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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 31.03.1905
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-03-31
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050331011
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905033101
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905033101
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-03
- Tag 1905-03-31
-
Monat
1905-03
-
Jahr
1905
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VezugS-PretS der Hauptexpedition oder deren Au-qabs» stellen abqeholt: vierteljährlich 3.—, bet zweimaliger täglicher Zustellung in« Hau« ^tl 3.75. Durch die Bost bezogen für Deutsch land u. Oesterreich vierteljährlich 4.50, sür die übrige» Länder laut Zettunq-prri-liste. Diese «ummer kostet aus allen Bahnhöfen und III bet den ZeitungS-Berkäufern I * Hedaktton und Expedttto«: 1b3 Fernsprecher 222 Johanni-gasse 8. Haupt-Filiale Dre-tze«: Marlrnstrabe 34 (Fernsprecher Amt I Nr. 1713). Hanpt-Ailtale Berit«: EarlDuncker, Herzal.Bayr.Hofbnchbandlgv Lützowstrahr 10 (Fernsprecher Amt VI Nr. 46031 Nr. M. Morgen-Ausgabe. Acip)igcr Tageblatt Amtsblatt des Äönigl. Land- und des Aänigl. Amtsgerichtes Leipzig, des Rates und des Rokizeiamtes der Ltadt Leipzig. Freitag den 31. März 1905. Anzeigen-Preis die 6gespaltene Petitzeile 25 Familien- und Stellen-Anzeigen 20 Finanzielle Anzeigen, SeschästSanzeigen unter Text ober an besonderer Stelle nach Tarif. Di» «gespaltene Reklamrzeile 75^. Annahmeschlust für Anzeigen: Abend-AuSgabe: vormittag- 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: nachmittag- 4 Uhr. Anzeigen find stet« an die Expedition zu richten. Extra-Beilage« (nur mit der Morgen: Au-gabe) nach besonderer Vereinbarung. Die Expedittaa Ist wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bi- abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig (Inh. vr. V, R. L W. stltnthardt). SS. Jahrgang. Var lvicbtigrte vom läge. * Der BundeSrat stimmte dem Entwurf einer neuen Maß- und Gewichtsordnung und der vom Reichstage angenommenen Novelle zum Personenstandgesetz zu. * Der Botschafter von Szögyenyi-Marich ist nach Wien abgereist, von wo er sich nach Berlin begeben wirv; (eine ungarische Mission ist beendet. * Eine englische Truppenabteilung mit zwei Berg geschützen traf wegen den kretischen Wirren aus Kandra in der Sudabucht ein. * In Petersburg wurden zwölf Mitglieder der Kampf-Organisation, als deren Führer Sawiyki gilt, und worunter mehrere Frauen sich befinden, wegen einer Verschwörung gegen den Großfürsten Wladimir, Trepow und Bulygin verhaftet. (S. Die Krisis in Rußland.) * Der Marschall Ohama hat in einer Proklamation angesagt, er werde am 10. April in Chardin einrücken. (S. russ.-jap. Krieg.) W Leichen Ser Lenrm. lieber Zensur und Konfiskation soll man nicht in der ersten Person PluraliS sprechen, denn daS wäre eine Anmaßung. Der Standpunkt in diesen Fragen hat mit den bekannten literarischen oder gar politischen Gruppierungen nichts zu tun, sollte wenigstens nichts mit ihnen zu tun haben, und selbst unter geistesverwandten Naturen sind Differenzen in der Beurteilung dieser Erscheinungen über aus häufig. Ich spreche hier also nur für mich und werde mich über abweichende Ansichten Anderer nicht wundern, daS Divergieren vielmehr selbstveistündlich finden. Diele Einschrän kung halte ich auch noch aus einem anderen, polemischen Grunde für notwendig. Weil ich mich nämlich schon häufig genug über die Tatsache gewundert und geärgert habe, daß manche Publizisten in der ihnen zur Verfügung stehenden Presse so tun, als sei jede Beschlagnahme ein Verbrechen an der Literatur und sie hätten nun im Namen der gesamten Kultur welt daS ehrenvolle Mandat, feierlich zu protestieren. Sie protestieren immer, unbesehen und nie »ins irn. Ich verurteile unter allen Umständen die Präventivzensur, wie sie heute noch bei unS leider Gottes für dramatische Ausführungen besteht. Was dabei herauskommt, zeigt der Wirrwarr der Verbote und Erlaubnisse, der unS die schlimme Zeit deutscher Kleinstaaterei richtig schätzen lehrt. Für Berlin ist sittengefährlich, waS in Leipzig anstandslos erlaubt wird (siehe „DaS Tal des Lebens"), und der „Zapfen streich" gefährdet die Disziplin der Armee oder auch nicht, je. nach dem Orte, wo er aufgeführt werden soll. WaS überdies im einzelnen bei dieser Präventivzensur an Privatblamagen geleistet wird, diSkrediert allein schon die ganze Einrichtung. Dabei sind die unverständigen glatten Zulassungen oder Ablehnungen („die janze Richtung paßt mir nicht") noch nicht das Allerschlimmste. Noch greulicher finde ich die in wohlwollender Verständnislosigkeit gewollten oder bewirkten „Verkeuscherungen". Bernstein, der Münchener Schriftsteller, erzählt davon eine hübsche Geschichte. In einer seiner Komödien läßt er einen Jüngling etwa die Worte sprechen: „Soll ich hineingehen?" In eine Mädchenkammer nämlich. Der Zensor fand das unmoralisch und schlug die Fassung vor, die dann auch passierte: „Soll ich. . .?" Da hat nun eine ziemlich starke Gruppe nichtradikaler und sicher höchst ehrenwerter Literaturinteressenten den Aus weg vorgeschlagen, die Funktionen deS Zensors sollten einem literarischen Sachverständigen-Kollegium übertragen werben. Der Vorschlag hat eine Menge von Anhängern und viel Verlockendes. Ich bin selbst seiner Zeit für ihn eingetreten und muß heute bekennen, daß ich auch von seiner Verwirklichung nicht mehr die Erlösung von dem Uebel zu hoffen wage. Meines Erachten« ist die Gefahr der Cliquenherrschaft bei ihm zu groß. Wer würde in eine solche Kommission hineinkommen? Wahrscheinlich die „anerkannten" Leute. Und wenn man anerkannt ist, ist man gewöhnlich alt. Wir sehen ferner auf verwandtem Gebiete, WaS man in Berlin unter anerkannten Künstlern sich vorzustellen hat. Der Gedanke würde jeden jungen Literaten schaudern machen: sich von metrischen Eichmeistern zensurieren zu lassen, noch dazu bei dem Nimbus einer solchen Kommission. Auf den Zensor kann man doch wenigsten« unter dem Beifall der Zuhörer schimpfen, die Kommission aber gälte als infallibel. Gräßlicher Gedanke! Also lieber nicht. Aber Abschaffung der Prä ventivzensur auch für daS Theater. Offenbare Zoten- reißerei wird man leicht genug auch ohne sie durch vorläufige« Absetzen de- Stücke- und regelrechten Gerichtsbeschluß ver hindern können. Auch werden die vorsichtigen Herren Theater direktoren dann sicher weit mehr als jetzt besorgt sein, bedenk liche Stücke gar nicht erst anzunehmen, um nicht Mühe, Zeit und Geld zu vergeuden. Ein viel diffizilere« Gebiet ist da« der Bücherbeschlag- nahmen. Die jüngste Zeit hat rin« neue Auflage all der heftigen Klagen, der tönenden Vorwürfe, der bissigen Verhöhnungen erlebt, die sich alle gegen di« eine Stelle richten, die an allem schuld ist, gegen den Urbanausen, den (-fff) Staatsanwalt. Sogar auö dem Auslande, aus Wien, tönten die Drohungen zu uns herüber, wenn der Leipziger Staatsanwalt sich nicht bessere, so werde man Leipzig boykottieren. Man werde den buchhändlerischen Verkehr über andere Stätten leiten, wo mildere staats anwaltliche Sitten herrschten, der Charakter Leipzigs als Buchhandelszentrale sei bedroht; sie, die Wiener, würden eS unS schon zeigen. Die Absicht war denn doch zu deutlich, um nicht auch die zu verstimmen, die sonst gern dem Horne folgen, das am lautesten geblasen wird. Aber man soll auch solchem Unsinn entgegentreten, sofern er Methode hat, und die hat er. Ein Beispiel möge die Grundlage der Erörterung bilden: Die Beschlag nahme der deutschen Übersetzung von DiderotS „Da Rolixiouse". Wer die darüber erschienenen Artikel in der „Frankfurter Zeitung" und anderen prinzipiell anti- staatSanwaltlichen Blätter gelesen hat, mußte oder sollte wenigstens glauben, daß hier gegen ein hehreS Heilig tum, gegen ein allen Gebildeten nötiges Kulturgut gewütet worden sei. In die richtige Beleuchtung hat diese Komödie schon Dr. Jos. Cttlinger im „Literarischen Echo" gesetzt, wo er schrieb: „ES ist wohlfeil, in einem solchen Falle von einer „Bevormun- düng" des deutschen Lesrpublikums zu sprechen, und es ist zum mindesten ein Denkfebler, sich dabei auf Schiller und Goethe zu berufen. Zu ihrer und Diderots Zeit war der Kreis der Bücher- und Zeitschriflenlcser eine enge Gemeinde der Gebildeten — wie kann man, was damals gültig war, auf die heutige Zett übertragen, in der dec Begriff der Oeffentlich- keit eine ähnlich ungeheure Erweiterung erfahren hat, wie etwa das Verkehrswesen von der Estafette bis zum Automobil! Das ist daS, was ich Begriffsverwirrung nenne. Ich bin nicht- weniger als ein Freund der Zensur, ich halte insbeson dere die Präventivzensur unserer Theater für unbedingt ver werflich, aber gegenüber der vielfachen Spekulation des minderwertigen Buchhandels auf gewisse menschliche Instinkte erscheint mir ein staatliches Eingriffsrecht, wie es die derzeitige Gesetzgebung vorsieht, schlechthin unentbehrlich, vorausgesetzt, daß eS mit Maß und nur an der richtigen Stelle geübt wird. Daß unsere Behörden gerade Büchern gegenüber sonderlich streng ver- fahren, kann wirklich nur behaupten, wer keine Ahnung davon hat, was alles bei uns ungestraft gedruckt und verkauft wird. Die Praxis auf diesem Gebiete ist durchaus milde, und ich wüHte im Augenblick aus den letzten Jahren auch nicht einen einzigen Fall, wo ein einwandfreies Kunstwerk durch sie betroffen worden wäre. Wird also ab und zu ein Exempel statuiert, da- dem unsauberen Speku- lantentum als Warnungszeicheu dienen kann, so soll man sich doch den Fall erst genauer und von allen Seiten besehen, ehe man aus vollen Lungen Feurio schreit und die Geistesfreiheit der deutschen Nation für gefährdet erklärt." Es bleibt den überzeugenden Ettlingerschen Auseinander setzungen noch Einiges hinzuzufügen, besonders WaS daS UebersetzungSspekulantentum angeht. Auch hier muß ich wieder persönlich reden. Ich habe einen der besten neueren Romane Frankreichs, „I-a äoudlo Lls,itre88o" von Henri de Regnier zuerst im Original und dann in der deutschen Uebersetzung gelesen und war erstaunt über den vollkommen verschiedenen Eindruck der beiden Erzählungen. Es schien mir gar nicht mehr derselbe Text zu sein, und ich fand manches im Deutschen uudelikat, was mir im Urtext ganz unbedenklich schien. Und dabei war die Uebersetzung nicht nur sinngemäß, sondern meines Erachtens gut. Der hier in milder Form zu Tage tretende Gegensatz kann bei manchen Werken so kraß werden, daß er die Uebersetzung direkt anstößig und niedrig erscheinen läßt. 'Und es gibt Geschäftsleute, die gerade auf diese UebersetzungSwirkung spekulieren. Diejenigen, so aus Heller Begeisterung für „die Freiheit der Litteratur" mitkämpfen, ahnen ja in den wenigsten Fällen, daß sie in der Hauptsache sür die erschreckend große Menge der Litteraturschmarotzer fechten, für die Leute, die besonders von der Schweiz aus die deutsche Sprache schänden, um Geld in ihre Beutel fließen zu lassen. Der Leser des „Börsenblattes für den Deutsche« Buchhandel" ist um Namen in beliebiger Anzahl nicht verlegen. Ein paar wahllo« herausgegriffene Titel au« einer Liste verbotener Druckschriften dürften zur Information genügen. Da lese ich: „Enthüllte Geheimnisse der Liebe und Ehe", „Weibliche Tugend oder Gehrimbuch für Männer", „Amor und Hymen, rin Geheimbuch für Verlobte", „Die Brautnacht". Meisten« ist Zürich der BerlagSort. Glaubt nun vielleicht irgend jemand, daß e« sich hier um ernsthafte Werke ernsthafter Männer, um die Produkte heiligen Schaffen«, um künstlerische Werke handelte? Glaubt irgend jemand, e« gehe dem deutschen Volke ein Kulturgut verloren, wenn der Staat-anwalt hier seine Pflicht tut und eingreift? Aber nicht immer braucht da« Delikt so offen zu liegen. Erst jüngst ist öffentlich darüber ge klagt worden, daß ein Wiener Verlag ein durch aus wertvolles Literatnrerzeugni« durch einen Anreißer- Umschlag gangbar zu machen versuchte, auf die Gefahr hin, den tüchtigen Autor zu degradieren. Wir alle haben die Bilse-Manipulationen erlebt, und wir haben mit Bedauern den Schnitzler besserer Tage auf den .Reigen"-Berfaffer von heute herunterzerrrn sehen. Nun rin« feierlich« Verwahrung: Auch Staatsanwälte können sündig««. Und wie! Nur dagegen will ich pro testieren, daß dem Manne zur Last gelegt wird, was in den meisten Fällen unlöslich mit der Institution verbunden ist. Staatsanwälte stehen auf exponiertem Posten und sind unbeliebt wie die Gerichtsvollzieher. Aber welcher Verständige mag sie deshalb verdammen? Und immer wieder begegnet man dem Kinderirrtum von der Idee des Absolutismus der Staatsanwalt schaft. Daß diese Behörde nur den Prozeß vorzu bereiten, aber in keinem Falle endgültige Entscheidungen zu treffen hat, wird regelmäßig übersehen. Erst vor wenigen Tagen hat aber Professor Dr. Georg Witkowski im „Leipz. Tazebl." bestätigt, daß nach seinen Erfahrungen als literarischer Sachverständiger beim Leipziger Landgerichte diesem nur „vornehme und in höchstem Maße verständnisvolle Würdigung der besonderen Bedingungen künstlerischen Schaffens" nachgesagt werden kann. Demgegenüber ist uns eine Zuschrift zugegangen, die hervorhebt, dieses Verdienst könne nicht auf die Staatsanwaltschaft ausgedehnt werden, da gerade im Gegensatz zu deren Anklagen da« Gericht in einer Anzahl von Fällen die Freigabe verfügt habe. Stimmt, war aber auch jedenfalls nicht beabsichtigt. Es soll hier nur die Binsen wahrheit konstatiert werden, daß erst aus dem Zusammen wirken von Ankläger, Verteidiger und Richter das hervorgeht, waS man Justiz nennt, und daß wir in Leipzig keinen Grund haben, unsere Justiz tendenziös herabsetzen zu lassen. Auch Staatsanwälte können natürlich irren, und sie machen stellenweise sicher von diesem Menschenrechte ein wenig reichlich Gebrauch. Daß dann opponiert wird, halte ich für verdienstlich und brav. Nur daS Feuerrufen, wenn ein Haufen Makulatur brennt, ist nach meiner Ansicht töricht. ES gibt eben eine allzureichliche Schund literatur, als daß ich in dem Vernichten eines Teils dieses Schmutzes ein Unglück sehen könnte. Viel berechtigter finde ich die Beschwerden über die zu langsame Justizpflege. Mit Recht heißt eS in der schon erwähnten Zuschrift: „Es ist schließlich ein mäßiger Trost für den Verleger, wenn, wie im vorliegenden Falle, fünfviertel Jahre nach der von der Staatsanwaltschaft herbeigeführten Beschlagnahme das sie aushebende gerichtliche Urteil ergeht." Dagegen zu remon- strieren ist das gute Recht des Verlegers, und hier sollte vor allen Dingen gebessert werden. Aber der Staatsanwaltschaft nur deshalb, weil sie auf Anzeigen pflichtgemäß reagiert, Banausentum vorzuwerfen, ist zwar sehr bequem und billigen Beifalls sicher, jedoch weder gerecht noch klug. Leipzig jedenfalls kann diese Leute der Reputationsschädigung beschuldigen. 8. ver ffittrtana in Ziiamrtakrika. Neue Scharmützel. Nach einer Meldung des Generals v. Trotha vom 29. d. Mts. ging Hauptmann v .Oertzen gegen eine Herero- bandc vor, die Overleutnont Graf Schweinitz auf einem Patrouillenritt 40 Kilometer von Otjituo testgestelll hatte. Die Abteilung Oertzen fand jedoch nur verlassene Wersten, da di« Herero, anscheinend durch Buschmänner gewarnt, zwei Tage vor ihrem Eintreffen abgezogen waren. In Dtiivero am weißen Nossob, 120 Kilometer östlich von Wind huk, stellten sich die Kapitäne Erasmus und Kamangati mit 150 Männern, Weibern und vielen Kindern freiwillig. Major v. E st o rff hat aus dem Vormarsch von Gobobis nach Süden am 23. Fcwvuar Awadaob am großen Nossob erreicht, die Ver- bindung mit der Abteilung Meister hergestellt und Patrouillen längs des Elesantensiusses und des großen und keinen Nossob entsandt. Im Tal des großen Nossob wurde bisher nur bis Nabus Wasser gefunden. Die Lage am Auob und in den Karrasbergen ist unverändert. Am 5. März wurde Leutnant v. Rbeinbaben den Major v. Lengerke mit eineun Teil der dritten Ersakkompagnie zur Besetzung von Krasuur entsandt hatte, mehrfach von Veldschöndraaers angegriffen, die das ihnen genommen« Vieh zurückerovern wollten. Die Angriffe wurden ohne Verluste zurückgewiesen, der Gegner verlor 5 Tote und 150 Stück Großvieh. Am 21. März traf eine Patrouille aus Hasuur bei Gobabis über raschend auf eine HottentotteMverft und erbeutete einiges Großvieh; 5 Hottentotten fielen. Oberst Deimling, der seit längerer Zeit an den Folgen des im Dezember erlittenen Sturze- leidet muh zur Erhaltung der GÄrauchssähigkeit des rechten Arme- heimkehren; General v. Trotha wird dann di« Leitung der Operationen im Süden selbst über nehmen. Vie WrI- i« burrlami. Entdeckung einer Petersburger Verschwörung Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Petersburg depeschiert: Der hiesigen Geheimpolizei ist die Entdeckung eines weitverzweigten und gutangelegten Komplotts gelungen, welche« gegen da« Leben de« Großfürsten Wladimir, Trepows und de- Ministers des Innern gerichtet war. Nach sorgfältiger Beobachtung wurden gestern abend zwölf Mitglieder der Kampfe-organisation in verschiedenen Teilen der Stadt gleichzeitig verhaftet. Da« Haupt dieser Zwölf ist ein gewisser Sawitzki, der in der Kampforganisation eine leitende Stellung batte und eine bedeutende agitatorische Rolle gespielt hat. Außer Sawitzki sind unter den Verhafteten zw ei Frauen zu nennen, Iwanowskaja, eine fanatische Anarchistin, auf die vor 25 Jahren erfolglos gefahndet wurde, und Leontjewa, Tochter deS früheren Vizegouverneur« in Pol tawa, der vor Jahren wegen seiner Unfähigkeit entlassen worden ist. Zwei von den männlichen Mitgliedern beobachteten, al« Droschkenkutscher verkleidet, in unauffälliger Weise die Au-sabrtrn des Großfürsten Wladimir, Trepow- und Bulygin«. Die Namen d«r übrigen Verschworen««, di« au«nahm«lo« d«n ge bildeten Kreisen angehören, konnten noch nicht festgestell werden, da sie alle falsche Pässe führen. Die Ver haftung einer so großen Anzahl von Verschworenen bildet einen so einzig dastehenden Fall, daß er Mr auf Verrat zurückgeführt werden kann. Aus -em Gouvernement Jekaterinoslau». Nach einem Telegramm aus Bach mut macht sich unter den Bauern eine Bewegung gegen die deutschen An siedler bemerkbar. Die Bauern drohen, ihre Ländereien wegzunebmen, wenn sie dieselben nicht gutwillig hergeben. Vorgestern Nacht wurden eilig Kosaken hingeschickt. Die Behörden begaben sich nach dem Ort deS Ereignisse«. Vom polnisch-russischen Grenzrevier. Aus Breslau meldet die „Voss. Ztg.": Die Milowitz- grübe und mehrere Gruben des Dombrowaer Kohlenbe zirks feiern noch immer. Der „Schles. Ztg." zufolge wirb der Schaden, den die Gruben und Fabriken deS Dombrowaer Industriebezirks und deren Arbeiter durch den Ausstand bis jetzt erlitten haben, auf 3 Millionen Rubel, der Wert der wegen des Ausstandes zollfrei auS Oberschlesien eingeführten Steinkohlen auf eine halbe Million Rubel geschätzt. ver rurri-ch-japanirche ffrieg. Das unermü-liche Bureau Reuter verbreitet auch unter dem Datum des Donnerstags eine Meldung aus Petersburg, wonach für die Aussichten aus Friedensverhandlungen, „so weit es möglich ist, klar zu sehen", die Lage folgende wäre: Die Bedingungen, die Rußland annehmbar erscheinen, sind in ministe riellen Kreisen erschöpfend beraten worden, und die Grund- lagen, die Rußland zulassen würde, wenn Friedens- eröffnunaen gemacht werden, sind in ihren Umrissen festgesetzt Tie Verhandlungen dürften spätestens in den ersten Stadien von einer dritten Partei oder dritten Parteien geführt werden; man nimmt an, daß Frank reich und die Vereinigten Staaten die Vermittler sein werden. Tas Bureau Reuter hält darnach an seiner ur sprünglichen Kombination mit Zähigkeit fest. Hur Niederlage bei Sanbep«. Die „Nowoje Wremia" meldet, die Niederlage bei Sande pu, die den Russen am 25. Januar 10000 Mann kostete, sei auf die Nachlässigkeit des Oberkom mandos Mrückzusühren. Bereits am 20. Januar hätten Luftschiffer Krokis ausgenommen, auf denen Sandepu als stark befestigt bezeichnet wurde. Tie am 25. Januar an greifenden Truppen seien davon nicht unterrichtet worden und hätten die Krokis erst am 26. Januar erhalten. Marschall Gyaiua vsr Lharbin. Der „Rußj" meldet: „Am 29. d. M. standen die Japa ner 30 Wer st von Charbin. Ein Angriff wirb t ä a - lich erwartet. Die Zahl der feindlichen Chunchusen wächst. Eine Proklamation des Marschalls Oyama an die Be völkerung sagt, er werde amlO. AprilinCharbinein- rücken. Lin wladkMsstskdampfer. Aus Tokio meldet eine Reuterdepesche: Der Dampfer „Jndustry" ist auf der Fahrt nach Wladiwostok am 28. März von den Japanern beschlagnahmt worden. Die Nationalität des Dampfers ist unbekannt. Neues japanisches Nriegsschisf. Zu Elswick, aus der Werft der Firma Armstrong, Whit- worth <L Co., wurde vor mehreren Tagen das neue japa nische Schlachtschiff er st er Klasse „Kashima" vom Stapel gelassen. Die Kashima" wurde schon vor dem Aus bruch des Krieges bestellt und in nächster Woche wird ein Schwesterschiff von ihr vom Stapel gelassen werden. Die „Kashima" hat ein Deplacement von 16 400 Tonnen; sie ist 455 Fuß lang. 78 Fuß breit, 48 Fuß tief und hat einen Tief gang von 26 Fuß 7 Zoll. Ter Hauptpanzergürtel erstreckt sich von unterhalb des Wassergürtels bis zum Oberdeck und ist 4 bis 9 Zoll stark. Er wurde durch vier Schüsse aus einem 23,5 Zentunetrrgeschütz erprobt und zeigte nur geringe Spuren des Auftresfens. Die Hauvtarmierung des Schisses wird aus vier 30,5 Zentimetergeschühen paarweise in Barbetten, vier ebenfalls in Barbetten, aber einzeln aufgestellten 25,5 Zenti- metergcschützen und zwölf 15,5 Zentimetergeschühen in der Zitadelle gebildet werden. An geringeren Kalibern sind zwölf Zwölspsünder, drei dreipfündige und sechs Maximgeschütze vorhanden. Außerdem besitzt die „Kashima" fünf Torpedo rohre. Die Geschwindigkeit soll merkwürdigerweise nur 18,25 Knoten erreichen. Die Besatzung ist auf 980 Offiziere und Mannschaften berechnet. veutsGes lleicd. Leipzi,, 30. März. * In der Affaire der Gräfin Montignoso scheint jetzt ein endgültige- Arrangement unmittelbar bevorzustehen. Wie verlautet, weilte der Berliner Rechtsanwalt Dr. Franz Jvers fünf Tage in Florenz und hatte nied rere Konferenzen mit dem Rechtsbeistande der Gräfin, den: Advokaten Rosadi. Hiernach hatte Dr. Jvers in Gegenwart Rosadis eine ausgedehnte Besprechung mit der Gräfin Montignoso. Nach Berlin zurückgekebrt. be gab sich Dr. Jvers zum Vortrag beim sächsi schen Gesandten Grafen A o h e n t h a l. Spä. ter wurde er in Dresden vom Minister von Metsch und dein Justizminister Dr. Otto empfangen. Nach dem „L.-A." ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Angelegenheit jetzt ihr Ende finden wird, da nur noch einige Formalitäten vor Abschluß eines endgültigen Ab kommen- zu regeln sind. Die kleine Prinzessin wird in die Obhut des sächsischen Hofes übergeben. * Zur Landtag-Wahl in Leipzig-Süd erklärt die „Zittauer Morg.-Ztg." die Mitteilung für unzutreffend, daß die Kandidatur Friedr. Gontard von allen Liberalen, auch von der freisinnigen Volkspartei, unterstützt werde und daß an ihr alle liberalen Parteien gleich stark inter essiert und beteiligt seien. Tie maßgebende Parteiorga nisation der freisinnigen Dolkspartci in Leipzig habe bisher noch keinerlei endgültige und bindende Beschlüsse in dieser Angelegenheit gefaßt. DaS Zittauer Blatt ist in dieser Sache ungenau unterrichtet. In einer gestern abend abgchaltenen Versammlung Le« Wahlausschüsse- ist offiziell für dir frristnnia« Volk-vartei erklärt ward««,
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