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der Abbruch, sondem nur eine »vettere Vertagung der Friedenskonferenz. ES wird uns darüber gedrahtet: London, V. Jan. Der Text der schriftlichen Note, die in der gestrigen Sitzung der Friedens konferenz von R-schid Pascha überreicht wurde, lau« tet: In der Rot-, di^nns die Delegierten der Balkan staaten im Laufe der vorige« Sitzung vorgelegt hatte«, drückte« sie die Ansicht ans, wir Hütten die Ergebnisse deS Krieges nicht in R-chnnng gezogen. Wir müsse« darauf Hinweisen, daß wir bedeutende territoriale Konzessionen, abgesehen von 2 Punkten, eingewilligt haben. Wir haben sämtlicheForderungen der Verbündete»! zugeftanden. Dadurch, daß die Verbündete» verlangten, in der Klausel, durch die wir die westlich vom Wilajet Adrianopel besetzte« Gebietsteile abtreten, den Ausdruck „besetzen" durch de»! Ausdruck „belegen" zu ersetzen, habe» sie selbst anerkannt, daß ei» Teil des Gebiets, dessen Abtretung sie verlangen, sich augenblicklich in ihren Händen nicht befindet. Im Geiste »veiteren Entgegenkommens fügten wir «ns dieser Forderung. Für alle diese Zugeständnisse machten «ns die Verbündete« kein einziges. Wenn wir die Abtretung Adrianopels verweigern, so geschieht es deshalb, weil sie vom Gesichtspunkt der Sicherheit Konstantinopels nnd der Darda nellen ans eine Bedingnng der Unmöglichkeit ist. Außerdem müsse« wir sagen, daß wir mit der festen Absicht hierher kamen, einen dauerhaften Frieden zu schließen. Unsere Bedingungen sind geeignet, die freundschaftlichen Beziehungen zu sichern und beiden Parteien nutzbringende Handels beziehungen zu erleichteru. Wir sind heute noch bereit, über die Grenzlinie zwischen der Türkei und Bulgarien zu diskutieren, aber die Grenze muß Adrianopel auf türkischem Gebiet belassen. Um einen neuen Beweis unseres versöhnlichen Geistes zu geben, willige« wir ein, uns aller Rechte auf Kreta zu begebe»! unter der Be dingung, daß von den Verbündeten dann die Abtretung keiner weiteren Insel im Aegäischen Meer verlangt wird. Wenn die Verbün deten trotz dieser ungeheueren Opfer dadurch, daß sie jeden Gedanke»! an Zugeständnisse ab weisen, die Verhandlungen abbrechen wollen, so wird alle Verantwortung für die Folgen des Ab- brnch auf sie falle». Sollte diese Möglichkeit ein treten, so erklären »vir hiermit alle Zugeständnisse, die »vir bis zum heutigen Tage machte», für null »md nichtig. Nach der Abgabe der Erklärung verließen die Mit. gleder der türkischen Mission den Konferenzsaal, während die 'Delegierten der Balkanstaaten zurückblieben und »»ach längerer Beratung zu folgendem Beschluß kamen: Die Vorschläge der türkischen Delegierten ent sprechen nicht de»» von de»» Verbündeten in der vorhergehende»» Sitzung formulierten Forderungen und die vorgeschlagene neue Grundlage für die Unterhandlungen »var nicht derart, daß sie zu einer Verständigung führen konnte. Die Delegierten der Verbündete» sehe» sich daher genötigt, die Arbeiten der Konferenz zu suspendiere«. Nach der Rückkehr der Türken in den Saal verlas der Präsident Novekovitsch die Antwort der Verbündeten und hob die Sitzung auf. Die Türken protestierten und erklärten, daß der Präsident nicht das Recht habe, die Sitzung aufzuheben. Nachdem die formelle Sitzung be endet war, wurde den Türken in der darauf folgenden, allgemeinen Unterhaltung erklärt, daß die Verbündeten nicht beabsichtigen, einen Abbruch der Ver handlungen herbeizuführen- da aber eine zufrieden stellende Antwort auf die Vorschläge der Verbündeten vom Freitag nicht etngegangeu sei, suspendieren sie ihre Arbeiten, bis diese zufriedenstellende Antwort erfolgt sei. Weitere Telegramme melden unS: London, 7. Jan. Wie das Reutersche Bureau erfährt, sind die Delegierte»! der Balkanstaaten der Mein- ung, daß die Vertagung der Konferenz über das griechisch-orthodoxe Weihnachtsfest hinaus den Türken zu weiterer Ueberlegung Zeit geben werde, so daß eS ihnen möglich sein wird, in der nächsten Sitzung annehmbare Vorschläge zu machen. Die nächste Sitzung »vird voraus sichtlich am Freitag stattfindcn. Aber auch schon am Don nerstag werden möglicherweise unter den Delegierten beider Parteien private Verhandlungen gepflogen werden. London, 7. Jan. Das Reutersche Bureau erfährt: In türkischen Kreisen ist nichts darüber bekannt, wie sich die Lage jetzt entwickeln wird. Aber man ist der Ansicht, daß die Verbündeten absichtlich die Vertagung der Kon ferenz herbeigeführt habe» in der Hoffnung, daß Adria nopel inzwischen kapitulieren werde. Dieses Vorgehen wird in türkischen Kreisen mit großem Unwillen angesehen. VagesgelMMe. Deutschland. Berlin, 6. Jan. (Der Kaiser in der Deutschen Orientgesellschaft.) In Gegenwart des Kaisers fand gestern in der Singakademie ein von der Deutschen Orientgesellschaft veranstalteter Vortragsabend statt, an dem Professor Dr. Friedrich Delitzsch über „Sumer und Akkad", zwei Arbeitsgebiete der jüngsten assyrologischen Forrschung sprach. Berlin, S. Jan. (Generalfeldmarschalll Graf von Schlieffen s.) Western nachmlttaa gegen S Uhr ist Generalfeldmarschall Graf von Schlieffen ge storben. Exzellenz von Schlieffen war Ritter de* Schwarzen Adlerordens und zuletzt Chef de» Generalstabs der Armee. Berlin, 5. Jan. (Der Nachfolger von Kiderlen-WaechterS.) Neber den voraussichtlichen Nachfolger de» verstorbenen Staatssekretär» de- Auswär tigen Amt» waren seit dem Tode der Hrn. von Kiderlen- Waecbter die verfch,ebensten Nachrichten in der Presse ver breitet, die jedoch sämtlich auf Kombinationen beruhten. Jetzt wird halbamtlich bekannt gegeben, daß der Kaiserliche Botschafter in Rom v. Jagow für den Posten de» Staatssekretär» de» Auswärtige»» Amts in Ausicht genom men ist. Hr. v. Jagow wurde am 22. Juni 1863 zu Berlin geboren. Er bestand 1886 da» Referendarexamen, war 1889 Regierungsreferendar in Oppeln und 1892 Assessor bet der Potsdamer Regierung. In den diploma- tischen Dienst übernommen, wurde er 1895 der Botschaft in Rom al» Attache zugeteilt, 1896 der preußischen Ge sandtschaft in München. Dann Sekretär der preußischen Gesandtschaft in Hamburg, ginger 1897 abermals nach Rom, wo er 1899 zum LegationSrat aufrückte. 1900 im Haag, wurde er 1901 abermals nach Rom versetzt, diesmal al» erster Sekretär der Botschaft. 1906 wurde er al» Wirklicher LegationSrat und vortragender Rat in da» Auswärtige Amt nach Berlin zurückberufen. Ein Jahr später erhielt er den Charakter eine» außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister». Am 2. Dezember 1907 wurde er als Gesandter beim Großherzog von Luxemburg be glaubigt. Am 12. Mai 1909 würde seine Ernennung zum Botschafter am italienischen Hofe amtlich bekannt gegeben. Hr. von Jagow hat, wie verlautet, an den erfolgreichen Verhandlungen über die vorzeitige Erneuerung deS Dreibunds einen hervorragenden Anteil gehabt. Darin sei einer der Hauptgründe zu erblicken, der die Aufmerk samkeit der maßgebenden Stellen auf ihn gelenkt hat. Berlin, 6. Jan. (NngtltigkettSerklä- rung der Wahl Dernburgs im Berliner Zweckverband). Der Zweckverband Großberlin trat in seiner heutige»» Sitzung dem Anträge seiner Kommission bei und erklärte die Wahl des Staatssekretärs a. D. Dern burg für ungiltig. Berlin, 6. Jan. (Die Fremdenlegionspest.) Aus Oran wird gemeldet, daß die deutschen Staatsan gehörigen Wilhelm Krieger, 22 Jahr alt, und Adolf Rienner, 24 Jahr alt, die aus Nizza gekommen waren und sich seit einigen Tagen in Oran aufhielten, unter dem Ver dacht verhaftet wurden, die Desertion von Fremd en- legionäreu, besonders deS Soldaten Lett vom 2. Fremdenregiment, veranlaßt und begünstigt zu haben. Eine Haussuchung führte zur Entdeckung einer Uniform der Fremdenlegion, einer umfangreichen in deutscher Sprache gehaltenen Korrespondenz, sowie mehrerer mili tärischer Gegenstände. — Gleichzeitig kommt auch aus Metz eine Meldung, dis ein bezeichnendes Licht auf die Art und Weise wirft, »Hie drr Kmturstaat Frankreich den Menschenhandel für seine Fremdenlegionszwecke planmäßig organisiert. In Metz hat nämlich die Polizei gestern fünf Franzosen festgenommen, die Werber für die Fremden legion waren. Die Werber durchzogen als Seifen« und Parfümeriehändler hausierend Elsaß-Lothringen und hatten in letzter Zeit ihr Absteigeguartier in einer Metzer Wirt schaft. Sie boten deutschen Wehrpflichtigen 350 Franken an, wenn sie sich verpflichteten, mit ihnen nach Frankreich zu fahren und sich dem nächsten Werbebureau zu stellen. Die Bande hatte eil» Weib bei sich, das wahrscheinlich als Lockvogel diente. Berlin, 6. Jan. (Sozialdemokratischer Preußentag.) Der den Vorbereitungen zu den preu ßischen Landtagswahlen gewidmete Parteitag der preußischen Sozialdemokratie, die seit einigen Jahren in einem be sonderen Landesverband znsammengefaßt ist, wurde heute hier eröffnet. Für die Verhandlungen sind drei Tage vorgesehen. Die beiden Hauptpunkte der Tagesordnung betreffen die Stellungnahme der preußischen Sozialdemo kratie zu den bevorstehenden Landtagswahlen und die Landarbeiterfrage. Zu beide»» Punkten liegen zahlreiche Anträge vor. Limburg, 6. Jan. (Bischof D r. Willi ch.) Der Bischof von Limburg, Dr. Dominikus Willi ist nach 15 wöchiger Krankheit im Alter von 68 Jahren ge storben. Er stand im 15. Jahre des Episkopat» und im 40. Jahre seiner Priesterwürde. Siegen, 5. Jan. (Landung eines fran zösischen Ballons aufdeutschem Boden.) Wie die „Siegener Ztg." mitteilt, ging in dem kleinen Wester- waldorte Herschbach ein französischer Luftballon nieder, der in Parts aufgestiegen war. Da die beiden Insassen Franzosen waren, hielt man sie vorläufig für Spione. Einer gab sich als Schneider auS, der andere will Kauf mann sein. Man vermutet jedoch, daß sie französische Offiziere sind. Der Ballon wurde beschlagnahmt. Saarbrücken, 6. Jan. (Beendigung der Ausstandsbewegung im Saarsgebiet.) Der Teil- ausstand auf den Saargruben ist endgiltig betgelegt. Mit den Sicherheitsmännern ist eine Einigung erzielt worden. Oesterreich-Ungarn. Wien, b. Jan. (MtnisterkAnferenz.) Gestern fand unter dem Vorsitz de» Minister» des Aeußern Grafen Berchtold eine gemeinsame Ministerkonferenz statt. Sie befaßte sich mit der Frage der Deckung und Verrechnung der mtlitärischen Ausgaben, die mit der außerordentlichen politischen Laae tn Zusammenhang stehen. Der Krtegs- mintster gab eingehende Aufklärungen über die Ausführung der mit Zustimmung der beiden Regierungen getroffenen Maßnahmen. Die Höhe der tn Frage kommenden An»- lagen wurde von der Konferenz ziffermäßtg festgesetzt. Budapest, 6. Jan. (Der neue ungarische Justtzmintster.) Staatssekretär Balogh wurde zum Justizminister ernannt. I Portugal. Lissabon, S. Jan. (Demission de portugiesischen Kabinetts.) Ministerprä- stdeut Duarte Lette hat dem Präsidenten Nrriaga die Demission de- Kabinetts angeboten, die vom Präsidenten angenommen wurde. Arriaga hat den Führer der Evolution-partei Almeida mit der Bildung de» neuen Kabinett» betraut. China. Tschifu, 6. Jan. (Schwere Ausschreitungen von Soldaten.) Infolge von Unregelmäßigkeiten bet der Auszahlung de» Soldes kam e» hier zu schweren Au'« schreituugen der Soldaten, die in den Straßen schossen. E» wurden 32 Leute getötet und der General Ain schwer verwundet. Mehrere chinesische Barken wurden geplündert und einige Häuser in Brand gesteckt. Aus Sarblea. — Al» Tag der Einweihung de» neuen Luft schiffhafens in Leipzig ist der 15. Juni 1913 festge setzt worden. Graf Zeppelin wird dem Festakt beiwohnen. — Arbeiter Alfred MägS, der mit dem Arbeiter Konstantin RosolSki in Hoerlitz bei Senftenberg Ende Dezember von einein Landwirt 10 000 zu erpressen versuchte, wobei sich beide als Beamte de» Landratsamts zn Kalau ausgaben, ist von der Kriminalpolizei in Dresde« festgenommen worden. — Die Stadtverordneten in Zwickau wählten zum Bor- steher Hrn. Rechtsanwalt Teichmann und zum ersten Vizevorsteher Hrn. Rechtsanwalt Dr. Zergiebel wieder. Zweiter Vizevorsteher wurde Hr Kaufmann H. G. Landmann. — Hr. Pastor Ungnad tn Zwickau ist vom Berliner Hauptverein für Innere Mission zur Leitung der Arbeiten deS HauptvereinS nach Berlin berufen worden. Er wird dieses Amt am 1. April antreten. — Der seit dem 6. Oktober v. I. vermißte 61 Jahre alte Bücherrevisor Pietsch au» Zwickau wurde tn Remse bei Glauchau als Leiche aus dem Mühlgraben gelandet. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. verMrde Angslegenbetten. — AmtSetnwetsung. Der Bericht über die Ein weisung des Hrn. Amtshauptmann Dr. Jani in Zwickau befindet sich in der Beilage. — Erhebungen über den Umfang der Stickerei- und Spttzenindustrte. Die Handelskammer Plauen bittet uns um die Ver öffentlichung de» folgenden: Für da» Jahr 1913 beab sichtigt die Neichsregierung zur Gewinnung eines Ueber- blicks über die Produktionsverhältnisse und zugleich zur Vorbereitung für die Handelsverträge Erhebungen über den Umfang der Produktion tn der Stickerei- und Spitzenindustrie anzu stellen. Zu diesem Zwecke wird die Reichsregierung in allernächster Zeit einen Fragebogei» zur Versendung bringen, der sowohl den einzelne»» Fabrikanten als auch den Lohnmaschinenbesitzern zur Ausfüllung zugehen wird. Die Handelskammer möchte den Fabrikanten und den Lohnmaschinenbesitzern nabelegen, den in den Fragebogen gestellten Fragen eine gewissenhafte Beantwortung, die völlig geheim gehalten wird, angedeihen zu lassen, da nur dann die Reichsregierung in der Lage ist, die Bedeutung dec Industrie für die demnächst wieder abzuschließenden Handelsverträge zu übersehen, und es dürfte aus diesem Grunde zweckmäßig sein, daß die Beteiligten schon von Beg nn deS Jahres 1913 an bei ihren buchmäßigen An schreibungen die in Aussicht stehenden Produktions» erhebungen berücksichtigen. In Frage kommt bei diesen Erhebungen hauptsächlich die Angabe der verarbeiteten Gespinste nach Wert und Gewicht sowie bet den ver arbeiteten Bumwollgarnen noch die Angabe der Feinheits nummern. Außerdem wird noch von den Fabrikanten der Wert der von ihnen verwendeten gewebten Stoffe und sonstigen Materialien anzugeben sei». Schneeberg, 7. Jan. Im verflossenen Jahre wurden im städt. Dr. Kurt Geitner-Bad trotz der ungünstigen Witterung, welche infolge der naßkalten Tage wenig zum Baden einladend war, 37 664 Bäder verabreicht. Davon waren 25444 Schwimmbäder, 9657 Wannenbäder, 1631 Brausebäder, 732 Dampf- und andere Bäder. Im Durchschnitt badeten täglich 119 Personen: der höchste Betrieb war an einem Tage mit 653 badenden Personen. Schneeberg, 7. Jan. Am Sonnabend wurde einem hiesigen Altwarenhändler aus dem Gehöft ein Sack mit Gummi abfällen gestohlen. Als Täter wurde ein 10 Jahre alter Schulknabe ermittelt. Die gestohlenen Sachen wurden wieder erlangt. Aue, 7. Jan. Der an Stelle deS in den Ruhe stand getretenen Hrn. Oberlehrer Loose als ständiger Lehrer an der III. Bürgerschule neu gewählte Hr. Scherzer wurde heute vormittag bei Begin»» deS Unterrichts durch Hrn. Schuldirektor Bauer in sein neue» Amt rin ge w t e s e n. Aue, 7. Jan. Am HohneujahrStage hielt der Königl. Sachs. Mtlitiirveretn I seine erste gut besuchte Monatsversammlung im neuen Jahre in seinem Vereins lokal, dem Restaur „Kronprinz" ab. Der Vorsitzende, Hr. Kam. Kretzschmann, eröffnete die Versammlung mit Glückwünschen für da» neue Jahr und mit einem kurzen Rück- und Ausblick für den Verein. Er schloß seine ein drucksvolle, von Vaterlandsliebe und König-treue durch glühte Ansprache mit einen» Hoch auf Kaiser Wilhelm und König Friedrich August. Der Vorsitzende gedarbte sodann der im Laufe de» Kalenderjahrs verstorbenen Kameraden, zu deren ehrendem Gedenken sich die An wesenden von ihren Sitzen erhoben. Rach der Aufnahme von zwei neuen Mitgliedern »nachte der Vorsitzende auf die Feier von Kaiser» Geburt-tag am 27. Jan. und auf