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gleichwohl trug er sich mit Umarbeitungsgedanken, wie aus Briefen an den Londoner Freund Klingemann und an Ignaz Mo scheies hervorgeht; noch 1840 berichtet er von Umarbeitungs plänen. Die Sinfonie, die heute zu den meistgespielten Orchester werken Mendelssohns gehört, er klang zu seinen Lebzeiten nicht mehr, und sie erschien erst 1851, als sie Julius Rietz aus dem Nach laß heraus veröffentlichte. Bis heu te ist die Quellen- und Fassungs lage des Werkes weitgehend un geklärt; fest steht, daß es minde stens drei selbständige Fassungen gibt, und daß die heute gebräuch liche wohl die chronologisch letz te festhält, deren Authentizität je doch umstritten ist. 1832/33 lag Beethovens Tod ge rade fünf Jahre zurück, die Urauf führung seiner 9. Sinfonie war nicht einmal zehn Jahre her. Gleichwohl zeigt die Italienische Sinfonie keine Auseinanderset zung mit dem Werk Beethovens. Carl Dahlhaus schrieb: „Das Ur teil, daß die ,Schottische' und die ,Italienische Sinfonie' die Men- delssohnschen Werke seien, die der Geschichte der Gattung ange hörten, einer Geschichte im em phatischen Sinne, in der die Substanz vergangener Wirklich keit vom bloßen Schutt der Über lieferung getrennt erscheint, dürfte denn auch feststehen. Und es war der Verzicht auf eine Auseinander setzung mit Beethoven, durch den die ,Schottische' und die ,Italieni sche' zu den geglückten Werken wurden, als die sie sich im Reper toire behaupten. Als Komponist in der geschichtlichen Situation nach Beethoven zu bestehen, bedeute te für Mendelssohn, überhaupt nicht in den Schatten zu treten, den Beethoven warf." Der erste Satz (Allegro vivace) ist ein vollständig ausgebildeter So natensatz: Nach Anfangsakzent und wenigen stakkatierten Holz bläserakkorden tritt das schwung volle Hauptthema ein, das wieder holt und mehrfach abgewandelt wird. Schon diese Hauptthemen- Exposition ist durchsetzt mit zahl reichen durchführungsartigen Ele menten: mit motivischen Variatio nen und neuen Fortspinnungen, mit thematischer Zerlegungsarbeit und Motivspaltung. Erst nach ge raumer Zeit tritt das Seitenthema in terzenhaltigem Holzbläsersatz ein - es bleibt knapp und eher epi sodisch, wird fast verdrängt durch eine breite Rückleitung zur Expo sitionswiederholung, die ebenfalls das Hauptthema weiterspinnt. Hatte sich die Exposition eher mo tivischer Fortspinnungsarbeit be fleißigt, so weicht die etwa gleich lange Durchführung in zwei wich tigen Elementen vom Schema ab- zum einen führt Mendelssohn ein neues, drittes Thema ein, zum an deren gründet die Durchführungs arbeit hier fast ausschließlich auf kontrapunktischer Themenkombi nation - bis hin zum Fugato mit zwei Themen, dessen Entwicklung vom durchbrochenen Streicher-