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„Mt Blot? O Gott, so Ist ihm Loch ein Unglück wgeftoßeu? unterbrach Frau Trojan den Sprecher heftig erschrocken. „Es scheint nicht, denn man fügte hinzu, daß sich keinerlei Verletzungen an ihm festststellen liehen, außer unbedeutenden Hautabschürfungen im Gesicht. Er selbst behauptete, von unbekannter Hand meuchlings nieder geschlagen worden zu sein, als er sich eben zu einem Stelldichein mit seiner Braut begeben habe, und die vlutspuren rührten von Nasenbluten her, das durch den Fall hervorgerusen wurde. „Die rmgarische Erenzbehörde aber glaubte kein Wort von dieser Rechtfertigung, ebenso wie sie den Aus sagen des Mannes mißtraue, daß seine Braut gewalt- sam entführt wurde und er hinter ihr her sei. Sie nehmen vielmehr an, der Mann komme direkt von einem begangenen Verbrechen und habe mit seinem Helfers helfer in dem offenbar gestohlenen Auto über die Grenze flüchten wollen. Um so mehr, als das mm ihm. angeblich verfolgte Auto einem reichen ungarischen Sportsmann gehörte, dellen Vak fick in tadelloser Ord nung befand und auf Bela Latzwitz samt Frau und Kammerdiener ausgestellt war. Man setzte also die beiden verdächtigen Männer hin ter Schloß und Riegel und fragte bei uns an, ob wir etwas Wu ein am Abend zuvor begangenes Verbrechen wüßten, dem wahrscheinlich der wirkliche Ingenieur Trojan Mm Opfer Hel. Nun war hier nichts über ein derartiges Verbrechen bekannt und Angaben im Bau- rmt ergaben, datz die in Ungarn festgehaltenen Män ner sehr wohl diejenigen sein könnten, für die sie sich ausgaben,' denn beide waren samt dem von ihnen be nützten Dienstauto abgängig. Allerdings konnte ebenso aut die Annahme des Grenzamtes richtig sein. Wir er suchten also um genaueste Personalbeschreibung. In zwischen hatte sich das Erenzamt aber auch mit Buda pest in Verbindung gesetzt und angefragt, ob Herr Bela Laßwitz samt Frau tatsächlich verreist gewesen uyd glücklich heimgekommen sei. „Die Antwort lautete, Laßwitz sei am Tage vorher in Begleitung seines Kammerdieners im Auto verreist und seither noch nicht heimgekommen. Eine Frau be- ptze er übrigens nicht, da er Junggeselle sei. Dies «rächte im Erenzamt stutzig, denn es war klar, daß dem nach der Paß gefälscht sein mußte, den Herr Laßwitz dort vorgewiesen hatte. „Kurz darauf kam dann eine alarmierende Nach richt aus dem nur wenige Stunden entfernten Dorfe S... — 2n dellen Nähe war nämlich ein schreckliches .Autounglück geschehen, das indes erst Stunden später durch zufällig hinzukommende Kinder entdeckt wurde. Der Unglücksort befand sich nämlich ganz abseits vom Wege, mitten in der grasigen Steppe, die dort den Uebergang zur eigentlichen Pußta bildet. Allerdings, wenn man diese Steppe schräg durchquert, schneidet man viele Kilometer Weges ab, den die nach Budapest füh rende Reichsstraße macht. Das mochte wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb der Führer des Autos von der Straße abwich. Aber er fuhr nachts und war offen bar mit dem Terrain doch nicht vertraut, sonst hätte er gewußt, daß gerade in seiner Fahrtrichtung die Mauerreste einer alten Ansiedelung liegen, die, von hohem Gras überwuchert, auch bei Tag nur schwer er kennbar, nachts aber jedenfalls ganz unsichtbar sind. „An einem solchen Mauerrest muß nun das Auto in voller Fahrt mit aller Wucht angerannt sein und sich überschlagen haben. Denn man fand es halb zertrüm mert mit den Radern nach oben liegend. Die drei In sassen lagen regungslos daneben. Der Dorfälteste und «in Arzt, die zuerst an der Unglücksstelle anlangten, stellten fest, datz die beiden Männer das Genick ge brochen hatten, die Frau aber, die etwas abseits lag, völlig unverletzt und nur ohne Bewußtsein war. „Aus dem Paß, den einer der Toten bei sich trug, er gab sich, daß er auf Herr und Frau Laßwitz samt Kam merdiener ausgestellt war, also es sich zweifellos um dasselbe Skito handelte, das um Mittermucht die Grenz station passiert hatte. und sein Begleiter -Kd junge Dame in ihrem Auto heim, wo ihr der Dorfatteste in seinem Haus Aufnahme und Pflege gewährte. Beiden Herren war gleich an- fangs ein süßlicher Chloroformgeruch aufgefallen, der ihren Kleidern entströmte. Tatsächlich stellte es sich heraus, datz die junge Dame nicht bewußtlos war, son dern nur unter der Einwirkung einer Chloroform narkose stand, die jedoch nach Anwendung geeigneter Mittel durch den Arzt verschwand. „Sie gab dann an, daß sie durchaus nicht die Ge mahlin Bela Laßwitz' sei, sondern vielmehr gewaltsam entführt worden sei, nachdem er sie durch Chloroform betäubt habe... „Das Autounglück war ihr, wie die vorangegangene Fahrt, nur traumhaft bewußt. Sie hatte die Empfin dung gehabt, in die Luft gehoben und auf eine weiche Unterlage — die sie für ein Bett hielt — niedergefallen zu sein, wo sie gleich wieder einschlief. Ihr Name sei Sylvia Frankenstein, und sie lebe als Gesellschafterin einer Frau Helleport am Lindenhof bei G. ^Alle diese Einzelheiten wurden in wiederholten Te- lrphongesprächen aus S. dem Erenzamt bekanntgege- här und von dort an uns weiterberichtet. „In bezug auf die beiden Inhaftierten in der Grenzstation hatte sich inzwischen doch die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß sie keine Raubmörder waren, son dern ihre Angaben durchaus den Tatsachen entsprächen. „Wenn man sie zur Stunde noch nicht freigelassev hat, so sind nur die etwas umständlichen Formalitäten des amtlichen Grenzverkehrs daran schuld. „Ich selbst habe inzwischen sofort nach Erhalt der letz ten Nachrichten von hier ein Krankentransportauto nach dem Dorfe S. aigesandt, das Ihre Tochter hoffentlich wohlbehalten morgen hierher bringen wird, verehrt« gnädige Frau, und hoffe, damit meine Aufgabe zu Ihrer Zufriedenheit gelöst zu haben." 32.^' Der Polizeirat war gegangen — sehr zufrieden schmunzelnd, denn Frau Helleport hatte die ausgesetzten Belohnungen für die Auffindung ihrer Tochter verdrei facht und außerdem dem Pensionsfonds der Sicherheits behörde eine ansehnliche Summe überwiesen. Natürlich drehte sich das Gespräch der Zurück gebliebenen ausschließlich um die sehnlich erwartet« Heimkehr Sylvias und Robert Trojans. Frau Trojan hatte gern in den Vorschlag Richar- das gewilligt, damit man sich einerseits nicht trennen müsse, allerseits, um sich das immerhin müheselig« Rachhausefahren zu ersparen, ein Telegramm an ihren Sohn abgehen zu lassen, daß er statt in die Mondschein gasse lieber gleich direkt nach dem Lindenhof kommen solle, wo er dann hoffentlich auch schon Sylvia vor finden würde. Im Seitenflügel wurden bereits Zimmer für ihn mtd seine Mutter instand gesetzt. „Eines nur ist mir noch völlig unklar, ja unbegreif lich," sagte Frau Helleport, die still und nachdenklich da gesessen, plötzlich die Freundin ansehend: „wie Bela da zu kam, Sylvia gewaltsam zu entführen? Wozu? In welcher Absicht? Er kannte sie ja kaum." Frau Trojan zuckte die Schultern. „Nun, mir scheint das ziemlich klar. Er wußte wahr scheinlich viel früher als du, daß sie deine Tochter ist, und wollte sie beiseite schaffen, weil er durch sie nun das Erbe bedroht sah, mit dem er seit Jahren so sicher gerechnet hatte." Richards erblaßte. „Großer Gott, du glaubst, er wollte sie — töten?" „Vielleicht. Vielleicht aber wollte er sie nur aus deiner Nähe entfernen und sie dann für sich selbst ir gendwo in Verborgenheit gefangen halten, denn Roby erzählte mir, daß er ihr in dreister Weise nachstellte." „Aber woher konnte er wissen, daß sie mein Kind ist?» — „Nun, von seiner Mutter doch! Deine Schwägerin war ja damals mit im Komplott, als man das Kind für tot ausgab. Sicherlich hat sie es nachher nicht ganz aus den Augen verloren Md nachsoiMiert, wohin Ran-