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^ 216, 16. September 1S16. Fertige Bücher. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 5963 AusKarlMay'sNachlaß! Neu: „Geographische Predigten". 3" seiner Sclbstbwgraphie „Mein V » Leben und Streben" spricht Karl May mehrfach mit einer gewissen Betonung von einem Buch „Geographische Predigten", das er zu Beginn seiner literarischen Laufbahn, noch vor seiner allerersten „Reise- crzählung", geschrieben und womit er gleichsam ein Pro gramm für seine schriftstellerische Tätigkeit gegeben habe. Sowohl bei May, wie bei seinen Verlegern sind im Laufe der Jahre unzählige Anfragen nach diesen „Geogra phischen Predigten" eingegangen, ohne daß eine Druck legung möglich wurde; das Werk war verschollen und auch der Verfasser selbst konnte es trotz vieler Mühen nicht auf finden. Seine Gegner haben dann, wie stets in ähnlichen Fällen, schlankweg bestritten, daß May ein solches Buch jemals verfaßt habe .... Erst jetzt, vier Jahre nach seinem Ableben, gelang es den unausgesetzten Forschungen der Nachlaßocrwaltung, das Werk zunächst in Bruchteilen und schließlich vollständig zu entdecken; es stammt aus dem Jahr 1876 und erschien da mals in der nun schon längst entschlafenen Wochenschrift „Schacht und Lütte, Blätter für Berg-, Lütten- und Maschinenarbeiter", die von Karl May selbst begründet und anfänglich auch geleitet wurde. Der Name der Zeitschrift läßt zugleich erkennen, für wen diese schlichten und anspruchslosen, aber doch sinnigen und reizvollen „Predigten" bestimmt waren und unter welchen Gesichtspunkten sie beurteilt werden wollen. Schon um das Jahr 1900 hatte sich übrigens May in einem Flugblatt folgendermaßen über die verschollene Schöpfung geäußert: „Der Titel besagt, was ich bereits damals wollte und auch heute noch will: Geographie und PredigtenI Kennt nis der Erde und ihrer Bewohner und Aufschau nach einer lichteren Welt! Dieser Anfang meiner literarischen Laufbahn bildet die Grundlage für meinen späteren Werdegang; die 'Geographischen Predigten' enthalten den genauen Plan meiner sämtlichen Werke, den ich in der Folge treulich eingehallen habe." Durch die Veröffentlichung des Originals treten wir an Stelle des Toten den Beweis für diese seine viel ange- zwcifelte Behauptung an. Das Buch hat 194 Seiten, gutes holzfreies Papier, hübschen Pappeinband mit künstlerischer Deckelzeichnung. Aus besonderen Erwägungen setzten wir den Ladenpreis dennoch mit nur M. I.- an, und es bedarf deshalb keiner weiteren Be gründung, daß wir unter keinen Lmständen bedingt liefern können und daß die folgenden Bar-Nabattsätze auch für unsere Großbczicher die alleräußersten bilden müssen. Das Buch kostet M. 1.— ord, —.70 bar; Partie 9/8, auch beliebig gemischt mit unseren 5 Feldpostbändchen. Es wird bei allen Barsortimenten geführt und mit gleichen Bedingungen geliefert. Nur für direkten Bezug vom Verlag gilt folgendes Sonderangebot: Bei Abnahme voller Fünfkilopakete (24 Stück) Geographische Predigten, beliebig gemischt mit unseren 5 Feld- postbändchcn, geben wir 24/20, also 4 Freiixemplare! Weißer Bestellzettel. „Im Walde von Apremont, 6. l 2.15. In diesen Kriegs tagen, wo man sein Leben gleichsam auf der flachen Land trägt, bin ich zu unserm Karl May zurückgekchrt. Wir lesen ihn in den Ruhelagen in unseren Unterständen, und ge- rade die zwei Besten unseres Offizierskorps, die mit dem Eisernen Kreuz erster Klaffe, tragen sogar in der Feuer- stcllung die Fcldpostausgabe bei sich. Davon dürfen Sic jeden Gebrauch machen, auch öffentlich . . . ." Staatsanwalt Or. L. Krapp, z. 3. Leutnant im Westen. „Die Verwundeten lesen May besonders gern." Or. L., Oberstabsarzt, Feldlazarett I im Osten. „Ich habe mit Freude» eine Anzahl Karl May-Bände für die Divisionsbücherei ausgepackt; wenn ich nur mehr davon hätte I . . ." Divisionspfarrer Ricger im „Stuttgarter Neuen Tagblatl" ISI6. „Wieder mußte ich an Karl May denken und lächeln. Genau wie er hinter seinen Indianern und Skipctaren, lag ich hier und behorchte die Unterhaltung zweier Feinde. Seinetwegen war ich auf der Schule ein Jahr sitzen ge blieben, und nun war er mein Lehrmeister geworden — im Weltkrieg!" Lauptm. d. L. Reinhold Eichackcr in seinem Buch „Briefe an das Leben". Aus dem Feldpostbrief, der von einem deutschen Soldaten, dem Vizefetdwebel Rudolf Beißel, herrührt und das Datum Saint- Gobain tAisnei Juni 1915 trägt: Da auf einmal fielen mir zwei Bücher des viel- umstrittenen Karl May in die Land, und wie wohl wurde uns allen Knaben bei seiner Phantasie, die uns in eine Welt versetzte, die mit der unsrigen so viel Ähnlichkeit hat! Täg lich überzeugen wir uns hier in Feindesland, wie im tiefsten Grunde wahr das ist, was Karl May uns erzählt. Der Krieg ist für ihn und seine Bücher die glänzendste Recht- fertigung . . . ." „Neues Wiener Tagblatl" vom 15. August 1915. Karl-May-Verlag, Radebeul b. Dresden Börsenblatt f. den Deutschen Buchhandel. 83. Jahrgang. 798