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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Handelszeitung : 10.07.1914
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1914-07-10
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id84535308X-19140710017
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id84535308X-1914071001
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-84535308X-1914071001
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Handelszeitung
-
Jahr
1914
-
Monat
1914-07
- Tag 1914-07-10
-
Monat
1914-07
-
Jahr
1914
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Sette 2. Nr. 34S. Moryen-Nusoade Leipziger Tageblatt. /rettag, l0. Juli lSl< folgcrs, sondern nur um seine Würde. Da jedoch für den Thronfolger hier wie stets sofort Er satz zu finden sei. so sei da, sinnlos. „Balkan" klagt in einem historischen Rückblick über die furcht» baren Qualen, die da» serbische Volk in den letzten 40 Jahren infolge der jesuitischen Politik Oesterreich-Ungarns erduldet hätte. Der Thron» folger mutzte, wie alle Töhne Loyola», die nur im Blute der Menschen arbeiten und dem Grundsatz von der Heiligung der Mittel durch den Zweck huldigen, vom Schicksal ereilt und ein Opfer des Icsuitismus werden, wie auch Oesterreich- Ungarn cs werden werde, durch dessen Untergang der Menschheit Ruhe und Frieden wicderkehrcn werde. Die „Tribuna" rät, aus Oesterreich nichts zu beziehen, die österreichisch-ungarischen Bäder nicht zu besuchen und keine Aerztc aus Oesterreich-Ungarn zu berufen. Die private Initiative könne in der «»gedeuteten Richtlinie ausreichen. Staat und Behörden hätten si-h nicht darein zu mischen. Das Blatt „Piemont" veröffentlicht eine an geblich von einem fortschrittlichen Kroaten aus Agram stammende Zuschrift anlützlich der Demon strationen der Frant-Partei, worin ausgeführt wird, datz Serben und Kroaten ein Volk seien, für dessen Zukunft cs notwendig geworden sei, nicht nur bei Worten zu bleiben, sondern zu gemein samen nationalen Werken überzugeben. Die Vereinigung zu einem Staate sei notwendig geworden. Die „Politika" führt aus, die zwischen den Serben und Kroaten bestehende Eintracht sei so stark, datz sie durch keine Macht zerstört wer den könne. Die „Slampa" behauptet, datz die Eerajewoer Polizei die verhafteten Täter der unmensch lichsten und schamlosesten Tortur aus setzte, um von ihnen unwahre Geständnisse zu erpressen, aus Grund deren dann Anklagen gegen das serbische Volk erhoben werden sollten. Der Protest der serbischen Konsuln. Bis zum 7. Juli, abends, hatten im deutfchcn Reichsgebiet 1! serbische Konsuln wegen der Serojewocr Bluttat ihre A m t s f u n kt i o n e n niedcrgelegt, darunter befinden sich zwei serbische Konsuln reich sdcutschcr Staatsange hörigkeit. Vie Abreise -es Zürstenl Wenn man einer Meldung aus Reuwied, dem früheren Wohnort des Fürsten, trauen darf, so steht die Abreise des Fürsten aus Durazzo unmittelbar be vor. In dem fürstlichen Schlosse in Reuwied wer den nämlich die früheren Wohnräume des Fürsten paares wieder instand gesetzt, angeblich, weil dieses lmld zurückkehren wird. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Rückkehr nach Neuwied. Berlin, ll. Juli. (E i g. Drahtbericht.) Wie uns aus Reuwied gemeldet wird, sind in den letzten Tagen große Transporte der fürstlichen Hofhaltung in Durazzo in Reuwied ringetrosscn. Von absolut sensation »freier Seite wird uns zuverlässigst berichtet, datz die früher von dem jetzigen Fürstenpaar Wilhelm bewohnten Räume des Schlosses in aller Stille wieder zur Ausnahme des Fürstenpaares hergerichtet sind. Werbeverbot auch für Ausländer in Berlin. Berlin, 9. Juli. (Eng. Draht bericht.) Nachdem die Reichsregierung, wie von uns am 6. d. M. bereits gemeldet werden konnte, dem neu gebildeten Wcrbebureau für Albanien die An werbung r e i ch z d e u t sche r Personen untersagt hatte, ist nunmehr dem Anwerbebureau eröffncr wor den, datz die deutsche Regierung eine öffentliche An werbung auch von Ausländern im Reichsgebiet überhaupt nicht zu lassen werde. Damit ist die beabsichtigte Tätigkeit Les Bureaus, die Werbung von Freiwilligen für den Fürsten von Albanien, un terbunden. Der empörte Prenk Vibdoda. Mailand, 9. Juli. Laut Drahtmeldung des „Sccolo" aus Duraz.o ist Prenk Biddoda über die Weigerung des Fürsten, ihm die verlangten lONVOO Franken zur Löhnung der Miriditen auszu folgen, so empört, datz er nunmehr für die Rück kehr Essad Paschas auf das lebhafteste Stim mung macht und Liesen als den einzigen Mann be zeichnet, der imstande wäre, die albanische Anarchie zu bezwingen. Es ist daher gar nicht unwahrschein lich, Latz der Verbannte oald als Retter des Vater landes begrüßt werden wird. Einstweilen dauern die allnächtlichen Uebergänae der Malissoren und Miriditen zu den Aufständischen an, mit Lenen auch die Gendarmen gemeinsame esache machen. Dem römischen „Eorriere d Italia" wird aus Durazzo berichtet, das englische Mitglied der internationalen Kontrollkommission habe seiner Regierung dringend geraten, den Fürsten zur Abdankung zu be stimmen; allem Anscheine nach hätten die Vertreter Frankreichs und Rußlands das gleiche getan, nun müsse man selben, wie sich der Dreibund dazu stelle, dessen Mitglieder es allerdings als Ehrensache be trachten, den Fürsten, dessen Verlegenheiten zumeist von der Fahrlässigkeit der europäinhen Diplomatie berrühren, in di« Lage zu setzen, seine Autorität zu befestigen. Amtliche römische stellen üutzern dagegen Befriedigung darüber, datz der Fürst auszuharrcn be absichtigt. weil man von einem Zusammenbruch seiner Regierung eine verstärkte Bedrohung der italieni schen Interessen in Südalbanicn, besonders in Valona, befürchtet. Der offiziöse „Popolo Romano" schreibt: „Ehe ein von Europa gewählter deutscher Prinz seinen Ehrenposten verlässt, iniitzte die letzte kugel verschossen sein, was bisher nicht der Fall ist." Der Austausch von (Äefangenen. Rom, 9. Juli. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Durazzo unter dem 8. Juli, 8 Uhr abends: Infolge des Einschreitens der Internationalen Kon trollkommission haben die Aufständischen die hol ländischen Gefangenen nach Schiak ge bracht. Sie haben an die Kommission wegen des Austausches der Gefangenen geschrieben und gleichzeitig ein Beschwerdeschreiben wogen der in den letzten Tagen vorgekommcnen Morde an sie gerichtet. Sie erklärten, datz sie die Absicht hätten, sich zu rächen. Durazzo, 9. Juli. Die beiden von den Aufstän dischen an die Internationale Kontrollkommission und die holländischen Offiziere gerichteten Briefe be- treffen die gefangenen holländischen Offiziere in Elbassan sowie deren Freilassung. — Die Ge fangenen, insbesondere die fremden Staatsangehöri gen, sollen nach hier eingetroffenen Berichten von den Aufständischen sehr gut behandelt werden. — Morgen findet unter dem Vorsitze des Fürsten Wilhelm ein Kriegsrat statt, wobei über weitere Schritte beraten werden soll. — Au» Rumänien werden wettere 800 Freiwillig« erwartet, Zur Lösung -er grlechisth- türkisihen -kuswan-erungssrage. Die griechische und türkische Regierung sind über die Auswanderungsbewegung zu einer friedlichen Verständigung gekommen. Sie nehmen einen allge meinen Austausch ihrer fremden Bevölkerung vor, schätzen die verlassenen Güter ihrem Werte nach und entschädigen die Auswanderer entsprechend dafür. Auf diese Weise hofft man den keim zu künftigen Reibereien ganz zu beseitigen. Für die Durchführung dieses Uebereinkommens wurde eine griechisch türkische Kommission unter einem neutralen Schieds richter ernannt. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Die türkische Antwortnote. Athen, 9. Juli. (Agence dAthenes.) In der von der Pforte dem griechischen Gesandten Panas überreichten Rote heisst cs: Die Pforte hat mit aufrichtiger Genugtuung von der Mitteilung der griechischen Regierung Kenntnis genommen, worin diese ihre Zustimmung zu dem gleichzeitigen Austausch der Griechisch sprechenden Bevölkerung Thraziens und des Wilajets Smyrna einerseits und der mohamme danischen Bevölkerung in Mazedonien und in Epirus anderseits ausdrückt, und der Ab schätzung sowie dem Austausch der von der bereits ausgewandertcn Bevölkerung verlassenen Besitztümer zustimmt. Die Pforte zögert nicht, jetzt und in Zukunft die wahren Gründe für die grotze Auswanderuiigsbcwegung zu prüfen, die zu einer für die Türkei und vielleicht auch für Griechen land schwierigen wirtschaftlichen Lage geführt hat. Die augenblicklichen Bemühungen der beiden Regie rungen, eine gemischte Kommission zu er nennen, die die Angelegenheit regeln soll, sind eine sichere Garantie für den Geist und die Loyalität sowie für die völlige Aufrichtigkeit, mit der hierin eine glückliche Verständigung erzcelt wordeu ist, und die weiterhin von beiden Seiten beobachtet werden wird. Die türkische Regierung glaubt Zuversicht!.ch, datz die in diesen Gefühlen erzielte Ucbereinkunft auch in Zukunft dazu beitragen wird, die in jeder Hinsicht wünschenswerte Unbefangenheit und Herzlichkeit der Beziehungen zwischen den beiden Staaten aufrecht- zuerhaltcn. Rückkehr der internationalen Untcrsnchungs- kommission. Konstantinopel, 9. Juli. Einige Dragomans, die an der Untersuchung über Lie Auswanderungs bewegung in Smyrna teilgenommen haben, sind heute z u r ü ck g e k e h r t. Die anderen werden ebenfalls alsbald zurückkehren, da ihre Mission be endet ist. Die griechisch-türkische Answanderungskommission in Tätigkeit. Konstantinopel, 9. Juli. Wie die Blätter melden, hat die türtisch-griechische Auswande rung s k o in m i s s i o n ihre Arbeiten begonnen und mehrere Unterausschüsse gebildet. Die Auswande, rung der Griechen tritt wieder in grötzerem Um fange ein. Die Griechen in der Gegend von Buja und Sesdikaj verkaufen ihre Güter und wandern nach den Insel» aus. Racheakt zweier Griechen. Konstantinopel, 9. Juli. Vorgestern schossen in Smyrna zwei Griechen auf eine Gendar merie p a t r ou i l l e, ein Gendarm wurde schwer verwundet. Die Griechen flüchteten in ein Haus und schossen aus die Gendarmen. Schließlich wurde der Grieche, der den einen Gendarmen verwundet batte, verhaftet; vr war bei dem Zujammenstotze selber Lerarrig schwer verletzt worden, datz er alsbald st a r b.' Vie Erfüllung -es Friedens- Vertrags von Niagara Falls. Die mexikanische Regierung versucht jetzt den im Friedensprototoll von Niagara Falls vorgesehenen Weg zu gehen und mit den Rebellen zu einer Ver ständigung zu gelangen. Huerta ist trotz seiner Wiederwahl bereit zurückzutreten, wenn dadurch eine Gesundung der Verhältnisse ermöglicht wird. Die Earranzisten aber bezeigen roenig Lust, mit Huerta zu verhandeln, und verhalten sich vorerst recht ab lehnend. Beachtenswert ist die fast demonstrative Anerkennung des wiedergewühlten Huerta durch Japan. Es liegen folgende Meldungen vor: Eine Bitte der mexikanischen Regierung an die Rebelten. New York, 9. Juli. Rach einem Telegramm aus Mexiko verlas der mexikanische Minister des Aus wärtigen in Senat und Kammer eine Denk schrift über die Meinungsverschiedenheiten der Vereinigten Staaten mit Mexiko. Die Denkschrift bittet die Konstitutionalisten dringend, auf halbem Wege der Regieruirg Huertas entgegen« zu komm en und zur Errichtung der neuen pro visorischen Regierung zusammen zu wirken. Sie weist darauf hin, datz auch die übrigen Bestim mungen des Friedensprorokolls von Niagara Falls und selbst das zukünftige Schicksal Mexikos hiervon abhingen, und datz die Meinungsverschieden heiten mit den Vereinigten Staaten infolge der Unterstützung der Revolutionäre durch die Vereinig ten Staaten mit dem mexikanisck^en inneren Konflikt verknüpft seien. In der Denkschrift wird ferner die Bereitwilligkeit der Regierung Huertas ausge drückt, mit den Konstitutionalisten über die Errich tung einer neuen provisorischen Regierung zu ver handeln und ferner die Bereitwilligkeit Huertas, zurückzutreten, falls man hierdurch zu einem sicheren Frieden gelange. Zum Schlutz drückt die Denkschrift die Hoffnung aus, datz die süd ameri kanische Vermittlung zu einer engeren Verbindung der amerikanischen Nationen führen möchte. Der bisherige Finanzminister Delalama be gibt sich in einer Finanzmission nach Europa. Die hartnäckigen Earranzisten. Washington, 9. Juli. Nach Meldungen von der mexikanischen Grenze hat die Carranza-Partei die Einladung der Vermittler zu zwanglosen Besprechungen mit Vertretern Huertas nicht angenommen. Hapan erkennt Huerta an. London, S. Juli. jEig. Drahtbericht.) „News" kabelt aus Mexiko: Der japanische Gesandte hat als erster Vertreter auswärtiger Mächte die Wiederwahl Huertas zum Präsidenten von Mexiko im Namen seiner Regierung an er« könnt. Die Anerkennung der Übrigen Regierungen wird nicht ausgesprochen, da Huerta» Regierung bereits seit dem Tode Madero» von allen Mächten außer Nordamerika anerkannt worden ist. Die Haltung Japan» wird politisch in Mexiko politilcke Ueberlicttt Zranzöststhe Oeographt» auf -er Sugra. Es gibt in Frankreich immer noch viel Leute, die die Ergebnisse des deutsch-französischen Krie ges nicht verwinden können, für die die Ab tretung Elsaß-Lothringens an das Deutsche Reich einfach nicht vorhanden zu sein scheint. Dafür lie fert die Ausstellung rm französischen Staatspalast auf der Bugra einen sehr charakteristischen Beweis. Unter anderem hat dort die Firma Forest, Editeur 16 rue Buci, Paris, eine größere Anzahl Landkarten aus gestellt. Unter diesen befindet sich an einer Wand übereinander angeordnet eine Sammlung von etwa 10 oder 12 Karten, die an braunen Holz stäben ausgezogen und aufgerollt sind und durch scharfes Ziehen hcruntergelassen werden können. Steht nian vor dieser Wand und zieht die drittoberste Karte herunter, so entrollt sich dem Blick eine Schul- oder Bureau karte von Frankreich, auf der die sämt lichen Provinzen Frankreichs in verschiedenen Farben auskoloriert sind, während das aus ländische Gebiet um Frankreich herum weiß ge lassen wurde. Auf dieser Karte ist höchst merk würdigerweise auch das ganze Elsaß und ganz Lothringen bunt auskolo- ricrt, d. h. also als f r a n z ö s i s ch e s G e b i e t gekennzeichnet, obwohl die deutscl>e Grenzlinie deutlich eingetragen ist. In den jungen Fran zosen soll offenbar die Anschauung erweckt wer den, daß nicht die durch den Frankfurter Frie den festgelegle deutsch-sranzös.sche Grenze für Frankreich maßgebend ist, sondern die Grenzen der Provinzen in ihrer früheren Ausdehnung. Aber nickst nur durch die Färbung, sondern auch durch Ziffernangaben wird eine Täu schung versucht. Bei den Namen der Provinzen sind vielfach Jahreszahlen verzeichnet. Diese Zahlen sollen nach den Bemerkungen in der Rubrik Zeichenerklärung den Zeitpunkt der Ein verleibung der betreffenden Provinz an Frank reich angeben. So ist denn ganz deutlich zu lesen: Elsaß 1648, Lothringen 1766. Daß aber das Elsaß bis auf einen kleinen Teil um Belfort und von Lothringen die Hälfte 1871 an Deutsch land verloren gegangen ist, daß also auf der Karte genau unter Elsaß 1648—1871, unter Lothringen 1766—1871 stehen müßte, wird einfach verschwiegen. Die Leistungen Frankreichs auf geographischem Gebiet sind ja nie erstklassig ge wesen. Was aber auf dieser Karte von Forest, die sicherlich wegen ihrer Güte auf der Bugra mit ausgestellt ist, den jungen Franzosen geboten ivird, übersteigt denn doch alle Begriffe. Bei uns Deutschen sollte diese Landkarte zwar nicht als Anschauungsmaterial, wohl aber als na tionales Stimmungssyrnptom Beachtung finden und zu ernstem Nachdenken anregcn. Neue Justizvorlagen für die kommenüe NeichstagssePon. Dem lni Herbst zusammentretenden Reichs tage werden" für die neue Session drei Vorlagen zugehen, die sich zurzeit sämtlich beim Bundes rat befinden. Es ist dies zunächst der Gesetz entwurf zur Einschränkung der Ver fügungen über Miet- und Pacht zins f o r d e r u n g c n. In dem Entwurf ivird vorgeschlagen, die Bestimmungen des Bürger lichen Gesetzbuches dahin abzüündern, daß die Wirkung der Vorausverfügungen über Miet- und Pachtzinssorderungen, die' dem Erwerber eines Grundstücks oder den Hypothekengläubi- geru gegenüber eintritt, ans das laufende Vierteljahr beschränkt wird. Nur wenn der Uebergang des Eigentums in den letzten halben Monat eines Kalenderviertcljahres fällt, soll es bei dem bisherigen Zustande bleiben, daß die Wirkung der Borausverfügungen, insbesondere etwaiger Vorauszahlungen, sich auch auf das nächste Vierteljahr erstreckt, ferner soll bei der Zwangsversteigerung für die Berechnung des laufenden Kalendervierteljahrs, für das die Vor ausverfügung wirksam bleibt, nicht mehr der Zuschlag, sondern die Beschlagnahme des Grund stücks maßgebend sein. Auch Paragraphen des Zwangsversteigerungsgesetzes und der Konkurs ordnung werden von den neuen Bestimmungen betroffen. Ferner wird die neue deutsche Wechselordnung mit einem besonderen Einführungsgesetzc dem Reichstage zugehen, und der Gesetzentwurf über die Haftpflicht der Eisenbahnen, die auch für Sachschäden ge regelt wird. Ter in der letzten Session nicht erledigte Entwurf eines Jugendgerichts- ge setzes wird wohl dem Reichstage nicht wieder vorgelegt werden, da die parlamenta rische Behandlung der Vorlage erkennen ließ, daß mit deren Zustandekommen nicht gerechnet werden kann. Dann ist bei dem zuständigen Ressort soeben ein Entwurf über die Neurege lung der Arbeitsvcrhältnisse der Rechtsan wattsangestellten fertiggestellt worden. In dem Entwurf sollen die Urlaubsverhältnisse der Angestellten, die Fortbildung der Lehrlinge, die Sonntagsruhe, die Fortzahlung des Lohns bei unverschuldeter Dienstversäumms geregelt wer den; dagegen nicht Lohnsragen und hygienische Verhältnisse. Ob ein Entwurf über Herauf setzung des pfandfrcien Einkommens von 1500 Mark ausgearbeitet wird und dem Reichstage im nächsten Winter schon zugehen kann, steht da hin. Die Beratungen der beteiligten Ressorts sind zurzeit noch nicht abgeschlossen. Dasselbe gilt von der Frage der Regelung des Zwangs vergleichs außerhalb des Konkurses, über die erst Sachverständige vernommen werden sollen. Was schließlich die Frage der Erhöhung der Rechtsanwallsgebühren anbetrifft, so ist erst eine Durcharbeitung der Statistik und dann eine Stellungnahme der Ressorts zu erwarten. LaaötagssthluZ in hesten. In seiner Thronrede, mit der der hessische Landtag am Donnerstag geschlossen wurde, gedachte der Großherzog mit be sonderer Befriedigung der organischen Neu regelung der Bezüge der Staats beamten und fuhr daun fort: Es gereicht mir zur Befriedigung, daß die Vorlage meiner Regierung über die Re vision der LZrdenbgejetza. He ein, zelnen religiösen Orden und ordensähnlichen Kongregationen «ine freiere Tätigkeit in religiöser, charitativer und sozialer Richtung ermöglichen soll, die Zustimmung der Stände erlangt hat. Ich geb« mich der Hoffnung hin, daß die daran geknüpften Erwartungen, es werbe der konfessionelle Friede meinem Lande erhalten bleiben, sich vollauf erfüllen. Mit besonderem Danke wird weiterhin an erkannt, daß die Rechtslage durch Bewilligung weiterer definitiver Amtsrichterstellen eine För derung erfahren hab«. Die Thronrede ver breitet sich sodann über die allgemeine Fi nanzlage und konstatiert die günstige Entwicklung, die besonders auf die Ueberschuß- anteile aus der Eisenbahngc meinschaft zurückzuführen sei. Unter den obwaltenden Ver hältnissen befriedige insbesondere, daß die ge setzlich geordnete Schuldentilgung, die der Groß herzog wiederholt als notwendig bezeichnet hat, in genügendem Maße sich jetzt verwirklichen lasse. Schließlich göht die Thronrede auf das Verhältnis zum Reiche ein und erwähnt u. a. die weitere Inanspruchnahme der Landcsabgaben für das Reich zur Stärkung seiner Wehrkraft Nach der Thronrede brachte der zweite Präsi dent der Ersten Kammer, Fürst zu Solms- Hohe u s o l m s - L i ch , das Hoch auf den Groß herzog aus. Zu dem feierlichen Akte hatten sich die Mitglieder beider Karninern im Residenz schloß versammelt. D««tkch«» Reich. * Urlaub des sächsischen Gesandten in Berlin. Die „Nordd. AUg. Ztg." meldet: Der sächsische Ge sandte Freiherr von Salza und Lichtenau hat Berlin mit Urlaub verlassen. Während seiner Ab wesenheit führt der Legationsrat Frhr. von Bieder mann die Geschäfte der Gesandtschaft. * Zu den Landtagswahlen ISIS. Nach Meldungen konservativer Blätter will der im 44. ländlichen Wahlkreise bei einer Ersatzwahl gewählte konser vative Laudtagsabgeordnete Sammler nicht wieder zum Landtage kandidieren. Sammler ist im Land tage nicht hervorgetreten. Er wurde im Oktober 1910 an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Lieber mit 5490 von 9800 abgegebenen Stimmen gewählt. Der 44, ländliche Wahlkreis umfaßt Teile der Gerichts bezirke Plauen, Elsterberg, Pausa und Treuen und ist in dem liberalen Wahlabkommen dem National liberalen zugesprochen worden. G * Auszeichnungen. Dem Landschaftsdirektor v. Spiegel- Dammer (Kreis Namslau) wurde der Rote Adlerorden II. Kl. mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe, dem Eenerallandschasts» direktor Rittergutsbesitzer v. G u stedl-Halle a. S. der Rote Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub und dem Rittergutsbesitzer Major a. D. v. Kotse» Klein-Oschersleben (Kreis Wansleben) der Kronen orden II. Kl. verliehen. * Stiftung für die Gesellschaftsreise nach Ost afrika. Herr und Frau Krupp von Bohlen und Halbach stellten, wie die Deutsche Kolonial gesellschaft mitteilt, der Deutschen Kolonialgesellschaft 17 500 »ll zur Verfügung, um damit di» von der Ko- lonialgesellschaft veranstaltete Freireise nach Deutsch- Ostafrika umfangreicher und nutzbringender zu ge stalten. Dem Wunsche der Geber entsprechend hat die Kolonialgesellschaft die Reisegesellschaft nach Deutsch-Ostafrika um sechs aus den Arbeiter kreisen stammende Mitglieder vergrößert, so datz sie nunmehr aus 37 Personen besteht. Die Führung hat Bezirksamtmann a. D. Karstedt übernommen. * Das widerspenstige Nürnberg. Nachdem die Stadt Nürnberg die von der bayerischen Regierung geforderte Bezahlung des durch die Negierung den Franziskanerpatres übertragenen Reli gionsunterrichts an der Nürnberger SimuI - tanlchule verweigert hat, beschlotz die Regierung die Ergreifung der gesetzlichen Zwangsmaß nahmen gegen die Stadt Nürnberg. Die mittel- fränkische Kreisregierung hat trotz der Eehaltsoer- Weigerung durch die Stadt Nürnberg die katholischen Religionslehrer (Franziskaner) der Simultanschule zur Fortsetzung ihrer Unterrichtstätigkeit auf gefordert. Ausland. Oesterreich-Ungarn. * Acht Landesoerratsprozesse. Wie die Lemberger Presse meldet, waren am 1. Juli in Galizien acht Landesverrats, und Spionagever fahren zugunsten Rußlands in Vorunter suchung der Strafbehörden. Zraakrekch. * Die Untersuchung gegen die verhafteten russi schen Anarchisten. Aus Paris wird gemeldet: Trojanorofski, der noch immer BlödlM simuliert, wurde am Mittwoch vom Gefängniswärter in seiner Zelle in dem Augenblick überrascht, als er ein kleines Fläschchen, das eine gelbe Flüssigkeit enthielt, in der Hand hatte. Er behauptet, die Flüssigkeit sei ein Linderungsmittel gegen Zahnschmerzen. Man glaubt jedoch, daß cs Gift ist. — Die zweite der den verhafteten Anarchisten in Beaumont abgenommenen Sprengbomben wurde gestern vom Direktor Kling auf der Bastei des städtßchen Laboratoriums auf dem Boulevard de Bercy einer genauen Unter- stuyung unterzogen. Die beiden Deckel wurden ab geschraubt, und man fand, datz die Bombe sich von der andern unterscheidet. Sie enthielt nicht wie jene Pikrinsäure, sondern ungefähr 500 Gramm ernes Pulvers, dessen Charakter vorläufig noch nicht festgestellt wurde. Außerdem enthielt sie eine grotze Anzahl von Nägeln, Eisenstücken, Patronen u. dgl. Der Direktor sprach die Ueberzeugung aus, datz die beiden Bomben keineswegs Lazu da waren, einen Eisenbahnzug oder eine Eisenbahnlinie zu be schädigen, sondern gegen lebende Wesen ge schleudert zu werden. Englan-. * Streit der Fischer. Au» London wird ge- meldet: Beamte des Seemannsverbandes in South Shields kündigen einen allgemeinen Streik der Fischer auf dem Tyne an. Wie sie erklären, werden die Fischer, sobald sie mit ihren Booten zurückkehren, die Arbeit einstellen. * Die Schwierigkeiten de« Kabinett» Asquith. Aus London wird gemeldet: An den am Mittwoch abgehaltenen Mtnisterrat knüpfen die kon servativen Zeitungen allerlei dunkle Prophe zeiungen. Es heißt, daß LloydGeorge durchaus auf »Mer Herbsttagu « g besteht, da ihm im des
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