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2) Joh. Seb. Bach (geb. 21. März 1685 in Eisenach, gest. 28. Juli 1750 in Leipzig): Konzert in Dmoll für 2 Violinen mit Begleitung des Streichorchesters (zwei Violinen, Bratsche und Baß). Vivace (lebhaft). Largo ma non tanto (gedehnt, aber nicht zu sehr). Allegro (schnell). Ausführende: Herren Konzertmeister Hey de und Schneider. Der berühmte Leipziger Thomaskantor schrieb das Werk nach Sitte der damaligen Zeit für die beiden konzertierenden Geigen (parties principaux) und Continuo (eigentlich basso continuo: bezifferter Baß). Nach der Urhandschrift hat es dann der Theoretiker S. W. Dehn (1799—1858) als Leiter der musikalischen Abteilung der Berliner Königl. Bibliothek für die obigen Instrumente gesetzt und bei Peters (Nr. 231) herausgegeben, während später der Leipziger Violinprofessor Friedrich Hermann die Begleit;nstramr.nte für Klavier übertrug. Wie bei den Konzerten für eine Violine springt hier ganz besonders die kontrapunktische Gestaltungskunst (Nachahmung) des Meisters in die Augen. Die Solostimmen treten bald einzeln auf, bald laufen sie einander nach oder kreuzen die Wege. Wo sie einmal die Harmonie angeben, nehmen die Begleitinstrumente die Haupt gedanken auf. Übermäßige technische Schwierigkeiten finden sich nicht vor, doch stellt das Werk an die stilvolle Ausdeutungskunst beider Spieler ziemliche Anforderungen. 3) Ludwig van Beethoven (geb. 16. Dezember 1770 in Bonn a. Rh., gest. 26. März 1827 in Wien): Sinfonie in Cmoll (Nr. 5). Allegro con brio (schnell, mit Feuer). Andante con moto (gehend, mit Bewegung). Allegro. Allegro — Presto (sehr schnell). Die fünfte Sinfonie des Meisters zählt zu seinen bekanntesten. Sie wurde zugleich mit der Pastoral-Sinfonie (Nr. 6) 1808 in Wien erstmalig aufgeführt. „In ihrem pyramidalen Aufbau steht sie einzig da“, sagt Carl Reinecke. Der tiefe Ernst des ersten Satzes mit seinem wie ein Menetekel wirkenden Eingangsthema, das immer wieder erscheint, schlägt den Hörer in Bann und erschüttert ihn. Wie sanft und lieblich hebt sich von diesem großartigen Gemälde der zweite Satz ab. Wie singt das Cello seine köstliche . Asdur-Weiso 1 Daun glänzen Trompeten- und Hornklänge (Cdur) auf, die zwei fesselnde Variationen einleiten. Der dritte Satz, alles andere als ein Scherzo, führt den Hörer zu ernsten Gedanken zurück. Ursprünglich sollte dieser Satz ganz leise verhallen, wie der Beethovenforscher Nottebohm berichtet, dann aber wählte der Meister in wahr haft genialer Weise den Übergang zu dem rauschenden Freuden- und Jubel hymnus der majestätischen Schluß-Dithyrambe. Bemerkenswert ist, daß hier Beethoven erstmalig die Posaunen verwendet. Heinr. Platzbecker.