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/V 95, 26. April 191«. Redaktioneller Teil. deren Empfänger ihre Bitten aur der Krtegsnot motivierten, würden, wie bei den einmaligen Unterstützungen aur dem Vergleich mit denen der Vorfahre zu erkennen ist, auch in normalen Zeiten gewährt worden sein. Bei den Einnahmen liegt es ähnlich. Hier sanken die Geschenke zur allgemeinen Arbeit in den letzten zwei Jahren von 23 708.— auf 8 111.20, weil die Gaben meist der Kriegshilfe zugewendet wurden. Für die letztere durften wir 1915 19 221.— in Empfang nehmen. Die Summe der Kriegsbeiträge und Geschenke betrug also im Berichtsjahr 1915 27 332.20 (im Vorjahr „ 42 833.19). Manche Gabe von hohem Betrag brachte unr grotze Hilfe. Die Herren Hofrat Meiner und Kommerzienrat Philipp Reclam ließen ihren früheren freigebigen Geschenken neue folgen; Herr vr. Arnold Hirt spendete 3000 Herr S. Karger aus Anlaß seines 25jährigen Geschäftsjubiläumr 1000 Der Otto Petters-Stiftung stoffen aus der Ostermeßsammlung 1000 zu, und mit einer Gabe von 2000 legte Herr Hermann Htllger den Grundstein zu einer Stiftung, die seinen Namen tragen soll. Namhafte Beträge brachten auch die Sammlungen der Kriegsberatungsstelle für den Berliner Buchhandel. Der Ausschuß für die Ausstellung der bat,rischen Verlagsbuchhandelr auf der Buchgewerbe-Ausstellung überwies uns einen Überschuß, der Hamburg - Altonaer Buchhändler- Verein führte die Ersparnis an unr ab, die durch Ausfall der Herbstversammlung an Reisespesen gemacht war. Im besonderen bewegte uns die Sendung des Herrn Kollegen Wollermann, der das Andenken seines in Galizien gefallenen Sohnes durch dessen Eintragung als immerwährendes Mit glied ehrte, und von ganz besonderem Wert sind dem Unter stützungs-Verein die reichen Spenden, die in großer Treue von einer Reihe von Kollegen in regelmäßiger Wiederkehr der Kriegshilfe dargebracht werden, zum Teil ohne daß wir ihre Namen nennen dürfen. Für alle diese wie jede andere freundliche Gabe und für die darin zum Ausdruck gebrachte Fürsorge für unsere Be drängten sprechen wir den Spendern warmen Dank von ganzem Herzen aus. Dem Reservefonds flössen bestimmungsgemäß 4000 ^ aus den Geschenken und 37.50 .A als Zurückzahlung einer früher erhaltenen Unterstützung zu (im Vorjahr I0V05 ^t). Zur freien Verfügung bestanden unsere Einnahmen in Mitgliedsbeiträgen von 2212 Prinzipalen 19 425.- „ „ „ 1495 Gehilfen „ 5 l05.30 3707 24 530.30 „ Beiträgen des Börsenvereins und anderer Vereine 16 850.— „ Zinsen aus Kapitalien (inkl. eines vor- jährigen kleinen ZinsenresteS) 29 384.75 „ Zinsen der Stiftungen, von denen jedoch 765.50 bestimmungsgemäß noch nicht verwendbar waren 7 947.75 78 712.80 Hierzu die Geschenke für den Bewegt. Fonds mit Ausschluß der Kriegsbetträge 4 073.70 82 786.50 (im Vorjahr 85 240.54) Wir hatten also verfügbare reguläre Ein nahmen unter Abzug der noch nicht ver« wendbaren Zinsen 82 021.— Kriegsbetträge 19 221.— insgesamt verfügbar 101242.— Die Summe der Unterstützungen betrug, wie oben berichtet 99 299.15 dazu erwuchsen Unkosten im Betrag von -- 3 343.84 Ausgaben insgesamt 102 642.99 Die Mehrausgabe des Beweglichen Fonds von 1400.99 ^ ist so gering, daß wir im Rückblick nur mit innigem Dank bekennen müssen: es fehlte uns nicht. Und wieviel Erleichterung und Glück durften wir damit in Häuser und Schützengräben tragen! In Dankbarkeit schreiben uns die Krieger, denen wir die nagende Sorge um die Da heimgelassenen abnehmen. Ein in der Welt allein Stehender, der von keinen Angehörigen Grüße erwarten kann, bittet um einen solchen vom Unterstützungs-Verein; auch ein anderer wünscht keine Unterstützung, sondern nur einen Gruß. Und ähnlich die dankbare Anhänglichkeit in der Heimat. Zwei bemerkenswerte erfreuliche Beobachtungen möchten ebensalls erwähnt sein: Ein an Tuberkulose erkrankter Pflegling unserer Arbeit hatte als Sanitätssoldat im Osten Verwendung ge funden; bei einem Urlaub stellte er sich uns beglückt vor als gesunder Mensch. Und ein anderer, den schwere Nervenkrank heit wiederholt in Anstaltsbehandlung geführt hatte, glaubt sich ausgeheilt in der Radikalkur, als welche das unausgesetzte Geschwirr der Geschosse und der Kanonendonner aus seine Nerven gewirkt haben. Von der »Krtegshilfskasse für den Leipziger Buchhandel«, die uns die Erledigung der Leipziger Kriegsnot-Gesuche ab genommen hatte, nahmen wir einen Teil derselben wieder aus unsere Schultern. Die »Kriegsberatungsstelle für den Berliner Buchhandel« war uns Weiler von großem Wert; ihr konnten wir alle Stellungslosen zuwetsen, und sie vermochte sie, auch von auswärts vielfach befragt, meist schnell unterzubrtngen. In Dankbarkeit sind wir uns dessen bewußt, wie uns der Vorstand des Börsenvereins fördert, wo immer sich ihm Gelegenheit bietet — so auch durch Teilnahme an dem Aus ruf, den wir in diesen Tagen erließen. Dem Allgemeinen Deutschen Buchhandlungs - Gehilfen - Verband und der Allge meinen Vereinigung Deutscher Buchhandlungs-Gehilfen danken wir es, daß sie unseren Aufruf vom August verbreiteten und ihren Mitgliedern den Beitritt zum Unterstützungs-Verein in Erinnerung brachten. Dank gebührt weiter unserem Kommis, sionär Herrn F. Volckmar und den Firmen Bernstein und Flinsch, die durch kostenlose Herstellung unserer Drucksachen an unserem Werke halfen, vor allem aber unseren Herren Vertrauensmännern dafür, daß sie ihre Kräfte in den Dienst der Arbeit stellen. Zu einem besonderen Dank gibt uns jedoch die heutige Hauptversammlung Anlaß, denn zum 25. Male hat Herr Gustav Nüstenmacher des mühevollen Amtes gewaltet, die um fangreiche Rechnungslegung des llnterstützungs-Vereins als Vorsitzender des Rechnungs-Ausschusses durchzuprüsen. Wir durften sehen: Es hat uns auch in diesem schweren Jahre nicht gefehlt an dem, war unsere Arbeit forderte. Wir sind uns aber dessen bewußt: geben wir auch unseren Hilfs- bedürftigen in gleicher Höhe wie bisher, so empfangen diese doch weit weniger um der unendlichen Verringerung willen, die, wie wir alle wissen, die Kaufkraft des Geldes zurzeit er litten hat. Dazu haben wir Ihnen im Eingang berichtet, wie gewaltig die Ansprüche an den Unterstützungs-Verein im Wachsen stehen. In dieser Lage haben wir gemeinsam mit dem Vorstand des Börsenvereins den dringlichen Ausruf zum Beitritt, zur Erhöhung der Jahresbeiträge und zur Spende einmaliger großer Gaben soeben erlassen. Zu der darin ausgesprochenen Bitte, uns die noch Fernstehenden durch persönliche Fürsprache zuzusühren, wollen wir bemerken, daß das Wesen des Unter- stützungs-Vereins merkwürdig oft noch der Erläuterung bedarf. Es handelt sich nicht um eine Rentenversicherung. Es ist vielmehr ein rein kollegialer Zusammenschluß zur Hilfe derer, die ihrer im Augenblick bedürsen. Ihnen, die in Not geraten sind, oder ihren Hinterlasfenen bietet der Verein einen Beistand, wie ihn keine Versicherungsfürsorge zu leisten ver- mag. Denn ein Versicherungsinstitut, .das jedem Mitglied zahlungspflichtig ist, muß seine Leistung notwendig von den vorher erhobenen, entsprechend hohen Beiträgen abhängig machen; hier dagegen erkauft die Gemeinschaft der Kollegen, indem jeder einen ganz geringfügigen, entsprechend feiner Lebenslage selbst bestimmten Jahresbeitrag gewährt, die Möglichkeit, dem vom Unglück Betroffenen in einer Weife zu 475