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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 23.08.1877
- Erscheinungsdatum
- 1877-08-23
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-187708237
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18770823
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18770823
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1877
-
Monat
1877-08
- Tag 1877-08-23
-
Monat
1877-08
-
Jahr
1877
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 23.08.1877
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Erscheint tS«»ich früh 6»/, Uhr. »r»«-»» «»» «wrttu», JvhauuiSgLssr 3Z. Hvkrchftuutr, »rrAebacN««: VmaaittagS 10—12 Uvr NuchrmuagS 4—« Uhr. irr der für die uächst- »e «»»«er bestimmieu raferatr au «och<niagrn bür lttzr «achmtttuas. an Lonn- »«- Sejttagen früh bis ^/.9 Uhr >» »r» FUtalr» fiir Zus.-^ou>>i,mr ^ Otto Klemm. UawerfitL, öftr. 22. LvuK Liiche.Katbariaengr. irt.p «ur dis '/^ Uhr M L35. WpMtrIllMtt Anzeiger Orgm sin Po!ü>?, riocalgeschichit, Handel?- nnd BeschiMerkelr. Ausia-e 15,25V. Lünuumrutsprel» viertel;. «'/.E, tucl. vrinarrtohu b Lck. durch die Post bezogen tz UN Jede einzelne Nummer Lr ^ Belegexemplar 10 M Gebühren für Extrabeilagen »hne PosldefvrLeruug ^6 S>i. v.U Poslbrfürderuug 4» Mi Inserate Igrsp Vvurgeor-z. 2 - Pf Größere «chnsleu laut unfne-N Prrlsverzerchniß — Tabellari<cher Satz nach bSbernn Lari »eclawea onler dem ttedattli',,^^ die Spaltzeile 40 Pf. Inserate find stet- an d. Leped'"», zu senden — Rabatt «:r» re gegeben Zahlung pr»suumer»ua oder durch Postvorschuß. Donnerstag den 23. August 1877. 71. Jahrgang. hat sich unsere Bekanntmachung vom 8. August Kind in eigene Fürsorge übernommen hat. Leipzig, deu 2t. August 1877. Erledigt Elise Hulda Writzmann betr, da dieselbe ihr er. Der «-K der Stadt Le Georgt. arrwitz Die Schlacht bei plewua am 3V. Juli. (A»S der deutschen St. Petersburger Zeitung ) Der Morgen de- 30 Juli brach an. Als der älteste der Generale übernahm Baron Krüdener vom S. Corp- den Oberbefehl über unsere Armee. Die Anzahl sämmtlicher hier versammelten russi schen Truppen belief sich auf 20,500 Mann In fanterie, 3600 Mann Cavallerie und ungefähr 128 Geschütze. Vor Allem berief Baron Kruderer einen AriegSrath au- sämmtlichen Generalen und theilte ihnen mit, daß eS der ausdrückliche Wunsch Sr. kaiserl. Hoheit de-Höchstes» mandirenden sei, Plewna zu nehmen, da die Besetzung diese- wichtigen PuucteS den größten Einfluß auf die Lag« der Dinge haben müsse; zu vergrssrn sei jedoch nicht, daß die gestellte Ausgabe eine äußerst schwierige sei und viel Blut kosten werde. Nach Gerüchten au- ziemlich sicherer Quelle hatte die Berathung damit auch ein Ende. Baron Krüdener traf seine Dispositionen, a«S welchen die Aufstellung der Truppen in Schlachtordnung erhellt. AlS ich später seine Instruction la-, fand ich nicht die Spur von Befehlen und Anordnungen hinsichtlich der Bewegungen der einzelnen Truppen- theile im Einklänge mit der Stellung und den resp. Bewegungen der Feinde. In jenem Doku ment war ferner kein Punct für den Rückzug angegeben; offenbar war ein Rückzug gar nicht für möglich gehalten worden. E- muß dazu bemerkt werden, daß die Mehrheit unserer Truppen von der feindlichen Position in ziemlich großer Ent fernung staud, ich sage in großer Entfernung, indem ich den P«net in» WM fuß«, vmo welche« au- eine Attaque überhaupt möglich war. Der zur Schlacht festgesetzte Tag dämmerte. In der Nacht waren bereit- die einzelnen Trnppentheile a»S ihren Positionen gerückt und standen in der Nähe der türkischen Befestigungen Baron Krüdener blieb auf dem rechten Flügel, Fürst Schachowskoi befehligte den linken Flügel. Die ganze Bagage sammt den Ambulancen war im Dorfe Karagatsch zurückgelassen. Am frühen Mor gen begann der Angriff durch den Generalmajor Williaminow, der em heftiges Artillerteseuer von Werbttz aus eröffnet«. Seinem Beispiel folgte bald Generallieuteuant Schilber-Schuldner und da- Feuer wurde von türkischer Seite kräftig er widert. Da- Uebergewicht der türkischen Batterien zeigte sich bald. Während dieselben auf den Höhen trefflich postirt waren, mußten unsere Geschütze von unten a»S feuern und viele Geschosse er reichten nicht ihr Ziel, weil e- unmöglich war, den Geschützen den nöthigen Winkel zu geben. Dazu kam, daß die Türken ganz ausgezeichnet schossen. Alle türkischen Befestigungen waren mit großer Umsicht und strategischem Scharfblick an den günstigsten Puncten angelegt. Die Kanonade währte von 8 Uhr Morgens bi- 4 Uhr Nachmittag- Während des Geschützkampses war der Obergeneral mit einer Suite von mehreren Generalen, seinen Stabsosficieren und den aus ländischen Mstttairagenten umgeben, welche auS zwei preußischen Officieren, einem Dänen, einem Schwe den, einem Japanesen, dem französischen Agenten Oberst Galliere, einigen Corresponbenten »nv—Don Carlos bestanden, der, unlängst in der Armee einge- troffen, das Artilleriefeuer beobachtend von Punct »» Puuet ritt. Gegen 4 Uhr Nachmittag- kam Baron Krüdeuer auf den glücklichen Gedanken, beim Geschützkampf zu beharren und den Sturm angriff ans die sichtlich starken Positionen des Feindes aus den nächsten Tag z» verschieben. EH war aber gerade der Ungenblick, daß di« Schützenkette des linken Flügel- znm Angriff gegen die feindlichen verfchanznngen vorging. Ein verheerendes Kener aus den Schützengräben warf ganze Reihen der Stürmenden zu Boden Die türkischen Positionen stellten eine Grnppe isolirter Hügel dar, die durch Gräben und Schluchten von einander getrennt waren und sich auf eine Strecke von circa 8 Werst hiuzogen Besonder- verderblich erwies sich da- Lrtilleriefeuer von dem rechten Flügel (von »ns a»S gesehen) der Redoute die ans dem Gipfel einer bedentenden Anhöhe er richtet war und von mehreren übereinander liegenden Terrassen von Schützengräben ver- rheidtgt wurde In de« Augenblick, als Baron Krüdeuer auf den Gedanken kam, sich ans den Geschützkamps z» beschränken, entspannen sich »wischen chm »nd seinem Stabschef, Generalmajor Schnitvikow, gewisse Erörterungen. Die Unter- Haltung wnrde ohne Zeugen geführt, doch aus den Handbewegungen sowie den Blicken der beiden Gemerale konnte «au errathen, daß es sich um die Nedoute handele. Das Gespräch wurde ab gebrochen und Ba»on Krüdeuer meinte, es wäre nicht übel, die Redoute mit Sturm zu nehmen Der Blick des Obergeneral- blieb dabei aus dem Generalmajor Bosherjanow haften, der dabei war und dessen Truppen nicht weit davon in Reserve standen. Doch bevor ich zum Angriff auf die Re doute übergehe, will ich bemerken, daß gegen 6 Uhr AbendS die Türken auf der linken Flanke von unseren Truppen zurückgedrängt wurden, wobei es gelang, eine feindliche Batterie zu nehmen und die abgeschraubten Schlösser der Geschütze in der Erde zu verscharren Die Türken stürzten sich in eiliger Flucht aus die Chaussee von Griwitza, wo sich ihr Lager befand. Unsere braven Soldaten ihnen nach, doch das heftige Feuer au- den Schützengräben zwang sie zur Umkehr. Unterdeß begannen sich die Generale Williaminow und Schilder-Schuldner, welche anfangs in ziemlich be- reulender Entfernung voneinander gestanden hatten, zu nähern Das Dorf Griwitza war von den Türken geräumt worden. Alles ging, wie es schien, nach Wunsch; man konnte den Erfolg des Tage- bereit- gesichert wähnen. Zur Unterstützung der linken Flanke de- Fürsten Schachowskoi, welche bereit- stark gelitten hatte, wurde das Regiment Kolomna und eine Batterie unter Befehl des OberstUeute- nant Lasitzky beordert. Der Letztere mußte mehr mals feine Aufstellung verändern, denn wo er auch Position nahm, die feindlichen Batterien setzten ihm hart zu Besonders lästig wurden die Geschütze einer entfernten Redoule, die östlich von Plewna errichtet war. Diese Redoule hinderte unsere Truppen wie auch die Batterien vorzugehen. Auf diese Redoute nun war unsere ganze Aus- merksamZM gericht-l. Sic mußte r»U stürmender Hand genommen werden, was es auch kosten mochte. Zuerst wurde eine neuupfündige Batterie vor- eschoben, welche die Redoute beschäftigen mußte eneral-Major Bosherjanow, ein Mann über die mittleren Jahre hinaus, wählte 4 Compagnien aus der Reseive de- S. CorpS, 2 Compagnien deS 120 Serpuchowschen Regiments seiner eigenen Brigade »nd bereitete sich zum Sturm vor. Zu Befehlshabern dieser Gturmcolonnen ernannte Bosherjanow die Majore Knjasew und Antono- witsch. Ihnen wurden 2 Geschütze der reitenden Artillerie beigegeben, welche die Aufgabe hatten, auf Kartätschenschußwette ihr Feuer gegen den Feind znr Unterstützung der Infanterie zu eröffnen. General-Major Bosherjanow. begleitet von seinem Adjutanten, dem Fähnrich WassilewSkh, führte die Sturmcolonne persönlich zum Angriff. Kaum hatten sie sich in Bewegung gesetzt, da traf eine Kugel Major Knjasew und verwundete ihn leicht. „Das wäre die erste. Kinder, Hurrah!" rief der Verwundete »nd stürmte vorwärt-. Nach einigen Schritten verwundete ihn eine zweite Kugel an der Hcnd. „DaS wäre die zweite! nur immer »! Hurrah!" Begeistert durch deu Heldenmuth ihres Führers stürzen sich die Soldaten wie Löwen chm nach. Da trifft ihn eine dritte Kugel tödt- ltch in die Brust und wirst ihn vom Pserde. Nur wenige Hundert Schritte trennen noch die Stür menden von der Redoute — da durchbohrt eine Kugel den einen Fuß de- General- Bosherjanow. Sein Adjutant stürzt vorwärts—man hat deu Jüngling nicht wieder gesehen. Ein donnerndes Hurrah macht die Lust erbeden, aber bei jeder Salve de- Feindes wird eS schwächer. Die zerrissenen Nethen schließen ich immer wieder zu festen Massen, immer wieder chlägt Salve auf Salve in die stürmenden Co- ounen, immer von Neuem erschallt das Hurrah. diS ein winzige- Häuflein, höchsten- ein Dutzend, den Rückzug antritt. Da- war keine Schlacht — es war em Schlachten!... Ueberall, überall, wohin da- Ange blicken mochte, war der ganze Raum bi- zu den feindlichen Verschanzungen von den Leichnamen nuferer Helden bed«kt Durchbohrt, zerfetzt von unzähligen Kugeln, die aus sicherem Versteck, hinter Erdwällen hervor augenblicklicher Vernichtung au-zusetzen. Der Kawps währte volle 24 Stunden. U» 4 Uhr Morgen- erschallte da- letzte Hurrah und erstarb in einer letzten Flintensalve. Der Kampf war zu End« Der Rückzug der Unseren war allgemein. „Man kann nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen!" meinte nach Beendigung der Schlacht einer unserer Generale. Leider kam diese Erkennt- niß zu spät. Wir hatten bereits Tag und Nacht die Illustration diese- Sprüchwortes gegeben. Tin längeres vorbereitendes Bombardement der türkischen Positionen hätte den Sturm aus sie bedeutend erleichtert In Ermangelung eine- fest- bestimmten RückzugSpunctes sammelten sich die übrig gebliebenen, zerstreuten Truppen im Dorfe Bulgareni. Von hier au- nahmen sie ihre früheren Stellungen ein und alS am 2 August Seine kaiserliche Hoheit der Obercommandirende a»S Tirnowa in Bulgareni emtraf, waren die Aufstellungen bereits geschehen «nd oer Stab be st. CorpS befand sich im Dorfe Trstenik. Wahrlich es fehlen mir Farben, eS fehlen mir Worte, Ihnen die unzähligen Züge todeSverach- tenden HeldenmutheS von Ossicieren und Sol daten in diesem schrecklichen Kampfe wiederzu geben. Ein Gedanke beseelte Jeden — zu siegen oder zu sterben. Vorwärts! galt die Losung unter dem mörderischen Kugelregen, vorwärts! Baron Kolberg, einer der Regiments - Com- mandeure der 30. Division, wurde schwer ver wundet. Man trug ihn auf Gewehren aus der Schlacht-Ordnung, während die Unseren zurück wichen und die Baschi-B ozukS einen mißlun genen Versuch machten, sie zu verfolgen. Der Schwerverwundete sah die Gefahr der ihn tra genden Soldaten »nd befahl, ihn auf den Boden niederzulegen: „Verlaßt mich!' sprach er zu ihnen, „vorher aber kehrt mein Gesicht dem Feinde ent gegen »nd drückt mir einen Revolver in die Hand! - so! D«uil ?uch! — nun fort!" Die verfol- euden Baschi-BomkS schnitten ihm de» Kop.' ab, eckten ihn ans- Bajonnet «nd zeigten ihn hohn- lachend den langsam zurückweichenden Russen Die AuSdauer und Widerstandsfähigkeit des russischen Soldaten im Ertragen von Beschwerden ist über alles Lob erhaben. So kämpften unsere Soldaten ganze vierundzwanzig Stunden bei der schrecklichen Hitze in Tuchklcidern, um durch die dunkle Farbe derselben dem Feinde da- Zielen zu erschweren. In der sengendsten Sonnengluth erstiegen sie die feindlichen Höhen; der Durst folterte die Armen »nd veranlaßt« Ohnmächten unter ihnen. Von Zeit zu Zeit liefen sie zu der unweit strömenden Bergquelle »nd labten sich an dem erfrischenden Naß, ohne auf die wie Hagel um sie einschlagenden Kugeln zu achten. Bierund- zwanzig Stunden nahmen sie keinen Bissen zu sich und erst am Abend de- folgenden Tages konnten sie den nagenden Hunger stillen. Am dritten Tage der unglücklichen Schlacht waren sie wieder so weit geordnet, um ihre früheren Positionen einzunehmen. Unser unfreiwilliger Rückzug auf Bulgareni geschah nur in Folge de- Mangel- an einem vorher verabredeten Sammelpuncte. Andere Gründe dafür gab es nicht, denn als die Türken sich zur Verfolgung unserer zurückweichenden Truppen an schickten, wurden sie mit großen Verlusten von ihrer Seite zurückgeworfen. sie geschleudert wurden, sanken sie nieder, u«, trotzige Antlitz de« Feinde zngekehrt, zu sterben Einen Theil der Schuld au dem traurigen Mißerfolge der ganzen Schlacht bei Plewna tragt der Mangel eines allgemeinen, einheitlichen Planes, sowie gehöriger Instructionen und endlich einer vorhergehenden gründlichen Necognitiou der feind- lichen Positionen. Wie ganz ander- ging der Ueberaang über die Dona« vor sich! Bis ins Kleinste waren die Rollen der einzelnen Truppen- theile bestimmt, welche am Nebergange theiln chmen. Jeder wußte, was er zu thun hatte. Selbst für unvorhergesehene Zufälle waren Bestimmungen getroffen worden. Hier bei Plewna kam es vor, daß ein Truppentheil unverhofft in eine Schlucht gerictb. aus der er sich erst am folgenden Mor gen herauswagen durfte, ohne sich der Gefahr Ta-es-rschichtliche Ilederficht» Lchyig, 22. August. ES ist nun gewiß, daß der Reichskanzler soeben den Director d«S Reich-gesundheit-amtS Geh. Rath vr. Struck beauftragt hat, unter Mitwirkung des Vorsitzenden de- ReichsjustizamlS Staatssecretair vr Friedberg einen Gesetzent wurf zur Abhülfe gegen die Verfälschung und gesundheitswidrige Anfertigung von Nah rung-- »ndanderwettigenTebrauch-mitteln a»-z«arbeiteu. E- darf mit Bestimmtheit er- wartet werden, daß der Entwurf deu Bunde-- rath und den Reichstag in der bevorstehenden Session beschäftigen werde. De« foeven «Berlin eingetroffeneu amerikani schen Gesandten in Paris,Mr. Washburne, scheint von Seiler, de- Hofe- »nd der Regierung ein überaus herzlicher Empfang zugedacht r» sein. Es ist die- erklärlich, wenn man der großen Ver dienste um Deutschland gedenkt, welche Washburne während de» letzten Krieges durch Vertretung der ihm anvertrauten Interessen der Reichsbürger in Frankreich sich erworben hat Seinen Bemühungen war eS zu danken, daß nach erfolgter Kriegser klärung 16.000 Deutsche mit Mitteln versehen wurden und Frankreich verlassen konnten, wo sie von einer enragirten Bevölkerung ernstlich bedroht waren In der Ausübung de- übernommenen Dienste- scheute Washburne selbst vor der Ein schließung in Paris während der Belagerung nicht zurück, obwohl die sämmtlichen Mitglieder dc- diplomanschen Corp- dasselbe verlassen hatten Der Gesandte wird von den kaiserl. Majestäten auf vabetsberg empfangen weroen. Auch heißt es, daß er eine Zusammenkunft mit dem Fürsten BiSmarck haben werde. Bekanntlich hat sich Mr Washburne statt der OrdensauSzcichuung, die er nach den Gesrtzrn seines Landes nicht an nehmen durfte, ein Portrait de- Fürst« BiSmcnck ausgebeten. Vor einiger Zeit meldete die Post, daß Fürst BiSmarck einem zu diesem Zweck hic- her gesandten Seit dem tag» macht haftere Bewegung bemerkbar. Inwiefern etwa der Gang der Dinge auf dem Kriegsschauplatz« hierzu beigetragen hat, mag dahingestellt bleiben, die Thatsache ist jedoch constatirt, daß Midhvt Pascha in Wien viel mit Polen verhandelt hat »nd, kaum von Wien in Pari- angekommen, den Rcdacteur de- „TempS" auf die „Ausreaungen in Polen" verwies, „von denen bereits die Rede sei '. Der ehemalige Großvezier hat zwar seitdem jede amtliche oder vertrauliche Mission entschieden ia Abrede gestellt, auch mag «an in Konstantinopel angesichts der Kriegslage aus die Dienste be reisenden Ministers gegenwärtig nicht mehr den Werth legen, wie in dem Augenblick, da Midhat Pascha alS persönlicher Vertrauensmann de- Sul tans in Wien auftauchte; jedenfalls ist nicht mehr in Abrede zu stellen, daß die ..Aufregungen in Polen" eine Ziffer in den Berechnungen gewisser türkischer Staatsmänner bilden. Bei den Ver suchen, Midhat Pascha wieder an- Ruder zu bringen, spielen die revolutionairen Hoffnungen und Bestrebungen eine Hauptrolle Daher die Freundschaft mit Polen und die in Konstantinopel genährte Erwartung einer antidynastischen Be wegung in Rußland. Sobald die in dieser Hin sicht bestehenden Wünsche die Form von Tat sachen gewinnen sollten, würde die Orientsrage damit Deutschlund erheblich näher rücken, als die- bisher mit den Vorgängen in der Herzeguwina und in Bulgarien der Fall war. Polen insurgireu heißt gleichzeitig Deutschland »nd Oesterreich iu Mitleidenschaft ziehen! Die „Weserzeitung" ist der Ansicht, daß es b i de« französischen Ministerwechsel vom lK.Moi lediglich daraus abgesehen fei, die Möglichkeit ein.r VerfassungS-Revtsion, d. h die Wiederher stellung der Monarchie im Jahre 1880 ossrn zu halten. Ein Antrag aus VerfassungSrevisirn bedarf einer Mehrheit m» Senat »nd im Ab geordnetenhause. Nun befinden sich unter den am 30.'März 1876 ausgeloosten 75 Senatoren, deren Mandat 1879 erlischt, nicht weniger alS 53 von der Rechten. Die Wahlen werde« aber von dcn Delegieren der etwa 37,000 Gemeinderäthe »vier Zuziehung von etw» 4000 Mitgliedern der Departement-- und ArrondissemevÜräthe voll zogen. Fallen also die nächsten ordentlichen Gemeinderathswahlen im November republikanisch a»S. so ist natürlich auch eine republikanische Senatsmehrhett ür die Jahre 1879—1882 ge sichert und damit die Möglichkeit einer Ver- sassungsrevision m Jahre 1880 abgeschnittrn. Deshalb war eS für die Rechte von entscheidend,! Wichtigkeit, so zeitig avS Ruder zu gelangen, daß sie die GemeinderathSwablen mittel- ihrer BeamUn beherrsche. „Der Mimsterwechsel rielte de-halb viel weniger auf die Wahlen der Abgeordnet«n, alS auf die der Gemeinderäthe: da- Ministerium und seine Präsecten müssen im nächsten November noch im Amte sein, Da- ist für die Broglte »nv Fourtou die Hauptsache. Daraus erklärt sich die Verschiebung der Abgeordnetenwahlen bis z: m äußersten Termin. Sind dieselben vollzogen, so ist der Präsident allerdings durch kein Gesetz ge bunden, die Kammern sofort zu versammeln; er hat da- Recht, bis Anfang Decembcr damit zu warten. Denn der erste Artikel de- Gesetzes über das Verhältutß der öffentlichen Gewalten schreibt nur vor, daß die Kammern am zweiten Dienstog des Januar alljährlich zusammentreten »nd d^s sie fünf Monate versammelt sein müssen. Da sie nun in diesem Jahre nur etwa- über vier M - nate bei einander waren, muß ihnen der Decembcr noch als fünfter Monat zugestanden werden; der November aber bleibt frei. Man sieht daraus, weshalb das republikanische Ministerium gerade Mitte Mai fallen mußte; einige Wochen früher, »nd die Rechnung würde nicht gestimmt haben. Natürlich wird e- das Ministerium Broglie an Nichts fehlen lassen, um auch bei den Abgeord- e- tenwahlen zu siegen; aber auch wenn e- die glänzendste Niederlage erleidet, wird es nicht von seinem Platze weichen, ehe die Gemeinderatbs- wahlcn vollzogen sind; c- wird vielmehr aus einer solchen Niederlage nur den Schluß ziehen, daß e- die Zügel noch nicht stramm genug angezopen hat. Wird es auch bei den Gemetnderathswah'en geschlagen, dann kann »an sagen, daß die legole Umwandlung der französischen Republik in en-e Monarchie bi- zu den Senat-Wahlen von 1882 unmöglich geworden ist." Die Sprach« der russischen Diplomatie
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