Volltext Seite (XML)
„Papa — ich — danke dir für deine Worte * Da lächelte Osterwald. „Ich habe es gerne getan, mein Kindl" In Buenos Aires aber saß an diesem Abend unter Palmen Erich und schrieb einen langen Brief an Vie Mut ter, dem er Grüße an Annaliese beifügte. Noch vierzehn Tage etwa uno er konnte den Weg in die Heimat antreten. Am Morgen nach dem Festmahl machte sich Annaliese zur Goethestraße auf. Sie berichtete Frau Münster kurz von allem, was sie interessieren konnte, und sagte dann: „Erichs Gepäck muß doch lange schon auS Rußland zurück sein? Gleich nach dem Freispruch m Moskau wurde alles freigegeben " Frau Münster nickte: „Ja — Annaliese — warum fragst du?" „Ist oas Bild dabei, der „Gläserne Berg'?" Da lächelte die alte Dame wehmütig. „Ja — daS Bild, an dem er so sehr hing, ist unbe- schädigt zurückgekommen. " „Dann bitte ich dich, eS mir auf einige Feit zu leihen I" Erstaunt blickte Frau Münster auf. Aber vaS sunge Mädchen wehrte ab. „Ich — habe eine Ueberraschung vor " Und mit dem wohlverpackten Bild« trat Annaliese den Heimweg an. Bier Wochen später saßen an einem Abend Osterwald und seine Tochter allein beim Nachtmahl. Als man fertig war. sprach Annaliese mit einer ge wissen Feierlichkeit: Vater l Die Raven ist im Konzert. Wir sind unter unS. Ich möchte etwa« mit dir besprechen: Schenk« mir «in« hall« Stunde Zeit!" Osterwald nickt«. „Gerne, mein Kind. Laß uns ins Musikzimmer gehen, dort sind wir ungestört, und es ist traulicher dort!" Der Geheimrat nahm unter der Stehlampe Platz und steckte seine Zigarre an. Ueber den gehetzten, von Sorgen geguälten Mann war in letzter Zeit eme bemerkenswerte Ruhe und Entspan nung gekommen. Er iah nach den Jahren der Not wieder freie Bah« vor sich. Annaliese ging hinaus und kehrte mit einem flache« Paket wieder zurück, das sie auf dem Flügel von seiner leidenen Hülle befreite. Es waren zwei Bilder in schma len goldenen Rahmen. Das junge Mädchen reichte daS erste dem Vater. „Kennst du das Märchen vom „Gläsernen Berg'?« Der Geheimrat zog die Lorgnette hervor und betrach tete ins Bild. „Nein — ich kenne eS nicht! — Aber — nach deu^ waS ich hier sehe, kann ich mir denken, um was e« sich handelt. Ein Ritter ringt um den Besitz der Geliebten. Er reitet den „Gläsernen Berg" hinaus, trotzdem viele vor ihm das Wagnis mit dem Leben büßen mußten! Ein sehr hübsches Bild! Woher hast du es " Annaliese sagte: „Später davon, Vater! Nun steh dieses Bild!" Und Osterwald nahm es au- der Hand der Tochter. Eine lange Pause entstand. Ueber deS Geheimrats Antlitz ging eine merkliche Be weg', ng. / Die Tochter hatte einen Stuhl herbeigezogen und saß dem Vater gegenüber. Endlich brach Osterwald daS tiefe ^hweigen. „Wer hat dies angesertigt nach dem Original?" ! s Nr. Lös -etlage zum Auer Tageblatt dleustag, -en 17. November issi Nus Stsät unä Lrmä Au«. IS. November 1V81 Da» «st praktische Nothilfe Wie un» der Rat der Stadt mitteitt, spielt di« „Dra matische Gesellschaft Aue e. B." am Sonnabend, den 21. November, im Saale -e- „Büraeraarten" einen Schwank in drei Aufzügen: „Da- Hollandmadel" von Anton Anno in neuer Bearbeitung von Siegfried Philippi. Der Rein ertrag soll zugunsten einer WeihnachlSbescherung im Auer StadttrankenhauS verwendet werden. Die Dramatisch« Gesellschaft Aue e. B. stellte sich dieses Jahr bereit- einmal in dm Dienst einer guten Sache. DaS vor kurzem gegebene Lustspiel „DaS dumm« Komteßchm" brachte für di« Auer Winternothilfe «inen Reinertrag von über 250 RM ein. Wir wünschen der Dramatischen Gesell schaft Au« e. V. zu ihrer Aufführung, schon in Anbetracht des wohltätigen Zweckes, ein volles Haus. Vorverkauf der Karten im AigarvenhauS WtlmS, Markt. Das Auer Bandonion-Orchester feierte am Sonnabend im Parkschlößchensaal sein 4. Stiftungsfest und trat au- diesem Anlaß mit seinem neuen Orchester vor die Öffentlichkeit, nachdem im Ja nuar diese» Jahre- eine Umstellung von der Konzer tina aus Einheitsbandonion v-orgenonnnen worden ist. Das Konzert wurde durchgeführt unter der Leitung deS Dirigenten Emil Schürer und ließ erkennen, daß sich die Orchestermitglieder auf ihren neuen Instrumenten bereits ausgezeichnet eingespielt haben. Wie beliebt diese Art von Volksmusik ist und welchen Anklang sie in beson derem Maße in unserem Erzgebirge findet, bewiesen der gute Besuch der Veranstaltung und der reiche und begeisterte Beifall, der dem Orchester für jede der Darbietungen zuteil wurde. Herr Schönherr, der Vorsitzende deS Vereins, der früher den Namen „Konzertina-Club Gut-Ton" führte, begrüßte die Festteilnehmer und besonders die Vertreter zahlreicher Brudervereine herzlich und wies dabei hin auf die Bundeötagung, di« am nächsten Jahre in Aue stattfinden wird. »Das Recht drs Kaufmanns" Diese» Thema behandelte der Rechtsschutzbeamte Gchetthauer-Zwickau in der letzten Monatsversammlung der Ortsgruppe Aue de» Teutschnationalen HandlungS- gehilfen-Berbande». Der Redner sprach im besonderen über die immer mehr sich häufenden Streitigkeiten zwi schen Prinzipalen und Kaufmannsgehilfen, die heute meist in einem Verfahren vor dem zuständigen Ar beitsgericht erst ihr Ende fänden. Durch diese Art Ge richte sei k» jetzt dem Arbeitnehmer möglich, seine wohlerworbenen Rechte gegen evtl. Willkür erfolgreich zu verteidigen. Wenn nun nicht alle Arbeitsgerichts prozesse so ausltefen, wie es für den Arbeitnehmer wünschenswert gewesen wäre, so liegt die» daran, daß auf dem Gebiet des Arbeitsrechtes mitunter die ein fachsten gesetzlichen Bestimmungen nicht beachtet würden und daß eS dann den Prozeßfahrenden schwer sei, nach träglich den früher verursachten Schaden zu reparieren. Der THB. hat durch fein Reichsnetz von Rechtsschutz!- stellen den Kaufmanns gehilfen die Möglichkeit gegeben, in Zweifels fällen und bei Streitigkeiten Rechtsschutz zu erhalten und die jetzt in die Hunderttausende von Reichsmark gehenden erstrittenen Gummen beweisen besser als andere Ausführungen den Wert dieser ge werkschaftlichen Einrichtung. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an, in der der Vortragende austauchende Fragen eingehend beantwortete. E» war naturgemäß, daß dem Redner de» Abends der Beifall der gutbesuchten Versammlung, die im Kaffee Georgi-Aue stattfand, zuteil wurde. Der Leiter der Versammlung machte sodann noch auf den am Bußtag, Mittwoch, den 18. November, .im DHB-Heim stattfindenden Frauennachmittag der Ortsgruppe auf merksam in dessen Mittelpunkt ein Vortrag pon Frau Pfarrer Fromm hold-Au- über ,M« Frau att Gärtnertn in der Famttte" statt. Sportler bestohlen Gestern mittag in der Zett -wischen N12 und 2 Uhr wurde im Umkleideraum des Sportvereins Eiche-Zschorlau, der sich hier in Ler Mehnertstraße 57 befindet, unter Der- Wendung von Nachschlüsseln ein Diebstahl verübt. Ent wendet wurden, drei Geldbörsen mit insgesamt 29,47 Mark an Bargeld, eine Herrenuhr mit Goldrand, weißem Ziffern blatt und Sekundenzeiger und Kette im Werte von 40 bis 45 Mark. Sachdienliche Angaben erbittet die Auer Krt- minalpolizei. Selbstmordversuch Gestern in den frühen Morgenstunden versuchte ein Einwohner in seiner Wohnung auf dem Eicheri seinem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende zu machen. Die Wirtschafterin des Mannes bemerkte aber den starken Gasgeruch und konnte den Plan des Lebensmüden ver eiteln. Beide Personen waren leicht betäubt. Zertrümmert wurden in der Nacht zum Sonntag durch Steinwürfe zwei Scheiben der Reklamesäule auf dem Ernst-Geßner-Platz. Die Poli zei fahndet nach den Tätern. Eine Schlägerei brach in der vergangenen Nacht in einer hiesigen Gaststätte auS. Die Ortspolizei mußte eingreifen und eine Person in Hast nehmen. Bott-Hochschule Aue -Herr -Stadtmedizinalrat Dr. Morgenstern wird im Rahmen der Herbstkurse drei Vorträge halten über „Entstehung und Erkennung innerer Krankheiten". Leider hatte sich in daS Vorlesungsverzeichnis ein Fehler einge- schlichen inbvzug auf Beginn und Zeit deS Kurses. Die Vorträge finden an drei aufeinanderfolgenden Mittwoch, tagen statt, und zwar der erste am 25. November, 20.15 Uhr, in der Aula der Oberrealschule. Arbeitsjubiläum Bei der Firma Ernst Papst feierte der Herrschafts kutscher Edmund Loos sein 25jähriges ArbettSjubiläum. Ehejubiläum Am morgigen Dienstag begeht Herr Kaufmann Emil Rudorf, Aue, Eisenbahnstraße 2, mit seiner Gattin Meta geb. Müller daS Fest der silbernen Hochzeit. Eine musikalische Feierstunde veranstaltete gestern abend in der Nicolaikirche die Auer Männerquartett-Bereintgung unter Mitwirkung von Herrn Stadtkapellmeister Drechsel (Violine), Herrn Neubert (Violine), Organist Pöh- ler und unter Leitung von Kirchenmustkdirektor Temm ler. Eingeleitet wurde die erbauende Stunde von einem Lrgeloort.ag „Präludium in g-moll" von Jos. Rheinberger, mit Innigkeit und in technischer Voll endung gespielt von Organist Pöhler. Dem Gemeinde gesang „Ich will dich lieben, meine Stärke" folgten dann zwei Gesänge für den Männerchor, das von Schu bert vertonte „Wohin soll ich mich wenden?" und und ,Hch laß dich nicht" von H. Pfeiffer. Andachtsvoll lauschte die ganz von dem wundervollen Gesang ge ck»e Sokrselanksl»*» In fangen« Gemeinde den tiefbeseelten Darbietungen des Thores, und ebenso den drei Sätzen aus dem Konzert in d-Moll für -wei Violinen und Orgel" von Meister Joh. S«b. Bach, da» von den Herren Drechsel, Neubert und Organist Pöhler in vollendeter Form interpretiert wurde von dem Thor hörte man noch da» ,D»r Her« ist unsere Zuversicht", vertont von Berh. Klein, da» von Heinrich Schütz vertonte „Wohl denen, di« da wandeln", da» „ES liegt ein Reich", vertont von vaul Geilsdorf und zum Schluß Berh. Klein- Motette für Männerstimmen »Himmel und Erde vergehn ..." Di- Feierstunde klang aus mit dem gemeinsamen Gesang des Kirchenliedes „Selig sind die «einen Herzen". Musikalische AndachtSstund« in de, Gt. Nicolaikirche Am Bußtag, nachmittag 5 Uhr. findet in der Nicolai- kirche ein« musikalische AndachtSstunde statt. Sie wird mit Orgelsptel und Gemeindegesang eingeleitet und beendet, und Herr Pfarrer Haufe hält eine kurze Ansprache als Einstimmung zu einer Thoralandacht über da- „Vater- Unser". Die Ltsdstrophen hierzu stammen von Pfarrer Forberger in Dresden, die wertvolle Musik gründet sich auf evangelische Kirchenweisen und ist von dem an klassischen Meistern geschulten Musikdirektor Thomas in Dresden für Chor, Bariton und Orgel feinsinnig gesetzt. Der Eintritt zu dieser Erbauungsstunde ist frei, nur wird um Entnahm« einer VortragSordnung für 30 Pfg. gebeten. Erwerbslose haben freien Eintritt. Ehrung verdienter Mitglieder in der Christlichen Elternvereinigung Aue Im Rahmen der Versammlung, die am Freitag die Christliche Etternvereinigung Aue veranstaltete und über die wir bereits berichtet haben, wurden dm Herrm Paul Wötzel, Emil Jahn, Oswald Hähnel, Wilhelm Schneider und Bäckermeister Voigtmann von dem Vorsitzenden, Herrn Tröger, die goldene Nadel des Landesverbandes mit einer Urkunde als Auszeichnung für ihre Verdienste um die Be wegung der christlichen Elternschaft überreicht. Eine be sondere Ehrung wurde außerdem Herrn Sttehler auS An laß seines 70. Geburtstages zuteil. Die Wahlen, die durch geführt wurden, ergaben eine Wiederwahl deS jetzigen Vor standes. AuS dem Kassenbericht, den Herr Flämig erstattete, war zu ersehen, daß die Kassenverhältnisse in der Christ- lichen Elternvereinigung als geordnete und befriedigende anzusprechen sind. „Ueber Nacht gesund?" Heute Montag, den 16. Nov., findet im Muldental saale ein öffentlicher Aufklärung-Vortrag mit obigem Thema statt. Ueberall, wo bisher dieser Vortrag stattgefunden, warm die Säle überfüllt, ein Beweis dafür, wie groß daS Interesse der Zuhörer ist, einmal über den menschlichen Körper und seine Störungen unterrichtet zu werden. Der Redner, Hans Schnabel-Neustetter, ist als ein guter Red ner bekannt und gilt als ein ernster Kämpfer gegen das Kurpfuschertum und dm Aberglauben. Wer sich also über die Ursachen seiner Krankheit und über dm Weg zu einer baldigen Gesundung unterrichten will, der sei auf den Vor trag hingewiesen. Eintritt frei. Frauen sordern Erhöhung der Kaullralt Vom Landesverband Sächsischer Frauenvereine wird uns geschrieben: Tie bisher vorgenommenen Gehalt»- und Lohn« abbaumaßnahmen haben zu einer Verminderung der Kaufkraft geführt, aus der sich eine wettere Bereken- düng der Gehalts- und Lohnempfänger mit.ihren Fa milien ergibt. Trotz radikaler EinkommenSsenkung — in vielen Berufszweigen ist schon die zweite Gehalts kürzung und wiederum mit Hilfe der Schlichtungs instanzen, vorgenommen worden — werden der ar beitenden Bevölkerung noch durch neue Steuern und soziale Abgaben — Ledigensteuer, Krisensteuer, Bürger- „Dee -5äseette Roman vonFelixNenman» vertrvv: Nouuwverlaa s. L H. Greiser, G. m. b. Rastatt -0) Annaliese saß regungslos ans ihrem Platze, das Ant- Mtz tief geneigt. Ein unsagbar füßeS GefW inniger Dank*-ekelt Gegenüber der Vorsehung, die alle- zum Guten lenkte, WMN ihr Herz völlig gefangen. Der Gehelmrat ließ den Blick in die Runde schweifen: »Meine Herren, die gesamten Auftrage, die sich auf Jahre verteilen, umfassen eine Summe von vielen Millionen Mark. Wir haben im barten Kampfe gegen die auslän- dtsche Konkurrenz gesiegt. Auf lange Zeit hinaus ist die Zukunft der „Velag" sichergestellt. Und da ist e« unsere «flicht, i« diesem Augenblick, wo wir da- frohe Ereignis «lern, deS Manne-zu gevenken, der mit unermüdlicher Tatkraft an der Vollendung deS Werkes arbeitete, unse re- Unterhändlers, des Herrn Doktor Erich Münster! — Erst in einigen Wochen werden wir Gelegenheit haben, unseren Dank persönlich abstatten zu können. T" ur aber ißt ihm heut« unser Gedenken geweiht, da- voll Anerken- mrng und Hochschätzung ist! Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch verkünden, daß die „Belag" da- Patent des neuen QelschalterS, Münster« Werk, erworben hat. Auch au« dieser Quelle, die ein junge« Genie erschloß, wird unS reicher Segen stießen! — Meine Herren — erheben Sie ßch mtt> triuken Sie mit mir auf die neuen Verträge, die abgeschlossen wurde« »«d da» Wohl dessen, der tätigen hafff« <» akke» die Rmede «acht«, staod Lrmaüest Plötz- Ich vor de« Vater. Die Kelch« uei-tm ßch Wetmmd«.