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^ // Rr. 26S. ^L^rlchelvt^L^rvlggllch. ^Fllr Mit^IIed^r be» -svrlenvereliis 1,73 UMÄu^Mör1?MrW'ö'eMAWenB'WUMr')ü Leipzig, Sonnabend den II. November 1916. 8». Jahrgang. Redaktioneller Teil. Buchspruch ans dem Schützengraben. Das beste Kleid wird Lumpen, Das feinste Mahl wird Mist, Das schönste Ding veraltet, Das Buch nur bleibt wie's ist. Jst's gut, wird es zum Segen, Wenn schlecht, wird es zum Fluch, Ein Schatz bleibt allerwegen Allein ein gutes Buch. lElngcsanbt von Phg.) Kriegsinvaliden-Verwendung im Buchhandel und Buchgewerbe. Von Hs. W. Loose, z. Z. Meißen. (Schluß zu Nr. 282.) Für den Unterricht des Linkshänders erscheint mir bei der verschiedenen Charakterveranlagung der Lernenden unbedingt notwendig, linkshändig arbeitende Lehrkräfte zu verwenden. Wenn ich persönlich auch Autodidakt als Linkshänder bin, so ist mir doch ohne weiteres klar, daß der Lernende bei nicht stark ausgeprägter Energie zum linkshändigen Lehrer größeres Ver trauen haben wird als zum normal rechtshändig schreibenden. Dieser Grundsatz wird auch an der Heidelberger Einarmigen- Schule im Gegensatz zur Dresdner vertreten. Linkshänder gei stiger und werktätiger Berufe sind außerdem innerhalb der Un terrichtskurse, soweit es sich um Schreiben und Zeichnen handelt, zu trennen, weil elfteren das Buchstabenbild geläufig ist und es sich bei ihnen lediglich um die Handfertigkeit, weniger um das Schreibenlernen auf pädagogischer Grundlage der Kinderschule handeln wird. Auch wird es bei der meist schnellen und öfteren Verlegung aus einem Lazarett in das andere, von Ort zu Ort, vorerst von Wichtigkeit sein, daß der Linkshänder überhaupt schreiben kann und die Übung der verschiedenen Schriftcharaktere den Erfordernissen seines Berufs bzw. seiner eigenen Weiter bildung überlassen bleibt. Entgegen allen bisherigen Bewertungen der Verwendungs möglichkeit des Linkshänders für Schrift und Zeichnung, bin ich der Meinung, daß nicht das Schreiben eine Vorschule des Zeichnens ist, sondern umgekehrt. Es läßt sich dies am ehesten orthopädisch begründen, weil der noch schwerfälligen Linken vor allem eine ständige Schulung von Handgelenk und Fingern not tut, eine Schulung, die beim Schreiben durch das feste Auf liegen von Arm und meist auch Handgelenk schwerlich oder doch wenigstens nur langsam erreichbar ist. Diese Erkenntnis und die Erwägung, daß beim Zeichnen die Handhabung des Zirkels durch das ständige Drehen und Wenden am schnellsten zum Ziele führen müsse, hat schließlich zu meinem Zirkelshstem für Linkshänder geführt, dessen zurzeit im Deutschen Buchge werbemuseum in Leipzig ausgestellte Resultate Wohl hinrei chend bewiesen haben, daß wir bei einiger Intelligenz mit dem Zirkel die ganze Frage des linkshändigen buch- und kunstge werblichen Zeichnens und damit der Schulung der linken Hand überhaupt lösen können. Das Hauptinteresse im Rah men unserer Betrachtungen wird an diesem System das Buch- j gewerbe haben, aber wir werden hinsichtlich der Jnvalidenfrage ^ durch dieses System auch manchen Buchhändler auf dem nach barlichen Berusszweige arbeitsverwendungsfähig machen. Ich habe bereits an anderer Stelle betont, daß wir mit dieser neuen Art ornamentaler Zeichnung nie rein naturalistisch werden dar stellen können, daß wir aber selbst hochgespannten Anforderungen an ästhetisches Gepräge der buch- und kunstgewerblichen Orna mentik gerecht werden können. Da ich an dieser Stelle nicht unparteiisch weiter auf die Vorteile und die gezeitigten Resultate eingehen kann, mutz ich auf die erschienenen Kritiken der Tages und Fachpresse verweisen. Ganz abgesehen davon, ob der linkshändige Buchhändler und Buchgewerbler zeichnerisch im Beruf zur Betätigung kommen wird, halte ich zufolge der gekennzeichneten Erwägungen die zeichnerische Schulung, gleichviel, ob nach dem bisherigen freien, ungebundenen oder nach meinem System, für unbedingt er forderlich, und Leipzig würde der geeignete Platz sein, in dieser Hinsicht vorbildlich bahnbrechend zu wirken. (Die Dresdener Einarmigenschule kommt dieser Forderung wenigstens durch Aus stellung eines sehr sinnreich konstruierten — aber unbenutzten — Linkshänderreißbretts entgegen.) In diesem Zusammenhangs ist auch die Forderung aufzustellen, daß jedem Linkshänder der schreibenden und denkenden Berufe Möglichkeit zur Erlernung der Schreibmaschinenschrift geboten werden muß, gleichviel ob er es selbst für notwendig hält oder nicht. Kenntnis der Schreib maschine und Stenographie wird das Vertrauen zu seiner kauf männischen Verwendungsmöglichkeit wesentlich erhöhen. Es kann dies dem Linkshänder gar nicht eindrücklich genug klar gemacht werden. Ich bin der Überzeugung, daß sich alsdann auch die Teilnehmer an den Einarmigenschulen aus ganz anderen sozialen Klassen zusammenfetzen ioürden, als dies zurzeit der Fall ist. Nach einer mir seitens der Dresdener Einarmigen schule im Juni d. I. durch Vermittlung des Kgl. Sanitätsamtes XII. A.-K. zur Verfügung gestellten Übersicht wurden bis dahin annähernd 280 Invaliden ausgebildet, die sich aber nach meinen anderweitigen Erkundigungen in der Hauptsache aus Arbeitern und Handwerkern zusammcnsetzte». Es ist nicht anzunehmen, daß sich der Krieg seine Opfer gerade unter diesen Berussklassen ausgesucht hat, und wichtig, den Gründen nachzugehen, welche die Einarmigen geistig höherstehender Berufe ferngehalten haben. Am Nächstliegenden ist die Scheu, mit Mindergebildeten, für die in Dresden auch hauptsächlich der Lehrplan zugeschnilten zu sein scheint, gemeinsam unterrichtet zu werden. Andernteils ist, bei spielsweise unter Buchhändlern, vielfach die Neigung zur Selbst- Weiterbildung anzutreffen, die aber, sobald das Buchgewerbe in Mitleidenschaft kommt, durchschnittlich verderbliche Folgen zeitigt. Auf rein wissenschaftlichem Gebiete können wir uns allenfalls aus Büchern weiterbilden, auf praktischem Bcrufs- gebiet nie. Es darf also nicht angenommen werden, daß unsere Fllrsorgepflicht mit der Schulung der sich freiwillig Meldenden erledigt ist, wir müssen vielmehr in den Lazaretten durch Zu spruch und Aufklärung dahin wirken, daß auch der Phlegmatiker und der als Autodidakt Stolze die Nützlichkeit der praktischen Weiterschulung einsehen lernt. Außer einer geeigneten Schulung des Linkshänders im Gc brauche seiner bisher stiefmütterlich behandelten Linken halte 1401