ZWEITER TEIL. Manfred. Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen von Lord Byron, Musik von Robert Schumann. (Op. 115.) Mit Benutzung der ver bindenden Dichtung von Richard Pohl für den Konzertvortrag ein gerichtet. Die Dichtung gesprochen von Herrn Dr. Ludwig Wüllner (Man fred), Frau Anna, Wüllner (Elementargeist, Alpenfee, Astarte, Böser Geist) und Herrn August Proft (Erzähler, Alpenjäger, Nemesis, Abt). Die Soli gesungen von Fräulein Else Siegel, Frau Alice Ull- mann (Mitglied des Gewandhauschors), Herrn Ernst Possony und den Thomanern Herren Johannes Süß, Kurt Findel, Hans Walther, Hermann Fink und Herbert Schlosser. Musikstücke. Ouvertüre. Elementar-Geister. Dritter Geist. Gesang der Erster Geist. Dein Gebot zieht mich heraus Aus dem hohen Wolkenhaus, Das, erbaut von Dämmerluft, Goldig glänzt im Abendduft. Ob auch ruchlos dein Begehr, Flog auf Stemenstrahl ich her, Der Beschwörung untertan — Sag’ mir deinen Wunsch nun an! Zweiter Geist. In des Wassers blauer Tiefe, Wo die Welle sich nicht bewegt, Wo der Wind ist ein Fremdling, Sich die Schlange der See nur regt, Wo das Meerweib mit Muscheln Das Haar sich schmückt, Hat wie Sturm auf dem Wasser Dein Bann mich durchzückt — Wohlan, dem Geist des Meeres Sag’ an, was du gewollt! Wo die Wurzel der Anden Sich senken im Lauf, Wo die Gipfel zum Himmel Sich recken hinauf; Den Geburtsort verließ ich, Dein Spruch zog mich fort, Dein Rufen bezwang mich, Mein Herr ist dein Wort! Vierter Geist. Der Sonnenball ist Heimat mir! Warum mit Dunkel quälst mich hier? Die vier Geister. Luft, Wasser, Erd’ und Feuer zeugen Von unsrer Kraft; wir sind dein eigen Und schauen, gewärtig deines Winkes, auf dich — Was willst du von uns, Sohn des Staubes, Sprich! Erscheinung eines Zauberbildes. (Melodram.) Geisterbannfluch. Vier Geisterstimmen. Wenn der Mond auf stiller Welle Und im Gras der Glühwurm scheint, Und der Flamm’ auf Grabesstelle Sich des Sumpfes Irrlicht eint; Schießt der Stern in schnellem Fall, Eule ruft im Widerhall, Ruhen schweigend Büsch’ und Matten In des Hügels stillem Schatten: Dann soll deine Seele mein Durch Gewalt und Zauber sein. Eine Stimme. Von deinen Tränen kocht’ ich Saft, In ihm wohnt sichre Todeskraft; Aus deinem Herzen zapft’ ich Blut, Aus schwarzen Quells tiefschwarzer Flut Ich fing des Lächelns Schlange weg, Die lauernd dort lag im Versteck; Ich nahm der Lippen Reiz dir ab, Der stärkste Giftkraft allem gab; Ich prüfe jedes Gift: allein Ich fand, das giftigste war dein.