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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 15.06.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-06-15
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000615025
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900061502
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900061502
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-06
- Tag 1900-06-15
-
Monat
1900-06
-
Jahr
1900
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Abend-Ausgabe Druck und Verlag vo» L. Polz ü, Lei-zig. S^. Jahrgang M Freitag den 15. Juni 1900. eine Feuillrtsn Für als sie Wagen 21 kann 287» langen. t48oo Die Morgen-AuSgabe erscheint um '/,7 Uhr, die Abend-Ausgabe Wochentags um ö Uhr. 18000 3300 3860 2»50 11100 18400 134S0 8400 1S300 »SSO 182» 3950 12800 11V0 xlieckmi Dis- »nslitoäiscd» dietso »t. rarteen- 0,0» i.8«seo/LuUe >dr". :Ir verdaten > Extra-Beilagen (gesalzt), uar mit d« Morgen-Ausgabe, ohne Postbesürderuag 60.—, m«t Postbesörderuug 70.—. Annahmeschluß für Auzeigeu: Abend-AuSaab«: Vormittag- 10 Uhr. Margev-Ausgabe: Nachmittag» SUHL v«i den Filialen und Annahmestellen je eia» halbe Stunde früher. Ao-eiget» sind stet» an die Expevitt»» »n richten. Anzetgen-PreiS die 6 gespaltene Petitzeile SO Pfg. Reklamen unter demRedaction-strich (4ge spalten) bO^, vor den Familirnnachrichtea (6 gespalten) 40 Gröbere Schriften laut unserem PreiS- verzeichnitz. Tabellarischer und Zisiernsatz nach höherem Tarif. Nedaction und Erpeditiou: JohanniSgaffe 8. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochea geöffnet vou früh 8 bis Abends 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorm. O. Klemm'» Sorttm. Universitätsstrabe 3 (Paulinum,, Loui» Lösche, OEtzaetnaM. la, pnrr. und Köoigspltch 7. Diana. Roman von Marian Comyn. Nachdruck «erboten. So, wirklich? und darf man vielleicht wissen, was die Damen Gutes von mir gesagt haben?" fragte Miß Drummond. „Warum muß man denn daraus folgern, daß Das, was wir gesprochen haben, etwas Gutes gewesen ist?" fragte das jüngere der beiden Mädchen nicht ohne einen leisen Anslug von Spott im Ton ihrer Stimme. „Weil Keine von Ihnen Beiden — am wenigsten Diana — etwas Nachteiliges von mir sagen könnte", antwortete Pauline mit einem ernsten Lächeln. Dann fügte sie in munterem Tone hinzu: „Liebe Diana, wollen Sie mir denn nicht auch eine Tasse Thee geben? Ich sehe doch, daß Alles dazu bereit ist. Ich sterbe fast vor Durst", sagte sie vorwurfsvoll. „Kaum vermochte ich auf meinem Weg« hierher der Versuchung zu widerstehen, von Nancy's Trauben zu naschen. Aber ich bin froh, daß ich mich beherrscht habe, denn nun werden uns dieselben um so besser munden." Sie hatte, während sie dies sagte, die prächtigen Trauben aus dem Körbchen genommen und dieselben auf einen Teller gelegt, welchen sie zuvor mit einigen der grünen Traubenblätter be legt hatte. Der kleine Tisch mit dem mehr als einfachen Theegeschirr und dem zu kurzen, wenn auch blüchenweißen Tischtuch schien durch diese Ausschmückung ein ganz anderes Ansehen zu gewinnen; wie überhaupt die kleine, reizend gekleidete, lebhafte, junge Dame das ganze Zimmer umgewandelt zu haben schien. Nancy's Augen folgten eifrig jeder Bewegung der jungen Dame. . „O, Miß Drummond", sagte sie jetzt, „bitte, lassen Sie mich einen Augenblick den Besatz Jhrrs Kleides betrachten. Derselbe ist wirklich prächtig, ich habe in oll' den Modezeitungen, die mir Diana gebracht hat, nichts dem Sehnliches gesehen." Pauline kam dem Wunsche Nancy's nach, und nachdem diese ihrer Bewunderung für den Besatz Genüge gethan, übertrug sie ihre Aufmerksamkeit auf die Hand Pauline's, an welcher einige prächtige Ringe funkelten. „Was sehe ich? Sie haben einen neuen Ring!" rief Nancy aus. 237» 1V25 12» —r» Der in den , . — folgen, aber in letzter Stunde ist eine Bewicklung ent standen, die möglicherweise den für morgen in Aussicht ge nommenen Scssiouöschluß verzögert und vielleicht ein Gesetz zum Scheitern bringt, an dein der Mehrheit beider Häuser des Landtages gewiß und der Regierung angeblich sehr viel gelegen ist: die WaarcnhanSstcucrvorlagc. Es sind zwischen Herrenbaus und Abgeordnetenhaus zwei Disferenzpuncte aufgetaucht. Der eine betrifft die untere Grenze der Waaren- haussteuerpflickt. Die Regierungsvorlage will die Sonder besteuerung bei einem Jahresumsatz von 500 000 einsetzen lassen, das Abgeordnetenhaus bestimmte 300 000 und das Herrenhaus hat nun 400 000 -L, daS arithmetische Mittel auS den beiden anderen Vorschlägen, gewählt. Dieser Beschluß der Ersten Kammer dürfte aber dem Gesetze nicht gefährlich werden, im Gegentheil scheint er gefaßt, um im Interesse des Zustandekommens Regierung und Zweite Kammer zu einigen: Herr v. Miquel hat näm lich angedeutet, die Negierung würde nicht in der Lage sein, den Begriff des sondersteuerpflichtigen Waarenhauses schon bei einem Umsätze von 300 000 entstehen zu lassen. Dem Minister ist zwar auch die 400 000 ^-Grenze des Herrenhauses zu niedrig, aber es war herauSzuhören, daß er sie sich schließlich gefallen lassen würde, und demgemäß ist anzunehmen, daß das Abgeordnetenhaus 100 000 „nach läßt." Bedrohlicher ist die zweite Abweichung der Herreu- Am 6. djs. Mts. tclegraphirte die Lriek 'S»»« 80 5025 3525 18400 340-, 3800 2025 11200 0050 13700 8250 BezngS-PrelV ' der Hauptexpedition oder den im Stadt« sezirk und den Vororten errichteten AuS- ^bestellen abgeholt: vierteljährlich^4.50, kei zweimaliger täglicher Zustellung in» Haus k.öO. Durch die Post bezogen sür Deutschland und Oesterreich: vierteljährlich 6.—. Directr tägliche Kreuzbandsendung in» Ausland: monatlich 7.50. 2850 4600 775 1000 4025 900 2150 4025 15950 1550 1825 1800 140 2050 2575 100 23100 1225 3850 2525 15 15000 «25 4350 117» 3700 14500 1300 blaut Oaoi», ladall, Varl,- i N«v Vorlr' iarilk»-1>tu1a- «ttv-. vow»», vou >artt»-Liu1a- r krisitriov*, cck (I3/H sei » »ealuao, > l-»ip»>k, Vormittaa») Seduall- akou« iramardavso kiremva uock na vor" u»vd -pser.Saat," bauSbeschlüsse von der nach der Regierungsvorlage im Abgeordnetenbause angenommenen Fassung. ES handelt sich hier um die Officier- und Beamte n- waarenbäuser. Das Herrenhaus will sie von der Sondersteuerpflicht ausnehmen und nennt sie deshalb „gemeinnützige Gesellschaften". Herr vr. v. Miquel hat sich redliche Mühe gegeben, diesen Beschluß zu verhindern, jedoch vergebens. Der Finanzminister ließ eS „dahin gestellt", ob das WaarenhauS für Armee und Marine und daS Beamtenwaarenbaus gemeinnützig seien, oder ob sie bestimmten Classen von Interessenten dienen, aber er be fürchtete ein „unbeschreibliches Odium" für die Regierung, wenn diese, der die Entscheidung, ob ein Unternehmen „gemeinnützig" ist oder nicht, zufiele, den Geschäften der Officiere und Beamten ein weitgehendes Privilegium zuerkennen müßte. Mit dieser Voraussetzung ist Herr v. Miquel vollkommen im Reckte; der angedeutete Zweifel daran, daß die beiden Waarenhäuser nicht gemein nützige Anstalten, sondern nur gewöhnliche Erwerbsquellen sind, war wohl nicht ernst gemeint. Der Beschluß deS Herrenhauses zeugt von einer Classen-Unbefangenheit, wie sie in deutscher Gesetzgebung vielleicht niemals in diesem Maße bervorgetreten ist. Die WaarenhauSsteuer soll den kleinen und den mittleren Gewerbetreibenden einen gewissen Schutz gegen den übermäßigen Wettbewerb der großcapitalistischen Betriebe gewäbren und daS Herrenhaus gebt hin und läßt die zwei Geschäfte dieser Art, die dem Mittelstand mindestens so gefährlich sind, wie alle anderen Betriebe dieser Art, steuerfrei. Das Großkapital verliert alles Bedenkliche, die Aufsaugung des Kleinen wird harmlos, sobald die GeschäftS- treibenden und die indirect vom großcapitalistischen Geschäftsbetriebe Prositirenden Beamte, Officiere, Herren vom Adel sind. Der Officierverein und das Beamten waarenbaus, die socialpvlitisch als eine Gesellschaft anzuschen sind, handeln so ziemlich mit Allem, was Gott, Handwerk und Industrie geschaffen, sie siguriren zugleich als Schuster, Schneider, Sattler u. s. w. Sie umschlingen das Erwerbsleben der Kleinen mit Polypenarmen und drücken sie wabrlich nicht sanfter, als die Wertheim und Ge nossen thnn. Die beiden Waarenbänser zählen gegen 37 000 Kaufberechtigte. Diese Ziffer giebt aber auch nicht im Ent ferntesten ein Bild von der Größe ihres Absatzgebietes. Auch die Sippschaft und die Freundschaft der Kavfbercchtigten lassen von den zwei Geschäften Waaren beziehen. Tbut aber Alles nichts, der Jude wird nicht verbrannt! Die Con- currenz der Offerier- und der Beamtenwaarenbäuser wird von den mittleren und den kleinen Geschäftsleuten um so härter, um nicht zu sagen grimmiger empfunden, als diese beiden Anstalten von oben der begünstigt werden, als ihnen nachweislich schon das Reich Lieferungen übertragen hat, und die Empfindung ist vollauf berechtigt. Schon die Existenz dieser Waarenhäuser, die ohne sehr hohe Gönnerschaft nicht möglich wäre, wie sie auch der Prinz-Regent Luitpold für Bayern und die bayerischen Officiere mit Erfolg sich verbitten konnte — schon daS bloße Dasein dieser Geschäfte steht im schärfsten Widerspruch mit einer Regierungspolitik, die zur Vorlage von WaarenhauSsteuergesetzen gelangt. Und nun soll zur thatsächlichen, aber formell schwer angreifbaren Privilegirnng durch Spitzen des Staates noch die Lirecte staatliche Privilegirung treten! Ob der Streich gelingt, steht aber noch dahin. Im Abgeordnetenbause, das vielleicht schon in dieser Stunde die Sache beräth, sind die Conserva- tiven natürlich sür den Beschluß ihrer StandeSgenossen in der anderen Kammer, die Nationalliberalen aber sind festgelegt Die Wirren in China. -p. Höchst alarmirende Nachrichten kommen aus Shanghai. Das „Bureau Dalziel" meldete von dort, chinesische Truppen (nicht Boxer!), 30 000 Mann stark, mit zahlreichen Geschützen unter den Generälen Tungfusiang und Suntschianz ständen vor den Thoren Pekings in Schlachtordnung und legten Verschanzungen an, um die europäischen Entsatztruppen abzuwehren. DaS „Bureau Dalziel" zeichnet sich nickt gerade durch Zuverlässigkeit aus, aber auch Londoner Blätter bringen eine ähnliche Nach richt. So wird uns gemeldet: I-. London, IL.Jnni. (Privattelc gramm.) „Daily Telegraph" veröffentlicht et» Telegramm ans Shanghai vom gestrigen Tage, wonach dort vertontet, chinesische Truppen verschanzten sich ausserhalb Pekings und hätten ihre beschütze ans die amerikanische und Sic englische Gesandtschaft gerichtet. * London, 15. Juni. (Telegramm.) Wie ein über Shanghai cingcgangcncs Telegramm der „Times" aus Tientsin berichtet, ist es bei Peking zu einem ernste» Kampfe zwischen de» internationalen Truppen nnd decken des Generals Tnngsn- ktang gekommen. — Londoner Blätter bringen rin Telegramm aus Shanghai, nach welchem die japanische Gesandtschaft in Peking völlig niedcrgcbrannt und ei» Gesandter gctödtet worden sein soll. Eine Bestätigung des letzteren Gerüchts liegt nicht vor. Ein« solch wahnwitzige Haltung, die für Cbina ganz un absehbare Folgen haben müßte, stände in Widerspruch zu der von der „Agentur HavaS" verbreiteten Erklärung der chine sischen Regierung, daß dem Einmarsch der fremden Truppen in Peking kein Widerstand geleistet werden würde. Anderer seits ist freilich nicht verständlich, weshalb die von Tientsin nackgeschobenen letzten Abtheilungen Halbwegs Peking liegen bleiben. Die Lage spitzt sich also in der kritischsten Weise zu. — Aus.Washington wirv gemeldet, daß am 13. 100 Matrosen von Manila nach Taku abgegangen sind. — Im englischen Unterhaus« stand die chinesische Angelegenheit gestern zur Verhandlung. Es wird unS darüber berichtet: Der Parlamentsuntersekretär des Aeußern Brodrick berichtet über die Unruhen in China und führt aus, der englische Gesandte Macdonald hatte bis zum 5. d. Mts. wiederholt das Tsung li Damen auf die Nolhwenigkeit hingewiesen, sofort wirksam vorzugehcn, um die Mörder der britischen Missionare zu bestrafen nnd die Ordnung wiederherzustellen; Macdonald hatte ferner dem Tsung li Damen mitgetheilt, die englische Regierung werde die chinesische Re- gierung verantwortlich halten sür die verbrecherische Apathie, welche diesen unbefriedigenden Stand der Dinge herbeigeführt habe. englische Regierung an den Gesandten Macdonald und den Admiral Seymour, sie sollten in Uebereinstimmung mit den übrigen Mächten nach ihrenr Ermessen Alles thnn, was sie für rathsam erachten würden für den Schutz der englischen Gesandtschaft und der englischen Staatsangehörigen. Nach einer Conserenz mit dem russischen Gesandten wurde Macdonald ermächtigt, jede chinesische Behörde zu unterstützen, die im Stande sei, die Ordnung aufrecht zu erhalten; der russische Gesandte er hielt die gleiche Ermächtigung. Nach einer Besprechung mit den fremden Flctztencommandanten beschloß Admiral Seymour am 9. d. M., Truppen zu landen und auf Peking zu marschirrn. Von Selck 8400 „Ja. Gefällt Ihnen der Ring?" fragte Pauline, der leise Röthe ins Antlitz gestiegen war. „Er ist sehr schön. Diese Rubinen glühen wie Feuer, mich liegt etwas Unheimliches in dieser dunklen Gluth." Pauline schauerte zusammen und zog di« Hand fort. „Es ist ein abscheulicher Ring!" rief sie heftig. „Ich Rubinen nicht leiden!" „Warum tragen Sie dann Rubinen?" fragt« Nancy. „Weil ich es nicht ändern kann. Der Ring ist ein Geburts tagsgeschenk, welches ich gestern vcm meinem Vetter Wilfred er halten habe, und es würde doch sehr unfreundlich von mir sein, den Ring nicht anzulegen." Diana, welche mit der Bereitung des Thees beschäftigt war, blickte plötzlich auf, und als ihre Augen diejenigen Pauline's trafen, blickte diese, nicht ohne eine gewisse Verlegenheit, zur Erde. Die beiden jungen Mädchen standen sehr freundschaftlich mit einander; und zwar bestand ihre Freundschaft seit zwei Jahren, während welcher Zeit Diana als LehrerinDder kleinen Cousin« Pauline's, der zwölfjährigen Marie, fungirt hatte. Lady Druinmond sah diese Freundschaft mit unverhohlenem Miß fallen an, welches Mißsirllen aber von Pauline vollständig un beachtet dkieb. Sie zog es vor, ihre eigenen Wege zu gehen; obwohl sie noch sehr jung war, ließ sie sich dennoch von Niemandem beeinflussen. Wenn sich auch Diana thatfächlich niemals ausgesprochen hatte, daß ihr Cousin Wilfred sie zu heirathen wünsche, so stand dies doch stillschweigend zwischen ihnen fest. „Diana", rief Pauline plötzlich, „wie bleich und angegriffen Sie auSsehen! Hat Ihnen dieser klein« Unhold Marie heute mehr Sorgen gemacht als gewöhnlich?" Diana rechtfertigt« Marie von dem auf ihr ruhenden Ver dacht und sagte, daß die große Hitze am heutigen Tage und der weite Weg von Park Lane sie ermüdet hätten. Sie schien «S nicht für nöthig zu halten, den beiden jungen Mädchen Mit- theilunq von dem kleinen Abenteuer zu machen, welches sie heute Nachmittag gehabt hatte, und welches allein die Schuld trug, daß sie so angegriffen aussah. Das war ihr Gebeimniß; und die Er innerung an den heutigen Nachmittag würde ihr nicht halb so viel V«rgnüq«n gemocht haben, wie dies in der That der Fall war, wenn sie hätte mit anbören müssen, daß der kleine Vorfall hin und her erwogen und besprochen wurde. Pauline, welcke klug genug war, zu sehen, daß Diana nicht näher auf dies Thema «inzuqehen wünschte, schenkte sich eine frisch« Tafle Thee ein und verhalf sich selbst zu Brod und Butter, Politische Tagesschau. * Leipzig, 15. Juni. preußische Landtag sehnt sich, dem Reichstage schönen Zustand sommerlicher Nichtcxistenz zu anscheinend mit dem größten Appetit die einfache Mahlzeit ein nehmend, während sie Nancy von den Bällen und Gesellschaften erzählte, an welchen sie in der letzten Zeit theilgenommen hatte. Die Beschreibung der Toiletten, welche die Damen der höchsten Aristokratie auf diesen Bällen getragen hatten, war ein Thema, welches Nancy niemals ermüden konnte; sie hörte mit der größten Aufmerksamkeit zu und konnte einen leisen Ausdruck des Miß fallens nicht verhehlen, als sich jetzt die Thür öffnete und ihr Bruder Erich auf die Schwelle trat. Der Eintritt desselben be endete die interessante Unterhaltung. Erich war ein großer, breitschulteriger, junger Mann von etwa dreiundzwanzig Jahren; er sah Diana so ähnlich, daß ein Zweifel an der zwischen ihnen bestehenden Verwandtschaft gar nicht aufkommen konnte. Nur seine Augen waren blau und sein Haar Heller als das seiner Schwester; er trug dasselbe länger, als es die Mode vorschriob, und vielleicht war dies der Grund, daß er wie ein Künstler oder Schauspieler aussah — und nicht wie der arme Buchhalter, der er in der That war. Nancy's Augen ruhten forschend auf ihm, als er Pauline be grüßte, und war dies vielleicht die Schuld, daß die Beiden sich einer gewissen Befangenheit nicht erwehren konnten, als sie mit einander sprachen. „Darf ich Dir eine Tafle Thee einschänken, Erich?" fragte Diana, nachdem sie einen prüfenden Blick in die Theekanne geworfen. „Bitte, der Thee ist mir sehr willkommen." Er entstand eine kleine Pause. Dann sagte Erich: „Es war heute in der Stadt fast unerträglich heiß." „Nach Deinem Dafürhalten scheint eS jeden Nachmittag so zu sein", bemerkte Nancy, schlecht gelaunt. Erich lachte und strich mit der Hand sein volles Haar von der Stirn zurück, eine Angewohnheit von ihm, welche Pauline sehr zu bewundern schien. „Nun, es kann Niemand sagen, daß Lombard Street gerade ein angenehmer Aufenthalt während des Sommers sei", sagte er, seinen Thee von Diana in Empfang nehmend, aber zu gleicher Zeit verstohlen Pauline anblickend, welche im Begriff war, ihre Handschuhe anzuziehen. „Die Luft, die dort eindringt, reicht gerade aus, um das Leben zu erhalten, das ist Alle». Was aber die Beschaffenheit derselben anbetrifft — hm, darüber will ich nichts weiter sagen." „Die Luft dort ist ebenso gut wie diejenige, die ich hier ein- athme", bemerkte Nancy, welche ihrem Lcuder picht verzeihen konnte, daß er st« in ihrer «chN,eü ynKHüMiß M -«Gine gestört hatte. „Das kann wohl sein", entgegnete Erich. Paulin« hatte sich jetzt erhoben und verabschiedete sich von den Geschwistern. Der junge Mann öffnete die Thür für sie, und hinausging, beugte er sich zu ihr nieder und flüstert«: „Sie erlauben mir, daß ich Sic bis zu Ihrem geleite?" „Gewiß", erwiderte sie in leisem Tone, unter den dunklen Wimpern zu ihm aufblickend — ein Blick, der di« Pulse des jungen Mannes höher schlagen ließ und all' die klugen Be schlüsse zunichte machte, welch« er in Bezug auf die allzu be zaubernde kleine Dame kürzlich gefaßt hatte. Der Borflur draußen war düster und unfreundlich, in den engen, von hohen Mauern umgebenen Hof, auf den das aus bunten Scheiden bestehende Flurfenstrr hinauSgmg, verirrte sich kaum jemals ein Sonnenstrahl. Doch merkwürdiger Weise er schien den beiden jungen Leuten, nachdem die Thür sich hinter ihnen geschlossen Hane und sie so den beobachtenden Blicken Nancy s entrückt waren, der düstere Vorflur herrlicher al» der schönste Palast. „Hoffentlich trag« ich keine Schuld, daß Sie so eilig auf brechen, gnädiges Fräulein? Oder sollte dies dennoch der Fall sein?" sagte Erich, im Geheimen wünschend, daß sie ihm wider sprechen möge. Er war für gewöhnlich ein ganz verständiger junger Mann, aber die Nähe Pauline's machte ihn immer be fangen, besonders wenn sie ihm so nahe war, daß die Spitzen ihres Kleides ihn berührten und der Duft der Theerosen, welche sie im Gürtel trug, zu ihm drang. Süße, thörichte Wünsch« wurden in ihm wach. „Nein, warum glauben Sie daS?" war die leise Antwort deS jungen Mädchens. „Ich fürchtet« — ich glaubte, zu bewerten, daß Sie sich un« mittelbar nach meinem Eintritte verabschiedeten." „O nein", die Worte klangen etwatz vorwnrstvoll, „doch nicht unmittelbar!" „Nun, aber sehr bald, mir wenigstens schien «»zu bakd zu sein. Freilich würde ich dasselbe gefühlt haben, wenn Sie Ihren Besuch noch stundenlang ausgedehnt hättin." „Wirklich?" kam es fast unhörbar von den Sippen Paulme'». „Aber jedenfalls ist e» sehr freundlich von Ihnen, daß Sie überhaupt kommen", fuhr Erich tief aufseufzend fort, „um so mehr, da ich bezweifle, daß Lady Drummond Ihr« Besuche Lei meinen Schwestern begünstigt." „Tante Eleonora hat ihre eigenen Ansichten", bemerkte Pauline, „jedenfalls stimmen dieselben nicht immer mit ß«U meinigen überein." Hongkong au» würden zur Zeit Truppen ausgeschifft und der Kreuzer „Terrible" werde von dort nach Taku abgehen. Tie Russen landeten 1700 weitere Mannschaften. Zwijchen den Mächten herrsche vollkommene Uebereinstimmung hinsichtlich der von den Admiralen unternommenen Action. (Beifall.) Es seien Vor bereitungen getroffen worden, um zur Sicherung von Leben und Eigenthum die Truppen amZang-tse-kiang zu ergänzen. Maclean fragt, ob das Haus Brodrick dahin verstehen solle, daß zwischen England und Rußland ein engeres Einvernehmen herrsche, als zwischen den anderen Mächten. Brodrick erwidert, er habe nicht die geringste Absicht gehabt, einen solchen Eindruck hervor zurufen. Bischof Anzer über die Lage. Ein Vertreter der „N. Fr. Pr." batte eine Unterredung mit dem sich nabe bei Wien aushaltenden Bischof Anzer von Süd-Sckantung, aus der wir Folgendes mittheilen: Der Bischof äußerte: „Ick habe die Boxers auö der Nähe kennen gelernt. Waren sie es ja ohne Zweifel, die vor drei Jahren meine beiden Missionäre ermordeten, waö zum Eingreifen Deutschlands und in seinen Folgen zur Besitzergreifung Kiautschaus fübrte. Wie viel Irriges wird über die Boxers behauptet! Ich lese in den Zeitungen, daß sich die Secte auS der Hefe des Volkes recrutire. Ganz und gar nicht. ES giebt allerdings Gesindel unter ihnen. Doch weiß ich, daß auch die besten Stände Chinas unter ihnen vertreten sind — Gelehrte, Mandarinen, Hobe Beamte. Ick kenne den Cbef der Secte. Er heißt Cb an und ist ein Gelehrter. Er verkündet, daß daö regierende Herrscher haus, die Dynastie der Manvsckus, die Fremdlinge seien, abgesetzt werden müsse. Tie Bewegung der sogenannten Boxers richtet sich also gegen die Dynastie selbst". „Und wen wolle» die Boxers, wen will Cban auf den Thron bringen?" „Nun Chan", antwortete Bischof Anzer, „will selbst Kaiser werden. Er macht auch kein Hehl daraus. Er hat sich bereits wiederholt öffentlich im gelben Anzuge gezeigt, und daS Gelb ist das Abzeichen der höchsten Gewalt. Das Gelb kommt nur dem Kaiser zu. Der Hof in Peking ist demnach verblendet, wen» ei die VoxerS im Geheimen unterstützt, in der Meinung, sie strebten nur die Aus treibung der Fremden an und hätten demnach ausschließlich nationale, patriotische Ziele". „Aber die Kaiserin bat ja ein Edict erlassen, in welchem sie die Boxers mit dem Tode be droht." „Ick balle daS für Comödie. Ich wiederhole, der kaiserliche Hof sympathisirt mit der Secte, und dieses Edict ist nur Schein. Möchten sich die europäischen Mächte nur nicht von solchen Manöver» des kaiserlichen Hofeö in Peking irresühren lassen." Der Bischof fuhr fort: „Der Hof hat es nie ehrlich nut der Bekämpfung der Boxers gemeint. Ein Günstling des Hofes, Iü, ist als der eigentliche Gründer der Secte anzusehen. Er war Präfect in Sckantung während des chinesisch-japanischen Krieges. Schon schien eS, daß die sieg reichen Japaner dauernd nach China biniibergreifen würden. Es entstand nun dieSecte„vom langenMeffer" mitdeinProgramm, die Fremden, in dem speciellen Falle die Japaner, von China abzuwebren. DaS war gewiß ein patriotischer Zweck. Die neue Secte machte sich an weitere Aufgaben — an die Bekämpfung des Banditenwesens. Auch dies war ein löbliches Ziel. Doch bald mordeten die Leute die Fremden. Ich machte in Peking darauf aufmerksam. Man schickte In zu ihrer Bekämpfung aus — Iü, welcher der geheime Stifter und Schützer der Secte war. Er beging den schlauen Streich, die Secte als nicht mehr bestehend hinzu ¬ stellen. Indessen aber stand sie unter einem neuen Namen auf — als Secte „von der rothen Faust", und die Eng länder nannten sie fortan „Boxers". Iü wurde Vicekönig von Sckantung. Als von unserer Seite der Regierung in Peking Iü als Förderer der Boxers bezeichnet wurde, be rief man ihn ab — aber nur, um ihn im Range zu er höhen. Die chinesischen Beamten in der Gegend, in der meine mehr als 50 000 Köpfe zählende Mission steht, hatten in einem geheimen Edict des VicekönigS die Weisung, die Boxers ruhig gewähren zu lassen. Diese konnten also stets höherer Patronanz sicher sein, wenn sic etwa Christen mor deten. Wie oft haben es mir jene chinesischen Beamten, zu denen ich und die Unseren gut stehen, im Stillen versichert, daß sie sich gern unser annehnien würden, wenn sie nicht dadurch die ihnen gewordenen geheimen Befehle verletzten."... „Ich glaube nicht, daß die Theilung Chinas bevorstche. DaS ist ein zu kolossales Problem. Die betbeiligten Mächte Europas müßten ungeheuere Truppenmassen dorthin entsenden; es wird also ihr eigenstes Interesse sein, es nicht zu einer allgemeinen Nevvlutionirung CdinaS kommen zu lassen. Wenn die Mächte einig sind, so werden sie der die Christen und Europäer bedrohenden Bewegung Herr werden." Bischof Anzer vermied es, näher auf die politischen Probleme einzu gehen. Er rühmte die Unterstützung, die er stets bei dem deutschen Gesandten finde, wenn es gelte, für die von ihm geleitete Mission beim Tsung li Damen gegen chinesisches Unrecht einzusckrciten. Stolzen Gefühles hob der Bischof hervor, welche Genugthuung cs ihm und den Seinen bereite, jetzt als Deutsche unter deutschem Schutze zu sieben. Vor zehn Jahren nock habe Frankreich daS Vorrecht besessen, den Schutz über alle Christen Chinas auSzuiiben. KipAM TaMait Anzeiger. Amtsblatt des Königlichen Land- nnd Amtsgerichtes Leipzig, des Aatljes nnd Nalizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. ei»« it mor I ss^. uz. I 718,- a» s«2,— 11308 »vUsu 3V50 ot I 24.30 I 21. 1.8m 348 i.N-tl 284 lll.-L 392 4o. »22 Ir»«« 5-L.et.i 1311, ?»eiacj 74^ S. 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