^okal-Anzeiger sm die Ortschaften Bretnig, Hauswalde, Großröhrsdorf, Frankenthal und Umgegend. > - Der Allgemeine Anzeiger erscheint wöchentlich zwei Mal: Mittwoch und Sonnabend. Abonnementspreis inkl. des allwöchentlich beigegebenen „Illustrierten Nnterhaltungsblattes" vierteljährlich ab Schalter I Mark, bei freier Zusendung durch Bolen ins Haus l Mark 20 Pfennige, durch die Post I Mark exkl. Bestellgeld. Inserate, die gespaltene Kvrpuszeile Iv Pfg., sowie Bestellungen auf den «V. gemeinen Anzeiger nehmen außer unserer Expedition auch unsere sämtlichen Zeitungsboten jederzeit gern entgegen. —- Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen gewähren wir Rabatt nach Nebereinkumt. Inserate bitten wir für die Mittwoch-Nummer bis Dienstag vormittag '/z11 Uhr, für die Sonnabend-Nummer bis Freitag vormittag ^/,11 Uhr einzusenden. Nr. 96. Schristleitung, Druck unk> Verlsg von N. Schurig, Bretnig. Mittwock den 3V. November 1904- 14. Jahrgang. Bekanntmachung. Die diesjährige Gemeind eratswahl findet Sonnabend den 8. Dezember von nachm. 4 bi» 7 Uhr im bekannten Lokale statt. Bretnig, 29. Nov. 1904. Der Gemeindevorstand Petzold. stellt. Bei 4 Grad Kälte fällt seit Mittwoch Schnee und es herrscht bereits die schönste Schlittenbahn. Bäche sind zugesroren. Auch der Transport von Weihnachtübäumen hat be- reit» begonnen. Ganze Wagenladungen sind in den letzten Tagen au« Bayern im Vogt lands eingetroffen. Der Preis ist in diesem Jahre ein ziemlich hoher. Oertliches und SächstscheS. Bretnig. Aus dem Gemeinderate schei den in diesem Jahre die Herren Ernst Probst und Otto Gebler aus der 1. Klaffe der An sässigen, ferner die Herren Ewald Ehle und August Schöne aus der 2. Klaffe der An sässigen aus. — Am12.Fsbruar nächsten Jahres gedenkt der hiesige Militärverein im Gasthof zum oeutschen Hause sein Stiftungsfest zu feiern. — Die Witterung im Dezember dürste sich nach Otto Falb» Prognose im großen und ganzen ziemlich trübe und miloe gestalten. Während die ersten Tage uns Schneefälle bringen sollen, hätten wir in den letzten Tagen des Monats Frost zu erwarten. Den 7 sowohl wie den 22 Dezember be zeichnet Falb je als einen kritischen Termin zweiter Ordnung Dem Hundertjährigen Kalender zufolge beginnt der Dczemoer mit Frostwetter. Am 10. Dezember sollen Schnee fälle eintreten, dann soll es kalt werden, vom 19. Dezember ab regnerisch, gegen Ende aber wuder frostig sein. Hauswalde. Gemeinderars- und Kir chenvorstandswahl. Am Sonnabend wurden bei der Gemeinderatswahl Herr Gutsbesitzer Max Nitsche Nr. 41, das jetzige Gemeinde ratSmitglied und Großgärtner Herr Moritz Philipp und der Dominialhänsler Herr Her mann Caspar für die Ansässigen gewählt Bei der Wahl eines unansässigen Gemeinde ratsmitgliedes trat Stimmengleichheit ein. Es mußte das Los zwischen oem Steinbruch- pachler Herrn Theodor Zschiedrich und dem Leinwanddrucker Herrn Emil Gebauer Nr. 121 entscheiden, welches zu Gunsten des letzt genannten siel. — Bei der Wahl zum Kir- chenoorstande wurden am vergangenen Sonn tag gewählt die Herren Kantor Reumuth, Ortsrichter Emil König und Tischlermeister Otto Schade. Hauswalde, 29. Nov. Am Sonn tag hat sich der von hier stammende 26jäh- rige Maurer Brückner in Dresden, wohin er vergangene Woche gefahren war, um Arbeit zu suchen, entleibt. Was sden Betreffenden zu diesem Schritte veranlaßt hat, ist noch unbekannt. — Ein Unbekannter hatte, wie seinerzeit gemeldet, am 11. d- M. abends auf der Strecke BifchosSwerda-Schmöll» seinem Leben durch Ueberfahrenlassen freiwillig ein Ende bereitet. Nunmehr hat sich ergeben, daß die ser Selbstmörder der aus Poffen b. Schandau abgängige, 65 Jahre alte Schuhmachermeister '»Berger ist, welcher wegen unzüchtiger Hand lungen mit einem Kinde Strafe zu gewärtigen und sich heimlich aus Poffen entfernt halte. Kamenz. Am Sonntag wurde ein von der Staatsanwaltschaft zu Görütz wegen Sittlichkeitsverbrechens steckbrieflich gesuchter Töpsergeselle von der hiesigen Polizei verhaftet. — Desgleichen wurve abends in der 7. Stunde ein Ladenkaffendieb in dem 12jährigen Schul jungen N. auf frischer Tat ertappt, sodaß ihm der gestohlene Betrag wieder abgenommen werden konnte. Dabei stellte es sich heraus, daß derselbe noch weitere derartige Diebstähle verübt hatte. (K. T) Bautzen, 2b. Nov. Der als Unter suchungs-Gefangener im hiesigen Gerichtsge fängnis untergebrachte Fabrikarbeiter Ernst Hölzel aus Sohland an der Spree hat sich, vermutlich aus Furcht vor Strafe, gestern in seiner Zelle erhängt. H. ist 26 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Kindes. Dresden, 27. Nov. Einen plötzlichen Tod erlitt am Sonnabend abend der Wirt des bekannten „Staotwaldschlößchen Etabliffe- ments" am Postplatz, Herr Mäser. Er weilte um diese Zeit munter plaudernd im Kreise seiner Freunde am Stammtisch, als ihm plötz lich unwohl wurde und er kurze Zeit darauf einem Herzschlage erlag: Herr Mäser war 37 Jahre alt und ein kräftiger, gesunder Mann. Dresden. Einen bösen Streich hat ein Gauner dieser Tage dec Verwaltung einer hiesigen Gcoßbrauerei gespielt. Ein gewandt und sicher auftretender Mann stellte sich im Kontor als Inhaber eines größeren Nestau rants aus der Provinz vor und machte nach längeren ernsthaften Verhandlungen eine Be stellung auf Lieferung eines größeren Bier quantums. Der gute Kunde, den man nicht erst aufzusuchen nötig gehabt hatte, wurde, wie das so üblich ist, mit Speise und Trank gelabt, und dann verabschiedete er sich. Man unterhielt sich im Kontor noch über die vor teilhafte Aquisition, da kam der vermeintliche Restaurateur atemlos zurück und klagte, daß er zu seinem größten Leidwesen vergessen habe, bas nötige Geld einzustecken, um einige dringende Einkäufe in der Residenz besorgen zu können Dem Manne mußte natürlich aus seiner Ver legenheit geholfen werden; man händigte ihm ein paar Goldstücke ein, und er verließ nun glückstrahlend definitiv das gastliche Brauerei kontor — um nicht wiederzukehren. Die Bierbestellung war fingiert. Königstein Hier verlautet, daß sie Festung Königstein, die bekanntlich nur noch den Charakter eines Sperrforts besitzt, wieder dem Fremdenbesuch zugänglich gemacht werden soll — In Anwesenheit des Staatsanwalts Dr. Schindler aus Chemnitz wurde in Mittweida von einer gerichtsärztlichen Kommission die Sektion der Leiche de» unter verdächtigen Erscheinungen verstorbenen Einwohners Müller daselbst vorgenommen. Es wurde Darment zündung sestgestellt und soll nunmehr noch eine chemische Untersuchung des Darminhalts erfolgen, weil der Verdacht der Vergiftung durch Nahrungsmittel besteht. Zwickau, 25. November. Handarbeiter Klotz aus Giegengrün, der am 7. Mai d. I. au» unbegründeter Eifersucht seine 66 Jahre alte Ehefrau ermordete, dann seinen Sohn schwer verletzte, hierauf einen Selbstmordver such unternahm, ist vom hiesigen Landgericht außer Verfolgung wegen Mordes gesetzt wor den. Er wird wegen „Eisersuchtswahn" einer Irrenanstalt zugesührt. Zittau, 28. Nov. Heute Nacht etwa um ein Uhr gingen sämtliche Baulichkeiten auf dem Töpfer (Wohnhaus, Restauration und Sommerlogis) in Flammen auf. So wohl die Gebäude als auch das gesamte In ventar ist verloren. Erst mit Tagesanbruch legte sich das Feuer, da e» keine Nahrung mehr sand. Man vermutet Brandstiftung. Zittau. Steckbrieflich verfolgt wird schon wieder ein Soldat des hiesigen In fanterie-Regiments Nr 102. Er ist die» der 21jährige Gustav Wünsche von der 2. Kom pagnie, welcher der Fahnenflucht verdächtig ist. Vor seiner Einberufung zum Militär war W. Gutsverwalter. — Die am 22. d. M. vorgenommene Haupt wahl zur Gewerbekammer zu Zittau hat sol gende» Resultat gehabt. Es wurden bei An wesenheit von 28 Handmerkerwahlmännern im ersten Wahlgange die Herren: Max Rentzsch, Malermeister in Neugersdorf, mit 23 Stimmen, Robert Friedrich, Bäckerober meister in Bischofsweroa, mit 21 Stimmen, Hugo Kneschke, Schloffermeister in Löbau, nnt 16 Stimmen; im zweiten Wahlgange Herr Isidor Lanktsch, Baumeister in Ostritz, mit 12 Stimmen wiedergewählt. Bei Anwesen heit von 27 Nichthandwerkerwahlmännern wurden die Herren Alfred Thomschke, Kauf mann in König-wartha, mit 27 Stimmen, Wilhelm Kutschke, Fabrikant in Cunewalde, mit 25 Stimmen wiedergewählt. Glauchau. Die Geistlichkeit der Ephorie Glauchau hat beschlossen, das Konsistorium und die Landessynode zu ersuchen, die Ehren bezeichnungen „Junggeselle" und „Jungfrau" bei kirchlichen Trauungen in Wegfall kommen zu lassen, da ihre Anwendung sich als pein liche Gewissensnötigung und Versuchung zu unwahren Angaben darstelle, wozu die evan gelische sKirche nicht die Hand bieten solle. Dieje Bezeichnungen waren schon einmal bei Einführung der Standesamtsgesetze abgeschafft, später aber auf Antrag der Synode auf dem Wege örtlicher Bestimmungen wieder zuge lassen worben, weil man sich von ihrem Ge brauche einen wirksameren Schutz für Aus rechterhaltung von Keuschheit uns Sitte ver sprach. — Die Stadtverordneten von Limbach nahmen in ihrer letzten Sitzung den sozial demokratischen Antrag an, den englischen Sprachunterricht an der dortigen Volksschule obligatorisch einzuführen, und zwar für alle Kinder der letzten drei Schuljahre. — Junge, mittellose, lungenkranke Ein wohner von Eibenstock erhalten künftig aus städtischen Mitteln Beihilfen zum Besuche von Heilstätten. Hausdorf Dieser Tage statteten unserem Orte vier Hirsche, aus der Richtung Straßgräbchen kommend, einen Besuch ab. Der eine derselben durchschwamm den Teich und erschien im Gehöfte des Gutsbesitzers St., der von dem Erscheinen des seltenen Gaste« nicht wenig überrascht war- Das Bestreben, dem Tiere durch Schließen des Hostores den Rückweg abzuschneiden, mißlang jedoch und schnellstens, über eine Anzahl Zäune hinwegsetzens, gelangte das Wild wie der in» Freie. Ein Witzbold hatte herausge- sunden, daß die Hirsche wchl den sich so selten zeigenden Jagdpächter gesucht hätten. Aus dem Vogtlande. De: Winter hat sich im Vogtlands nun endgültig einge Reichenbach i V. Vom hiesigen Schöffengericht ist ein Restaurateur wegen Gestattung verbotenen Glücksspieles (Tippen) zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt worben. — Unvorsichtiges Fahren mit einem Kin derschlitten hat in Plauen i. V. bereit» ein Opfer gefordert. Zwei Knaben fuhren auf einer abschüssigen Straße, al» ein schwer be ladener Kohlenwagen dieselbe Straße kreuzte. Der Schlitten fuhr mit furchtbarer Gewalt gegen den schweren Wagen; der eine Knabe flog im weiten Bogen zur Seite ohne Scha den zu nehmen. Der andere jedoch, der zwischen die Pferde und da» linke Vorderrad de» mit Kohlen beladenen Wagens geraten war, wurde vom Rade erfaßt, ein Stück mit- geschleist und am Unterleibe so furchtbar ge quetscht, daß der Tod des armen Kindes bald darauf eintrat. Zwenkau. Am Sonnabend vollendeten sich 25 Jahre, seitdem Herr Bürgermeister Ahnert-Zwenkau den 12. städtischen Wahlkreis vertritt. Die Bürgermeister der beteiligten Städte überreichten dem bewährten Vertreter ein wertvolles Geschenk und sprachen ihm die herzlichsten Glückwünsche au». Das Geschenk besteht aus einem kostbaren Schild mit ent sprechender Widmung. Leipzig. Dem „Leipz Tgbl." zufolge wurde der entlassene Geschäftsführer de» Leip zig-Connewitzer Konsumvereins in Liquidation, der frühere Stadtverordnete Bock, verhaftet. — Ein 17 Jahre altes Mädchen ist in der letzten Zeit bei einer größeren Anzahl Haus frauen erschienen und überbrachte diesen an- geblich von deren Ehemännern bestellte Pakete Kaffee, wofür sie sich die höchsten Preise zah len ließ. Die Frauen aber mußten bald die bittere Wahrnehmung machen, daß sie hinein gefallen waren. Wie sestgestellt worden ist, hat das Mädchen die billigsten Kaffeesorten eingekaust und hat auf diese Weise ein ganz gutes Geschäft gemacht. Leipzig, 27. November. Der Schuh macher Günther wurde gestern abend von der Anklage des Raubmordes an dem Trödler Cohn von den Geschworenen freigesprochen. — Die von dem böhmischen Arbeiter Hahn vor etwa 7 Wochen nachts in ihrer Wohnung überfallene Gorlnäherin Teubner in Elterlein leidet noch immer an den Schlägen, die ihr der Wütrich mit einem'Beile beigekracht hat. Infolge Verletzung der Hirnschale ist sie ihrer Sinne noch nicht vollständig mächtig. Der geflohene, später aber in Böhmen festgenommene Verbrecher sieht seiner Verurteilung durch das Bezirksgericht Brüx i. B entgegen. Ein Vertreter dieser Behörde weilt bereits in Elterlein, um über die Tat nähere Erkundig ungen einzuziehen.