Der Spottchor „Er trauete Gott, daß er ihn befreite“ (Nr. 22) enthält die Begründung, warum die meisten Juden Jesum nach sei nem Scheitern als Messias ablehnten: Sein Verzicht auf Gewaltanwendung, wie ihn das Neue Testament überliefert, und sein Tod am Kreuz kennzeichneten deutlich sein po litisches Scheitern und disqualifizierten ihn als Messias. Daher der Hohn: „Laßt, laßt Gott befreien ihn, wenn er ihm wohlgefällt!“. „Wer ist der König der Ehren? Gott Zebaoth!“ (Nr. 25 ) verbindet noch einmal, jetzt tri umphierend, das Messias/König-der-Juden- Motiv mit den alten, damals wohl schon längst vergessenen oder verdrängten Resten des Sternenglaubens (Zebaoth = Sabbath = Saturn, Stern des jüdischen Volkes). Die Vergöttlichung Jesu („Zu welchem von den Engeln hat er jemals gesagt: du bist mein Sohn, von Ewigkeit her bist du es!“, Rezi tativ nach Nr. 25, [in unserer Aufführung gestrichen]) zieht eine weitere Grenze zwi schen Judentum und dem sich von ihm trennenden Christentum - die Gleichsetzung Jesu mit Gott („Sohn Gottes“) war (und ist) den Juden Gotteslästerung und ein Greuel. Die Zornes-Arie der klassischen Oper „Warum brennen die Heiden und toben im Zorne...?“ (Nr. 29) nimmt wieder ein jüdi sches Motiv auf, jetzt schon christlich ge wendet: „Die Hölle steht auf zur Empörung wider den Herrn und wider seinen Gesalb ten.“ (Nr. 29), also den Messias/Christus. „Brecht entzwei die Ketten alle und schüttelt ab dies Joch von euch“ (Nr. 30) läßt sich ebenfalls auf die konkrete jüdische Exi stenz unter der Herrschaft Roms beziehen. Selbst der berühmte Halleluja-Chor enthält noch historische Elemente: „Der Herr wird König sein; das Reich der Welt ist nun des Herrn, des Herrn und seines Christus“.