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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 11.01.1905
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-01-11
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050111016
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905011101
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905011101
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-01
- Tag 1905-01-11
-
Monat
1905-01
-
Jahr
1905
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WWWDMWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWMVMMWW VezugA-Vrei- 1» b« Heupwgpedttio» oder der« AuSgab» stell« ab,«hobt vtertrljLhrlich 3.—, bei zweimalig« täglich« Zustellung i»«Ha»S S.7Ü. Durch di» Post bezog« für Deutsch- land u. Oesterreich vierteljährlich 4.50, für die übrig« LSnd« laut ZrUun-Spreilliste. Diese N«««er testet ML auf all« Bahnhüf« und Illfl^I bet d« ZellungS-Berbäuferu " ^1* Nedektie» ««» Erpebttt«« 158 Fernsprecher 2LL JohanutSgasi» L HMchtuKlltel« Dre»D«: Marirnstraß« 34 (Fernsprecher Amt I Nr. 1718). H«upt»Ai1t«le Verist»: CarlDuncker, HerzallvayrHofbuchbanblg, Lützowslraß, 10 (Fernsprecher Amt VI Nr. 4S0SX Morgen-Ausgabe. WpMl-r.TagMaü Anzeiger. Amtsblatt -es LSnigttch« Land- und -es Äönigltche« Amtsgerichtes Leipzig, des Nates «nd des Noltzeiamtes der Ltadt Leipzig. An zeigen-VretS die 6 gespaltene Petitzelle LS Familieu ¬ rmd Stellen-Anzeigen SO Finanzielle Auzeiarn, GeschästSanzeige« nnter Leit oder an besouderer Stell, nach Darts. Di« 4 gespalt«« Reklanlegeti« 75^. rstmahmeschinh siir Anzeigen: Abred-Aesgabe: vormittag« 10 Uhr. Morgeu-LllSgabe: nachmittag« 4 Uhr. Anzetg« Pud stet« an die Expedition zu richten. Ertra-Vetlnge« lnnr mit der Morgen- Ln-gab«) «ach besouderer Leretubarung. Die Expedition ist Wochentag« ununterbrochen grüsfnet von früh 8 bt« abend« 7 Uhr. Druck und Verlag von G. Volz in Leipzig (Inh. vr. R. L W. «liukhardtd Nr. 18. Mittwoch den 11. Januar 1905. 99. Jahrgang. Var Wchtigrle vom tage. * Eine offiziöse Berliner Meldung stellt gegenüber dem Londoner „Standard" fest, niemals, auch nach der DoggerbankaffLre nicht, sei von einer Mobilmachung der deutschen Flotte die Rede gewesen. (S. den Leit artikel.) * Äm Geniorenkonvent de« Reichstag« teilte Präsident Graf Ballrstrem mit Ermächtigung de« Reichskanzler« mit, e« sei Aussicht vorhanden, daß der Handelsvertrag mit Oesterreich in dieser Woche zustande kommt. In vier zehn Tagen würden all« Handelsverträge an den Reichstag gelangen. (S. dtsch. Reich.) * Im Ruhrrevier streiken jetzt insgesamt 24000 Bergleute. (S. Dtsch. Reich.) * Durch Hochwasser in» Ruhrgebiet ist der Aohlenversand empfindlich gestört. Dadurch wird die infolge de« Bergarbeiterausstaude« ohnedies prekäre Lage noch komplizierter. (S. A. a. W.) * Der preußisch« Etat für 1S0L schließt mit einem U«berschuß von 12S Millionen Mark ab. (S. Bericht.) * Di« Wiener „Zeit" beschuldigt Herrn v. Ko erb er, er habe zwei Wiener Industriellen di« Berufung in« Herrenhaus gegen Zuwendungen an den offiziösen Pressefonds versprochen. (S. Au-land.) * Ein großer Teil von Nogi« Armee wurde eileud- »ach Liaojang geschickt. (S. rufs.-jap. Krieg.) veutrchlanä «ml k«glam>. Die Wogen sind wieder einigermaßen geglättet, und über daS Eine dürfen wir wohl ziemlich beruhigt sein: ein Krieg zwischen Deutschland und England steht in ab sehbarer Zeit nicht bevor. Herr Dr. Paasche hat ein wenig enkant terridls gespielt, als er in H'reuznach so offen von dem sprach, was in -er letzten Woche vor Weihnachten em offenes Geheimnis war. Die „Wohlinformierten" haben natürlich auch diesmal wieder jedem, der es wissen wollte, erklärt, daß die Be ziehungen zwischen Deutschland und England die denkbar besten seien. Waren sie es in Wirklichkeit? In General- stabS- und Admiralstabskreisen pflegt man über wirklich ernste Dinge doch auch nicht so völlig unorientiert zu sein, und dort zeigte man sich um die Mitte des Dezember herum in der Tat recht ernstlich beunruhigt über die Ordres, die zwischen Kiel und der Reichshauptstadt hin- und herflogen. Und sehen wir von uns ganz ab: auch über den englischen Kriegshäfen schwebte jene eigenartig gespannte Atmosvhäre, auch dort entfaltete man eine außergewöhnlich lebhafte Tätigkeit. Vielleicht erklärt es daS Auswärtige Amt als einen reinen Zufall, daß unser Herr Reichskanzler gerade in jenen kritischen Tagen Herrn Dashford empfing, vielleicht läßt sich auch manch anderes — Rätsel auf die denkbar einfachste Weise lösen. Vielleicht! Zunächst erscheint es uns trotz Scherldementi und „Norddeutscher Allge- meinen" noch keineswegs ausgemacht, daß Dr. Paasche — um es berlinisch auszudrücken — „aus dem hohlen Bauch" gesprochen habe. Gewußt hat er ebenso wenig, wie die „misern pleds", die sich allmählich abgewöhnen sollte, in einem Reichstagsvizepräsidenten eine über die Interna unserer Politik einigermaßen informierte Per sönlichkeit sehen zu wollen. Aber er hat gehört, was in seinen Kreisen jeder hören konnte, der hören wollte — und das warf auf unser Verhältnis zu den germanischen Vettern jenseits des Kanals nicht gerade ein freundliches Licht. ES ist natürlich barster Unsinn, zu behaupten, daß die britische Regierung an die deutsche ein Ultimatum ge richtet, womit sie die weitere Vermehrung der deutschen Flotts verboten habe. Nein, so kindisch wie die, welche solches glauben, sind die guten Briten denn doch nicht. Ga etwa« konnte Herr Pavsche den Kreuzimchern er- zählen! Wahr ist aber, daß wegen gewisser afrikanischer Angelegenheiten eine recht ernsthafte Verstimmung zwischen der Wilhelmstraße und Downing Street herrschte, wahr ist, daß die englische Presse sich alle Mühe gab, den Funken zur Flamme anzublasen, und wahr ist, daß man nicht nur in der Londoner Admiralität, sondern auch :m Leserkreise der „Daily Mail" keine Bedenken tragen würde, di« deutschen „Kähne" einmal cnifs Korn zu nehmen: „Wo bnve gvt tbo ufiip«, avck ves bav« wat tbs Nasa, »ack ve dass gat tde wove/ tvvl" ist an vsr Tfiems« noch immer ein grlgkröfttlles Gvuplet, «nd von der Panzerung der neuesten englischen Kreuzer wird der brave „lroekvo^" nicht umsonst erführen, daß sic stärker ist als die manchen deutschen Panzers. Wer häusliche Gorgen hat, der sucht gern auswärtige Abenteuer. Und an häuslichen Sorgen fehltS durchaus nicht, seit aus „Merry old England" ein „Äreater Britain", mit groaterbritainschen RepräsentadionSaus- gaben und dementiprechenden greaterbritainschem Defizit geworden ist, das Herr Austen Chamberlain zu immer ansehnlicherem Umfang gebracht Lot. Aber es gibt doch noch genug ernste Leute in England, die eS nicht nur nicht für „respektable", sondern sogar für unklug halten, durch ein auswärtiges Duell der Kritik den Mund verstopfen zu wollen, und außerdem: zwei jingoistische Riesenräuschc innerhalb eines LustrumS, das wäre mehr, als selbst John Bulls stämmige Gesund- heil vertragen könnte. Man ist also im Grunde sehr vergnügt, wenn König Eduard die Dinge wieder ins Geleise bringt, und man hat gar nichts dagegen, wenn Graf Bülow ihm dabei hilft. Bei uns in Deutschland wieder wir- gern nach wie vor mächtig über die britische Arroganz geschimpft, der und jener spricht von dem „Kometenjahr 1906", welches zu Zeiten der großen Flottenvorlage als die Periode an gesehen wurde, in der unsere Flotte eS mit der britischen aufnehmen könne, und Leuten, deren Beruf nun einmal die Vorbereitung zum Krieg ist, kann man eS schließlich nicht Übelnehmen, wenn sie einmal ihre Theorien prak tisch ausproben möchten. Solchen Faktoren stehen indes andere gegenüber, die für die Kehrseite der Medaille verantwortlich sind, und die ersteren würden sich vielleicht etwas mehr Reserve auferlegen, wenn sie nicht der Geschicklichkeit der letzteren vertrauten. Die Wolke ist diesmal vorübergegangen und wird noch oft vorübergehen. Unseren braven blauen Jungen dürfen wir glauben, daß sie den Krieg mit England nicht fürchten, von unseren Diplomaten wollen wir hoffen, daß sie ihn zu verhindern wissen werden. Da es in Englan- ungefähr ebenso auSsieht, und da hüben wie drüben Defizit Trumpf ist, so werden selbst Süppchen wie das unseres äußerpolitischen Dezembermenus nicht so heiß gegessen werden, wie sie gekocht wurden! Warum also deshalb gleich Herrn Scheck bemühen? X. O Zu Len Vorkommnissen, die hier behandelt sind, hat gestern auch der Londoner „Standard", der in Fragen der äußeren Politik seit Balfours Gegenanwenungen nach der Hullastöre sehr vorsichtig «.«worden ist, LaL Wor^ ergriffen. Aus einem Artikel dieser Zeitung über die Rede PaascheS bringt das offiziöse Wolffbureau die folgenden Auszüge: „Wir sind in der Lage, festzustellen, daß unsere offiziellen Beziehungen zu Deutsch land gegenwärtig und seit einiger Zeit so zufriedenstellend wie möglich sind. Es besteht auch keinerlei Schwierigkeit zwischen den beiden Ländern. Der einzige Zwischen fall, der dazu angetan war, den Kriegsge rüchten in Berlin den Anschein der Wahr scheinlichkeit zn geben, war die Mobilisie rung der Kieler Flotte nach dec Dogger bankaffäre. Dies war ohne Zweifel dem Wunsche zu zuschreiben, für alle Fälle vorbereitet zu sein. Es liegt kein Grund vor, eine feindselige Absicht gegen England anzunehmen." Auf die Bemerkungen des „Standard", bei denen, man ein gewisses Quantum habitueller Ueberhebung nicht zu beachten nötig hat, erwidert das Wolffbureau, es erfahre „an zuständiger Stelle, daß von einer Mobilst sierung der deutschen Flotte nie die Rede ge wesen ist, auch nicht nach dem Vorfall bei der Dogger bank". Tie offiziöse Agentur schließt, „alle gegenteiligen Meldungen" seien „ erfunde n". Daß mehr als dies zu sagen gewesen wäre, legt der oben gedruckte Artikel dar. Auf der anderen Seite hat sich der „Figaro" mit plumpen antideutschen Entstellungen den beteiligten Lon- doner Blättern gesellt. Es wird aus Packs depeschiert: Der Richtigstellung der „Nordd. Allgem. Ztg." gegenüber bleibt der „Figaro" dabei, daß in den lebten Wochen die deutsch-englischen Be ziehungen aus folgenden Gründen sehr ge spannt waren: Erstens wegen deS südwestafri- konischen Aufstandes. England betrachtet die über die Grenze tretenden Herero als politische Flüchtlinge, während Deutschland sie als gemeine Verbrecher an gesehen wissen will. Deutschland beschuldigt überdies die englischen BetschuanaS, Len Rebellen Waffen und Schießbedarf zn liefern. Zweitens wegen des australischen Streites um die Beleidigung des Reichs konsuls in Sydney. Dritten« wegen eine« angeb- lich halbamtlichen Artikels der „Saint James Gazette" über die Erwerbung einer deutschen Koblenstotion im Stillen Ozean. Viertens wegen der etwaigen Teilung der portugiesischen Besitzungen am Zambesi. Fünftens wegen der russischen Kohlenlieferungen des deutschen WahtkonsulS in Cardiff. Die „Dossiskhe Zeitung" fertigt diesen Unsinn mit dem Satze nach Gebühr ab. daß fünf Gründe aus einer Narr heit noch keine Wahrheit machen. ver Mkrtsall in ZiickmrtMlu. Scho« vor eiaiaen Tag,» wurde mitßeteilt, daß »«ub Vrivatnachrichten di« Gesichte b«i Stamprirtfonleia und bei Groß-Nada« nicht ohne empfindlich« Verlust« unserer Truppen vertausen seien. Die« wird jetzt leider bestätigt durch ein amtliche« Telegramm au« Windhuk. Darnach find in dem Gefecht bei Ttaniprielfontain am NeujahrStag, d«rwund«t: Hauptmann Alfred Krüger, früher Husaren« Regiment Nr. 12, Leutnant Walter Trenk (Magdeburg), früher Kadettrnhau« Potsvam. In den G«fecht«n am 2„ 8. und 4. Januar bei Groß» Rabutz sind -«fall««» «aju« Frhr. ». Ra»«»d»»f, früher Feldartillerie-Regimeut Nr. 11, Leutnant Oberdeck, früher Feldartillerie-Nea,ment Nr. 47, Leutnant v. Bollard- Bockelberg, früher lllanen^stegimeu Nr. 10, Leutnant der Reserve Berainspekto« Semper «nd 1k Manu. — Ver wundet: Oberleutnant Reinhard Lauteschlaeger, früher Feldackillene-Regvueut Nr. 51, Leutnant v. Kleist, rüher Grenadier-Regiment Nr. 9, Leutnant Adolf Donner, rüher bayerische« Infantecke - Regiment Nr. 9, Leutnant v. Nen- bronner, früher Dragoner-Regiment Nr. 28, Leutnant und Kriegsfreiwilliger Helbig, ferner 45 Mann. — Nach einem Telegramm Trothas folgt die Verlustliste der Mannschaften bald möglichst; eine Verzögerung ist nicht vermeidbar, da die Tekgramme der OperationSbasi« und dringliche Anordnungen bezüglich der Verpflegung und Munition die Signallinie stark überlasten. AnTyphuSaeftorbeu: SasitätS-Unteroffizier Plenger, früher Infanterie - Regiment Nr. 113, am 6. Januar im Lazarett Otjimbinde. Obwohl mau die Schwierigkeiten der Siaualverbiudung anerkennen muß, kann man doch nicht umhin, über un genügende und langsame Berichterstattung Klag« zu führen. Denn daß die Schwierigkeiten nicht unüberwindlich sind, beweist der Umstand, daß bereits am Montag m Berlin private Nachrichten Vorlagen, die ziemlich genau waren, denn sie meldeten den Tod des Majors v. Nauendorff und des Leutnants v. Bollard - Bockelberg, gaben auch im übrigen die Zahl der gefallenen Mann schaften, sowie der verwundeten Offiziere und Mann schaften genau an. Es muß sich also doch Wohl um eine mangelhafte Organisation des Nachrichtendienstes handeln. Bei der Expedition nach Cbina hatte jeder hinauSgehende Mann, einerlei ob Offizier oder einfache Soldat seine Nummer die er auf einer Metallmarke um den Hal- gehängt trug, diese war auch im KriegS- ministerium zu Berlin und allen Zwischeninstanren bekannt, und bei Verlusten brauchten also keine Name», sondern nur Nummern telegraphisch übermittelt zu werden, wonach im Kriegsministerium sofort di« namentliche List« zusammen gestellt werden konnte. Sollte die« Verfahren, da« sich sehr gut bewährt hat, nicht auch in Südwestasrika anwendbar sein? ver wttkeb-japsmrche Krieg. Survsrin «nd der jüngere Lelftei über die H r^nft. Wie aus Petersburg vom Sonnabend dem „H. C." geschrieben wird, beschäftigt sich auch die „Nowoje Wremza" mit der Frage „Krieg oder Frieden". „Wir dürfen nicht ver gessen" — jo äußert fich Suworin — „daß eine Niederlage des Heeres eine Niederlage der Nation bedeutet. Wir dürfen ferner nicht vergessen, daß wir mit enormen Opfern die Sibirische Bahn bauten und deren Früchte für uns reiten müssen. Las Volk sollt« selbst seine Wünsche für Krieg oder Frieden äußern, angesichts der Gefahr, die uns in nächster Zukunft droht, wenn wir mit den negativen Resul taten und mit den ewigen Rückzügen KuropatkinS den blutigen Kamps beschließen. Jloan IV. pflegte mit seinem Volk Rat zu halten in schweren Augenblicken, und heute dürfte die russische Natwn doch zu einer höheren Einsicht heran gereift lein! Port Arthur vermag noch nicht die große Macht Rußlands zu erschöpfen! Selbst nn Moment der tiefsten Er niedrigung auf dem Schlachtfelde haben wir den Trost, wirt schaftlich höher gewertet zu werden als unser siegreicher Feind. Er bat nur eine verhältnismäßig kleine Anleihe >u 8 Prozent au! den europäischen und amerikanischen Geldmärkten zu stände gebracht, während wir gegenwärtig eine günstige Anleihe zu 4sH Prozent bei einem deutsch-holländischen Bankkonsortium machen konnten, wodurch wir einen Trumpf für den weiteren Verlauf des Krieges errungen haben!" In gleichem Sinne wie Suworin äußert sich auch L. L. Tolstoi-Sohn. Hm Gegensatz zu seinem großen Vater, der nur den Frieden predigt, dringt der junge Tolstoi auf eine Focksetzung des Krieges: „Sollen wir alle unsere Rechte auf den fernen Osten auf geben?" fragt er, „weil die eine Festung Port Arthur ge fallen ist? Auch Sebastopol wurde eingenommen und kehrte doch in russischen Besitz wieder. Frühling und Sommer können wichtige Ereignisse bringen, wenn keine Komplikation durch die Einmischung Chinas eintritt. Nur China ist zu fürchten, und dieser Tatsache gegenüber kann die europäische Neutralität nicht gerechtfertigt werden. Es wäre aber naiv, die Engländer zu fürchten, die durch eine Beteiligung am Kriege sich selbst und ihrer Kultur den härtesten Schlag versetzen würden!" Weihaiwei «nd jpert Arthur. Gemäß dem Texte des Vertrages, den der englische Ge sandte am 1. Juli 1898 in Peking unterzeichnet hat, sollte England nun Weihaiwei räumen. Denn China verpachtete in ihm Weihaiwei an England ausdrücklich „kor so ion« s psrioä »s kort ^ckdur skull rarnnin in tbv ooauvntion ok Russin". Niemand kann aber behaupten, daß Port Arthur heute noch „in russischer Okkupation ist". Die englisch« Regie- rung wird selbstverständlich die Konfrquenzen ans diesem un glücklichen Wortlaut ihres Weihaiwci-VertraaeS nicht ziehen. Port Arthur, wird sie sagen, ist -technisch" so lange in „russischer Okkupation", al» Rußland auf seinen Anspruch nicht formell verzichtet, und so lange gilt auch unser Vertrag. Später kann man dann immer eine neue Konvention mn China abschließen. In diesem Zusammenhang erinnern die „M. N. N." an eine Prophezeiung Lord Salisbury S. Al« die öffentliche Meinung Englands sich sehr über die russische Okkupation aufregte und man zu ihrer Beruhigung di« Pacht WckhaiivckS arrangierte, sagt« der verstorbene Lord Salisbury den alarmierten Chauvinisten im Oberbau«- „Ich glaube, daß Rußland mit der Besetzung Port Arthur« Nicht» gewMneu bat und daß eS den Tag bereuen wird, an dem eS dotz«in ging." Niemand hätte damals geglaubt, daß fich diese Brovvezelung so schnell erfüllen würde. Vie hkelk gestern vormittag ein« Sitzung ab, in der die Beratung und die Ausarbeitung über dre Regelung ihre« Vorgehen« fortgesetzt wurde. Die nächste Sitzung findet heute nach- mittag statt. In Port Luitz (Mauritius fing, nach einer Depesche des „B T.^, der britische Kreuzer „Forte" drahtlos« chiffriert ei apanischeDepeschen aus. Auch Mel- düngen vom Osten wissen von der .'iahe javant scher Kringer zu berichte«. von der russisch«« Flvtt« wird nichts mehr gemeldet, doch wird angenommen, daß sie an der Küste von Madagaskar vor Anker gegangen ist, da vor einigen Tagen ein große» russische« Kriegs schiff auf der Hohe von Mayotte gesichtet wurde. Aämpfe anr Liaosteeff«. Aus Tschifu wird über London gemeldet, man glaube, daß demnächst Kämpfe am Liaoflusse stattfinden werden. Ein bedeutender Teil von NogiS Armee ist in großer Eile nach Liaujang geschickt worden. . Deutscher Deich. Leipzig, 10. Januar. * Der König über tzte Lage de« Handwerks. Beim Empfang einer Deputation des Freiberger HandwerkervereiuS sprach am letzten Sonntag der König inbezust auf die Lage des Handwerks den Wunsch aus, daß sich die Handwerker ebenso zusammenschließen möchten wie Re Arbeiter, um ihre bedrängten Verhältnisse zu bessern. * Der vergarbettrrautzstmtd tu» Nutzrrevter. An der wachsenden Ausbreitung des Bergarbeiteraus stand eS im Rubrrevier ist nicht mehr zu zweifeln. Nach einer Meldung ist die Zahl der Streikenden bereit« auf 24000 Mana angewachsen. In Laugendreer fand heute die erste Versammlung der Ausständige» voa der Bruch straße statt. E« wurde mitaeteilt, daß trotz der Er mahnungen und Beschlüsse, die Ruhe zu bewahren, der Aus stand sich ausgedehnt habe, so daß sich jetzt schon 15 Zechen im Ausstande befände». Die Ausdehnung sei zu bedauern, da die zur Verfügung stehende» Gelder nicht so hoch seien und daher die Aussicht auf Erfolg geringer werde. Nach Meldung aus Dortmund sind dre Belegschaften de« Hörder Kohlenbergwerk», Zeche Schleswig iu Aplerbeck, Zeche Schürbank in Schüren heute früh nicht eingefahreu. Die Zeche Schleswig ist eine gute Zeche deS Hoerder Vereins und eine Einstellung der Kohlenförderung auf dieser Zeche wird für den Hoerder Verein und dessen Arbeiter schwerwiegende Folgen haben, ebenso die Einstellung deS Betriebes ans Zeche Kaiserstuhl in Dortmund für Hösch. Die Belegschaft der Zechen Hasen winkel und Bereinigte Thalhäusrr Tiefbau legt beute eben falls die Arbeit nieder. Die Grubenverwaltung voa Bagaer- mulde und „Friedlicher Nachbar" erklärten den Belegschaften gegenüber, daß diejenigen, welche die Arbeit binnen drei Tags nicht wieder aufnehmen würde», au« der Belegschaft entlasse» würden. WaS etwaige Rückwirkungen des Streik- auf unsere sächsischen Äergbaubezirk« betrifft, so bat unser in den Zwickauer Bergbezirk entsandter Vertreter au- zuverlässigster Quelle Folgende« erfahren: Ein Uebergreifen des Streiks im Ruhrgebiet nach den sächsischen Grubenbezirken gilt als völlig ausgeschlossen. Einmal ist rin großer, auf lange Zett hinaus reichender Kohlenvorrat vorhanden. Dann ist die jetzige Zeit zum Streik gar nicht geeignet; eine solche wäre der August, September und dir folgenden Monate, hauptsächlich dann, wenn ihnen ein strenger Winter folgt. Jetzt aber sind di« meisten Großbetriebe bis tief inS Frühjahr mit Kohlen versorgt. Drittens besteht unter den sächsischen Bergarbeitern zur zeit nicht die geringste Neigung zum Sireik. Endlich aber ist in der Zehnstundenschicht der Zwickauer Arbeiter z. B. die sogenannte „Seilfahrt" inbegriffen. ES fehlt somit für die Belegschaften des Zwickauer Bezirks an jedem Anlaß, einen folgenschweren Streik — nur um der schönen Augen ihrer Genoffen willen — leichtsinnig heraufzubeschwören. * Die Reichstaasersatzwahl in Hof. Für die aut den 14. Februar festgesetzte Reichstagsersatzwahl im 1. Wahl kreise des Regierungsbezirks Oberfranken sHoff wird der Bund der Landwirte nach der „Dtsch. Tagesztg. den Leiter der Landwirtschaftlichen Winterschule in Wunsiedel, Land- wirtschaftslehrer Arthur Metzger, als Kandidaten aus- stellen, der sich im Falle seiner Wahl der wirtschaftlichen Ver einigung anschließen wird. O Verlin, 10. Januar. * Deutschlands hanveispolttische Ltellung zum AuSlanüc. In dem heutigen Seniorenkonvent deS Reichstages teilte Präsident Graf Ballestrem auf Ermächtigung des Reichskanzlers mit, es sei Aussicht vorhanden, daß der Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn bi» Ende dieser Woche zustande kommen werde. In diesem Falle sei für die Drucklegung ein Aufenthalt von etwa acht Tagen zu erwarten, sodaß der Handelsvertrag in etwa 14 Tagen vor den Reichstag kommen werde. Zu gleicher Zeit würden auch die Verträge mit den anderen Tarifvertragsstaatrn, vorgelezt werden. Nach dem „B. T." dürste sich den bisherigen Abschlüssen neuer Handelsverträge demnächst auch ein Vertrag mit Bulgarien hinzugesellen. Noch im Laufe dieses Monats werden Vertreter der bul garischen Regierung in Berlin eintreffrn, um die Verhand lungen zum Abschluß eine« Handelsvertrages mit Deutschland durchzuführen. * Arbeiisprogramm des Reichstages. In dem heuiigcn Scniorenkonvent erklärt« Graf Ballestrem, was die Geschästsverteilung sür den Reichstag betreffe, so würde der Präsident den Etat deS Reichsamte- des Innern auf die Tagesordnung setzen, wenn nicht Staatssekretär Graf PosadowSky durch die HandelSvertragsverhondlungen fest- gehalten würde. Der Präsident schlägt vor, nachfolgende Etat« vorzunehmen: Den Etat des Reichstages, de« JulNz- amte«, de« ReicksschatzamieS, de» Reichst,senbahnamte», des Rechnungshofes und den Posictot. Von den beiden noch rück ständigen Interpellationen würde die des Zentrums, bc- tressend den Zebnsiundentag, aus Rücksicht aus Graf Pofa- dowSky zu verlegen lein: d:e Interpellation der freisinnigen VolkSdartei, betreffend die EchiffohrtSabgaben. wolle Minister v. Budde beantworten. Da dieser aber krank sei, so bitte er, die Interpellation aitt acht Tage au-zusetzen. Dr. Müller- Sagan erklärte sich mir dem Vorschlag« «inverstintden, «ich t« übrigen wurde» dr, Vorschläge det Präsidenten aug««»««.
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