Introduction und Polonaise von Herrn Hugo Wehrle. für die Violine, componirt und vorgetragen Lieder mit Pianoforte von Carl Reinecke (aus Op. 118), gesungen von Herrn Gura. a) „Tritt herein“. Aus den »östlichen Rosen» von Fr. Rückert. Tritt herein zu der Thüre Und erleuchte das Zimmer ganz ! Grüsse rings und entführe Alle Herzen im Himmelsglanz 1 Vor dir gehet ein Schweigen, Um dich anzumelden im Saal, Und das Feld ist dein eigen, Eh’ du’s betreten hast einmal. Sieh,’ es drehen planetisch Alle Strahlen sich um dein Licht, Und du ziehest magnetisch Alle Blick’ an dein Angesicht. Wo die Ros’ ist erschienen, Neigt sich ein ganzes Blumengefild. Blick’ mit Huld auf Jasminen, Sprich mit schüchternen Veilchen mild. Oeffne Lippen zum Reden Und verströme des Geistes Duft. Kommet, Lüfte, von Eden, Und durchwürzt euch in dieser Luft. Deine lächelnden Mienen Sind ein würziger Blumenflor; Honigsaugende Bienen Deiner Lippen sind Aug’ und Ohr. Wie du sicher und leise Blickest, zügelt Ordnung flugs den Tanz, Und es halten sich im Gleise Herzen, welche verwirrt dein Glanz. b) An Frau Minne. Minnelied aus dem 14. Jahrhundert von Fürst Wizlat. Die Erde ist erschlossen, Die Blumen sind entsprossen, Ringsum hat sich ergossen Wonnevoller Blüthenduft, Die Thäler all’ erklingen, Der Sturm kann nicht mehr zwingen Die Vöglein, die sich schwingen Jubelnd in die blaue Luft. Nun wird gar manches Herze Entflammet gleich der Kerze Von süssem Liebesschmerze, Leih’ uns, Minn’, ein gnädig Ohr. Willst du uns nicht erhören, Willst uns die Lust zerstören, Wer wird zu dir noch schwören? Stolze Minne, sieh dich vor! Die Kälte ist geschwunden, Der Mai ist wieder funden Fröhlich in Maienblüthe. O Winter kalt, dich hüte Vor seinem Sonnenscheine. Lass Den in Freuden leben, Der dir sich ganz ergeben, Lebt nur dir alleine. Süss Liebchen, o du feine, Mit Treuen ich dich meine, Liebchen süss, du Eine 1