(„Nie sollst du mich befragen" - „Seh'n sollst du, doch nimmer fra gen"), das Duo des „auserkorenen" Mannes und des „hinfälligen" Wei bes - nach Wagners Auslegung - die ewige Sehnsucht des Künstlers, herabzusteigen aus „den Höhen des geistigen Lebens" unter die Menschen und die Unerfüllbarkeit dieses Wunsches. Die andere Inspiration der Bartök- Oper führt über Baläzs zu Maeterlinck und durch ihn teils zur Debussy-Oper „Pelleas und Meli sende" (1902), teils noch konkreter zu „Ariane et Barbe-Bleue" von Paul Dukas, einer Oper in drei Ak ten, die 1907 in Paris uraufgeführt wurde. Der balladenhafte Ton, die symbolische Sprache und Konstruk tion, die Ausschaltung von Massen szenen, das Kammertheater, die enge Beziehung von Musik und Bild - dies alles verbindet die Oper Bartoks eng mit der zeitgenössi schen französischen Bühne. Im Jahre 1911 reichte Bartök sei nen Einakter beim Opernwettbe werb des Budapester Leopold- städter Kasinos ein. Die Jury erklär te das Werk für unspielbar und wies es zurück. Der Komponist ar beitete die Oper zunächst im Jahre 1912 - wahrscheinlich auf Anraten seines Freundes Zoltän Kodäly - und dann noch mehrmals um und hatte besonders mit der endgültigen Gestaltung des Schlusses sowie mit einer der ungarischen Prosodie ge mäßen Vertonung der Verse viel Mühe. Die Uraufführung erfolgte sieben Jahre nach Abschluß der er sten Fassung und erst nach der er folgreichen Premiere des zweiten Bühnenwerkes von Bartök, des Bal letts „Der holzgeschnitzte Prinz", am 24. Mai 1918 im Budapester Opernhaus unter der Leitung des Italieners Egisto Tango, des ersten Dirigenten sämtlicher Bühnenwerke Bartoks. Die Quelle des Baläzs-Textes, die Blaubart-Legende, ist seit dem letz ten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts in der europäischen Literatur in ver schiedenen Versionen vorhanden. Die historischen Grundlagen des Märchens sind bis in das 6. Jahr hundertzurückzuverfolgen. Auch in der Folklore fanden die Forscher verwandte Motive (verbotenes Zim mer, Prüfungen, Frauenmord usw.), und der Literaturhistoriker Läszlö Böka verwies auf einen „ungari schen Blaubart" in der Volksballade „Anna Molnar". Auch uralte My then, der Gegensatz von Licht und Dunkel, wurden in der Oper ent deckt. Die Gestalt Blaubarts ist die schwüle, sündhafte Nacht, die die Braut - das Licht, auch die Ur neugier verkörpernd - tötet. Der „blaue Bart" entspricht dem Schwarzblau der Nacht und dem blauen Bart der antiken Götter Bes, Indra und Zeus. Die Vertreterinnen der Neugier in der Bibel und ande ren Mythologien aber sind u.a. Eva, Loths Weib, Pandora. Von den literarischen Bearbeitungen des Themas sind vor allem das romanti sche Märchen von Tieck (1797), die Dichtung von Maeterlinck (1902) und die (ironische) Kurzge- Die Blaubart-Legende ist in der europäi schen Literatur in verschiedenen Versionen vorhanden