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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 25.09.1877
- Erscheinungsdatum
- 1877-09-25
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-187709256
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18770925
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18770925
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1877
-
Monat
1877-09
- Tag 1877-09-25
-
Monat
1877-09
-
Jahr
1877
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 25.09.1877
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>. fr-, l»a: m: - «rrß, ^ — Hast, vtiichl v»u com«t«r: rs. Der heutige mverktzr mit » bei mLßia » kaum noch Haltung. — u. blieb ab« r nur »e>ig !« nachgedeu da» Au-tb,t rndigwurbrn. L>»OUi 21S-23S »d vah« de», per Ocwd«. cember 2 l d'/, 12'/, dq. '/. r»ch e^ualttit hu uns Bahn r tnUnli'cha U. pn Sep. »dn«L)ct»dtt nberlSi»'/,^ /, ^1 bezahlt, -k. K8V0 LN. i-lch LmaN« l»ch OucliM 16-14? ^ 38 —1i8 irs—is» ^ ,o'/,—in l dez. rer ,1-Mai >4»'/. rdiguogsprn» »ach Oualit« « FMtrr- »rdrrt. »». Nr. » Nr. s: 24 -19.S8 -h «»gpurmch r September« ber-N-vemba urmber 28,1» 28,18-28 F bezahlt, r Lpri:-M« Sünbigungt- , 7L M. : Septem de» er-Novemba cdr. 72.8 bi» kzahU. «7 loco »i s II, pr. S«' n November- ^»b »l.2 ^ ». Septrmb« 38,9—38,7 »« 38 br.ahlt. ttz.IP« 28.8«« Liter. orfr. t ieu. früh: 2?/«*. »c, iullul. 219 — 228 I bez. u. Br , >F bez. u. «r. t; c»cv do. russisch« u. Vr., b». 137 ^ «L. ., do. p»f««r kubischer aller r hiefige oeue l, do. «n-e- »gere 15« di« ., do. bbh». r ^r 133 bi» 138—143 ^1 vr.. d». aß. -14« «r. -tsch 148 W 21K—221 4 i ^s vr. « ««»M. )ct»ber 7» ^ kb ^ bez^l» M vr. > «e,er»»d«rh > do.«r l ' «o-D» im verbau^ loco 9,7«^ »12—12,»^ Dampf« bet e eiugrtroffe». wpfn,,ee»t» hör-Dampfe» Llopebamxin üo. Dampf« »et Moffnr. »wpfn „ei- lau. Dampfer m. GeschetM GMch ft-tz »>/. Wr. Irh»AB> »h G>PehtAo> >p«chß«»e» »« A r bo cii a vormittag» 18—4L Uhr. NachmuiagS 4—« Uhr. der sür die nüchn- Nummer besUmmdru a» Wochentage« dis tt Nochmtnam», au Souu- m» Festtag« srühbts '/.V Uhr Ha »er Ftttatr» fik Las. Lm>ahme: Otto Stemm. UrnversttLtÄstr. 22. Soatt Lösche,Kaibarincnstr. 1S.P- «er dü '/H Uhr. WpMr Tagclilalt Anzeiger. OlW str Politik, Localgrschichte, Handels- nnd Geschäftsverkehr. «ch-MH.» IL.rso. Lbomeemritoperl« viertel. 4'/, ML «cl vnuaerloh» b ML. durch de« Pofi bezog« 8 ML IS« eiuzelu« Nummer 38 Pf. «ekrgeremplar IS Pf Gebühren für »xtrabeuagm ohne HostbefSrderung 8« ML »tt Poftbefvrdenmg 4L ML Jusertt» »aelp. vourgeoiSz. 28 Pf- Großer« Schriften laut unsere» Prn««rzc,ch»T — Tabellarisch« Satz nach höherem Tarif. Lertmueu uuter ». »ebactlouGrtch die Spaltzeil« 48 Pf Jufnate find ptt« an d. «epebttt« z, send«. — Rabatt wirb »übt gegeben Zahlung pruouuweruaäa ob« durch Postvorfchuß M LS8. Dienstag den 25. September 1877. 71. Jahrgang. Bekanntmachung. Den Abmietberu ßtäldttschor» V>teOH«hr» wird hierdurch in Erinnerung gebracht, daß die Mtrltzitns«» fLr «ächste Ost er« esse bereit« t« Oe«e»»Lrtt«er Messe, und zwar spülest eu« bi« zum Schluffe der Böttcheriroche, als» bis z»« SV. d. M., bei Verlust de« Loatracte« «m «tsere Stadtcaffe zu berichtig« sind Leipzig, am 24. September 1877. Der M«th der Stadt SeipziU. vr. Tröudliu. Müller. kratic überrumpelt Word« fei. -ein beschränkte« Wahlrecht, kein Eens»« schützt >m« vor de« Hortschreiten dieser Bewegung, sondern nur Einig- kctt, Wachsamkeit »nd angestrengte Arbeit. TagrsgesMchMche Ueberfichi Leipzig. 24 September Da« badische „Amtsblatt" vervffmtlicht ein Schreib« de« GroßherzogS au dm Staat-miuister Tnrbrn, in welchem im Aufträge de- Kaiser« deffm vollster Zufrtedeuheit mrt de« Zustande der Trupp« uvd mit seiner Aufnahme in Bad«, sowie der Anerkennnug uud dem Danke de« Groß herzog« sür die würdige Haltnng der Stabt »nd de« Landes Ausdruck verlieh« wird. — A»ßer> dem veröffentlicht da« genannte Blatt ein Schrei den de« Kaisers au den Großherzog, in welchem der Kaiser d« Wimsch nach einem lang« »nd da»ernd« Frieden «»«drückt «nd die Ueberzmgnng «»-spricht, daß er mit so g»ten Truppen, wie da- 14. Armeecorp«, all« Ereignissen ruhig mt- gegensch« könne. Zugleich wird in dem Schrei- »en dem Großherzog dessen Ernennung z»m Gmeralinspector der ne» gebildet«, a»« dem vierzehntm badisch« »nd de« fünfrehulen elsäsfi sch« Armeecorv« bestehend« fünft« Arm kein- spection angezeigt Die Eruennung sei in der llcberzmgung de« Kaiser« von der milttairischm Ersahruua und Einsicht de« Großherzog« »ad io der Absicht, dttdwech vm weiter« ßmfchl»-! de« Reich« lande- au Dentschlaud »» fördem, erfolgt Fürst Bismarck ist a« Sormabevd Mittag »il fein« beidm Svhom in Berlin «nge- troffen »nd hat sich sofort tu fein Hotel begeben. Die Zeit de« Aufenthalt« de« Fürst« in Berlin ist noch nicht bestimmt, soll fick jedoch auf mehrere Tage a»«dehnm, nack der« Verlauf die Fürstin mit ihrer Tochter er wartet wird, um den Kanzler nach Larzin zu be gleit«. Während der Anwesenheit tu Berlin werden Besprechung« über die wichtigsten legis latorisch« Arbeit« die Zeit des Kanzlers in An spruch nehmen. Zu dem officiösen Dementi der „Italie" betreffs der vollständig« Unschuld des Major« Mainon t in der Arsenal,Afsaire erfährt die „Rat.- Ztg ", daß man auch m Wiener RegierungSkretsen . . . . . „ bchauptet, bi« jetzt habe die gerichtliche Uvter- »ährtm particularistisch« Neigungen, welche da-1 suchuvg noch Nicht« gegm dm italienischen Officter Kortwncherv der Soctaldemokratte in Sachs« s ergeb« »nd derselbe habe Kascha« nur deshalb so Leipzig. 24. September. ES ist schon dagewef«, daß eine uns sehr nahe üoamde Residenzstadt, die sich stet« einer «niadel- h«ft königlich« Gesinnung rühmte, ein« Haupt- acteur der social« Nevoültion zu ihr»m Sprecher im Neich-tng erkor. Jenes unerhörte Novum ist aber «och überbotm Word« durch ein nicht minder liderraschmde» Ergebuiß der letzten Landtags- wählen. Liebknecht, der wichtigste Mitacteur vrbel's oder, wmn mau will, deffm Souffleur, wird sein« Einzug in die Kammer halt«, «nd so wird König Albert da« Vergnüg« Hab«, unter sein« „getreuen Ständen" diesmal auch einen Aanu zu begrüß«, der allem Lönigthum dm L«d geschworen, der im Ramm de« König« von eine« sächsisch« Gerichtshöfe der Vorbereitung znm Hochverrath für schuldig erkannt Word« rnd die« Verbrechen in einer sächsisch« Straf anstalt abgebützt hat. Irgend welcher direkte Einfluß ans o,e Kammerverhaudlnngen ist »atürltch von einer Kractiou nicht zn befürcht«, die bi scht nur a»ä Eine« Mitglied« besteht; wohl aber ist die Thatsache der Wahl selbst als Symptom ungemein interessant und lehrreich. Vemerkevswerth ist schon der Umstand, daß Lachs«, wie e« seinerzeit die erst« focialtstischen vaeordnet« in d« Reichstag sandte, anch bei dieser Reuernnq sich den vortritt gewahrt hat. dich es da« erste deutsch« Land ein Locialist Zutritt io die Einzelvertretung er- dielt. Und ist Da« nicht natürlich in einem Lande, m welchem man selbst tu maßgebend« -reisen die Socialdrmokratie, wir wollen nicht sag«, hätschelt, aber doch al- etwa- ganz Harm lose« gewähren läßt, sich ihre« vollblütig« Preußeuhaffe« freut und diejmtge Partei, von de, sie bisher allein mit Emst bäämpft Word«, »ach Kräften zu di-crediiirm, zu untergrab« sucht? Nenn «»« dem Volke immer uvd immer vor- rw«t. daß d,e Nalionalltberal« ein „Unglück sür das Land" und bet Weite« schlimmer sei« als « Socialdemokrat«, s» bleibt schließlich doch Etwa« hängen, und man glaubt der Regierung noch ein« Gefall« zu thun »nd gut sächsisch zu haudelu, wmn mau statt der schwarz-weiß-rolh« Fahne eine grün-weiß-roth« heraus hängt. Neben unseren Industrrrverhältnrfsm sind e« namentlich die noch sehr tief aewurzeltm und fleißig ge- so ausnehmend begünstigen. Unsere particu- lartsttschen Eouservativm glaub« Wunder wie schlau zu handeln, wenn sie sich der Socialistm als Kanonenfutter gegen die Rationalliberalm bediene» Sie bedenk« nicht, daß e« nicht M ist, mit dem Feuer z» spiel«, und daß der Leu. einmal «weckt, sich auch gegen sie kchrru kann Die Wahl Liebknecht'-, die keinen Ratlonallideralm, sondern ein« Confer« vattv« an« der Kammer hinauSwirft, möge Hue» zu Gemüth« führ«, welch' eine gefährliche Gesellschaft sie sich in der Soctaldemokratte groß- gezogen Hab«. Diese denkt gar nicht daran, di« Tooservativev zn schon«; sie wird «tt ihn« ausräu«« so gnt wie mit dm Liberal«, wmn es in Sachs« so fort geht wie bisher, wmn der Zwiespalt unter den Liberal«, wmn die cllge- «eine Hetzjagd auf die National« an dauert uud Fortschritte macht Ans d« erschreckend« Ergebnissen der letzt« Aetchstagswahlm, welche doch eindringlich genug de»Fried« unter den Ordnungspartei« predigten, habev die Eoufervativm Nicht«, gar Nicht« gelernt. 3hr Haß gegm die Nationaluberalm, ihr be schränkter Eigensinn, ihr Mißtrau« gegen da« »ckh uud seine Fürsprecher ist eher noch ge wachsen. All ihr Tracht« war auf die Ve- ksmpfuna der Letzteren gerichtet; vor den Socia- listen glaubt« sie sich innerhalb der sächstscden «reuzpsähle sicher. Die Wahl Liebknecht'« hat dies« Trau» zerstört; sie hat gezeigt, daß bas Tmsnssystem keine nnübersteigstche Schranke für die socialifiische Agitation ist. daß es uns nicht vor sonalistisch« Wahlsieg« schützt. Nicht «er die Lonservattv«, wir Alle könne» aus dieser Thatsache lern«, daß die Auf hebung de« allgemein« Wahlrecht«, die nach be« 10. Januar vielfach gewünscht wurde, >ms höchsten« ettw thetlweise und auaenblickltche Erleichterung, aber keine gründliche Abhülfe ge bracht hätte. La« Bürgerthu« würde, in de« Vahn«, daß «I nun hinter sicher« Mauern ruhe, > *« noch mehr in Trägheit »nd Stumpfsinn ver- sjallev und dann erst recht von der Socialdemo- plötzlrcd verlass«, well ihn die wcnig respektvolle Behandlung, die ihm von verschied«« österreichi schen Osfmeren z» Theil wurde, nicht aber da« Gefühl seiner Schuld dazu bestimmte. Wie bereit« gemeldet, ist da« llrthcil gegm Gambetta. wonach derselbe zu drei Monat« Sesäogviß »nd 2000 Kre«. Geldbuße verurthellt Word« war, bestätigt Word« Der Augettagte war mit seinem vertheidiaer Allo» erschtem» »S ergriff zuerst selbst da« Wort, um zu erklär«, er halte e« für schicklich, daß die Regierung vom 16 Mat feine Verfolgung bi« nach de« bevor stehend« Verbiete der Nation verschieb«; wenn «an da« aber nicht wolle, daun «äffe er ver lang«, vor da« Schwurgericht gestellt zu werden. Allo» entwickelte daraus in einer meisterhaft« R^e die Gründe, weshalb da« Tribunal inkom petent sei, nnd erklärte schließlich, daß Gambetta, wmn da« Gericht sich für competent erkläre, sich nicht verthetdigm werde. Nach eiostündiger Be rathuna erklärte sich da« Tribunal für competent und bestätigte das erste Urtheil. Während der Verhandlung« hatte« sich mehrere tanfmd Mm- sch«, darunter viele Studenten, vor de» Justiz- Palast versammelt, die Gambetta mit stürmischen Hochruf« empfing« «nd dann sofort durch die Polizei auseinavdergetriebe» wurden. Da« „Journal des Döbats" soll weg« sein es gegm da« Manifest de« Marschall« Mac Mahon gerichtet« Artikel« gerichtlich verfolgt werden. — Die republikanisch« Journale melden in bestimm tester Weise, daß Grövy die Eaadidatur für da« neullte Arrondissement von Pari« an. Stelle Thier«' angenommen hat. — Der Zustizmtnister hat ein Circular erlaffen, i» welche« bezüglich der Wahlperiode angeorduet wird, daß die Wahl ruudschreibev «nd Anschläge genaue Unter schrift« einzelner Person« trag« müssen. Kerner wird darin verfügt, daß die Schriftstücke, in dm« politische Grundsätze dargelegt werden, mit Sorg falt von dm zuständig« Beamten gelesen werden, um Schmähung« d» Staatsoberhauptes sowie Unwahrheiten, Drohung« und Grwaltthätigkeit« zu verhindern Oberst Stoffel verbreitet sich i» einem weiter« llrttkel de« „Ordre" über die Uokeontniß de« »rutschen Charakter« i» französischen Publicum. „Die Lrieg-besorguiffe hält« schon merklich abgenommen, wenn unser Pubi cum ge wisse Züge de« deutsch« Charakter- bester kennen würde Einige Bemerkung« mögen die- erläu tern Wmn die germanische Rare mit schätzens- werthen uud solid« Eigenschaften au-gestattet ist, die sie zu einer Macht ersten Range« empor bracht«, so besitzt sie nicht in gleichem Grade, wie die lateinisch« und slawischen Racm, die anziehmdcu Eigenschaft«: Liebenswürdigkeit, An muth, Geselligkeit. Eine gewisse Rauhheit der Gefühl-weise macht eS ihn« schwer, großmkthig zu sein. Man hat dm Deutschen, wie wir gla»bm, mit Uebertreibung ihre Arroganz vor- geworfen; es wäre richtiger zu sagen, daß sie de» Mitleid wenig zugänglich sind. Eine persönliche Erinnerung mag hier Platz find«. In Frank reich, wo man sich bis 187V um fremde Ange legenheiten leider nicht genug gekümmert hat, ist e« nicht allgemein bekannt, daß nach dem Kriege von 1868 die Beziehung« zwischen Preußen und Oesterreich ziemlich lange eine gewisse Analogie «tt denen zeigt«, welche geaenwärtig »wischen Deutschland und Frankreich besteh«. Oesterreich, welches noch ein mal so diel Einwohner zählte als Preußen und sich ettunerte, daß die branden burqischell Kurfürsten die Vasall« der deutsch« Kaiser gewesen waren, fühlte sich tief gedemttlhigt, von einer Macht zweit« RanqeS in einer einzigen Schlacht niederaeworfeu zn sein. Zwei Jahre lang erging« sich die österreichisch« Blätter in d« bitterst« Kritik« Preußen«, seiner Einrich tungm, seine« Charakter«; man maß feine Erfolge dem Zündnadelgewehr oder glücklich« Zufällen bei und vertröstete sich auf eine nah« Revanche. Die Antwort ließ nicht aus sich wart«; wie aus eine Abrede entgegnet« die preußisch« Blätter in schonungslosem Tone, Oesterreich sei eine ver komm«« Ration, e« solle sich sammelu uvd schweig«, wie e« dem Besiegt« gezieme Ls war mit Einem Worte ein unablässige- »nd oft i« gröbst« Stile gehaltenes Vus riet»»! Wir be fand« »u« damals in Berlin, und da wir ein mal im Jahre 1868 ein« besonders heftig« Artikel gegen Oesterreich las«, der von mehr«« preußischen Blättern wiedergegebeu wurd«, so unterhielt« wir uns de« Abends davon ganz freundschaftlich mit eine« der Minister Wir macht« chm bemerklich, daß solche Artikel nur dm Haß zwischen dm beiden Völker» unterhielt«, daß e« am Ende natürlich sei, wmn Oesterreich seine« Unmuth über die erlittenen Niederlagen aus die eine oder andere Art Luft machte, und daß Preußen sich auf alle Fälle großmütbiger gegm eine Nation zeig« könnte, die e« so gründlich besiegt hatte. „Nicht doch." »nterbrach uns der Minister, „Sie kenn« »n« nicht; wir find nun einmal nicht so. Wmn wir unser« Feind in- Wasser geworfen Hab« und er «tt dem Kopfe wieder hervorauckm will, dann . . und in dem er mit seiner breit« Hand flach auf den Tisch schlug, gab er dem Rest seines Ge dankens dm verständlichsten Ausdruck. — Wir würd« dies« Auckwote uicht erzählt Hab«, wmn sie nicht geeignet wäre, et« hervorragende Sette de« deutschen Charakters erkenn« zu last«, und wir empfehlen sie daher dem Nachdenken der nzösischm Regierung, der sie vielleicht manche« Räthsel erklär« könnte. Daz» tritt, daß die preußischen Sonveraine und Staatsmänner von jeher die Wachsamkeit als die erste ihrer Pflicht« angesehen Hab«. „Im«er ans der Wacht!" so lantet einer ihrer Gruadfätze Wmn man diese echt preußische Eigenschaft und gewisse Züge deutsch« Charakters kennt, begreift man leichter da« Verhalten Deutschland« gegm Kraukreich. Man erklärt sich, warn« seine Regierung, die be ständig aus ihrer Hut ist, Alle«, was sie reizt, verletzt oder stört, auf der Stäle ahndet. Sie hat uicht geduldet, daß die französisch« Presse Revanche-Ideen Predige ; sie hat ihrem Miß ver gnüg« über da« verweil« de« „Orönoque" in den Gewässern von Ltvita Berchia Ausdruck ge- aebm; sie hat Vorstellung« weg« der Hirten briefe d« Bischöfe gemacht «nd noch in diese« Jahre groß« Lärm weg« gewisser Comp«- sationsmaßregelu erhob«. In Frankreich er blickt da« Publicum tt» dieser Politik da« Vor zeichen eine« nah« Kriege«. Wir glaub« ent schieden, daß e« sich täuscht und daß Deutschlaud keine aggressive Abficht hegt Sein verhalt« ist nur die Folge feine« System« und de« Charakters feiner Regierend« Jede Bemerkung, jede For derung der deutschen Regierung, möchten wir sag«, ist nur der bewußte Streich mit der flach« Hand aus da« Haupt eine« Feinde«, d« sie er tränkt hat und deff« Auferstehung sie fürchtet. — Wir erinnert« ob« an das nicht eben duld- same verhalt« Preußen« gegm Oesterreich in deu erst« Jahr« nach SaLowa; e« kam darum doch zu keine» Kriege, und Oesterreich konnte Dank seinem vorsichtig« und maßvoll« Benehmen nach und nach da« Unglück, von de« e« betroffen war, wieder gut mach«. Frankreich sollte jetzt dem veispiele Oesterreich- folg« »ad, wie schwer die« feiner Eigmltebe fall« mag, die ihm durch die Ereignisse von 1870 bereitete Lage »tt Ruhe und Festigkeit in« Auge fast«. Was würde es anch Helsen, sich Illusion« zu mach« und zu ver blend«? Deutschlaud kann offenbar nicht wünsch«, daß die Franzos«, welch« e« besiegt hat und d« e« al« sein« Elbjemb betrachtet, den verloren« Einfluß wiedergewinnen. E« wird all« erdenklich« Mittel ausbiet«, um dies zu verhindern, »n» man darf kür die Schroffbeilen und unablässig« Forderung« seiner Regierung kein« anderen Grund such« Aber der Krieg ist nicht eins dieser erdenklich« Mittel, wenn Frankreich durch Vor sicht und Mäßigung vermeidet, deu Vorwand zu einem Confltcte zu bieten E« darf sich der Ltn- sicht nicht verschließen, daß e« auf unbestimmte Zeit sein« alt« Einfluß in Europa zu Gunst« einer nebenbuhlerisch« Macht verlor« hat, die jetzt fürchtet, daß e« denselben früh oder spät wieder an sich reiß« könnte. Za diesem Sinne sagte der deutsche Kaiser noch unlängst zu einer fremd« Persönlichkeit: „Es wäre mir ja ga»; erwünscht, mit Frankreich in gutem Einvernehmen »» leb«; nur muß e« sich die Folg« feiner Niederlagen gefall« lass« uud ich kann vicdr dulden, daß es daraus Anspruch mache, die Rolle einer Großmacht zu spiel« uud denselbm Einfluß auSzuüben, wie früher." Wir Hab« diese Wort« an- geführt »nd dem bitteren Gefühl«, welche« sie auch m »u« weck«, Schweigen geboten Wer könnte uu« ein« Borwurf daraus «ach«, daß wir zu unser« Laude off« sprechen und eS über vie Lage aujklär«, die ihm bereitet Word« ist? Mau darf sich nicht darüber täusch«: Frankreich ist durch dm Spruch eines germanisch« Kaiser« für ab- gesetzt erklärt, und dies« Spruch muß e« viel leicht in der Gegenwart über sich ergeh« lass«, aber e« kann ihn sür die Zukunft uicht auae-m«. Es wird darauf autwort«, indem e« ruhig «uh stolz bleibt, wie es seiner ruhmvoll« vergangen, beit geziemt Es wird sich fagm, daß «o Volk sich durch mnthtg«« AuSharren i« Unglück eben so groß zeigt, wie wmn es die glänzendsten Stege davonträgt Die Welt wird e« nach den Tugen den beurtheil«, die e« in seine« Unglück au den Tag leg« wird. Die Erklärung de« deutschen kaffer« birgt, wie hart sie auch sein mag, käu« aggressiv« Gedanken in sich; sie läßt also Frank reich alle Freiheit, sich seiner inner« Wcederher. flellnng zu widmm. Seine Sache ist e«, durch Arbeit, Mäßigkeit und Vaterlandsliebe den fremd« Souveratnen und Völkern zu« Trotz sein« alten Einfluß wtederzuerrtug«." Der Chef de« Generalstab« der russischen Südarmre, Nepokoitschitzky meldet telegraphisch an« Toruji Studen vom 21. d, da- die Blokade von P lew na am 18. und 20. d. fortdauerte, i» Uebrigm aber Alle« ruhig war. Ein officielles russische« Telegramm au« Gorvji Studen vom 22. d M besagt: Sestern, gegm 11 Uhr vormittag«, erneuerten d« Türken da« von ihn« sÄt ihrer Niederlage am 17. d. M. eiugestellie Bombardement auf dm Nicolaiberg bei de« Schtpka-Pasfe Das Geschützfeuer der Türk« erfolgte au« 14 Mörsern, zuweilen tu Salven. — Gestern, gegm 1 Uhr Nachmittags, griff« die Türken dw Pofittoum de« General« Tatttscheff bet Lfcherkowna ans de» recht« Klüga au. Hier zurückgewief«, «acht« die Türk« ein« Angriff auf dm link« Flügel uud später aus da« Cmtrum, wurdm aber überall rurückge- schlagm. Der Kampf mtstgte erst nach Unter gang der Sonne. Die Colonue de« General« Tatttscheff behauptete ihre Position«. Heute wird eia neuer Angriff der Türk« erwartet. Au« konstanttuopel, 22. September, wird gemeldet: Bi« jetzt ist hier keinerlei officielle De pesche über dm von auswärtigm Blättern signa- lifirtm Sieg Mehemed »li Pascha'« bei Ts «her- kowua veröffentlicht Word«. Der Kampf daner t vielmehr daselbst noch fort. — Scheflet Pascha steht k Stund« von Plewna. Ueber dm Kampf i« Schipkapaß am 17. d. M. kommt nachttäglich folgende officielle Meldnng au« Gornji Studen vom 17. d.: In der Nacht de« 17. Sqitemberschlich sich der Feind sowohl an unser« recht« Flügel, wie an deu Rieolaiberg heimlich heran. Ans unserem rechte« Flügel wurde die« durch eine von »u« versteckt ge haltene Abthelluug bemerkt uud der dort comman- dttmd« Obrffilieutmant de« Bolhyaffch« Regi ment«, Sandezky, befahl den Trupp«, sich bereit zu halt« und die Ankunft de« Feinde« abzu- wartm. Der Lommandeur der erst« Schützer- compagnie, Lapttaiu Ostapoff, ließ die Tüicken ans 5V Schritt heran und zwang sie daun durch eine Salve zur Flnchl Die« geschah um 5 Uhr Morgen«. Der Feind wiederholte hier später sein« Angriff noch zweimal, zog sich aber um 8 Uhr vollständig zurück. Im Leatru» war»
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