14 Beethoven | fünf Klavierkonzerte Geschehen der ersten beiden Sätze angedeutet (zumindest scheint es so). Und natürlich das An dante mit seinen mürrischen Streicherrezitativen und gesanglichen Solophrasen, in dem die Macht der Poesie versucht, die raue Wirklichkeit zu bezäh men. Ob der Satz, wie manche gemeint haben, von Glucks Orfeo angeregt wurde oder aus Beethovens tieferen Bewusstseinsschichten stammte - dieser Satz ist ohne Nachahmung geblieben. Was das G-Dur-Konzert jedoch so außerge wöhnlich macht, ist, dass expressive Tiefe und strukturelle Breite ohne die großartigen Gesten, ohne die heftigen Rhythmen und dramatischen harmonischen Erscheinungen der heroischen Wer ke seines Umkreises zustande kommen. Die The men werden mezza voce - gewissermaßen vertrau lich - vorgestellt, und sie beginnen oder enden häufig unentschieden auf der Tonika. Dynamische Höhepunkte erfordern große Anstrengung und bre chen normalerweise zusammen, ehe eine Kadenz erreicht ist; Soloeinsätze sind fast immer p, pp oder dolce. Die Prahlerei, der jugendliche Machismo, mit denen sich Beethoven in seinen ersten drei Kon zerten auf Mozart eingelassen hatte, sind hier transzendiert. Entstehung Nr. 4 1804/1806 Uraufführung im März 1807 im Palais des Fürsten Lobkowitz in Wien Aufführungsdauer ca. 35 Minuten Besetzung Solo-Klavier Flöte 2 Oboen 2 Klarinetten 2 Fagotte 2 Hörner 2 Trompeten Pauke Streicher Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur Die meiste Arbeit an seinem Fünften Klavierkon zert leistete Beethoven im Jahre 1809. Er hat es nie öffentlich gespielt. Solist der Leipziger Urauffüh rung von 1811 war der wenig bekannte Friedrich Schneider. Innerhalb weniger Jahre war Beethovens Gehör so schlecht geworden, dass er das Klavier spiel hatte aufgeben müssen. Skizzen zu einem sechsten Klavierkonzert (in D-Dur) notierte er 1815, doch hat er die Arbeit daran aufgegeben. Das sogenannte »Kaiser«-Konzert (dieser Titel stammt nicht von Beethoven) ist heute das be-