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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 30.06.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-06-30
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000630020
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900063002
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900063002
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Bemerkung
- Images teilweise schlecht lesbar
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-06
- Tag 1900-06-30
-
Monat
1900-06
-
Jahr
1900
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WpMcr, TagMaü Abend-Ausgabe — Anzeiger. Ämtsökatt -es LSnWchen Land- und ÄmLsgenchLes Leipzig, -es Mathes nnd Nattzei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Anzeigeu-Prei- die -gespaltene Petitzrile >0 yfß. §i»cla*«u «ater dem Redaetiou«strtch tha» jpalle») Erößer, Gchristen laut uns«« P-M- verzelchuih. Tabellarischer und Ztsserusatz nach höherem Karis. Grtra»Vkilagen (gesalzy, nur M h«, Vtorge»-A»«gab«, ohne PostbeffirdwlUß 60.—. »tt Post des Srderuug 70.-x ^unahmeschlvß für Avzrigeu: Ab„d.«u«gabe: vormittag« 10 Uhr» viorge»«Ausgabe: Nachmittag« «Uhr. Bei de» Filialen uud Annahmestelle» fr et» halbe Etuud« früher. B «zeige» find stets an die GzDetzitt»» p» richt«. Druck und Verla, »o» «. Pol- t» L-Gzi» 328. Sonnabend den 30. Juni 1900. 94. Jahrgang. Die Wirren in China. Nun liegt auch die deutsche B crlustliste de« Detache- unt« vor, da- mit vier Couipagnien zum Entsätze «ymonr'S auSgerückt war. Tiefe« Detachement bestand ä» 7 Öfficieren und 175 Mann von der „Hertha", lOfficieren und 153 Mann von der „Hansa", 5 Öfficieren, Urzt und 85 Mann von der „Kaiserin Augusta", 3 Öfficieren, lArzt uud 74 Mann von der „Gefion". , Ueber die Berluste diese« D itachementS erhielten wir Mnde Depesche: Berlin, iv. !Ju«i. Van he» Lhef des kreiizer- i chwaders vteeastmtral lkteudemann ist gestern 'tgendeS relegram» über Tsch-iu eingegangen: „EapilSn ledom m«1»el: «rpedittanseo»»« i;ach Tientsin zurück-- skehrt hei antzerarstentltchen Anstrengungen. Leistungen »serer Leute vorzüglich, ^»fallen sinh: «apitSn luchhalr, Matrosen Lauste», Zimmermann, vpper- ann von „Kaiserin Augusta", Matrose vaatz von Hertha", Matrosen Bord ecke, Riel, Visser, Herbst, phing, Tebdermann den, „Hansa". Schwer ver bi »bet: Tapitänleutnant Schli eher, Schntzsraetnr tterschenkel, Oberleutnant Krohn, Shrapncllschutz i linke« Ange, Oberleutnant Lustig, Lungen- sutz, Leutnant Pfeiffer, Nllenbogenschnst, Ober- siitStSmaat Burman« von „Hansa", Matrose «rase von , rrtha", Hei,er Otto von „Gefion". Leicht verwundet: hhitän v. Usedom, vberleutnant Zerffcn, beide ganz leicht »d (verstümmeltes Wort). Am Uebrigen «esundheitS- Istand de« LandnngSeorhS gut. Bon Gesandten keine Srchricht. Ervedttion ist von Langfang zurückgekehrt, nicht t Pelt«, gewesen." , Dagegen sind neue Nachrichten über die Kämpfe bei Lifitsin nicht eingetroffen. Der am 25. Juni gemeldete Bcklust von Seesoldaten bc/.Lgt nach späterer Meldung: l Osficier (Friedrich), 12 M nn todt, 23 Mann verwundet. Lameu der Mannschaften fe »en dis jetzt. ES macht sich, wie cS scluint, die Nothwendigkeit geltend, auf noch weitere Ers<rtzmannschaft en Bedacht zu nehmen. So verfügte, wie unö ein Privattelegramm auS der „Kölnischen Zeitung" meldet, das ReickSmarineamt, daß für die beiden nach Ostasien gehenden Seebataillone sofort Ersatzbataillone gebildet werden, womit die be absichtigte, unbedingt nvthwendige Vermehrung der Marine- Infanterie ausgesprochen ist. In Ostasien wird ein kriegs starkes Seebataillon außer dem dritten, sowie die zweite Batterie Feldartillerie verbleiben. Da« Verpfleguugsann erhielt Auf trag, für drei Monate Verpflegung mit diesem Transport hinauszuschaffen. AuS Kiel »neidet dasselbe Blatt, daß am Freitag die AnSrüstungSgegenslänve verladen wurden und daß beute Sonnabend Nachmittag rie Jnmarschsetzung "folgt. Mit Einschluß der 500 Freiwilligen gehen von Kiel 1200 Mann ab. In Wilhelmshaven ist, wie unser Herr V-Correspon- dent vom 29. Juni schreibt, die Ausrüstung des Cbina- tranSports jetzt so gut wie beendet zu betrachten und trotz der Unvorgesehenbei: ohne Störung verlaufen. Außer ordentliches bat hierbei das Proviantamt geleistet, welches es fertig gebracht hat, in w nigen Tagen rund 10 000 Proviant listen zu verpacken und zu verladen. Nachträglich ist bei dieser Behörde noch die Ordre eingegangen, für 1000 Mann für 4^/r Mo nate in Originalverpackung an Bord zu schaffen. Gestern Morgen traf noch von Berlin die Telegraphenabtbeilung der I. Division de« Garde-CorpS ein, deren TranSportwagcn und Gerät schaften an Bord der „Frankfurt" verladen wurden. Die beiden Transport-Dampfer liegen unter der Last ihrer verschiedenartigen Fracht schon erheblich tiefer, als am Tage ihrer Ankunft. Heute fand die Einkleidung der 738 Mann Armeefreiwilliger in die SeebataillonSuniform statt. Nach den neuesten Bestimmungen verläßt taS I. See bataillon am Sonntag Nachruittag um 9 Uhr Kiel und trifft am Montag Morgen um 9 Uhr mittels Sonder- zugeS in Wilhelmshaven ein, wo die Einschiffung an Bord de- „Wittekind" sofort erfolgt. DaS II. Ba oa wird voraussichtlich erst am Morgen des 3. Juli eingeläufst werden. Da der Kaiser bereits nach dem jetzt feststehenden Programm am Montag Nachmittag um 4 Ubr mit der „Hohenzollern" im hiesigen Hafen eintrifft, so ist noch nicht bestimmt, an welchem Tage die Besich tigung der ExpcditionStruppen durch ibn stattfinden wird. Die Flulhverhältnisse bedingen, daß die beiden tiefgehenden Transportschiffe den Hafen mit Hock wasser, also gegen 4 Ubr Nachmittags, verlassen. Da auch der Kaiser um 4>/r Uhr die NordlandSreise antritt, so ist e« sehr wahrscheinlich, daß die Kaiseryacht die beiden Transportdampfer noch bis zur Außen jade begleitet, wo ihre Wege sich nach Norden und Westen trennen. Nach dem vorgeschriebenen Reiseplan wird der Lhinatransport Port Said, Suez, Colombo, Singapore und Tsingtau anlaufen und am 17. August aller Voraussicht nach in Tschifu eintreffen. Dieser Ankunftstermin ergiebt sich auS der zurückzulegendeo Strecke und der normalen Marschgeschwindigkeit beider Lioyd- dampfer unter Berücksichtigung der Aufenthalte. Ueber den Marsch Seymours berichtet dieser in einer Depesche an die englische Admiralität: * Tschifu, 29. Juni, Abends 10 Uhr 5 Mio. Ich konnte Peking nicht mit der Eisenbahn erreichen und kehrte rit dem Detachement nach Tientsin zurück. Am 13. bl.sr7 >«« wurden zwei Angriffe der Boxer« .auf unsere Bor'^c nit großen Verlusten für die Boxers, aber ohne Verluste^ sür uns, zurückgewiesen. Am 14. diese- Monats griffen die BoxerS unseren Zug in Langsang an und wurden wieder zurückgeschlagen. Di« Boxers hatten ungefähr 100 Todte; auf unserer Seite fielen 5 Italiener. Am Nachmittag griffen die BoxerS die englische Wache an, die zum Schutze der Station Lofa zurückblieb. Es wurden Verstärkungen dorthin obgeschickt und der Feind mit einem Verlust von etwa 100 Mann zurückgetrieben. Unsererseits wurden 4 Matrosen verwundet. Bei unserer Ankunft in Anting sanden wir die Eisenbahn beschädigt. Jedes Vorwürtskommen mit der Eisenbahn war unmöglich. Wir beschlossen deshalb, nach Aangtsun zurückzukehrrn, uin dort di« Expedition zu organisiren, die, dem Flusse folgend, nach Peking marschiren sollte. Nach meinem Abgang von Langfang wurden 2 Züge, die unseren Truppen helfen sollten, ain 18. dieses Monats von Boxers und Kaiserlichen Truppen, die von Peking kamen, angegriffen. Die Chinesen hatten 400—500 Todte, wir 6 Todt« und 48 Verwundete. I Diese beiden Züge erreichten mich in Uangtsun, wo der Schienen weg ebenfalls vollständig zerstört war. Da unser Proviant knapp war und di« Verwundeten un« hinderten, mußte» wir »ach Tientsin zurückkehren, woher wir seit 6 Tagen keine Nachrichten hatten. Die Verwundeten wurden am 19. d. M. auf ein Boot gebracht; da- Drtachement trat dar Marsch längs des Flusses an. In allen Dörfern stießen wir auf Widerstand. In einem Dorfe geschlagen, zogen sich die AuisiSudischen i» rin benachbarte- Dorf zurück und besetzten gut gewählte Stellungen, von dem sie unser» Weitermarsch aufhielten. Sie mußten auS diese» Stellungen vielfach mit dem Bajonnet und unter mörderischem Feuer vertrieben werden. Am 23. d. M. machten wir einen Nachtmarsch und erreichten bei Tagesanbruch da- oberhalb Tientsin grlegrne kaiserliche Arsenal, wo di« Chinesen, nachdem sie un« erst freundschaftlich entgegengekomme» wareu, in ver- rätherischer Weise da- Feuer auf un» eröffneten. ES gelang un-, ihre Stellung zu umgehen uud ihnen »in Beschütz wegzonrhmen. Während dieser Zeit gelang rS den Deutschen, ein wenig weiter vorn 2 Geschütze zum Schweigen zu bringen und sich ihrer nach Ueberschreitung de» Flusse» zu bemächtigen. Hieraus wurde da- Arsenal von den verbündeten Truppen besetzt. Die Chinese» versuchten noch an demselben und am folgenden Tag« vergebens, da- Arsenal wieder zu nehme». ' I» dem Arsenal sanden wir Geschütze und Gewehre de- neuesten Modell-. Wir richtete» mehrere Geschütze ein und bombardirten dir etwa- nach vorn gelegenen chinesischen Forts. Da wir im Arsenal Munition und ReiS fanden, hätten wir un« dort riuige Tage halten könne», ober durch die Verwundete» behindert, baten wir um Hilfe von Tientsin, die am 25. d. M. eintraf. Am 26. d. M. kamen wir i» Tientsin an. Wir steckte» das Arsenal in Brand, «he wir es verließen. Die Verluste betrugen: Engländer 27 Todte, 97 Verwundete, Amerikaner 4 Todte, 28 Verwundete, Frauzosen 1 Todteo, 10 Verwundete, Deutsche 12 Todte, 62 Verwundete, Italiener: 5 Todte, 8 Verwundete; Japaner: 2 Todte, 3 Ber- mundete; Orsterreicher: 1 Lodteu, 1 Derwuudeteu; Russen: 10 Todte, 27 Verwundet». Wir freuen un«, daß Lord Seymour den deutschen Waffen Gerechtigkeit widerfahren läßt. Daß unser« Truppen zwei Geschütze genommen haben, davon hat Admiral Bendenrann nicht- berichtet/ daß aber . Deutschen weiter vorn" kämpften, ist bei deutschen Soldaten selbstverständlich, wir sind immer die Ersten! DaS erklärt auch den tatsächlichen Er folg der deutschen Waffen. Ueber das Schicksal der Gesandten ist durch die Nachricht des deutschen Admirals wieder ein Schleier ge breitet. Sie sind nicht beim LandungScorpS, nicht in Tientsin. Stecken sie noch in Peking? Es scheint fast so, denn das engliscke Auswärtige Amt hat die auf eine dem Tientsiner Zolltaotai aus Peking zugrkommeue Meldung sich gründende Nachricht erhalten, daß die Gesandtschaften noch in Peking seien. An sonstigen Nachrichten liegen noch folgende Tele gramme vor: * Shanghai, 29. Juni. („Reuter's Bureau.") AuS amtlicher Quelle verlautet: Der russische Admiral Alexejew wird den Oberbefehl über die Expedition der Truppen der Mächte im Norden übernehmen. * Washington, 29. Juni. Da- Cabinet berieth über eine ihm durch Vermittelung de- chinesischen Gesandten zugegangenr Convention, die zwischen den Bicekönigen der am Pangtse gelegene» Provinzen und de» fremden Tonsulu zum Schutz« der auswärtigen Interesse» der Südprovinze» abgeschlossen worden sei» soll. Di« Lonventio» sollte von der Regierung formell genehmigt werden, «he sie ia Kraft tritt. Da« Cabi»et gelaugt« nach Prüfung der Convention zu der Ueberzeugung«, daß kein einziger Consul ia Shanghai jemal« einem derartige» Abkomme« zu gestimmt habe» würde, da einige Bestimmungen widersprechend seien, während andere den chinesischen Behörden die Aufrechterhal tung der Ordnung überlafsen t» den Vertragshäfen, von denen fremde Schiffe ausgeschlossen sein sollen. DaS Cabinet beschloß deshalb, sich sicht weiter mit der Convention zu be schäftigen. * Melbaurtte, 29. Juni. („Reuter'« Bureau".) Auf ver langen der Admiralität gehen drei Schiff« de« Hilf«- geschwaderS von hier nach China ab. * Part«, 29. Juni, DaS Journal „La Presse" veröffentlicht heute Abend eine Depesche au» Brest, drrzufolge der französische Kreuzer „D'Entre-Cartea ux", der sich gegenwärtig ia China befindet, gesunken sei. DaS Marineministerium hat über diesen Vorgang keinerlei Nachricht und hält dieselbe für unrichtig. Major von Glase napp, L I» snlts de« großen Generalstabes, welcher daS deutsche ExpeditionScorp« al« GeneralstabSofficier nach China begleitet, verfügt über eine genaue Kenntniß chinesischer Verhältnisse, welche sich für da« deutsche CorpS von hohem Werth er weisen dürfte. Major von Giasenapp ist drei Jahre hin- durck al« Instrukteur in Tientsin thätig gewesen und daher mit dem Gelände bei diesem wichtigen Puncte, der fortan die Basis für die weiteren militäriscken llnternehmunfien zur Sicherstellung der Verbindung mit Peking bilden wird, genau vertraut, ein Umstand, der um so mehr in- Gewicht fällt, als e« an zuverlässigen und detaillirten Karten völlig ge bricht. Major v. Glasenapp wurde am 12. Mai 1877 zum Leutnant uud am 20. November 1889 zum Hauptmann be fördert. Im Jahre 1895 stand er al« Hauptmann il I» suits des Jnfanterie-Regiment- Nr. 94 und war zum Neben etat de- großen GeneraistabeS commaudirt. Bald darauf -r xu ' ^..^ie-Rcgiment Nr. 26 in Magdeburg als Compagniechef versetzt. Nickt lange danach wurde er wieder zum Generalstabe commaudirt, am 10. September 1898 zum Major im Jnfanterie-Regiment Nr. 27 befördert und vor Ablauf eines Jabre« in den Generalstab der Armee versetzt. Bis jetzt wurde er als Eisenbahnlinieo-Commifsar ü Ia 8uits des Generalstabe- geführt. Bon der chinesischen Negierung wurde der Major von Glasenapp wegen seiner Verdienste um die Ausbildung der ihm unterstellten Truppen durch Verleihung der 1. Stufe der III. Classe drS Orden« vom doppelten Drachen ausgezeichnet. Politische Tagesschau. * Lettzlig, 30. Juni. So oft von deutscher Seite auf die Gefahr der national« polnischen Propaganda aufmerksam gemacht wurde, war man im klerikalen Lager mit der Frage bei der Hand, worin denn jene Gefahr bestehe, da dock die Polen sich streng in den Grenzen der Loyalität hielten und keine Beweise dafür vorhanden seien, daß sie die Loßrrißung der ehemals polnischen Provinzen vom preußischen Staate betrieben. Die Aeußerungeu der polnischen Presse, die Feuilleton. j Diana. Roman den Marian Comyn. . d!a<ddrirck verboten. Nancy hielt in ihrer Beschäftigung inne und, Diana arg wöhnisch anblickend, frag e sie: „Was soll denn das »edeuten? Ist etwas zwischen Euch vor gefallen?" „Vorgefallen? Mesa?" fragte Diana, wie aus einem Traum erwachend. Sie hatte taum verstanden, was ihre Schwester gesagt hatte. „Nun, nun, ich kan r doch sehen! Täuschen könnt Ihr mich so leicht nicht. Hm, w-nn das die Folgen deS Kirchganges sind, so hättet Ihr besser get;an, zu Hause zu bleiben. Oder hat Dir Antonius vielleicht un'evweg» einen Heirathsantrag gemacht?" „Nancy!" „Es sieht ganz so rus, als ob dies der Fall gewesen wäre und er sich bei der Gelegenheit einen Korb geholt hätte. Er konnte ja seine schlechte Laune, seinen Mißmuth kaum unter drücken. Und die Sache muß »hm sehr nahe gegangen sein, denn er sah ja ganz aschgrau au» — zehn Jahre älter al» sonst!" Diana beschattete ihr Antlitz mit der Hand, um sich den forschenden Blicken Nancy'« zu entziehen. Sie machte sich selbst Vorwürfe wegen der heftigen Erregung, in die sie durch das Zu sammentreffen mit Philipp versetzt worden war. Welches Ge- heimniß mochte -wis hen den beiden Männern bestehen? Sie hatte gesehen, wie A: toniu« unter dem zornigen Blick Philipp'» zufammengezuckt war. An die Erklärung Antonius' vermochte sie nicht recht zu glauben. Daß Geldsachen häufig zu Streitig keiten zwischen Derw.indten Veranlassung geben, ist ja nicht ab zuleugnen, aber war Philipp Heathcote der Mann, der sich durch dergleichen Dinge in so hohem Grade erregen ließ, wie dies heute Nachmittag der Falk gewesen war? Nein, nein, e« mußte mehr sein, wa« den ruhigen Mann in solchen Zorn versetzen konnte. Uckd noch dazu, nc.hdnn Jahre seit jenen Vorfällen verstossen waren! Am nächsten 2 ge langte in Crowhurst ein kleiner, schlichter Mann mit röthlich -n Bart und Hellen, grauen Lugen an. Sein Name war Dipont, rnd e« hieß, er sei Schreiber 5ei einem Recht«, arrwalt und Erich, kenne ihn von früher her. Da er leidend sei, habe der junge Sckhloßherr ihn nach Crowhurst eingeladen in der Hoffnung, daß di-t! Landlirft seine Gosunoheit kräftigen würde. Der Neuangekommene wurde der Fürsorge der Haushälterin übergeben und verstand es, sich derselben angenehm zu machen. Er hatte durch seine Art und Weise sehr bald Mrs. Sankmann's Herz gewonnen, und sie versprach, aufs Beste für ihn sorgen und seine angegriffene Gesundheit durch Bouillon, kräftige Speisen und dergleichen mehr kräftigen zu wollen. „Sic scheinen hier eine sehr gute Stellung zu haben, sehr selbstständig", bemerkte Mr. Dipont, als er der Haushälterin in ihrem Zimmer gegenübersaß und sie gemeinsam den Thee ein nahmen. „Sie können khun und lassen, waS Sie wollen — nicht?" Mrs. Sandmann warf den Kopf stolz und selbstbewußt zurück. „Nun", erwiderte sie, indem sie die reich mit Schleifen garnirte Haube sester band, „das ist doch wohl selbstverständlich, wenn man so lange in einem Hause lebt, wie ich hier in Crowhurst; in Wirthschaftsangelegenheiten darf mir Keiner dreinröden, das ist mein Fach." Und Mr». Sandmann theilt« nun hier Mr. Dipont ausführlich mit, welche wichtige Stellung sie nn Hause einnähme, und, nach ihren Schilderungen zu urtheilen, hätte vermutlich Crowhurst ohne sie überhaupt nicht bestehen können. Sie sei schon zur Zeit des verstorbenen Sir Friedrich die Seel« des Hauses gewesen, und Miß Diana schätze sie sehr hoch und frage sie in wichtigen Dingen stets um Rath. Bald hatte die gesprächige, gutmüthige Frau Mr. Dipont alle ihre Ansichten über ihre Herrschaft und Crowhurst mitd«theilt, inzwischen den ruhig gelassen zuhörenden Mann immer nöthigend, von dem vor ihm stehenden schmackhaften Gebäck zu nehmen. Mr«. Sandmann würde äußerst erstaunt gewesen sein, wenn ihr Jemand gesagt haben würde, daß der ihr so ruhig gegen- übersitzende Mann, der kaum ab und zu einmal ein höfliches Wort einwarf, sie auszuforschen versuch«. Mr. Dipont hatte sich denn auch bald sein Urtheil über die Haushälterin gebildet. „Eine gutmüthige alte Schwätzerin, aber grundehrlich!" sagte er zu sich selbst. „Wenn irgend Einer von den Angestellten des Hause» in Bezug zu den Vorfällen im „eichenen Zimmer' steht — sie ist e» nicht. Die ist eine gute, alte Seele, von der nicht» zu befürchten ist. LH, aber wer ist da«?" unterbrach Mr. Dipont seinen Gedankengany. „Eine hübsche, zierliche Er scheinung, auf mein Wort, so schmuck und sauber, wie man sich ein weibliches Wesen nur wünschen kann." Einem Klopfen an der Thür war der Eintritt Keziah'r gefolgt, welche in dem blaupunckirten Kattunkleid- mit der blüthenweißen Schürze so schmuck aulsah, daß sie auf jeder Bühne die Rolle eines hübschen Dienstmädchens hätte übernehmen können. Sie war gekommen, um Mrs. Sandmann nach einigen gering fügigen Dingen zu fragen, und durchaus nicht abgeneigt, sich mit dem Neuangekommenen in ein kleines Gespräch einzulasscn und einige Artigkeiten von ihm in Empfang zu nehmen. Keziah's Hauptschwäche war, sich bewundern zu lassen. Gegenwärtig befand sich Mr. Dipont im Garten, wo er, die Hände unter den Rockschößen zusammengelegt, gedankenvoll zwischen den Beeten auf und nieder schritt. „Wo aus der Welt habe ich dieses Mädchen nur gesehen?" sagte er zu sich selbst, — das in Frage stehende Mädchen war Keziah. „Hans will ich heißen, wenn ich das weiß! Und doch bin ich sicher, daß wir Beide schon miteinander zusammen getroffen sind!" * * e> Mr. Job Dipont machte schnelle Fortschritte in seiner Ge nesung. Nach seinem Appetit und ganzem Verhalten zu ur theilen, schien er sich recht behaglich zu fühlen; es war geradezu rührend, wenn man mrt ansah, wie er den verschiedenen Lecker- bissen, welche ihm Mrs. Sandmann eigenhändig zubereitete, volle Würdigung zu Theil werden ließ. Dies« Anerkennung war schon genügend, ihm die Gunst der alten Dam« zu sichern. Und er war nicht nur der Günstling Mrs. Sandmann'», son dern er hatte eS verstanden, sich im ganzen Hau!« beliebt zu machen; überall war er gern gesehen; c» gab keine^Stalljungei, und kein Küchenmädchen, mit denen er sich nicht willig in ein Gespräch einließ, wenn sich die Gelegenheit dazu bot; und wenn man irgendwo ein lustige» Kickern von Seiten der Mägde ver nahm, so konnte man ganz sicher sein, daß Mr. Jckb in ihrer unmittelbaren Nähe war. Der alte Fergu» war der Einzige, welcher der Stimme de» Zauberer» ein taube» Ohr lieh, auf ihn blieben die Schmeicheleien und Artigkeiten de« Fremden ohne Eindruck. » v v „Er macht mir zu viel Reden«arten", bemerkte der alte Gärtner zu Diana, welche seine einzige Vertraut« war. „Und mich täuscht er nicht mit seiner Unschuldsmiene, die er stet» zur Schau trägt. Er ist nicht so einfältig, wie er stch den Anschein zu geben sucht, und weiß ebenso gut, wie nur irgend Einer, daß zwei mal zwei vier ist." Diana lächelte, aber sie behielt ihre Meinung über die Sache für stch. Der alt« Fergu« hakte sie angesprochen, al« sie über die Terrasse ging: sie war km Begriffe, ihren Bruder aufzu- suchen, um betreff» der neuen Häuser, deren Bau unter der Oberaufsicht de» jungen Herrn rasch dorschritt, mit ihm Rück- spräche zu nehmen. Erich befand sich in seinem Arbeitszimmer, die Pläne waren auf dem Tische vor ihm ausgebreitet, ober er blickte nicht nach denselben hin. Er hatte Ten Kopf in beide Hände gestützt uno gab sich seinen Gedanken hin, welche durchaus nicht freudiger Natur zu sein schienen. Bei Diana'S Eintritt richtete er sich auf, und ein« dunkle Röthe überzog bei dem forschenden Blicke, den sie auf ihn richtete, sein Antlitz. „Was ist Dir, Erich? Denkst Du an Pauline?" „Natürlich denke ich an Pauline! An wen soll ich sonst wohl denken?" entgegnete er lachend; doch im nächsten Augen blicke wurde sein Gesicht wieder ernst. „Um Dir die Wahr heit zu sagen, Diana, ich bin in großer Sorge um sie. E« ist drei Wochen her, seitdem ich sie zuletzt gesehen habe, und während der gangen Zeit bin ich ohne die geringste Nachricht von ihr." — „Keine Nachrichten, heißt gute Nachrichten", sagt« Diana tröstend. „In diesem Falle nicht. Sie ist entweder krank, oder ihre abscheulichen Verwandten halten ihre Briefe zurück. Ich habt wieder und wieder geschrieben, und ich weiß bestimmt, daß fie mir geantwortet haben würde, wenn ste gekonnt hätte." „Es ist sonderbar, geiviß —" murmelte Diana, indem sie sanft mit der Hand über da« kastanienbraune Haar de« jungen Manne« strich, „aber ich glaub« nicht, daß Du Ursache hast, ängstlich zu sein. Pauline ist klug und «wandt genug, um ihren Verwandten in jeder Beziehung aewachsen zu sein; Dm brauchst Dich ihretwegen nicht zu beunruhigen. Und ich glaub« auch nicht, daß ste krank ist, sie würde sonst Mittel und Wege gefunden haben, e« Dir mitzutheilen." „Da» bezweifle ich. Diana. Wer hatte schreiben sollen? Wenn Antoniu» Beäuchamp nicht hier wäre, den ich doch nicht allein mit Euch zusammen hier kaffen kann, so würde ich mich noch heute auf die Bahn setzen und ivteder nach Irland fahren." Er sprang auf und fing an, mit ungedulvtgen Schritten im Zimmer auf und ckb zu gehen; fein« Lippen waren fest auf einander gepreßt und seine Brauen dichter zusammengozogen. Die Plane, die auf dem Tische lagen, und wegen deren Diana zu ihm gekommen war, schienen vollständig von ihm vergtffen zu sein, nur ein Gedanke erfüllte sein ganze« Sein — Pauline. Endlich hielt er in seinem unruhigen Hin- und Hrrschreiten inne, uckd, dicht vor Diana flehen bleibend, blickte er ihr mit einem halb rührenden, halb beitenden Lächeln in« Auge. „Ich glaube, ich bin sehr thörkcht und schwach, Di, aber ich kann mich de» Gedanken» nicht erwehren, daß irgend etwa» vor gefallen ist. Ich hab« «ine schrecklich« Furcht, daß mir mein 1
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