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DRESDNER PHILHARMONIE Sonntag, den 13. Juni 1971, 20.00 Uhr Festsaal des Kulturpalastes Dresden Im Rahmen des „Dresdner Sommers 1971" 12. AUSSERORDENTLICH ES KONZERT Dirigent: Lothar Seyfarth Solist: Jean Bernard Pommier, Frankreich, Klavier Bela Bartok 1881-1945 Suite aus dem Tanzspiel „Der holzgeschnitzte Prinz" op. 13 Erstaufführung PAUSE Ludwig van Beethoven Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 1770-1827 ... Allegro Adagio un poco mosso Rondo (Allegro) llllllilliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiililllilillilllllilllllllllllllllliiiiilillllllllillliliilillllllllllllllllilillllllllllliiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiliililllllliilllilliilllillilllllllllllllllllllllli JEAN BERNARD POMMIER, Sohn einer Musikerfamilie, wurde 1944 in Beziers (Südfrankreich) geboren. Bereits im Alter von sieben Jahren gab er sein erstes Konzert. Nach Unterricht bei Ives Nat bezog er 1958 das Pariser Konservatorium, das er nach zweijährigem Studium bei Pierre Sancan mit einem 1. Preis verließ. 1960 gewann er bei einem Internationalen Wettbewerb in Westberlin ebenfalls den 1. Preis. Beim Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau 1962 erreichte er die dritte Runde und erhielt das erste Ehrendiplom. Konzerte in der UdSSR schlossen sich diesem Erfolg an. Auslandsgastspiele führten den Künstler in den letzten Jahren nach England, Belgien, der Schweiz, nach Holland, Däne mark und der VR Bulgarien, nach Spanien, Japan und den USA. Für die Schallplattenfirma „His Master's Voice" produzierte Jean Bernard Pommier mehrere Schallplatten. Bei der Dresdner Philharmonie war er bereits 1968 und 1969 zu Gast. ZUR EINFÜHRUNG „Bela Bartok arbeitete an der Partitur ,Der holzgeschnitzte Prinz' mit einer längeren Unterbrechung von 1914 bis 1917. Das Tanzspiel, dessen Text von Bela Baläzs, dem Librettisten der einzigen Oper Bartöks geschrieben wurde, führte das Budapester Opernhaus am 12. Mai 1917 zum ersten Mal auf. Die Problematik des Stückes schließt sich eng an die der beiden anderen Bühnenwerke des Komponisten, der Oper .Herzog Blaubarts Burg' (komponiert 1911) und der 1925 vollendeten Pantomime .Der wunderbare Mandarin' an. Alle drei Werke stellen das damals größte Problem des Lebens Bartöks: die Einsamkeit des Mannes, des Menschen, des Künstlers im Rahmen je einer Liebesgeschichte dar. Die Oper verweist diese Frage in die Welt der Mythologie, die Pantomime realisiert sie im Spiegelbild der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts; der .Holzgeschnitzte Prinz' versetzt sie aber ins farbig schil lernde Milieu des Volksmärchens, läßt einen regenbogenfarbigen Schleier über sie fallen, gibt eine Antwort, die voller Illusionen ist. Das ganze Spiel ist wie ein schöner Traum. Der Mann, der in der Oper Bartöks vergeblich seine Gefährtin sucht, findet sie hier auf der Tanzspielbühne. Das Adagio der unglücklichen Liebe wird nun — nach einer Bemerkung Koddlys — vom Allegro des Glückes abgelöst. Eine Prinzessin lebt glücklich und reich in ihrem Schlößchen, das auf einem Felsen steht. Das Schloß ist von einem Wald umgeben, vor ihm fließt ein klarer Bach, eine Brücke führt zum Schlosse. Die zauberhafte Stunde des Er wachens der Natur ist eben vorbei. Zwischen den Bäumen spielt im Sonnenlicht vergnügt die Prinzessin. Das Tor der benachbarten zweiten Burg wird geöffnet, ein Prinz tritt daraus hervor, um einen weiten Weg in die Welt zu tun. Die Fee gebietet hierauf der Prinzessin, sich in ihr Schlößchen zurückzuziehen. Der Prinz erblickt sie doch durch das offene Fenster und verliebt sich sogleich in sie. Er möchte gleich zu ihr! Doch auf einen Wink der Fee beleben sich die Bäume des Waldes und verstellen ihm den Weg. Der Prinz kämpft gegen den Wald und besiegt ihn. Doch vergebens; denn die Fee schafft ein neues Hindernis: der Bach tritt aus seinem Bette, und der Prinz vermag nicht, den .rauschenden, klingenden, sich schlängelnden' Ring zu durchbrechen. So kann er nun nicht zu ihr gelangen; er möchte wenigstens ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken, um die Prinzessin dadurch herunterzulocken. Er hängt seinen reichgeschmückten Mantel über seinen menschenförmig geschnitzten Wander stab und hebt ihn so zum Fenster der Schönen empor. Sie beachtet ihn jedoch nicht. Nun setzt er auch seine Krone dem Stabe auf, die Königstochter wirft aber nur einen einzigen Blick auf den Popanz. Beim dritten Versuch opfert der Prinz seine schönen goldenen Locken, ziert mit ihnen die Puppe und lockt mit ihr, die nun schöner als der wirkliche Prinz ist, die Prinzessin aus ihrem Schlößchen. Er verbirgt sich hinter der Puppe und erwartet verliebten Herzens das Mädchen. Doch anstatt des Glückes harrt seiner Enttäuschung. Denn der Prinzessin gefällt der buntgekleidete, bekrönte und lockige holzgeschnitzte Prinz mehr als der ungeschmückte, haarlose, richtige, den sie gar nicht beachtet. Die Fee erweckt durch Zauber die Holzpuppe zum Leben, und die Prinzessin tanzt mit ihrem sonderbaren Partner glückselig nach dem Walde. Der Kummer des Prinzen ist grenzenlos. Die Fee bedauert ihn und bedeckt ihn zum Trost mit einem Blumenmantel, bekrönt ihn mit einer Blumenkrone, als hätte sie ihn zum König des Waldes erhoben. Schon kommt die Prinzessin aus