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schäumend über Baum- und Felstrümmern hinweg- stürzen; üppiger in Thalgrüuden oder auf uiedri- geren Vergebenen, wo neben der Fichte auch die Tanne und Buche noch gedeiht, daher auch im süd- lichst.n, weniger hohen Thcile des Gebirges schöner als im eigentlichsten Mittelpunkte, wo auf den Hoch ebenen von 4003 Fuß nur noch die Fichte übrig bleibt, bis an den Hochgipfeln auch sie verschwindet, und nur krüppeliges Hol;, Knietiefer,« und isländisch Moos die nackten Aelsmassen ärmlich bedecken. Schon in einiger Entfernung kann man den Urwald an seinen zackigen, unregelmäßigen Umrissen leicht von dem wie nach der Schnur gleichmäßig abgeschnirte- nen kultivirten Hochwald unterscheiden. Besonders ragt die höhere Tanne mit ihrer kuppelförmigen Krone und ihren wagerecht abstehenden Aesten weit über die niedrigeren phramidenförmigenFichten hervor. Noch charakteristischer erscheint bei einem Blicke von oben der gipfeldürre, weniger dicht bestockte Urwald als altersgrauer Greis neben dem frischen Grün des festgeschlossenen jungen Hochwaldes. Steine und Felsstücke sind aus Wiese und Feld zu großen Haufen znsammcngelesen oder zu Mauern am Wege hin über einander geschichtet. Zur Linken am Saume des Waldes noch ein mit verkohlten Wurzelstocktn zerstreut bestandenes Ackerland, rur Rechten «l» friicher aUl>gi- klaftert ; nur einzelne Stämme ragen noch hoch in die Lust; Aeste und Zweige haben die Holzhauer zu großen Haufen zusammengeworfen, aus denen dicker Rauch auswirbclt. Ein wenig betretener Pa- schersteiz führt in den Wald; man muß vorsichtig vorwärts schreiten, will man nicht über die durch die Feuchtigkeit geglätteten Wurzeln abglitschen oder tief cinsinken im moorizschlammigcn Boden. Endlich ist man einzetreten in den Wald und schöpft tief Athem in der erquickenden kühlen Lust, wenn drau ßen die Sonne brannte. Da strebt Alles ernst und majestätisch in die Höhe, wie die Säulen des Do mes stehen die Säulen des Waldes da, schlank, riesengroß, schweigend; das Auge folgt dem mäch tigen Stamme nach oben, die gewaltigen Aeste ver schlingen sich z» einein dichten dunkelgrünen Gewölbe, durch das Las Licht des Himmels in das Halbdunkel hcreinstrahlt. Oft aber zeigt sich ein ganz anderer Anblick. Sturm, Wetter und Jahrhunderte haben narr Bilder der Zerstörung und Verwirrung übrig gelassen. Die Stämme stehen „schütter", vereinzelt, dazwischen dichtes Gestrüpp von Himbeeren, Brom beeren, Heidelbeeren, ein Gewirr von Felsblocken, modernden Zweigen, Aesten, Stämmen, Stöcken. Hier steht ein Ricscnstamm noch grün, aber der Sturm hat ihm dir Krone abgerissen, und von den Aesten hängt wie greises Haar daS BartmooS in klafter langen Fäden, die dec Wind hin- und herwiegtx hier steht ein Stamm, längst abgestorben, morsch und faul, auszedöcrt, daß ec angezündet wie glum- inender Zunder fortglüht, eine graue, gespenstige Gestalt, die ihre nackten Knochenarme in die Lust reckt. Hier liegt eine Fichte mit der Wurzel aus gerissen, in deren Netzwerk Erdklumpen und FelS- stücke hängen, der mächtige Wurzelstock wie eine Mauerruine und daneben eine breite Grube; dort liegt eine Tanne am Stamme abgerissen, sie ver modert und verfault, und auf dem Leichnam keimt üppig junges Leben, eine neue Tannen- und Fich tensaat; und zwischen all' dem Gewirr rundliche, von weißen Flechten überzogene Gcanitblöcke, wie gehlcichte RiescnschäLel, üppiges Strauchwerk, Far- renkraut und Moos, Tod und Stein mit frischem Grän, mit saftigem Leben überwuchernd. Es ist ein eigener Anblick, wenn man eine riesige Baumleiche dalicgen sieht und auf ihr der ganzen Läng- nach Tausende von jungen Tannen und Fichten im fri schesten Grün. Daher auch die merkwürdige Erschei nung, daß die Stämme im llcwald auf 158 bis 208 Fuß hin ost in einer geraden Linie hintereinan der stehen, wie aus einer Riesensaat ausgewachsen. Der Tram»», dem dic jungen Planzerr --"in' — ,-I» «angn vrriiiwrrl,aber bieRichluug, in der nun die großgewordeneu Stämme stehen, zeigt noch seine alte Lage an. Aus demselben Kei men auf Stöcken oder Stämmen erklärt sich auch die häusige Erscheinung, daß die Stämme «uf Stel zen stehen, pandanusartig. Der Baum erreicht mit seinem untern Stammende dm Boden gar nicht, er steht schwebend auf einem Unterbau säulenartiger Wurzeln; man kann hindurchgehen oder wie unter einem Zelte sich zwischen den Wurzeln lagern. Der König der Ucwaldbäume ist die Tanne. Sie erreicht die riesigsten Dimensionen und bildet im Böhmerwalde die üppigsten Bestände, während cs der Kultur kaum gelingt, sie zu erhalten. Die kultivirten Wälder im Böhmerwalde sind daher fast ausschließlich Fichtenwälder. Die Fichte erreicht zwar nie die Größe der Tanne, kommt aber mit ihr in gleichem Alter vor, viele 300—500 Jahre, einzelne Exemplare bis 700 Jahre alt^ und bildet mit ihr gemischte Bestände. Der dritteHauptbaum ist die Buche, im Allgemeinen jünger als die Nadel hölzer, meist von 100—250 Jahren; sie bildel hänsiz das Unterholz oder ist auch nur einzeln eingespcengt. Vereinzelt kommen noch vor: Kiefern, Ahorn, Ulme, Esche, Erle, Sch varzbirke, Salweide und alS Seltenheit der Taxusbaum, nirgends aber im gau- zen Gebirge die Eiche.