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Amts- M Anzchckatt für den Abonnement oiertelj. 1 M. 20 Pf. emschliehl. de» .Jllustr. Unterhaltungsbl." u. der Humor. Beilage »Seifen» blasen-' in der Expedition, bei ansern Boten sowie bei allen Reichspostanstalten. GM des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung. Erscheint wöchentlich drei Mal und zwar Dienstag, Donnerstag u. Sonn abend. Jnsertionspreis: die kleinspalrige Zeile 10 Pf. Im amtlichen Theilc die gespaltene Zeile 25 Ps. Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: E. Hannebohn in Eibenstock. --- 47. Jahrgang. - i Dienstag, den 12. Juni findet Montag, den 18. dieses Monats, von Nachmittags 2 Uhr an im Amtsgerichtsgebäuve zu Eibenstock statt. Schwarzenberg, den 6. Juni 1900. Königliche Amtshauptmannschnft. Krug von Nidda. S Der diesjährige erste Jahrmarkt in Johanngeorgenstadt ist vom 25. und 26. Juni auf den 2. und 3. Juki verlegt worden. Stadtrath Johanngeorgenstadt. Johannismarkt (nur Krammarkt) am 25. und 26. Juni 1WV in Given stock. Versteigerung. Mittwoch, den 13. Juni 1900, Nachmittags 4 Uhr, sollen in der Lang'schen Restauration hier daselbst eingestellte Pfänder, nämlich: 1 Topha mit rothbraunem Ueberzng, l Bild und 1 Stuhl an den Meistbietenden gegen so fortige Baarzahlung versteigert werden. Der Gerichtsvollzieher beim Königlichen Amtsgerichte Eibenstock. Akt. Kirsch. Aus der Woche. ,O weh, wir haben gesiegt!" In China hat die große Bewegung begonnen, die — wenn nicht alle Anzeichen trügen — während des sonst ereignißarmen Sommer» an Stelle Trans vaal» die öffentliche Aufmerksamkeit fesseln wird. „O weh, wir haben gesiegt!" Da» mögen die Empfindungen ruhig denkender Engländer sein, jetzt, nachdem der Transvaalkrieg im Wesentlichen als beendet angesehen werden darf. Der englische Siegeserfolg stehl nicht im Entferntesten im richtigen Vcrhältniß zu den auf gewandten Opfern. England hat in diesem Kriege, wie in keinem ;uvor, eine Biertelmillion Menschen auf die Beine gebracht und hat davon ein Fünftel an Todten, Verwundeten, Gefangenen und an Krankheiten Gestorbenen eingcbüßt. E» hat sich aber zugleich mit seiner ganzen HeereSmacht für lange Zeit in Süd afrika festgelegt und wird noch lange dort festliegen müssen, um die verhältnißmäßig spärlichen Früchte de» Siege» einzuheimsen. Derweile aber klettern die Fremden anderwärts über den Zaun de» englischen Weltgarten» und stehlen dort ungenirt die bellen Früchte. Wie mag r» im inner» Herzen Chamberlain» au«- sehen, daß er zu dem Auftreten Frankreichs gegen Marokko und Rußland« in Persien und China gute Miene zum bösen Spiel machen muß! Große Worte, an denen England immer reich war, werden jetzt nur noch von den Londoner Zeitungen ge braucht. Aber Niemand fürchtet sich vor ihnen! Die „todte Saison" naht! Da» Lesepublikum ist mit Seeschlangen und ältesten Leuten überfüttert. E« verlangt nach „Aktuellem". In Berlin sind die großen parlamentarischen Kämpfe vorüber. Die neue Flotte ist in den Hafen bugsirt, die lex Heinze hat ihre Stachel verloren, auch da» Fleischschaugesetz ist durch Kompromiß erledigt und die Kanalvorlage bi» zum Winter vertagt. Der Reichstag wird in die Ferien gehen — — au» der öffentlichen Diskussion ist alle» Aufregende verschwunden. Dar Publikum hat Zeit zum Studium der Reichsverfassung, da» ihm Prinz Ludwig von Bahern angeralhcn hat, aber c» geht lieber in die Bäder und Sommerfrischen und läßt Verfassung Verfassung sein. Die Burendeputation in Nordamerika setzt ihre Rundreise fort und denkt noch gar nicht daran, in die Heimath zurückzukehren. WaS soll sic auch dort? Der Rückweg nach Pretoria ist ihr verlegt und in Lhdenburg läßt e» sich wahrscheinlich nicht sonder lich gut leben. Die Nachrichten au« Transvaal haben fortan nur noch den Werth von Anekdoten; Meldungen über große, entscheidende Thaicn sind fortan so gut wie ausgeschlossen. Nun wird — bei aller Sympathie für die Buren — die Sache herzlich langweilig, und zu rechter Zeit nahmen die Boxer ihre Stelle ein. Da» sind die echten und rechten chinesischen Patrioten, die ihr Land von der immer drohender auftrctende» Fremd herrschaft sreimachen wollen, die den „Pächtern" cntgegenlreten und „China für die Chinesen" behalten wollen. Es ist kein Wunder, daß mit ihnen die altchinesische Partei shmpathisirt, besonder» die Kaiserin-Regentin und ein Theil der Prinzen. Daß die ganze Affäre in einem großen Blutbad ersäuft, ist ebenso selbstverständlich. Die vier Jahrtausende alte chinesische Kultur wird von der europäischen verschlungen, und die Auf- theilung Chinas ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Zar >ll kränklich und zudem von Mutter und Gattin zugleich vor schnellen Schritten gegen England bewahrt. Aber darum geht die russische Politik ehern ihren Gang, langsam aber sicher zum Ziele führend, nie einen Schritt zurückmachend. Die Balkan länder, Polen, die deutschen Oslseeprovinzen, Finnland, Persien, Mittelasien, China, Korea sind davon Zeugen. Der russische Bär hat einen nie zu sättigenden Hunger! Dieser Hunger wird un» in diesem Sommer über die saisongemäße Nachrichten- rürre hinweghelfen. Tagesgeschichte. — Deutschland. Seit den Tagen von Manila im Frühjahr 1898 sind die Schiffe unsere« ostastalischen Kreuzer- Geschwader« gelegentlich einer politischen Action nicht derart ver eint gewesen, wie jetzt nach Ahlaus der Woche zur Formirung der internationalen Flotte vor Taku. Den feit Anfang diese» Monats nach der Peihomündung entsendeten Schiffen „Kaiserin Auguste" und „Iltis" sind nach wenigen Tagen die beiden ge- fechtSstärksten Kreuzer de« Geschwader», die „Hansa" und die „Hertha", mit dem Geschwaderckes Vizeadmiral Bendemann an Bord gefolgt. Und al» funkte» Schiff hat sich ihnen der kleine Kreuzer „Gefion" angesiblossen. In der vor Taku ankernden Flotte der Mächte ist also die deutsche Flagge jetzt derart ver treten, wie e» bei der Besetzung der ostafiatischen Station zur Zeit überhaupt möglich ist; denn in Frage zu einer weiteren Machtentsaltung der deutschen Seestreilkräfte vor der Peihomün dung könnte nur noch der kleine Kreuzer „Irene" kommen, den man bi« jetzt al» Wachtschiff de» Kiautichauhafen« vor Tsingtau belassen hat. Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, ob e» nicht zweckmäßig ist, die Ausreise de» Kanonenboote» „Tiger" und de» Panzerkreuzer» „Fürst Bi»marck" von Kiel nach der ostafiatischen Station zu beschleunigen. Die unerwartet einge- lrctencn Ereignisse der letzten Tage haben bewiesen, daß e» fort gesetzt zur Wahrung der deutschen Interessen im fernen Osten unbedingt erforderlich ist, da» kreuzergeschwadcr so stark wie möglich sormirt zu halten. — In Bezug auf da» mehrfach erörterte Projekt einer Neuregelung der deutschen Rechtschreibung wird be richtet, daß der preußische UnkerrichlSminister sich schon vor eini gen Monaten in einem Rundschreiben an eine Reihe von Reichr und Staatsbehörden gewandt und sie um ihre Mitwirkung in der Angelegenheit ersucht habe. Da« Rundschreiben war insbe sondere an diejenigen Zentralbehörden gerichtet, deren untere Organe in einen fortgesetzten Verkehr mit dem Publikum stehen, daher einen Einfluß auf die Rechtschreibung aurüben und dabei die Bestrebungen der Schule unterstützen können. Es sind die» die Verwaltungen der Justiz, der Eisenbahn, der Post :c. — In Samoa wird gegenwärtig eine einheimische Ver waltung eingerichtet. Fußend aus eine alte Eintheilunz soll so wohl Upolu wie Sawai in je drei Bezirke eingelheilt werden. In jedem dieser Bezirke wird ein eingeborener Gouverneur und ein Richter eingesetzt. Da» Gewohnheitsrecht der Samoaner soll unangetastet bleiben und ihr RechtSgefühl und ihre Empfindlich keit nicht verletzt werden. Bei vielen Vergeben würde der euro päische Richter, so heißt e» in der offiziösen Mittheilung, Gesang- nißstrafe zuerkennen; dagegen würde der samoanische Richter oft nur eine Buße z. B. in mehreren Schweinen aussprechen. Da« entspricht den hergebrachten Anschauungen der Bevölkerung. — Oesterreich-Ungarn. Die tschechische Obstruktion ist siegreich geblieben: in der Freitag-Nacht ist der österreich ische Reichsrath geschlossen worden. Oesterreich steht so mit wieder in einer schweren Krise. — Die Tschechen haben gleich bet der ersten Gelegenheit mit solcher Gewalt ihre Lärm übungen zur Lahmlegung der parlamentarischen Arbeiten aus genommen, daß die Regierung sich veranlaßt gesehen hat, dem durch Schließung der Tagung ein schnelles Ende zu bereiten. Nach Privatmeldungen waren die Lärmszencn so wüst, daß sic jeder Beschreibung spotten. Mit Hölzern, Deckeln, Büchern und Zeitungshaltern wurde aus die Pulte geschlagen, Pfiffe ertönten, Trompctentöne wurden laut. Ein fürchterlicher Lärm erfüllte den Saal. Die Deckelunterlagen und Schubladen wurden ge waltsam losgebrochen, und bald bedeckten Holztrümmer den Platz der Tschechen, welche unermüdlich weiter arbeiteten. Die Linke sowie die andern Parteien verhielten sich vollständig ruhig und umstanden lächelnd die wie besessen dreinschlagendcn Tschechen. Gegen Mitternacht ereigneten sich heftige Austritte zwischen den Tschechen, welche ihren Lärm fortsetzten, und Christlich-Sozialen. Der Christlich-Soziale Kletzenbauer, welcher dem Tschechen Do- lczal eine Blcchtasse entreißen wollte, erhielt von Letzterem einen Schlag mit einem Holzbesen. Um 12'/, Uhr Nacht» erschien unter fortdauerndem Lärm der Ministerpräsident von Körber im Saale u. erklärte im Auftrage de« Kaiser» die Session de« ReichS- rath» für geschlossen. Die Regierungserklärung wurde von der Rechten mit Beifall begrüßt. — Frankreich. Wie au» Pari» gemeldet wird, wurde Admiral Gervais bestimmt, während der diesjährigen Manöver die französische Kriegsflotte zu befehligen, welche durch Bereinig ung de» NordgeschwaderS und de» Äittelmeergeschwader» gebildet werden soll und die aus Anlaß der Ausstellung Seefestlichkeiten veranstalten wird. Nach einer anderweiten Meldung erhielt die au« den korsischen Gewässern nach Toulon zurückgekehrte Mittel- meerflotte Befehl, sich zur Fahrt nach Cherbourg zu rüsten ; man schließt hieraus auf die bevorstehende Ankunft de» Kaiser» von Rußland, zu dessen Begrüßung da« Mittclmcergeschwavcr sich mit der Kanalflottc vereinigen soll. Eine Bestätigung dieser Vermuthung ist der Ernennung de« Admirals Gervais zum Be fehlshaber der vereinigten Manövcrflokte zu entnehmen. Admiral Gervais hat da» französische Geschwader befehligt, welche» 189 l zu den Verbrüderungsfestlichkeiten nach Kronstadt ging, und ge leitete im Jahre 1897 den Präsidenten Faure auf dessen Reise nach Rußland. — China. Die Lage in China scheint gegenwärtig sich noch besorgnißerrcgcndcr gestalten zu wollen, al» eS im Oktober 1898 der Fall war. Damals hatte die Kaiserin-Wittwc Tsuhsi dem Kaiser Küagsü die Regierung au« der Hand gcnömmen, und e» kamen bei dieser Gelegenheit auch zahlreiche Kränkungen und Bedrohungen de» Lebens der Ausländer vor. Scharfe Erlasse der Kaiserin-Regentin, die den chinesischen Behörden den Schutz der Fremden und Christen zur Pflicht machten, fanden keine ge nügende Beachtung, und erst al« am 7. Oktober gemeinsam 30 deutsche, 2b englische und 36 russische Seesoldaten mit 2 Kanonen und 30 Kosaken in Peking zum Schutze ihrer Gesandtschaften einrückten und den Chinesen den Ernst der Lage vor die Augen führten, trat wieder Ruhe und Frieden im Lande ein. E» wäre zu wünschen, daß da» bei weitem größere Militäraufgebot der fremden Mächte auch gegenwärtig dieselbe beruhigende Wirkung auf da» chinesische Volk ausüben möchte. Leider lassen aber die bi» heute vorliegenden Meldungen Viesen Schluß nicht zu. Denn der Boxeraufstand nimmt immer größere Dimensionen an und ernste politische Gefahren scheinen aus ihm sich entwickeln zu wollen. Der Herd der ganzen Bewegung ist Schantung, der deutsche Jniercsscnbezirk, und hier ist sic von Peking au« dadurch genährt worden, daß hohe Beamte, die unter dem Drucke der deutschen Regierung ihre« Amte» enthoben werden mußten, weil sie die Boxer insgeheim und öffentlich begünstigt hatten, aus höhere Posten befördert wurden. Von hier au» zog sich die Be wegung nach der Provinz Petschili und ergriff so den Sitz der Zentralregierung Peking, in dessen unmittelbarer Umgebung sich der Schauplatz der gegenwärtigen Unruhen befindet. Nach den heute vorliegenden Meldungen ist seit acht Tagen die Eisenbahn verbindung Tientsin Peking unterbrochen. Um diesem unerträg lichen Zustande ein Ende zu machen, werden wohl die fremden Mächte die Aufsicht über diese Linie in die Hand nehmen müssen. Um auf die Pekinger Regierung eine weitere Pression auSzuüben, haben die Vertreter der Großmächte angeblich auch beschlossen, ihren Regierungen eine Blockade der Peiho-Mündung vorzuschlagen. Der Zweck dieser Blockade soll wohl darin bestehen, die Zufuhr von Rci», dem Hauptnahrung-mittel der Bevölkerung, au« den südlichen Provinzen abzuschnciden, sodann aber durch die Entzieh ung de» Jnnenzollc«, der einen Haupttheil der chinesischen Staats einnahmen bildet, einen weiteren Druck auf die Regierung auS zuüben. Da» Verhalten der chinesischen Regierung ist äußerst zweideutig. Neben ihren offenen Maßregeln gegen die Boxer sollen geheime bestehen, die den Aufstand gegen die Fremden be günstigen. Am 3. Juni ist auch die deutsche und österreichisch ungarische Schutzwehr in Peking eingerückt und die Zahl der fremden Soldaten hat in Peking somit die Höhe von 500 Mann erreicht. Der russische Gesandte soll sogar 2000 Kosaken von Port Arthur nach Peking befohlen haben, und weitere 14,000 Mann russische Truppen sollen dort noch bereitstehen, um nöthigen- sall» sofort einzugrcifen. Eine stattliche Reihe von Kriegsschiffen, an denen England mit 24, Japan mit 57, Rußland mit 15, die Vereinigten Staaten mit 22, Frankreich mit 18 und Deutsch land mit 7 Schiffen bethciligt ist, haben sich in den ostasiatischen Gewässern versammelt unv bedeuten eine ernste Mahnung kür die chinesische Regierung. Die Lage ist somit eine sehr ernste. Und wenn c» der chinesischen Regierung nicht bald gelingt, den Aufstand zu bewältigen, wird sic mit Zusehen müssen, wie die fremden Mächte in ihrem Reiche Ordnung zu schaffen wissen. — Vom südafrikanischen Kriegsschauplatz. Die