die einem riesigen Gebiet rund ums Mittel meer eine langwährende Epoche des Frie dens und Wohlstandes gebracht hatte. „Tochter Jerusalem, ... dein König kommt zu dir“ (Nr. 13) kündigt den Messias an, der das Königreich Davids wiederherstel len werde, jetzt schon christlich gewendet. „Er weidet seine Herde, ein guter Hirt, und sammelt seine Lämmer in seinem Arm.“ (Nr. 14), führt noch einmal zurück in den Alten Orient: „Der gute Hirte“ gehörte zum offiziellen Herrschertitel der ägyptischen wie mesopotamischen Könige. Ihre bildliche Darstellung als „guter Hirt“, mit einem Lamm auf dem Arm, sanktionierte zugleich die agrarische Produktion, denn der ägyp tische König war zugleich Inkarnation des obersten Reichsgottes, der mesopotamische König oberster Priester, also Priesterkönig. Als eines der wichtigsten vergöttlichten Symbole der agrarischen Produktion und Fruchtbarkeit war das Schaf („Lamm“), neben dem Rind (Stier), eines der wichtig sten Opfertiere, z. B. beim Pessach-Fest der Juden. „Kommt her und seht das Lamm“ (Nr. 16) verdeutlicht denselben Sachverhalt, jetzt noch weiter religiös sublimiert: „Es trägt die Last, die Sünde der Welt“, symbolisch be zogen auf die Passion Christi am Kreuz - „Ein Mann der Schmerzen“ (Nr. 17): „Wahr lich, er litt unsre Qual“ (Nr. 18). „Durch seine Wunden sind wir geheilet“ (Nr. 19). Daher heißt die christliche Gemeinde noch heute die „Herde“, die der Bischof als „Hirte“ weidet. Auch der „Hirtenstab“, Symbol des kirchlichen „Hirtenamtes“, aus dem sich später der Krummstab von Äbten und Bischöfen entwickelte, war einst eines der Insignien altorientalischer Könige in Ägyp ten und Mesopotamien.