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Auerthal-Zeitung : 25.04.1897
- Erscheinungsdatum
- 1897-04-25
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id173565485X-189704256
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id173565485X-18970425
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-173565485X-18970425
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Auerthal-Zeitung
-
Jahr
1897
-
Monat
1897-04
- Tag 1897-04-25
-
Monat
1897-04
-
Jahr
1897
- Titel
- Auerthal-Zeitung : 25.04.1897
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PslMfche Kodfcha«. , De«tschl«»d. »Kaiser Wilhelm hatte fich iu Wien eine- her»Üchen Empfange» zu erfreuen und halte Souferenzen mtt Kaiser Franz Joseph und dem Grafen Goluchowski. Sm Donnerstag wohnten die Monarchen der großen Parade bei. »Bei seinem Aufenthalte iu Wien verlieh der Kaiser dem Grafen Badeni da» Großkreuz des Roten Sdlerorden». Kaiser Wilhelm besuchte auch da» Grab des Kro n - Prinzen Rudolf und legte daselbst einen prachtvollen Kran- nieder. — Von seinem Wiener Besuch aus traf der Kaiser am Freüag in Dre » den ein, wo er an der Feier deSüv. SeburtStageSKönigSAlbert teilnahm. Sm 24. d. gedachte der Kaiser inKarls- ruhe einzutreffeu, von wo auS er nach einem Besuch bei dem badischen Großher- zoaSpaar nach Kaltenbrunn im Schwarz» Waid fährt, wo eine mehrtägige Suerhahnjagd stattfindet. »Der Kaiser wird im Sommer auch auf einige Tage nach Helgoland reisen und sich bei dieser Gelegenheit persönlich von der Not» Wendigkeit einer Befestigung derDüne, von deren Gelingen die Existenz deS berühmten, mitten im Meere gelegenen JnselbadeS abhängt, überzeugen und die eventuell erforderlichen Schritte anordnen. * Der endaüvige Abschluß deS deutsch- portugiestschenHandelsvertrageS steht nahe bevor, nachdem dieserhalb der deutsche Gesandte und der deutsche Konsul in Lissabon in den letzten Tagen längere Besprechungen mü den portugiesischen Ministern gehabt haben. * Wie die .BreSl. Ztg.' zu melden weiß, soll der Staatssekretär deS Reichsjustizamts Nieberding seinen Abschied nehmen. Dies wird in der,Nat.-Ztg.' für vollkommen unbe gründet erklärt. ES sei auch nicht der geringste Anlaß vorhanden, weshalb der Staats sekretär fich mtt einer solchen Abficht tragen sollte. »Die Angelegenheü deS Staatssekretärs Hollmann ist nach der Münch. Allg. Ztg/ materiell erledigt, insofern eine Aussprache zwischen dem Kaiser und dem Staatssekretär stattgefunden hat. Daß Herr Hollmann Staats sekretär bleibt, ist ausgeschlossen. Ob die for melle Erledigung bald nachfolgen wird, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. * Ein außerordentlicher BerufSgenossenschaftS- tag wird von dem Verband der deutschen Berufsgenossenschaften, dessen Vor fitzender der bekannte Sozialpolitik^ und »leichs tagsabgeordnete Röficke ist, für die ersten Tage deS MonatS Mai einberufen werden. Auf der Tages ordnung steht als einziger Punkt die Stellung nahme de» Verbandes zur Sbänderung der Un- fallverficherungSgesetze. »Die Bahnsteig-Sperre wird ab 1. Mai auf dem größten Teile der bayrischen Staatsbahnen eingeführt. Oesterreich-Ungar». * Wiener Blätter melden, daß der Kö ni g von Siam im Juni als Gast de» Kaisers vonOesterreich in Schönbrunn eintreffen wird. Der asiatische Fürst soll auch nach Berlin kommen. König Chulalongkorn von Siam ist 43 Jahre alt und wird als schöner, schlanker Mann geschildert. Der eigentliche Zweck seiner Reise ist der Wunsch, dem Jubi läum der Königin von England beizuwohnen. Die Reise nach Europa macht er auf seiner eigenen prächtig auSgestatteten Jacht „Maha- Chakri", die er in England hat bauen lassen, die aber ganz mü Siamesen bemannt sein wird. Frankreich. »Der deutsche Reichskanzler Fürst Hohenlohe, dessen kurzem Pariser Auf enthalte keine politische Bedeutung beigemessen worden war, hat dem Minister des Acußcrn, Hanotaux, am Quai d'Orsay einm Besuch abgestattet, der nahezu zwei volle Stunden währte. Obwohl über die Unterredung zwischen den beiden Staatsmännern nichts verlautet, wird derselben in der Pariser Presse allgemein eine große Tragweüe beigemessen. Fürst Hohen lohe >var bekanntlich lange Zeit deutscher Bot ¬ schafter in Pari», die fürstliche Familie, hat in Frankreich nicht nm viele Beziehungen, sondern die Fürstin ist auch dort begütert. Malte». *«l» König Humbert amDouner»tag nachmittag von Rom au» zum Pferderennen nach Campanella fuhr, näherte fich, etwa zwei Kilometer vor der Stadt, dem Wagen der Arbeiter Peter Arrtciato und führte einen Dolchstoß gegen den König. Da letzterer geschickt auswich, ging der Stich in da» Verdeckleder de» Wagen». Der Attentäter wurde von den begleitenden Karabiniert festgenommen und gab im Verhör an. Hunger sei das Motiv seiner Thal gewesen. — Der König fuhr trotz de» erregenden Zwischenfalle» nach Campanella weiter und wohnte dem Rennen bi» -um Schluffe an. Die Königin erschien und erfuhr erst durch den König von dem Vorgefallenen, worauf sie ihren Gemahl stürmisch umarmte. Die Rückfahrt de» Königspaare» nach Rom ge staltete fich zu einem Triumphzuge. Die Stadt hatte inzwischen au» Anlaß der glücklichen Er rettung de» König» geflaggt. Abend» wurde illuminiert. »Die neue Deputierten-Kammer zeigt die folgende hübsche Zusammensetzung: Advokaten 217 (!l) Professoren 44, Ingenieure 13, Besitzer 77, Edelleute 71, Aerzte 18, Publi- zisten 19, Militärs 10, Industrielle 3, Staats beamte 6, Kaufleute 6, Dokioren der Rechte 4, Prokuratoren 2, Bäcker 1, Redakteure 1, Eisen bahnbeamte 1, Bankier 1, Ratsherrn 1. In dieser so sonderbar zusammengewürfelten Kammer, der Industrie, Handel und Gewerbe, sowie die Geistlichkeit fast ganz fehlen, find 283 Mini sterielle, 87 gehören der Opposition an, 62 find radikal, 16 Sozialisten, 60 unabhängig oder unbestimmt. Dänemark. »Der König von Dänemark geht in nächster Woche auf drei Wochen nach Wies baden. An diesen Aufenthalt schließt fich ein dreiwöchentlicher Besuch in Gmunden bei dem Herzog von Cumberland. Rußland. »Ein Ukas des Zaren hat die sogenannte Revolutionssteuer von Grundstücken in Russisch. Pol en, die seit 1863 bestand, aufgehoben, «a» als ein neues Zeichen des Entgegenkommens gegen die Polen be trachtet wird. Balkanftaateu. »Der thessalische Kriegsschau platz bietet ein buntbewegtes Bild mörderischer Kämpfe. Griechen wie Türken behaupten in ihren Berichten, dem Gegner gegenüber im Vor teil zu sein. Au» den widersprechenden Mel dungen daS Wahre zu erkennen, ist einfach un- möglich; doch kann nicht wohl bezweifelt wer den; daß die Türken Turnowo, den Knotenpunkt der Straße nach dem griechischen Hauptquartier Larissa, eingenommen haben. Die Türken haben dabei angeblich 800 Ge fangene gemacht und 16 Geschütze erbeutet. Die Griechen behaupten dagegen, einen größeren Erfolg errungen zu haben, indem fich ihre Ge schütze den türkischen weit überlegen gezeigt hätten, bei Minehis, dem Stützpunkte der türkischen Stellung, wollen fie gesiegt und den Türken die Rückzugslinic abgeschnitten haben. Ebenso sollen die Griechen in der Ebene von Larissa einen bedeutenden Sieg erfochten und die Türken zum Rückzüge gezwungen haben. * Auf dem westlichen Kriegsschau plätze, wo die Griechen von ihrer der türkischen wett überlegenen Flotte wirksam unterstützt «erden, richten die Griechen ihre Hauptangriffe gegen das befestigte Prevosa. Auch sollen die Griechen bereits die Inseln Chios und Biytilene besetzt haben. Bon Kreta liegen neuere belangreiche Nachrichten nicht vor. * Unverkennbar herrscht in Griechenland große Begeisterung. Um alle verfügbaren Mann schaften im Heere verwende» zu können, find Leidenschaft und Liebe. 24) Roman von C. Belm ar. (Schluß „Ein Schlaganfall," sagteOskarflüsternd, „der Arzt gibt kaum zwei Stunden Frist. Wenn nur Konrad schon da wäre!" Die alte Dame lag regungslos da, nur an den Augen sah man, daß fie noch lute; als Melitta mit ihrem Gatten eintrat, hellten fich ihre Blicke plötzlich auf. „Konrad!" stieß fie mühsam hervor. Onkel OSkar trat an das Bett. „Er wird sogleich kommen, willst du nicht Melitta sehen?" „Konrad," wiederholte die Sterbende kaum hörbar. Melitta setzte fich schweigend in eine Ecke, indes Volkmann zu Onkel OSkar sagte: „Ich nehme dein Reitpferd und rette Konrad ent gegen." „Ja, ja," hauchte die Großmama, „Mona, Konrckd vermählen — wünsche." Die Anwesenden sahen einander betroffen an. „Ihr alter Lieblingswunsch," flüsterte OSkar traurig, „teile OSkar nichts davon mit, Hugo." Vollmann nickte und verließ daS Zimmer. Eine schauerliche Stille entstand, nur zu weilen unterbrochen von den stoßweisen Aus rufen der allen Dame: Konrad, Minna — er muß — Königsegg sein Eigentum — ich bestehe — mein Wunsch — sonst mein —" „Mutter!" rief OSkar bestürzt, fich über die Rö.yelnde neigend, „sei barmherzig, scheide nicht so von un»." Er erhielt keine Antwort; die Augen der alten Dame verglasten fich, auf ihren Lippen erstarb das Wort deS Fluches, das fie gegen den Enkel schleudern wollte, der Tod war barm herziger als fie, er verschloß ihr den Mund, um Konrad eine grausame Alternative zu ersparen. 11. Mer Wochen waren seit jener verhängnis vollen Nacht verflossen: Frau Balbing war Witwe geworden. Am Tage nach dem Brande war Raimund Balbing einem erneuerten heftigen Krampfanfalle erlegen. Eine schwere Krankheit hatte Rosina an den Rand deS Grabes gebracht; MelittaS auf opfernder Pflege war eS größtenteils zu danken, daß Frau Balbing dem Leben wiedergegebcn; die treue Pflegerin ging bleich und stumm ein her, kaum ein Schatten der frischen, rosigen Melitta von ehedem. Zwischen ihr und Volk mann lag seit jener Ballnacht eine tiefe Kluft. Der sich betrogen wähnende Gatte hatte kein Wort des Vorwurfs, ober auch keinS der Zärt lichkeit für Melitta, er liebte fie so sehr, daß eS ihm unmöglich war, ihr die Beschuldigung der Treulosigkeit inS Gesicht zu schleudern, er dachte, fie selbst müsse kommen, ihre Schuld zu bekennen, allein Melitta schwieg. Mtt dumpfer Resignation beugte fie fich unter dem so schwer auf fie lastenden Ver dachte, fie verzweifelte daran, ihre Unschuld zu beweise«. Wenn ihr Gatte so schlecht von ihr dachte, war eS ja doch überflüssig, ibn eines Bessern belehren zu wollen; würde er denn ihr Glauben FremMfche »»ß »«glifchL Kreß- über drn Krieg. In der französischen Presse finden fich um wenige Stimmen, die heute noch in Erinnerung der philhellenischen Schwärmerei den Friedens bruch der Griechen verteidigen, und diese wenigen thun eS offenbar mehr aus Partei-Interesse als auS Uebcrzeugung. So wettert Rochefort im ,Jntranfigeant': Diesmal wird Hanotaux eS schwer werden, zu behaupten, daß der Friede nicht gestört sei. Dieser Helfershelfer deS Mörders Abdul Hamid hatte fich eingebildet, die Griechen würden fich wie die Armenier, ohne einen Schlag zu thun, ermorden lassen... Die Geschicke und die Ehre unseres Landes find jetzt ohne Kontrolle in den Händen deS Schuftes Hanotaux, dessen niederträchtige Be ziehungen mtt Konstantinopel bekannt find. ,Jour' sagt: Die Herren Hanotaux und Billot find jetzt bei uns die Herren der Lage, und e» ist zu befürchten, daß wir, ohne Ermächtigung der Volksvertreter, bald in ein schlimmeres Abenteuer verwickelt werden als die früher». , Solei!' meint: Eine Niederlage der griechischen Armee auf dem Schlachtfeld«: wird das Ansehen des Hellenismus nicht auslöschcn, während eine diplomatische Kapitulation mtt dem Verschwinden der griechischen Ehre, d. h. mit dem, war die nationale Kraft Griechenlands ausmachte, ge endet hätte. .Lantcrne' ruft den Brächten zu: Fallt den Barbaren, die ihr bewaffnet und denen ihr das Recht zu morden gegeben, in den Arm! Aber wenn fie einschritten, würden die Bl ächte einander selbst an die Kehle fahren. Dagegen urteilt »ie ,Liberia: Wir find fest überzeugt, daß Griechenland eine große Thorheit begangen hat und daß eS einem Zusammenbruch entgcgeneilt, in dem seine Dynastie samt seiner nationalen Macht unterzugehen Gefahr laufen. ,Temps': Die Griechen haben mtt allen Kräften auf diese Lösung hingefteuert, indem fie zugleich bestrebt waren, das technische Unrecht, ange- fangen zu haben, auf den Gegner zu schieben. »Petit Journal': Weil die Griechen geschrieen haben: „Es lebe der Krieg!" müssen fie ihn jetzt führen. Griechenland hat mit dem Feuer gespielt, wenn es fich verbrennt, so hat es selbst die Schuld, denn seine Haltung war von Anfang an unvernünftig. .Rappel': Dahin also hat uns das berühmte europäische Konzert geführt, dem wir unsere Ueberlieferungen und Bestrebungen Kon Uah »ad Fern. » Hamburg. Der Vorstand des Reichstags-^' wahl-VereinS von 1884 teilt mit, daß ihm auf seine Anfrage in FriedrichSruh die Mitteilung geworden, die Genesung deS Fürsten Bismarck habe so erfreuliche Fortschritte gemacht, daß der Fürst im stände sei, den beabsichtigten FackclzuA entgegenzunehmen. Derselbe wird nun am 10. Mai, dem Jahrestage deS Frankfurter FriedensschluffeS, dargebracht werden. Delitzsch. Der hiesigen Polizei ist eS ge» lungen, den vor einiger Zeit auS der Irren anstalt Eberswalde entsprungenen Barbier Ernst Kappler hier zu verhaften und ihn der genannten Anstatt wieder zuzuführen. Kappler, ein ge borener Delitzscher, hatte vor einigen Jahren an einem Knaben in Charlottenburg einen Lustmord verübt, war jedoch in den Gerichtsverhandlungen , als unzurechnungsfähig erkannt und dem Irren hause überwiesen. Kappler hatte fich bereit» unterwegs mit neuen Kleidern versehen. Inter essant ist es auch, daß er den Weg nach seiner Heimat aufgefunden hat. die Gendarme« und Polizeimannschaften im ganzen Lande dem Kriegsherr -»geteilt worden und find nach der Grenze abaegangen. Die Bürger haben den Wachdienst m den Städten freiwillig übernommen. -lmertka^ * Der am 8. Mai im Washington tagende Weltvostkongreß wird fich auch mtt der Frage der Heraufsetzung de» Gewichtes für ein- fache Briefe von 18 auf 20 Gramm beschäftigen. Die Vertreter Deutschlands werden, unterstützt von den Vertretern Oesterreich», die betreffenden Anträge stellen. »Zur Niederwerfung de» Auf stande» von Uruguay plant die Regierung von Uruguay die Aufnahme einer Anleihe von zwei Millionen Dollar. Zur Sicherstellung der Anleihe sollen die Tabaksabgaben verwendet werden. Afrika. »Die Engländer bereiten den weiteren Vormarsch in das Reich deS Mahdi vor. Wie daS .Büreau Reuter' meldet, soll der Marsch von Dongola auf Abu Hamed beginnen, sobald der Nil Wasser genug' hat, damit die Dampfer über den vierten Katarakt gelangen können. DaS wird im Juli der Fall sein. In London hofft man, daß der Feldzug diesmal keine besonderen Schwierigkeiten bieten wird. »Cecil RhodeS ist in Kapstadt ein getroffen und wurde lebhaft begrüßt. In einer Ansprache erklärte er, daß er für daS gleiche Stecht aller Raffen südlich des Zambefi kämvfen würde, aber in gesetzlicher Weise. Gleichzeitig wird gemeldet, daß das englische Kap - Ge - schwader au» Durban (Natal) mtt unbe kannter Bestimmung abgesegelt ist. Diese» Zu sammentreffen ist jedenfalls beachtenswert. opfern muhten, um nicht im Orient neue» Unheil herausrubeschwöreu! E» ist wcchrlich ein selt sam Din- die Diplomatie l .Figaro': Hätten die Mächte gleich anfana» ihre Abficht, die griechischen Häfen, und besonder» den Golf von Volo, zu blockieren, ausgeführt, so wäre König Georg verhindert worden, in Thessalien ein Heer zusammenzuziehen. DaS war die Anficht des Kaisers Wilhelm, die entgegengesetzte Meinung aber überwog im europäischen Konzert. Sehnlich sagt da» .Journal de» Döbats': Vor der An kunft des Obersten Basso» auf Kreta wäre e» den Mächten leicht gewesen, den Konflikt zu Verbindern. Dazu gehörte jedoch eine Ent scheidungskraft, eine Entschlußfähigkeit und. vor allem eine Einhelligkeit, die ihnen abging. Die Regierung deS Königs Georg ist mtt fast fatalistischer Notwendigkeit in den Krieg ge trieben. Al» die krummen Wege, die Revoltie- rung von Makedonien und Güru» und das Vorjchieben der Banden keinen Erfolg hatten, blieb Griechenland nm übrig, seine regulären Truppen vorzuschieben. Die.Times' find der Anficht, wie sehr man auch die Kriegserklärung bedauern möge, uner wartet komme fie nicht, da seit Wochen griechische Truppen auf Befehl ihrer Regierung .eine türkische Insel, dem Völkerrecht zum Trotz, be setzt hielten, da die Griechen, auf Kreta von den Mächten in Schach gesetzt, darauf offenbar versuchten, durch ein Eindringen in Makedonien den Krieg an der entzündbarsten Stelle Europas zu entfachen. Dann schien Griechenland fich zu besinnen, allein die Ethnike Hetairia fordert'/ den fett Dezember von ihr beschlossenen Krieg/ Ein erster Einfall fand statt, und König Georg empfing den Mann, der ihn veranstaltet hatte. Tags darauf erhielt Edhem Pascha vom Sultan Befehl, auf Larissa vorzurücken und nach drei Stunden Gegenbefehl. Die Diplomatie suchte Frieden zu stiften, indes nach fünf Tagen war, man weiß nicht wie, der griechische Gesandte Maurokordato in Konstantinopel von der Unab wendbarkeit deS Krieges überzeugt. Wenn nun gegenwärtig von beiden kriegführenden Teilen behauptet wird, der andere sei der Angreifer, so kommt daS daher, daß nach den Erklärungen der Mächte der Angreifer keinen Vorteil aus dem Krieg ziehen soll. DaS Blatt behält über die von Delyannis gegen die Türken vorgebrachten Beschuldigungen, die Friedensstörer zu sein, seine Ansicht vor; man müßte bedenken, daß die Tele-, - gramme au» Griechenland der Zensur unter worfen seien. Ueber die allgemeine Haltung der beiden Teile könne jedoch kein Zweifel ob walten ; die Türkei stellte fich zur Wehr, als fie Epirus und Diacedonien in Gefahr sah. Die .Times' fragen fich, ob irgend eine andere wohl gerüstete Macht soviel Geduld gezeigt hätte. Die Erklärung der türkischen Regierung freilich, daß fie nicht auf Eroberungen aus sei, wird al» weise, aber überflüssig nach soviel Selbst beherrschung und nach dem Ausspruch der Mächte, keine Eroberungen dulden zu wollen. Es scheine auch festzustchen, daß die türkischen Truppen vorgingen, ehe das Jrade des Sultans erlassen war. schenken? Wie beneidete fie die kranke Freundin! Warum wurde fie nicht diejenige, die in Todesgefahr schwebte? Warum wurde fie verschont? Sie wäre, ach, so gern gestorben l Der Tod versöhnt, erlöst von jeder Schuld, von jeder Qual! Sie freute fich, daß die Freundin dem Leben wiedergegeben war, aber fie achtete kaum der heißen Dankesworte, mit denen sie von Konrad und Tante Amanda überschüttet wurde; in ihr regte sich immer lebhafter nur der eine Wunsch, aus einem Dasein zu scheiden, daS ihr zur Last geworden. Sie hatte die Liebe, das Vertrauen ihres Gatten verloren, was hatte fie denn noch vom Leben zu hoffen? Wenn fie tot war, konnte Hugo noch glücklich werden, dann konnte er eine Würdigere wählen, die arme Melitta würde bald vergessen sein. Solche Gedanken wurden bei ihr zur fixen Idee, wachend und träumend erfüllten fie ihre Seele und begannen in derselben immer fester Wurzel zu fassen. Tante Amanda hatte fich auf- eifrigste der Hauswirtschaft angenommen, so hatte Melitta nach Rosinas Genesung hinreichend Zeit, ihren trüben Gedanken nachzuhängen. Rosina wollte das Herrenhaus wieder auf bauen lassen; Vollmann hatte den beiden Frauen seine Gastfreundschaft angeboten, so lange sie ohne Heim waren, und sein freundliches Anerbieten war dankbar angenommen worden. Rosina begann nun mV gewohnter Energie an der Ausfühning ihrer Pläne zu arbeiten um den Gastfreunden nicht so lange zur Last zu fallen. Sie schrieb und empfinMßue Menge . Geschäftsbriefe und brachte diMWormittage * meistens auf ihrem Zimmer zu, Nachlese An gelegenheiten zu ordnen. «s Auch heute saß Rosina vor dem Mt Briefen bedeckten Schreibtische, als Melitta in ihr Zimmer trat, um mit ihr noch vor dem Mittag essen eine Promenade durch den Garten zu machen. „Ich habe mich etwas verspätet," sagte die junge Frau fich entschuldigend — aber fie hielt inne, als fie in daS thränenüberftrömte Antlitz der Freundin sah. „Rofina, waS fehlt dir? Wer hat dir etwas zu Leide gethan.?" Statt aller Antwort reichte ihr Rofina einen Brief. Melitta laS mtt steigendem Unmute. „Das ist abscheulich," sagte sie, als sie geendet. „Man beschuldigt dich, in zärtlichen Beziehungen zu Konrad zu stehen — daran erkenne ich.die Baronin, nur fie ist einer lügenhaften Ver leumdung fähig? „Wer eS auch sei, der diesen Brief ge schrieben, ich kann nicht länger unter eurem Dache wetten," sagte Rofina, ihre Thränen trocknend, „ich bin daS mir und meinem ver- storbenen Gatten schuldig, sein Name soll rein und unbefleckt erhalten werden, mein Hierbleiben würde diesen böswilligen Gerüchten neue Nahrung geben — mir fällt erschwer, von hier zu Heben, ich war so gern bei euch, Melitta—" ihre Stimme brach in leidenschaftlichem Schluchzen. Melitta blickte einige Augenblicke lang starr auf die weinende Freundin. „Du sollst un» ja auch nicht verlassen,"
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