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Die Tau le Christ, unser Herr, zum Jordan kam aj a 2 Clav e Pedale (Cantus firmus jm Tenor) b) rnanualifer Die Beichte Aus tiefer Not schrei ich zu dir a) a 6 voci, pro Organo pleno con Pedale doppio : . b) a 4 voci, manuahter Das Abendmahl Jesus Christus, unser Heiland a) Trio a 2 Clav, e Pedale (Cantus firmus im Tenor) b) Fuga a 4 voci, manualiter Fuge Es-Dur a 5 voci, pro Organo pleno Hinter dem schlichten Titel ,,Dritter Teil der Klavier-Übung, bestehend in verschiedenen Vorspielen über die Katechismus- und andere Gesänge, für die Orgel“ verbirgt sich ein zyklisches Groß werk, vergleichbar etwa mit dem „Musikalischen Opfer“ oder der „Kunst der Fuge“. Seinen einigenden Grundgedanken bildet die musikalische Darstellung der protestantischen Glaubenssätze, wie sie die sechs Hauptstücke des lutherischen Katechismus formulieren. Den Kern des Werkes stellen somit die Vorspiele zu den sechs zum großen Teil von Luther selbst geschaffenen „Katechismusliedern" dar. Zu jedem Choral bringt Bach zwei Vorspiele, ein großes und ein kleines, so gleichsam seinen Inhalt von zwei Seiten aus betrachtend — vielleicht auch eine absichtliche Parallele zu Luthers „großem“ und „kleinen“ Katechismus. • Eine höhere Einheit jedoch ergibt sich dadurch, daß Bach es unternimmt, diese Exegese des Dogmas in den liturgischen Rahmen der Messe zu spannen. Er stellt den Katechismusgesängen noch Vorspiele über das „Kyrie“ und das „Gloria“ voran, die beiden ersten Hauptteile des Meßordinariums, die hier ebenfalls durch deutsche Liedunidichtungen der Reformationszeit vertreten sind. Das Ganze aber wird umschlossen von dem mächtigen, als Vor- und Nachspiel gedachten Säulenpaar des Präludiums und der Tripelfuge in Es-Dur, die beide, jedes sich aus drei scharf unterschiedenen The men aufbauend, sinnfällig den Gedanken der Trinität symbolisieren. Ähnlich wie in dem chorischen Geschwisterwerk der Hohen Messe in h-moll strebt Bach auch in der weit protestantischeren Orgelmesse zu einer monumentalen und — der Würde des Gegen standes gemäß — strengen, oft archaischen Gestaltung. Nicht nur die den Choralvorspielen zugrunde liegenden Lieder sind bereits der Bachzeit als altertümlich und, da sie durchweg aus der Refor mationszeit, ja meistens von Luther selbst stammen, als ehrwürdig und überpersönlich erschienen. Auch in der Satzart mancher Stücke greift Bach bewußt auf den Stil des 16. Jahrhunderts zurück: strenge, oft kaum beim ersten Hören zu erfassende Polyphonie, eine beson ders zentrale Stellung des Cantus firmus und eine sparsame, herbe Harmonik sind die Kennzeichen solcher Sätze, die an das einfühlende Verständnis des Hörers große Ansprüche stellen. Eintritt nur gegen Vortragsfolge. Preis der Vortragsfolge: 50 Pf. Robert König, Leipzig