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84^ Stück, den 27. Oktober igog. Ueber die Mosaike. osaik nennt man bekanntlich eine Verei nigung von kleinen Würfeln von Glas, Stei nen, Holz, Email, oder andern Stoffen, die gewöhnlich von verschiedenen Farben sind, und auf einer Fläche durch Mastix ver bunden werden. Bei den Alten war diese Art von Mahlerei zwar sehr gewöhnlich, aber da kein Schriftsteller des Alterthums beson ders davon gehandelt hat, so laßt sich über das Technische der Kunst bloß nach dem Ver fahren urtheilen, welches man in neuern Zeiten anwendcte, und nach den Denkmä lern , die aus dem Alterthume auf uns ge kommen sind. Um ein Mosaik - Gemählde zu machen, bildet man eine kreisförmige Grundlage von platten Steinen, die man mit Mastix bedeckt; in welchen man, nach der gegebenen Zeichnung, die bunten Würfel einfügt. Der Künstler hat während der Ar beit das Gemählde, das er copirt, stets vor Augen. Er nimmt die Würfel, die nach den Farben in Facher abgetheilt sind, unge fähr wie der Seher die Buchstaben aus dem Schriftkasten. Der Mastix ist so zubereitct, Laß er bald steinhart wird. Wenn die Ar beit vollendet ist, und die nöthigr Festigkeit erlangt hat, wird sie wie ein Spiegel polirt. Die Mosaike scheint orientalischen Ur sprungs und eine Nachahmung der kostbaren Teppiche zu ftyn, die man in den Morgen ländern findet. Die Phönizier beschäftigten sich schon mit solchen Arbeiten, aber es war den Griechen ausbehalten, die richtige Zeich nung und die Harmonie hineinzubringen, welche die Werke der Kunst auszeichnen. Von den Griechen kam die Mosaike, gegen Ende der Republik, zu den Römern. Sulla ließ im Fortuna - Tempel zu Präneste (Palestrina) eine Mosaike machen, wovon noch ein Bruch stück übrig ist. Anfangs zierte man damix die Fußböden in den Gebäuden, später brauch te man sie zur Bekleidung der Wände und Decken. Auch zierte man mit tragbaren Mosaiken die Zelte der Fürsten und Feldherrn, um die Feuchtigkeit abzuhalten. Die Erfin dung des bunten Glases gab der Kunst Mit tel zu schnellerer Ausführung, und man be nutzte sie zu Werken von mittelmäßigem Werthe. Als im fünften Jahrhunderte die Einfälle der germanischen Völker die Künste aus Ita lien verjagten, erhielten sich die Mosaike, die