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Allgemeiner Anzeiger ch Amtsblatt für die Ortsbehörde und den Gemeinderat zu Bretnig. Lokal-Anzeiger für die Ortschaften Bretnig, Hanswalde, Großröhrsdorf, Frankenthal Md Umgegend. Der Allgemeine Anzeiger erscheint wöchentlich zwei Mal: Mittwoch und Sonnabend. ?!tvnnkwentsprei» inkl. de» allwöchentlich beigegebenen „Illustrierten Nnterhaltung«blatte»" vittteljährlich ab Schalter 1 Mark, bei freier Zusendung durch Boten in» Hau« 1 Mark W Pfennige, durch die Post 1 Mark exkl. Bestellgeld. Inserate, die 4gespaltene Korvurzeils 10 Pfg., sowie Bestellungen auf den All gemeinen Anzeiger nehmen außer unserer Expedition auch unsere sämtlichen Zeitungsbotea jederzeit gern entgegen. — Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen gewähre« wir Rabatt nach Nebereinkunft. Z«fer«te bitten wir für die Mitlwoch.Nummer bi» Dienstag vormittag V,11 Uhr, für die Sonnabend-Nummer bi» Freitag vormittag Uhr einzuseudru. Schriftleitung, Bruck «nb Verzug von A. 8ch»vlg, Bretnig Ar. 17, Mittwoch, den 26. Februar 1988. 18, Jahrgaag. L-rtli«-- u«d «Sckkßkcker. Bretnig. Am Sonntag hielt der Hand- «erkerverein Bretnig und Hautwalde im Gasthof zur goldnen Sonne einen Unterhal tung»,bend ab, der sich eine» sehr starken Besuches erfreuen konnte. Reichlich war der Unterhaltungsstoff, und alle» da», wa« ge boten wurde, erntete mitunter langanhaltenden Beifall. Der Erlös dient zur Anschaffung von Spielgeräten. — Nach einer Bekanntmachung der Kgl. Amtshauptmannschaft Kamenz wird die Pferde- vocmusterung infolge eingetretener Umstände bi« auf weitere« verschoben. — Kirchensteuergesetz. Die Korrespondenz des Evang. Bundes (Landesverein Sachsen) schreibt: Der Kirchensteuergesetzentwurf, der jetzt den Ständen vorliegt, hat noch nicht die öffentliche Aufmerksamkeit gefunden, die er be anspruchen kann. Die erste Debatte über ihn in der Zweiten Kammer zeigte seine vielen bedenklichen Leiten auf. So z. B. sollen die Gaben, welche evangelische Kirchenvorstände an auswärtige evangelische Gemeinden oer willigen, von der Genehmigung der oberen Behörde abhängen. W-lch eine unerträgliche Bevormundung; vermutlich au« unfreundlicher Stimmung gegen die evangelische Bewegung in Oesterreich heroorgegangen. Während der Entwurf den evangelischen Kirchgemeinden Beschränkungen bringt, gewährt er katholischen Gemeinden mancherlei Vorteile, die das Kopf schütteln der Konservativen wie der Liberalen im Landtage Hervorrufen. Man hat da» Ge fühl, daß bei der Ausarbeitung der Vorlage katholische Einflüsse sich geltend gemacht haben. Daraus nimmt im Volke da» Mißtrauen gegen den Ultramontani«mu« neue Nahrung, daß er mächtige Hände benutzt, zu seinen Gunsten, zu Gunsten einer verschwindenden Minderheit Gesetzgebung und Verwaltung zu bestimmen. Gewiß da» Gute hat der Entwurf, dAß er den römisch-katholischen Patronat über evan gelische Gemeinden beseitigt; aber dieser ist überhaupt nicht länger haltbar, er muß fallen; dazu bedarf e« keiner Gegenleistung gegen oie Katholiken, wie z. B. die, welche der Entwurf bietet, daß Katholiken von ihrem Grundbesitz keine Steuern mehr an protestantische Gemein den bezahlen. Damit wird den Römischen zu Liebe der Grundsatz verlasse», der seit zwei Jahrhunderten in Sachsen herrscht, daß der Grundbesitz für die evangelische Kirche zu Steuern herangezogen wird, ein Grundsatz, aus dem die finanzielle Wirtschaft der Kirch gemeinden beruht. Jedenfalls bedarf die Vor lage, die aus allzurascher Feder floß, der ge naueste» Durchsicht durch protestantische Augen; so, wie sie jetzt ist, kann sie nicht Gesetz für da» evangelische Sachsen werden. Großröhrsdorf. Sern 15. Stiftungs fest beging am Sonntag der hiesige Radfahrer- klud im Beisein seiner Angehörigen im Gast hof zum grünen Baum. Die Darbietungen bestanden in trefflich autgeführten Musiksätzen, in einem ausgeteichnet gefahrenen 12er-Reigen, ferner in einem schwierigen, aber bestens ge lungenen Duett, gefahren von Kluvmitglieder», und in einem Einakter, der zum guten Amü sement der Anwesenden bedeutend beitrug. Ein frohbelebtes Tänzchen, unterbrochen durch verschiedcne spaßhafte Ucberraschungen, hielt die lustige Naolecwelt bis zur festgesetzten Stunde beisammen. Radeberg. Auf dem Eise de» Gold bachteiches find zwei Knaben eingebrochen und ertrunken. Sie konnten nur als Leichen ge ¬ borgen werden, und zwar der 13jährige Sohn de» Restaurateur« Michel und der 10 jährige Sohn des Buchhalters Reichhold. Kamenz. Montag, oen 2. März 1908, vormittags 9 Uhr öffentliche Sitzung oe«8e- jirksautschuffe». Die Tagesordnung hängt in der Aml«hauptmannschaft au«. Bautzen. Ein Exlrazug mit Geistes kranken von Waldheim traf am Donnerstag vormittag auf hiesigem Bahnhof ein. Bald nach 10 Uhr fuhr der au» Lokomotive, 1 Gepäck- und 2 Wagen 4. Klasse mit Sitzein richtungen bestehende Zug in di- Bahnhofshalle ein. Auf dem Perron am Bahnhofspostamt waren 4 geschlossene Omnibusse, sowie ein Rollwagen de» Herrn Posthaltrr Wobst auf gefahren. Trotzdem die Ankunft mit Recht geheim gehalten worden war, hatte sich immer hin noch ein ziemlich zahlreiche« Publikum am Bahnhof eingefunden. Bald nach An kunft des Zuge«, Ser von Herrn Oberarzt Dr. Nerlich von der Lrnoetanstalt Waldheim unter Assistenz von einem Oderpfleger, vier Wärtern und drei Pflegern bis hierher gelei tet wurde, öffneten sich die Wagentüren und truppweise, teil» gesührt, teils allein oder gar Arm in Arm mit den Wärtern wurden die Kranken nach den bereitstehrnoen Omni bussen gebracht Es waren fast durchweg ältere, ja- sogar dem Aeußeren nach alte Män ner, hier und da freundlich die Mütze schwen kend, grüßend oder auch den Blick starr vor sich hingerichiel; einer schien sogar blind zu sein. Sie trugen alle blaue Kutten und Schirmmützen von gleicher Farbe. Ohne j-oeu Zwischenfall erfolgte auf dem Bahnhofe dieser eigenartige Transport. In flotter Fahrt g ng es alsbald nach der König!. LandiSstrafanstalt, woselbst eine Hilfsanstalt für Geisteskranke errichtet worden ist. Die Ueberführung hat sich notwendig gemacht infolge Raummangel» bei der Anstalt für Geisteskranke in Waldheim. Die hiesige Station soll dem Vernehmen nach nur vorübergehend für 50 Kranke ein gerichtet worden sein, von denen jetzt etwa 30 onkamsn. Herrn AnstaltSarzt Dr. Hof mann hier, der außer dem Direktor der Lan- detstrasanstalt, Herrn OderregierungSrat Reich, bei Ankunft des Transports am Bahnhof war, ist die Leitung der Hilfsstation übertragen worden. Neuaufnahmen in diese Anstalt sollen nicht staltfinden, sondern nur Ueber- weisungen von Kranken aus der Anstalt Waldheim oder solcher geisteserkrankter Sträf ling-, deren Beobachtung sich gegebenenfalls nötig mache. Dresden. Die 23er Deputation der Zweiten Ständekammer zur Weiterberatung des Entwurfs über ei» neue« Wahlrecht für da« Königreich Sachsen wird in Zukunft ihre Sitzungen in noch kürzeren Zwischenräumen und größerem Umfange al» bisher abhalten, obwohl schon bisher eine fünf- bis achtstündige SitzungSdauer keine Seltenheit waren, lieber jede Sitzung der Sonderdeputation wird vom Berichterstatter Adg. Dr. Kühlmorgen ein Referat autgearbeitsl und vervielfältigt. Diese Berichte werden ebenso vertraulich behandelt, wie die Beratung-» selbst. Die Meinungen über die strenge Geheimhaltung der Beschlüsse der Kommission zehen auseinander, sicher ist aber, daß eine informatorische Mitteilung über den Sachstand in öffentlicher Kammersitzung klärend und beruhigend wirken würde, während bei dem gegenwärtigen Verfahren den weitge hendsten Vermutungen Tür und Tor geöffnet ist. Außerdem läßt sich in einer Sache, die so wichtig für unser Land ist und der man mit so weilauseinandergehenden Interessen ge- genüberstehl, auf lange Zeit tue Diskretion nicht durchhalten. Es wirv trotz dem Schwei gegebot doch dieses und jenes bekannt. End gültige Klarheit wird man über den Erfolg der D-putationsberatungen, deren jeder Staats minister Dr. Graf von Hohenthal und Bergen, Geh. Rat Heink und ein weiterer Regierungs- kommiffar beiwohnt, voraussichtlich gegen Ende März durch den Druckdericht erhalten. Bald darauf werden dann die Würfel über das Wahlrechtsproblem in der Zweiten Kammer fallen. Die von verschiedenen Seiten der De putation übergebenen Wahlrechtsvorschläge wer den nicht getrennt behandelt, sondern an ge eigneter Stelle in Verbindung mit dem Rs- gierungsentwurfe. Dem Vernehmen nach hat die Regierung bezüglich der in Vorschlag ge- brschlen Wahlen eines Teiles der zweiten Kammer durch die Kommunalverbände und Großstädte eins Niederlage erlitten, was nach ser Vorberatung des Gesetz-ntwurfes in der zweiten Kammer kaum anders zu erwarten war. Dre« den, 21. Februar. 130 Zeugen in einem Strafprozeß. Ein auf 8 Tag« be rechneter Rirsenprozeß wird im Monat März oie 5. Strafkammer des Landgericht« Dresden unter dem Vorsitz de» LandgerichtSdireklor» -Bockwitz beschäftigen. In der Zeit vom 1. bi» 3. Oktober 1907 stand der Kaufmann Friedrich August Reumann au« Aken wegen betrügerischen Bankerott«, Meineids, Betrugs and Vergehen gegen die Konkurtordnunz vor dem Dresdner Schwurgericht und wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu 2 Jahren Gesängius und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. Nachträglich haben sich noch eine lange Reche anderer Straftaten herausgestellt, die zur Abur teilung kommen sollen. Für die Verhandlung, zu der 130 Zeugen geladen sind, ist der Schwurgerichtssaal im neuen Landgerichttge- bäude am Münchener Platz auf 8 Tage reser viert worden. Dresden. Was ist die Kunst? Diese nicht ganz einfache Frage beantwortet in einem Inserate der „Radsderger Zeitung" Emil Zie genbalg in folgender Weise: „Ich gebe meuter werten Kundschaft hiermit bekannt, daß ich meine ganze Sorgfalt auf die Herstellung einer guten Zwiebelwurst verwende und daß ich nicht imstande bin, Ochsen neue Zähne einzu- setzen." Wie heißt e» in Lwtzings „Undine"? „Was mag da» für ein Ding wohl fern, strengt euren Scharfsinn an." — Die Herausforderung zum Zweikampf infolge von Liebesaffären war der Gegenstand einer Verhandlung, die das Kriegsgericht der Königlichen Kommandantur zu Berlin be schäftigte. Glücklicherweise handelt es sich da um eine Duellgeschichte mit glücklichem Aus. gange. Hauptmann B., dec nach Berlin ab- kommandiert ist, mußte sich wegen Heraus forderung zum Zwerkampf mit tödlichen Waf fen verantworten. Der Anklage liegt ein Duell zugrunde, das zwischen dem Angeklagten und dem Fabrikbesitzer v. d. H. staltgefunden hat. Dat Motiv zu dem Zweikampf ist in einer Liebesaffäre zu suchen, die sich zwischen dem Hauptmann uno oer Ehefrau oes Fabrik besitzer» abgespielt hat. Der Angeklagte br- gann mit dec Frau der Herrn v. d. H. eine Liebelei. Die Sache kam zu Ohren des Fabrikbesitzer« und bald daraus fand zwischen dem Angeklagten uno dem beleidigten Fabrik besitzer in dec Dresdner Heide ein Pistolen duell statt. Nach einem einmaligen Kugel wechsel, der unblutig verlief, versöhnten sich die Duellanten. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte da« Duell herbeigesührt hat, erkannte da« Kriegsgericht auf eine Festungs strafe von vier Monaten. Wilkau, 21. Zedr. Der Schlofferlehrling Karl Franzke von hier, der am 2. Weihnachts feiertag seinen Freund, den Schlofferlehrling Loui« Groß mittelst Revolver versehentlich erschoß, wurde wegrn fahrlässiger Tötung unter Anrechnung besonderer mildernder Umstände ,u 3 Monaten Gefängnis und Tragung der Kosten verurteilt. Als strafmildernd kam da« jugendlich« Alter — Franzke ist erst 15 Jahre alt — sowie sein reumütige« Geständm« in Betracht. — Auf eigenartige Weise erlitt am Mitt woch der 18 jährige Sohn des Flerschermeister» und Gasthoftbesitzer» L. inHirschbach einen ernste» Unfall. Im Begriff, im Schlachthau« ein Schwein behufs ÄueschlachtenS an den hwrzu bestimmten Wandhaken aufzuhängen, gleitet ec aus und fällt mit dem Kopf gegen den Haken, dessen Spitze in die Oberlippe cinhied. Bei der Wucht de« Falle» wuroe dem jungen Mann die Oberlippe bi« oberhalb d-s Nasenflügels vollständig durchgeriffen. Dem Verunglückten kann vorläufig etwa« fluffige Nahrung nur auf künstlichem Wege zugeführl werden. — Traurige Flitterwochen. Au« Eifersucht feuerte der 23 jährige Schioffergeselle Bruno Röhnert au» S d e r s b r u n n auf seine junge Frau, mit der er knapp ein Vierteljahr ver heiratet war, trotzdem aber in der unglück lichsten Ehe lebt», drei Reoolverschüffe ab, die zwar alle drei trafen, aber keine lebensgefähr lichen Verletzungen hecvorriefen. Röhnert wuroe vom Schwurgericht in Plauen wegen versuchten Totschlags unter Annahme mildern der Umstände zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Leipzig, 19. Februar. Große Aufregung verursachte am Dienstag mittag ein Vorfall tu der Wittstockstcaße. Ein Briefträger klin gelt» wiederholt an der Tur eine« Kaumanns, und als niemand erschien, obwohl die Tür selbst offen stmd, ging der Beamte in ein Zimmer. Dort bot sich ihm rin erschreckender Anblick. Da» 15 Jahre alte Dienstmädchen des Kaufmanns war mit dicken Stricken an einen Ofen gefesselt, hatte einen Knebel im Munde uno gab nach der Befreiung an, daß ein Mann in dis Wohnung eingrdrungen sei, der sie vergewaltigt und dann an einen Ofen gefesselt habe. Die rasch herbeigerufene Kri minalpolizei ermittelte ohne große Mühe, daß das Mädchen die ganze Geschichte frei erfun den und sich selbst gefesselt hatte, angeblich, um sich umt Leben zu bringen, weil er eine gute Stellung verloren halte. — Der nach Unterschlagung von 9000 Mk. flüchtig gewor dene Kassierer der Lotteriekollektion Schröter, der aus Priestewitz bei Großenhain gebürtige Bruno Aster, ist in Genua verhaftet worden. Leipzig, 20. Feoruar. Der langjährige Kassierer dec Leipziger Jmmobiliengesellschaft Schänder Hal sich heute im Bureau der Ge sellschaft erschossen. Nachforschungen ergaben, »aß ein Kaffenoefizit nicht vorlregt uno daß me Ursache seines Selbstmordes in lang jähriger Krankheit zu suchen ist. Vor drei Tagen hat sich oie Mutter Schneiders er- Ichossen. — Dre Verhandlung gegen den Major v. Tetlau oom Äeziikskommando Plauen Wira wahrscheinlich am 4. März stattfinben.