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Auer Tageblatt und Anzeiger für das Erzgebirge : 08.09.1908
- Erscheinungsdatum
- 1908-09-08
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id1735684481-190809087
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id1735684481-19080908
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-1735684481-19080908
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Auer Tageblatt und Anzeiger für das Erzgebirge
-
Jahr
1908
-
Monat
1908-09
- Tag 1908-09-08
-
Monat
1908-09
-
Jahr
1908
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Nr. LOS. Auer TigchlgUnttd Inzeiger für da« Erzgebirge. Dienetag, den 8. September 1908. am 1b. September wieder übernehmenwtrd. Damit hat sein« Reise nach Eüdwest-Afrika nur eine Woche länger ge dauert al» vier Monate. Schon von vornhinein war di« Zeit der Reis« aus vier Monate bemessen; daher war e» ein« Ueber- raschunz, al» bet der Verkündigung seine» Urlaube, dessen Dauer ausfünf Monate bestimmt wurde. Der Aufenthalt im britischen Südafrika, der sich viel lehrreicher und fruchtbar«» erwte», al» von Anfang an erwartet wurde, hat fast di« Hälfte de» Urlaubs in Anspruch genommen, und der Besuch de» SchlHgebietes Süd- rorst-Afrika wurde durch die dort vorhandenen Eisenbahnen av- getürzt, die eine Befichtigung der Kolonie in allen ihren Teilen ermöglichten, was bekanntlich in Ostafrika nicht der Fall war. * Wiederzusammentritt de» R«tch»tag». Durch kaiserliche Verordnung vom 1. Mai ist der Reichstag mit seiner Zustim mung am 7. Mai bis zum 20. Oktober vertagt worden. An welchem Tage der Reichstag seine Sitzungen wieder aufnehmen wird, ist bisher noch nicht bestimmt worden. Keines falls wird dies am 2. November der Fall sein, da dieser Tag auf einen Montag fällt, und der Reichstag niemals an einem Tage nach einem Sonn- oder Feiertage zusammenzutreten pflegt. Tag und Tagesordnung für den Mederzusammentritt des Reichs tage» werden erst im Laufe des nach st en Monats vom Prä sidenten des Reichstages, der hierzu vom Reichstage die Ermäch tigung erbeten und erhalten hat, bestimmt festgesetzt werden. * Die Feuerbestattung in Preußen. Nach einem Berliner Telegramm der Franks. Ztg. wird die preußische Regierung dem Landtage in der nächsten Session einen Gesetzentwurf der Einführung der fakultativen Feuerbestattung vorlagen. Neben den sachlichen Gründen, die für «ine Regelung der Feuerbestat tung sprechen, mögen auch politische mitwirken. Ob die Vorlage eine Mehrheit findet, ist eine andere Frage, denn im allge meinen sind die Parteien, di« im Abgeordnetenhaus« und auch im Herrenhause die Mehrheit haben, bis jetzt aus kirchlichen oder religiösen Gründen Eegnerder Feuerbestattung. " Bürgermeister Schücking al» preußischer Landtagskandidat. Die durch den Tod des Abgeordneten Feddersen notwendig ge wordene Landtagsersatzwahl im Kreise Tandern findet am 2!. September start. Kandidaten sind Dr. Schifferer-Kiel (nationalliberal) und der Bürgermeister Dr. Schücking-Husum (freisinnig). * Di« Unruhen auf d«n Karolinen erweisen sich, wie voraus- zuiehen, als viel harmloser, wie es nach den englischen Nach richten anfangs schien. Es liegt, wie jetzt aus Sydney gemeldet wird, keinerlei Empörung gegen die Regierung vor. Gouverneur Dr. Hahl charterte einen Dampfer, der hundert Polizeisoldaten nach Ponape befördern soll, während er selbst auf dem von Pap zurückberufenen Regierungsdampfer Seestern folgen will. Eine Gefährdung der auf Pcnape weilenden Europäer erscheint aus geschlossen. Es wird baldige Wiederherstellung der Ruhe er wartet. * Dir Marolkofrag«. Der Voss. Ztg. wird aus Paris ge meldet: Hier wird behauptet, Tittoni und Aehrenthal hätten festgestellt, daß sic in der Marokkofrage am einigen Vergehen Europas sesthalten und eine Verständigung zwischen den Algecirasvertragsmachten vor der gemeinsamen An erkennung anstreben. Von diesem Ergebnis seiner Unterredung mit Tittoni hätte Aehrenthal dann in Berchtesgaden dem Staats sekretär Schoen mitgeteilt. — Die von Spanien beantragten Slenderungen am Texte der Note sollen sich auf die Frage der Entschädigung für die militärische Besetzung Casablancas und gewisse von Muley Hafid zu verlangende Erklärungen be züglich der erworbenen Rechte Spaniens in Nordmarokko be ziehen. Treffend bemerkt Petit Parisien, Europa könne sehr zu frieden damit sein, daß die deutsch-französischen Auseinander setzungen der Entsendung der Note vorangingen. So habe man sich alles Verstimmende vom Herzen geredet und könne nun fn voller Seelenruhe die allgemein interessierenden Dinge er örtern. * Ernste sozialistische Kundgebungen haben sich in Glasgow ereignet. Arthur v. Connaught wurde dort am Sonntag nach einer Revue über 10 000 Kadetten beim Verlassen des Rathauses, wo ein Festmahl stattgefunden hatte, von Tausenden Arbeits losen mit wüsten Zurufen und Pfeifen empfangen; als das Orchester Eod save th« king spielte, blieben alle Häupter bedeckt, wogegen das Abspirlen der Marseillaise und sozialistischen Melodien Begeisterung heroorrief. Von anderer Seite wird aus Glasgow noch berichtet: Nach einer Versammlung, in der heftige Reden gehalten worden waren, versuchten etwa zwei tausend arbeitslose Sozialisten in die Kathedrale einzudringen, gerade als der Nachmittagsgottesdienst beginnen sollte. Die Polizei, die gewarnt worden war, war in großer Stärke zu gegen und trieb die Menge mit ihren Knütteln zurück, wobei mehrere Ruhestörer ernstlich verletzt wurden. * Di« Interparlamentarische Konferenz, die vom 16. bi« 20. September in Berlin stattfindet, und zu der nahe an 1000 Parlgmentaxjer aller Länder erwartet V«rden, wird zumeist mit der internationalen Friedensbewegung verwechsel t, di« Abrüstung, Weltfrieden ufw. anstrebt. Die Interparlamen tarische Union will auch ihrerseits dem Frieden dienen, aber auf anderem Woge. Sie will die gesttzgebenden Könerschaften der Rgtionen pinander näher bringen und den Gedankenaus tausch iioer Fragen de, internationalen Völkerrecht» herbeiführen. Das Hauptziel der Union ist die Anbahnung von Schiedsgerich ten bei bestimmten internationalen Streitigkeiten. Da» ent spricht auch den Zielen der deutschen Politik, und deshalb sind der deutschen Gruppe dieser Union auch zahlreiche Abgeordnete beigetreten, di« sich an den allgemeinen Abrüstung«- und Frie- dknsbestrebungen nicht beteiligen würden. Die Konferenz unter scheidet sich dadurch von sonstigen Kongressen, daß sich nur Mit glieder der parlamentarischen Gruppen an ihr beteiligen können. Aum Deutschen Juristenta-e der in den Tagen vom 9. bis 13. September in Karlsruhe zusammentreten wird, sind jetzt die von hervorragenden Autori täten erstatteten Gutachten über die zu behandelnden alk.ze- mein interessierenden juristischen und sozialen Streitfragen er schienen. Zum Thema: Welches Strafmittelsystem empfiehlt sich für das künftige deutsche Strafgesetzbuch? haben Geh. Ober regierungsrat im preußischen Ministerium des Innern Dr. Kröhne (Berlin) und Reichsgerichtsrat Ebermayer (Leip zig) Gutachten erstattet. Reichsgerichtsrat Ebermayer spricht sich in seinem Gutachten prinzipiell für Beibehaltung des Straf systems des geltenden Rechtes aus. Auch er hält eine Abschaffung der Todesstrafe zurzeit für unmöglich. Drei Freiheitsstrafen sollten scharf unterschieden werden: 1) Zuchthausstrafe für schwere Verbrechen und gewohnheitsmäßige Verbrechen, 2) Haftstrafen für leichte Straftaten, aber auch für schwere Straftaten, die nicht aus ehrloser Gesinnung hervorgcgangen sind. Für alle anderen Vergehen und Verbrechen soll die Gefängnisstrafe gelten. Der Gutachter ist für die Deportation. Dann wird die Dauer der Freiheitsstrafen besprochen. Ein« unbestimmte Verurteilung sei zu verwerfen, die kurzzeitigen Freiheitsstrafen ganz zu be seitigen, wie vielfach gefordert werde, sei unmöglich. Sie sollen aber möglichst beschränkt werden. Gegen die Beibehaltung lebens länglicher Zuchthausstrafe bestehen keine Bedenken: das Maxi mum zeitlicher Zuchthausstrafe soll 15 Jahre, das Minimum ein Jahr betragen. Auch Haft soll lebenslänglich ver hängt werden können. Das Höchstmaß der zeitlichen Haftstrafe scll 15 Jahre, das Mindestmaß einen Tag betragen. Die Ge fängnisstrafe soll längstens auf drei Jahre, min destens auf eine Whche verhängt werden. Ein weiteres Anwen dungsgebiet als bisher soll die Geldstrafe finden; sie soll insbesondere fakultative Haupt- und Nebenstrafe bei allen De likten sein, die aus Gewinnsucht begangen werden, Hauptstrafe jedoch nur bann, wenn di« Handlung nicht aus unehrenhafter Gesinnung hervorgegangen ist. Die Geldstrafe soll den Ver mögens- und Einkommensverhältnissen des Verurteilten ange- paßt werden. Der Gutachter belnmdelt dann die Ehrenstrafen. Der Verweis soll in leichteren Straffällen wahlweise neben Geld- oder Freiheitsstrafe oder verschärfend neben der Geldstrafe auch gegenüber Erwachsenen Anwendung finden. Darauf werden die Nebenstrafen eingehend erörtert. Die Stellung unter Poli zeiaufsicht sei unentbehrlich. Die Aufsicht soll aber diskret sein. Vielleicht kann man sie auch den Vereinen für entlassene Strafgefangene überlassen. Streng bestraft werden müssen rückfällige, gewerb- und gewohnheitsmäßige Verbrecher. In besonders schweren Fällen soll neben der Strafe auch noch die Sicherungsnachhaft eintreten. Ueber die jederzeit widerrufliche Entlassung sollen gemischte Kommissionen aus Orga nen der Anstaltsleitung, der Staatsanwaltschaft und Ehren beamten bestehend, entscheiden. - In der Kommission werden referieren Reichsgerichtsrat Galli (Leipzig) und Geh. Justiz rat Prof. Dr. Kahl (Berlin). Aus -em Königreich Sachsen. 'Hrrbstsegen. Tie dusligen Baumblüten, die zur Frühlingszeit in schneeigem Weis; und rosigem Leuchten nuscre wintersmüden Augen entzückten, sind nun zu köstlichen F r ü ch t e n heran gewachsen. Sonnenlicht und Sonncnwärme schufen ihnen an den langen Svmmertagcn die liebliche Reife. In Gärten und Auen lacht uns aus allem Gczweigc der Gottessegen in seiner Fülle entgegen. Gr ladet uns ein, die schöne Zeit zu nützen zu fröhlichem Geniesten. Zn der Alltagskost Eintönigkeit streut er den ersehnten Wechsel, der Früchte reine Gabe, die uns die Sonne weiht, wenn sie zur Winterbahn sich neigt. Jni süstcn Zucker der Früchte bietet sich uns ein nahrhafter und leicht verdaulicher K r a f t st o f f. Rasch tritt er in den und kannte die Unsicherheit dieses Stadtteiles. Meine Bitte, das gewonnene Gold iu Banknoten umzuwechseln, wurde gern gewährt; ich legte die Scheine in ein Saffiantäschchen, das ich stets auf der Brust trug, und bat um einen Becher Wein. Da füllte die gefällige Frau «inen großen Kristallkelch mit purpur. totem Wein aus einer dickbäuchigen bestaubten Flasche, nickte mir freundlich zu, trank ein wenig und sagte: „Es ist mein ältester Portwein, er wird ihnen wohltun." Hierauf entzündete sie ein« Kerze, um mich in mein Schlafgemach zu geleiten, nachdem ich das Glas mit dem köstlichen Trank hastig geleert hatte. Wir stiegen bis zu den Mansarden empor; dort öffnete meine Führe rin ein sauberes Zimmer, das ein mächtiges breites Bett ent hielt. Diese Lagerstätte mochte wohl noch aus der Rokokozeit stammen, denn die vier starken, gedrechselten Pfosten erhoben sich bis zur Decke und trugen einen Betthimmel mit dunklen Por- tiören aus Seidendamast. Als die Kerzen in dem bronzenen Armleuchter brannten, entfernte sich die Wirtin: ihre Elul augen funkelten seltsam, während sie mit Betonung sprach: „Möch ten Sie fest und lange schlummern!" Die Luft im Zimmer war schwül, ich öffnete ein Fenster und blickte in die schwarze Tiefe hinab, dann schloß ich die Türe von innen und schob den Riegel vor. Unerklärliche Bangigkeit lastete wie ein Alpdruck auf mir . Ich ließ die Kerzen brennen und bestieg das Lager, ohne mich zu entkleiden. Dumpfe Schläge vom nächsten Turm verkündeten die zweite Nachtstunde. In dem alten Gebälk klopfte emsig die Totenuhr. Vergeblich schmiegte ich den Kopf an die weichen Kissen, der beruhigende Schlummer blieb fern, denn meine Pulse hämmerten wie im Fieber. An der gegenüberliegenden Wand erregt« «in Brustbild Ludwigs XIV. in schwarzem Rahmen meine Aufmerksamkeit. Es schien mir, als ob um den sinnlichen Mund ein spöttisches Lächeln spiele. Ich schloß die Augen, aber al» ich bald wieder nach dem Bilde schaute, war seine obere Hälfte verschwunden. Litt ich an Sinnestäusch ung? Abermals starrt« ich auf da» Bild, und ststzt war nur noch die untere Leiste de» Rahmens sichtbar. Vom Lager glei tend, gewahrte ich mit Entsetzen, wie der Betthimmel, der «in« fest gepolsterte Matratze enthielt, ohne jede» Geräusch langsam herabsank und sich auf di« Kissen preßte. Der schwer« Wein hatte nicht als Schlaftrunk gewirkt, sondern die Nerven noch mehr erregt, sonst wäre qualvoller Erstickungstod mein Los ge wesen. Im Hause blieb es still; nach wenigen grauenvollen Mi nuten wurde der mörderische Apparat von unsichtbaren Kräften ebenso geräuschlos emporgewunden, wie er sich gesenkt hatte. Dann raschelt« «in Frauengewand und über der Zimmerdecke wurde das klappernde Geräusch von Stöckelschuhen hörbar. Die Schritte näherten sich, und durch eine schmale Tapetentür in der Wand schlüpfte die Kreolin. Als das Weib mich lebend er blickte, starrte sie mich an wie ein Gespenst. Blitzschnell das Dolchmesser schwingend, sprang ich zu der geheimen Tür; ebenso rasch umspannte die ehemalige Ringkämpferin meine Hand wie mit einer eisernen Klammer und die Waffe fiel klirrend zu Boden. Dann brachte mich ein wuchtiger Stoß zu Fall: in dem selben Augenblick kniete die Kreolin auf meiner Brust, schnallte hastig den schmalen Ledergürtel ihrer Geldtasche von den Hüften und schnürte mir trotz heftigen Sträubens die Hände fest zu sammen. Während ich keuchend dalag und unter der Last beinah' erstickte, rief das dämonische Weib: „Jacques, wo bleibst du denn? Das Vögelchen wollte mir entwischen!" In der Todesangst war ich so feig, Gnade zu erflehen, aber meine Peinigerin lachte höhnisch. Durch die Tapetentür trat der alte Kunstreiter und ein mitleidiger Blick streifte mich, als er in mürrischem Ton« fragt«: „Was soll nun mit dem armen Jungen geschehen?" „Törichte Frage," klang es spöttisch von den Lippen Les Weibes, „wir legen ihn wieder auf das Bett. Wer das Geheimnis dieses Lagers kennt, muß verstummen." Mit weichem, bittendem Klang der Stimme sagt« der alte Mann: „Octavia, mich dauert der junge Herr, er sieht meinem geliebten Sohne, der einst nach schwerem Sturz in der Manege von einer deutschen Familie liebevoll gepflegt wurde, so ähnlich wie ein Zwillingsbruder; «barm« dich seiner, ich Lin überzeugt, daß er uns nicht verraten wird." „Bist du toll, Alter, oder sehnst du dich nach dem Bagno? — Was liegt daran, ob ein Spieler und Müßiggänger weniger auf der Welt ist?" rief di« Kreolin ver ächtlich. Diese Wort« au» dem Munde des verbrecherischen Wei bes trafen mich wie Peitschenhiebe. Zu spät bereute ich, «in Opfer der unseligen Leidenschaft zu sein. I« der nächsten Mi- Kreislauf unserer Körpersäfte über, zugleich mit den Nähr salzen des Obstes, durch die der Verlust an diesen notwendigen Salzen, wie ihn der Ablauf der Lebenstätigkeit mit sich bringt, wieder ausgeglichen wird. Außerdem regen die Frucht säuren die Organe wohltätig an. So wird das Obst zu gleicher Zeit ein wertvolles N a h r u n g s- und Genu ß- mittel, das die Arbeit der Verdauungswege fördert. Die zum Verdauen nötigen Säfte werden lebhafter abgesondert, und der gesamte Stoffwechsel erfährt eine Steigerung günstiger Art. Anderseits hindert der regelmäßige Genug von Früchten die schädliche Ablagerung der Schlammftoffc, die insbesondere durch den zu reichlichen Fleischkonsum der meisten Menschen in größeren Mengen sich bilden, das Blut be lasten und dann in der Form von Gichmnfällen, Stein und Grie» den falsch genährten Körper quälen. Das Blut wird durch die reichliche Zufuhr der Obstsäfte reiner, sozusagen flüssiger. Leichter rollt es durch die Adern hin und vermindert unsere nordländische Trägheit und Schwerfälligkeit. Die Früchte sind Akumulatoren der belebenden Sonnenwärme. Und so wandeln sich die Sonnen gluten, die im Obste aufgespeichert ruhen, für uns, so wir nur wollen, um in belebenden HerbsüSscgen zu unseres Körpers Erquickung und Gedeihen! * V«l»nitz i. S., 7. September. Der rote Hahn. Die in Len vor einigen Tagen hier aufgefundenen Brandbriefen enthaltenen Drohungen, in der nächsten Zeit ein« Anzahl Bauern güter, ferner die Kirche, Schule usw. in Brand setzen zu wollen, scheinen di« Briefschreiber in die Tat umsetzen zu wollen. Am Sonntagabend gegen 9 Uhr brannte das aus vier Gebäuden be stehende Wirtschaftswesen des Gutsbesitzers Meinert vollständig nieder. Sämtliche Erntevorräten und viele andere Wirtschaftsgegenstände sind mit verbrannt. Es liegt Brand stiftung vor. * Aanaberg. 7. September. Flachsausstellung im Erzgebirge. Auch im bevorstehenden Winter und zwar im Monat Dezember d. I. soll wiederum zur Förderung der Flachs produktion im Erzgebirge eine Flachsausstellung mit Prämiirung in «nnaberg stattfinden, bei der dem Aussteller auch Gelegenheit zum Ver kaufe des Flachses geboten ist. Tie Beschickung derAusstellung steht allen sächsischen Landwirten mit ihrem im laufenden Jahre selbsterbauten und fcrtiggcstcllten Flachse offen. Die Ausstellung ist in drei Klassen geordnet: I. Gebrechter oder geschwungener Flachs. Als Ausstellungsmuster sind einzusendcn: 10 KZ gebrechter oder ge schwungener Flachs und I kg gerösteter Flachs. Klasse II. Röst flachs. Als Ausstellungsmuster sind einzusenden: 10 leg gebrech- ier oder geschwungener Flachs und 1 kg gerösteter Flachs. Klasse III. Rohstengclslachs. Als Ausstellungsmuster sind einzusendcn: 10 kg gebrechter oder geschwungener Flachs, 1 lex gerösteter Flachs und 1 Kg Rohstengclslachs. Sämtliche Bewerber der diesjährigen Flachsfelderprämüerung sind ve pflichtet, ihre Erzeugnisse entweder als geschwungener Flachs, als Röstflachs oder als RohstengelflachS in der bevorstehenden Flachsausstellung au-.zustcllen. * Zwickau, 7. Scpt. Die verwechselten Leichen. Ein eigenartiger Vorfall ereignete sich am Sonntag auf dem hie sigen Friedhöfe, wo am Nachmittag die Beerdigung des im hiesigen Kreiskrankcnhausc verstorbenen Bremsers Dietze aus Werdau erfolgen sollte. Als die Angehörigen und sonstigen Leidtragenden von dem Verstorbenen den letzten Abschied nehmen wollten, machten sie zu ihrem Erstaunen die Wahrnehmung, das nicht Dietzes Leiche, sondern eine andere Leiche dalag, die aber den für Dietze be stimmten Sarg und Anzug erhalten hatte. Die beiden Leichen waren im Kreiskrankcnstift verwechselt worden. Die Leiche Dietzes ist wahrscheinlich nach Dorfstadt bei Falkcnstein i. P. geschafft worden, wohin die hier zur Beerdigung bestimmt gewesene Leiche gehörte. Gleichzeitig war mit diesen beiden Leichen eine dritte vom Kreiskrankcnstift abgcgangcn, und zwar nach Werdau. Ihre Beisetzung wurde auf telephonische Benachrichtigung der Polizei aufgcschoben, bis die Lcichcnverwechselung erledigt ist. * Mittweida, 7. September. Schwerer Automobil Unfall. Ein schwerer Automobilunsall ereignete sich am Sonntag abend in der 7. Stunde auf der Straße von Chemnitz nach Mitt weida in der Nähe der Stadt Mittweida. Der in Chemnitz wohnhafte 22 Jahre alte Chauffeur Ubertali kam mit seinem Automobil, in dem sich ein Insasse befand, die Straße nach Mitt weida zu gefahren. Als ein altes Ehepaar des Weges kam, das in Gefahr war, überfahren zu werden, wollte Ubertali ausweichen, dabei kam jedoch der Kraftwagen von der Straße ab und rannte auf Chausseesteine. Dabei überschlug sich das Automobil, und der Chauffeur kam so unglücklich darunter zu liegen, daß er schwer verletzt nach dem Louisenhaus in Chemnitz transpor tiert werden mußte, wo er noch im Laufe des Abends operiert wurde. Sein Zustand ist bedenklich. Der miifahrcude Freund UbertaliS rettete sich bei dem Unfall durch rechtzeitiges Abspringen und blieb unverletzt. * Glashütte, 7. September. Bahneröfsnung. Im Anfang dieses Mjonats ist die vollsipurige Bahnlinie Ben 1 schen nut« lag ich gefesselt wieder unter dem fürchterlichen Betthimmel. „Jetzt trolle dich auf den Speicher, Jacques!" gebot die Wirtin. „Tue das selbst!" antwortete der Kunstreiter mit finsterm Blick. „Du weißt, Laß meine Hände stets rein geblieben sind: niemals haben sie die Schraube da oben in Bewegung gesetzt." „Ge horche sofort!" rief die Kreolin wütend, „oder ich erdrossele dich!" Der alte gebrechliche Mann wurde bleich, er schaute mich mit leidig an und schlich dann die Stiege hinauf unter das Dach. Die ungeheure Seelenqual gab mir die Kraft, gellend um Hilfe zu schreien. Doch in demselben Augenblick preßt« sich die Hand des grausamen Weibes fest auf meinen Mund. Abermals senkte sich das erstickende Polster langsam herab. — Da ertönte durch das stille Haus schrill ein Warnungsruf, der sich rasch zweimal wiederholte. Ueber mix hörte ich die hastigen Schritte des Kunstreiters, der polternd die Treppe hinab eilte. Die Schraube bewegte sich nicht mehr. Einen wilden Fluch ausstoßend, riß die Kreolin das Saffiantäschchen von mei ner Brust und sprang durch die Tapetentür. Als ich aus tiefer Ohnmacht erwachte, war mein Freund, der Redakteur bemüht, mir belebende Tropfen einzuflößen. Mein Brief an ihn hatte in später Nachtstunde den oben erwähnten Eeheim-Detektiv ver anlaßt, die Polizeibehörde zu benachrichtigen. Der wackere Be amte war glücklich darüber, daß der interessante Fall das Ge heimnis im Hause Zum goldenen Becher endlich enthüllt hatte. Eine genaue Untersuchung aller Räume ergab, daß der Wein keller durch einen unterirdischen Gang mit der nächsten Ver« brecherkneipe in Verbindung stand. — Seit jener entsetzlichen Nacht habe ich nie wieder eine Spielkarte berührt." Knnft und Wissenschaft, «iffenfchaft. » Eine »ichttg« Frage der volk^rsundheit ist soeben von der Regierung der preußischen Aerztekammer zur Truhe, rung unteribreitet worden. Rach einem Runderlaß der Minister de« Jnnern und de» Medizinalwesen« über die Tätigkeit auf dem Gebiete der Säuglingsfürforge ist neuerding» von verschiedenen
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