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8490 Mrscnblatl s. d Dlschn. BuchhiUidsl. Ferlige Bücher. 277, 2g. November 1918. >I Reihsn 6ie bitte den Moman: Thummerer, Hannerle Ein Dlindenroman in die Werke ein, dis Sie zu Weihnachten verkaufen wollen. Es ist in erster Linie ein Buch für unsere Frauen und Töchter, ein Buch, das so recht in unsere Beit paßt, ein Buch von selten literarischer Höhe. „Die schöne Literatur" (Beilage zum Literae. Se.itralblatt f. Deutschland) Nr. 23, ISIS. Dieses Buch ist wieder einmal eine von de» nicht sehr zahlreichen gurcn Leistungen der Gegenwarts literatur. Dem Dichter ist cs gelungen, ein ungewöhnliches Problem packend und liebenswürdig durch Zufuhren. Hanncrlc ist blind, armer Leute Rind, ganz allein mir ihrer einfachen alten Mutter, die einen kleinen Rramladcn besitzt. Sie führt ein Traumdascin, ein reiches Innenleben, aber fast völlig unbe wußr, bis der Jugendfreund, ein Srudcnr, wieder in ihrem Bereich aufrauchr und die Liebe in ihr er wacht. Freilich bricht da auch bald die Tragik über sie herein; denn wahrend sic dem Geliebten, als cr emst zu gewohnter Stunde nicht kommt, cnrgegcngchr und allein draußen hcrumirrr, stirbt ihr die kranke Murrcr, und nun fallen die lieblosen Nachbarn mir ihren Schmähungen über sic her, sodaß sic krank zusammcnbrichr. Im Rrankcnhausc erholt ste sich allmählich und hier fi »der sic auch eine Starre be friedigender Tätigkeit als Pflegerin und ringt sich zur Entsagung durch, denn der Geliebte kann und will sic nicht fürs Leben an sich fesseln. Dies ist die herzlich einfache, aber straff und lebensvoll durch geführre Handlung, wertvoll wird das Buch erst durch die psychologische Charakteristik der Heldin, die auf eine ungemein feine und sorgfältige Beobachtung des Dichters schließen läßt und eine reiche Dar stcllungskunst verrät. Dazu gesellt sich eine außerordentlich gelungene Srimmungsmalcrci, die das Ganze innerlich und äußerlich in köstlicher Harmonie zusammcnhälr, auch da, wo die Handlung erregt wird und erliche realistische Lichter aufgesetzt sind. Um die Hauprgcstalr gruppieren sich, nicht minder lebendig ge zeichnet, die andern Menschen, jeder eine klar ausgeprägte Persönlichkeit, der junge Srudcnr, die alte Mutter, die häßliche Frau Sradrrar mit ihrem lcbcnsdurstigcn Töchrcrlcin, die lungcn Mädchen und ins stand des Spotts für die andern ist und zuletzt im Wahnsinn endet. Gleichwertig mir der Schilde rnng der Stimmung und der Personen ist die der Örtlichkeit, der Natur und besonders der Rlcin stadt mir all' ihren Schrullen und Rlcinlichkeircn, mir ihrem stillen, etwas schläfrigen Frieden und ihrer Aufgeregtheit um Rlatsch und nichtige Dinge. Es ist eine schöne und reiche Runst, die sich in diesem Werke offenbart, und dem Dichter ist zu dieser Leistung aufrichtig Glück zu wünschen. Seine Gabe wird vielen Freude machen. „Die ss)ost", Berlin. (Literarische Nmschau.) Nr. vom 10. XI. 1916. Thummercr har mit zartem Empfinden die Gestalt des Hanncrlc so liebevoll und fein gezeichnet, daß er ihr unser innigstes Interesse zu gewinnen und zu erhalten weiß. Bor allem ist cs ihm gelungen, ein Scclcngcmäldc vor uns zu entrollen, das in allen Zügen die Zuneigung unseres Herzens findet. So nehmen wir Anteil an allem Geschehen. Und dies Mirerleben ist um so wertvoller, weil cs in Stimmung und Hinlcirung zum Edlen so recht m unsere Zeit paßt. >t- tzHL .5? .VX.V. X' 7. X-XI- "V ,v-»V ^ V ^ ^