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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 18.01.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-01-18
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000118010
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900011801
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900011801
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-01
- Tag 1900-01-18
-
Monat
1900-01
-
Jahr
1900
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UniversitätSstraße 8 (Paulinum), Lonis Lösche, Katharinrnstr. 14, Part, und König-Platz 7. Morgen-Ausgabe. UtipMerTaMalt Anzeiger. ÄAtsvtatt des Königlichen Land- nnd Amtsgerichtes Leipzig, des NatHes «nd Volizei-Äintes der Ltadt Leipzig. AnzeigenPreis die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. ffierlamen unter demRedaction-strich (4go» spalten) 50-H, vor den Familirnnachrichnn (6 gespalten) 40^. Größere Schriften laut unserem Preis« verzeichniß. Tabellarischer und Ziffernsatz nach höherem Tarif. vrtra-Beilagen (gefalzt), uur mU der Morgen - Ausgabe, ohne PostbefüÄsNMg >1 60.—, mit Postbesördenmg 70.-». Inuahmeschluß für Anzeige«: Ab «ud »Ausgabe: Vormittags 10 Uhr. Marge»-AuSgab«: Nachmittags 4Uhr. Bet dea Filiale» uud Annahmestelle» je «tue halbe Stunde früher. Anzeige« sind stets au die Expedition zu richten. Druck und Verlag vo» E. P olz tu Leipzig. 3l. Donnerstag den 18. Januar 1900. 9t. Jahrgang. Hilfskreuzer. L. Der vor einigen Tagen erfolgte Stapellauf des Schnell dampfers „Deutschland" hat die allgemeine Aufmerksamkeit wieder den Hilfskreuzern zugewendet. Hilfskreuzer sind moderne Schnelldampfer, die nach Ausbruch eines Krieges als militärische Kreuzer Verwendung finden. Während England und Frank reich schon seit geraumer Zeit eine Zahl der geeigneten Dampfer für diesen Zweck in Aussicht genommm hatten, hat sich Deutschland erst in den letzten Jahren für diese Einrichtung entschieden. Keine der größeren Marinen ist aber so sehr aus Hilfskreuzer angewiesen, wie gerade die deutsche; denn in keinem anderen Staate ist der Schutz, den die Kriegsmarine ihrem über seeischen Handel durch ihre Kreuzerflotte angedeihen läßt, so schwach, wie in Deutschland. Ein Vergleich mit Frankreich, Rußland und Italien (England, das in allen Meeren starke Ge schwader unterhält und dadurch für völlig ausreichenden Schutz seines Handels gesorgt hat, kann hier außer Betracht bleiben) lehrt das zur Genüge. Nach den amtlichen Ermittelungen wiesen im Jahre 1898 auf: in Rußland die Handelsdampfer (über 100 Tonnen Größe) 350 000 Tonnen, die Kriegsschiffe 450 000 Tonnen, in Frankreich die Handelsschiffe 950 000 Tonnen, die Kriegsschiffe 750 000, in Italien die Handels dampfer 400 000 Tonnen, die Kriegsschiffe 300 000 Tonnen, in Deutschland die Handelsschiffe 1600000 Tonnen, die Kriegsschiffe 300 000 Tonnen, d. h. es schützt eine Kriegsschifftonne in Rußland 0,8, in Frankreich 1,3, in Italien 1,3, in Deutschland aber erst 5,3 Handels dampfertonnen. Die übrigen Mächte gewähren also ihren Handelsdampfern einen etwa viermal so starken Schutz, als Deutschland, das nach England den bedeutendsten überseeischen Handel aufzuweisen hat. Der Schutz der Handelsflotte geschieht durch Kreuzer. Sie müssen so schnell sein, daß sie den feindlichen, von ihnen auf zubringenden Dampfern, sowie feindlichen Kreuzern an Schnelligkeit womöglich überlegen, zum Mindestens aber gleich- werthig sind. In ein ernstes Gefecht sollen sich die Kreuzer in der Regel nicht einlassen. Aehnlichen Zwecken dienen auch die Hilfskreuzer, die in erster Linie dazu bestimmt sind, feind liche Handelsdampfer aufzubringen. Die deutsche Marine zählt« am Beginn dieses Jahres vier Panzerkreuzer (darunter drei veraltete Panzerschiffe) und einen noch nicht fertigen Panzrr- treuzer, in Wirklichkeit also gefechtsbrauchbar 0, 6 geschützte, sowie 19 kleine Kreuzer; Rußland 9 große und 11 kleine Kreuzer; Frankreich 17 bezw. 42, Italien 5 bezw. 17, England 49 bezw. 89 Kreuzer. Aehnlich ist das Verhältnis; der Hilfs- oder Auxiliär kreuzer. Die Angaben über dieselben werden von den Marinen mehr oder weniger geheim gehalten, doch ist so viel gewiß, daß Deutschland trotz seines starken Seehandels die wenigsten Hilfskreuzer hat. Das mag zum Theil darin seinen Grund haben, daß Deutschland eine sehr sorgfältige Auswahl unter dem zur Verfügung stehenden Dampfermaterial trifft und nur die neuesten und schnellsten Dampfer als Hilfskreuzer benutzt. Die Schiffe erhalten zu diesem Zwecke schon beim Bau geeignete Vorrichtungen für die Aufstellung von Geschützen und die Unter bringung von Mannschaften. Bei Dampfer „Deutschland" ist auch mit Rücksicht auf seine militärische Verwendung die Dampf steuervorrichtung unter Wasser gelegt. Die Munitionsräume liegen geschützt und können sofort unter Wasser gesetzt werden. Ein Doppelboden und wasserdichte Schotten schützen das Schiff im Fall einer Beschädigung vor dem Sinken. Die Bewaffnung bestcht nur aus Schnellfeuerkanonen, von denen die größten 15 Centimeter Caliber haben werden. Den 20 Booten sind 2 Torpedoboote beigegeben. Die Höchstgeschwindigkeit soll 23 Knoten erreichen. Der Dampfer hat im Frieden eine Besatzung von über 500 Mann und kann etwa 1000 Reisende ausnehmen. Die Besatzung würde im Kriegsfälle wahrscheinlich zum größten Theil an Bord bleiben und nur durch eine genügende Anzahl von Officieren, Unterofficieren und Schnellfeuergeschützen und Torpedobootsbesahung vermehrt werden. Die deutsche Marine hat nur mit den beiden größten Rhedereien, der Hamburg- Amerika-Linie in Hamburg und dem Norddeutschen Lloyd in Bremen, Verträge wegen Verwendung ihrer Schnelldampfer als Hilfskreuzer abgeschlossen. Vom Lloyd sind 7, von der Amerika- Lmie 3 Dampfer hierfür in Aussicht genommen. Deutsche Arbeit in Siam. Nachdruck virbot-n. Iv. Aus Bangkok, 13. December, schreibt uns unser ständiger Herr Mitarbeiter: Das zu Ende gehende Jahr hat dem Deutsch t hum in Siam manche erfreuliche Förderung gebracht. Als bedeutendstes Ereigniß muß der Uebergang derDampfer - linie Bangkok-Singapore, die etwa die Hälfte unserer Verbindung mit der übrigen Welt vermittelt, von eng lischem Besitz in deutschen bezeichnet werden. Der Erwerb dieser Flotte von acht schönen Dampfern, deren Anzahl noch vermehrt werden soll, ist dem Zusammengehen der beiden großen Ham burger und Bremer Rhedereien zu verdanken, die nun auch einen regelmäßigen Anschluß an die vierzehntägigen deutschen Post dampfer in Singapore einrichten werden. Mit der deutschen Flagge erscheinen auch selbstverständlich deutsche Schiffs- Officiere und Maschinisten in größerer Anzahl, ein willkommener Zuwachs unserer bisher nur 80 Köpf« staäen deutschen Colonie. Einer derselben, Herr Capitän Meyer vom Dampfer „Kedah", hat sich bereits durch eine hochherzige That bei seiner ersten An wesenheit hier bekannt gemacht. Er sprang einem über Bord gefallenen malayischen Matrosen nach, leider ohne ihn retten zu können, da der Mann bereit- im Ertrinken war und sich nicht halten ließ. Der Fluß hier ist sehr gefährlich und Capitän Meyer hatte sein AeußrrsteS zu thun, um sich selbst wieder in Sicherheit zu bringen. Bekanntlich ist der König von Siam eifrig bestrebt, die Ver waltung seine» Lande» nach europäischem Muster neu ein zurichten. Post und Telegraphen waren schon seit längerer Zeit unter deutscher Kettung, indetz für den großen Umfang des vorliegenden Werkes reichte die Kraft eines Mannes bei Weitem nicht aus. Unser verdienter Postdirertor Herr Collmann hat nun endlich, nachdem er allein fast zehn Jahr« lang ohne wesentliche Unterbrechung unermüdlich gearbeitet, in drei jungen deutschen Beamten, die in den letzten Monaten hier eingetroffen sind, die nöthige Hilfe erhalten, und es steht an gesichts der vorzüglichen Auswahl, die die heimische Behörde getroffen hat, zu erwarten, daß seine Abtheilung dem deutschen Namen ferner Ehr« einbringen wird. Ein zweites Feld, auf dem deutsche Unternehung gegen scharf« und rücksichtslos« Concurrenz zwar ununterbrochen zu kämpfen, aber für absehbare Zeit die Führung hat, ist der Eisenbahnbau in Siam. Die Hauptlinie, ungefähr 250 Kilometer nordostwärts, von Deutschen gebaut, nähert sich hrer Vollendung. Inzwischen sind Zweiglinien westwärts in Aussicht genommen, und die Vorarbeiten begonnen, und da die bisher eröffnete Strecke schon eine unerhofft bedeutende Auf- chließung des berührten Landes und Vermehrung des Verkehrs zur Folge gehabt hat, so ist nicht zu bezweifeln, daß die Bahn linien stetig werden erweitert werden. Es bietet sich also sowohl für unsere bereits in Thätigkeit befindlichen deutschen Eisen bahn-Ingenieure und Beamten, als für solche, die noch kommen sollen, noch auf Jahre hinaus ein lohnendes Arbeitsfeld. Auch für den Canalbau und seine Förderer sind die Aus sichten günstig, da kürzlich eine darüber schwebende Lebensfrage zu Gunsten der Schöpfer unseres größten derartigen Unter nehmens entschieden worden ist. Es giebt hier noch meilenweit? Strecken Landes, die brach liegen, da sie wegen Mangels an Wasserläufen sowohl nicht bebaut, als mit den vorhandenen Verkehrsmitteln nicht erreicht, und mit den Hauptadern des Landes, den Flüssen, nicht in Verbindung gebracht werden können. Wenn nun auch dem Eröffner neuer Canäle hier gewisse Anrechte auf die anliegenden Landstraßen zu Theil werden, die Mühe und Kosten reichlich lohnen würden, so war doch wenig in dieser Hin sicht gethan, bis sich ein äußerst thatkräftiger Deutsch- Oesterreicher, Herr Erwin Müller, der Sache an nahm und nach Ueberwindung unaufhörlich ihm sich entgegen stellender Schwierigkeiten die für den Ausländer hier nöthige Concession erwarb. Die Früchte jahrelanger, unermüdlicher Thätigkeit drohten indeß, ihm entrissen zu werden, da sich Leute fanden, die mit mehr oder weniger zweifelhaften Besitztiteln das Vorrecht auf die von ihm erreichten Landstrecken in An spruch nahmen. Nach langem, und auf Seiten seiner Gegner mit orientalischer Moral geführtem Streit ist nun die endlich« Entscheidung gefallen, die Herrn Müller nicht allein in seinen wohlverdienten Rechten bestätigt, sondern ihm auch ermöglicht, in seinem segensreichen Werke der Erschließung des Landes fort zufahren. Man kann sagen, daß dadurch thccksächlich Millionen an Geldeswerth gerettet sind, denn es wäre unmöglich gewesen, die bisher geschaffenen Canäle nebst Schleußen, Baggern, Brücken u. s. w. unter solchen Umständen zu unterhalten, ge schweige denn den groß angelegten Canalisationsplan weiter auszuführen. Der Krieg in Südafrika. Man wartet in London noch immer mit wechselnder Besorgniß auf Nachrichten von General Buller. Auch in Durban ist man ungeduldig und beklagt, daß man seit fünf Tagen ohne Nachrichten ist. Namentlich die dort lebenden Verwandten von Natalscken Freiwilligen, die vor der Front kämpfen, beklagen dies. Die in Natalschen Blättern veröffentlichten und nach London telegraphirten Nachrichten von Bewegungen der einzelnen Ablbeilungen Bnller'S finden keinen Glauben, da sie wahrscheinlich ver öffentlicht sind, um die Boeren irre zu führen. Dazu gehört auch die Nachricht, daß eine fliegende Colonne nach Zulu land abgeschickt sei. Gerüchtweise verlautet, ein Theil der britischen Truppen sei bereits in der Nähe von Ladysmith. ES heißt, in der Stadt Kerrsche Dysenterie. 75 ernste Erkrankungen sollen festgestellt worden sein. Einem Capstädter Telegramm zufolge werden alle Reserven in Transvaal und im Freistaat mobilisirt. Eine Proelamatton Kruger s berufe alle Männer von 14 bi» SO Jahren zum Kriegsdienst ein. Ein Durbaner Correspondent deS „Standard" erfährt, Krüger habe Anstalten getroffen, um im Falle der Einnahme von Pretoria em Asyl im deutschen Damaraland zu suche». DaS ist wieder ein Versuch der Verdächtigung Deutsch lands. Im Uebrigen hat Krüger jetzt mehr zu thun, als an sein künftige» Asyl zu denken. Wir vermutheo, e» macht ihm Sorge, »vo er den noch zu erwartenden englischen Kriegsgefangenen ein Aiyb verschafft und woher er Beefsteaks genug yerbekommt, um ihren Appetit zu stillen. Bet LoleSber, scheinen die Boeren größere englische Truppenconcentrationen zu erwarten und bereiten sich darauf vor. Wie dem „Reutrr'schen Bureau" au- Capstadt berichtet wird, besteht guter Grund zu der Annahme, daß eine starke Ab theilung Boeren von MagerSfontein in der Richtung nach Coleüberg verlegt worden ist Sonst wird auS RenS- burg noch gemeldet, eine von General French mit dem Auftrag, die Verbindungen de» Feindes zu bedrohen, entsandte fliegende Colonne sei am Dienstag zurückgekehrt, nach dem sie bis auf 9 Meilen an Norvalspont hinangekommen war. Sie habe keine Verluste erlitten. An Erfolge denkt man also schon gar nicht mehr. An» dem Lager am Mahherfluffe wird dem „Standard" telegraphirt, daß di« britischen Ver schanzungen verstärkt und erweitert werden. Der Feind bade einen Theil seiner Streitkräfte zeitweilig zurückgezogen (nach Eoleuso). Die Schiffskanonrn beschießen gelegentlich die vorrrnstellungen. Aus Äatacre S Gehege. * Molteno, 16. Januar. Im Verfolg des gestrigen Erkundigungsmarsches rückten heute die Aufklärungsgruppen Montmorancy's von der Eap-Polizei auS. Dir Boeren be» schossen sie. Es entstand rin Scharmützel, das einige Zeit anhielt. Aus englischer Seite waren keine Verluste. Von der Farm eine» aufständischen Lap-Boeren wurden die Vorräthe genommen. Die Schlacht bei MagerSfontein am 11. December 18SS. Die „Morning Post" vom 9. Januar 1900 bringt eine sehr anschauliche Darstellung der Schlacht bei MagerSfontein am Montag, den 11. December 1899, deren Uebersetzung nach dem „Milit.-Wochenbl." wegen ihres militärischen Interesses hier folgt: Modder-Rioer, 14. December 1899. Die Schlacht bei MagerSfontein sollte eigentlich gewaltsame Recognoscirung genannt werden. Lord Methuen's Division ging gegen einen Feinv vor, dessen Zahl verschieden, auf 6000, 12 000, 15 000 und selbst 25 000 geschätzt wird. Von seinen Verschanzungen wußte man, daß sie vor unserer Front und möglicher Weise zur Rechten und Linken unseres Vor marsches lagen, aber über ihre genaue Lage, ihre Stärke und An ordnung hatte man nur Dermuchungen. Ganz falsch wäre, behaupten zu wollen, daß die Boeren- Stellung erkundet gewesen sei, bevor die Streitmacht am Sonn tag aufbrach; viekmehr waren ein allgemeines Gefecht am Mon tag, ein starker Verlust an Menschenleben, ein ungeheurer Mu nitionsverbrauch erforderlich, und eine ganze Brigade ward völlig erschüttert, ehe man herausfand, wo der Feind eigentlich war, und wie stark er sei. — Selbst jetzt, nachdem dies Alles eingetreten, wissen wir wohl etwas über seine Stellung; über seine Stärke sind wir wenig klüger geworden. Unsere Recognoscirung ward gemacht, aber mit solchen Opfern, daß ein weiterer Vormarsch mit den hier verfügbaren Kräften unmöglich ist. Jedoch wird Niemand mit einiger Erfahrung über moderne Kriegführung, wie sie der jetzige Krieg erfordert, ohne Weiteres den Generalstab kritisiren oder unsere Art der Aufklärung als ungenügend verurtheilen wollen. Unsere Cavallerie und berittene Infanterie waren vor eine Aufgabe gestellt, die ihres Gleichen in der Kriegsgeschichte nicht hat. Sie hatten nicht nur einen Feind ausfindig zu machen, dessen Beweglich keit jede europäische Armee beschämen würde, sondern sie mußten sich an seine Stellung heranschleichen gegen eine Gewehr mit annähernd 3^ Kilometer Schußweite. Eine Aufgabe, die zur Zeit des Henry-Martini-Gewehres leicht ge wesen wäre, wird außerordentlich schwer und oft un möglich gegen den mit dem Mauser bewaffneten Mgner. Selbst wenn es gelingt, an die Vorposten heranzukommen, so bleibt noch ein langer, vom Feuer bestrichener Weg, bis man einen Einblick in seine Schützengräben gewinnt. Das Gelände. So können wir denn annehmen, daß der Divisionscomman- deur, ungeachtet deS zehntägigen HalteS am Modder-Fluß nichts Genaues über den Feind wußte, gegen den er am Sonntag, den 10. December zum Kampfe auszog. Um die Ereignisse der nächsten drei Tage zu verstehen, muß man wenigstens eine ungefähre Vorstellung des Geländes vor uns gewinnen. Die Station Spytfontein ist etwas über 16 Kilo meter Luftlinie von der Modder-Fluß-Brücke entfernt. Das Feld steigt sanft bis 8 Kilometer vom Fluß an, und dann unterbricht ein Gewirr von Kuppen die wellenförmige Ebene. Aber obschon es von Weitem so aussieht, als ziehe sich diese Hügellinie quer von Ost nach West Uber unseren Weg, so dringt doch in Wahr heit die Ebene keilförmig in dies Hügelchaos ein, geraden Wegs auf die Station Spytfontein zu. Die große Boeren-Stellung bei Spytfontein, von der wir so viel gehört hatten, liegt daher thatsächlich am Ende eines Sackes, in den wir hineinmarschiren mußten, zu beiden Seiten die Hügel, welche zweifelsohne mit Doeren-Geschützen besetzt waren, und an denen sich ihre Schützen gräben wie ein Saum entlang zogen. Eine Festung von un gemeiner Stärke. DaS Angriffsobject Lord Methuen's am Sonntag und Mon tag war nicht die Spytfontein-Festung, sondern ein Vorsprung aut der Südostseite. Hier erstrecken sich die Kuppen in unregel mäßiger Form gegen Jakobsdul hin und endigen in einem schroff abgesetzten Vorgebirge, vor dem sich die Schlacht am Montag ab spielte. Sie wurde benannt nach einer Farm Magersfontein in dieser Gegend. Dies war das östliche Horn der halbmondförmigen Boeren-Stellung, und eS war beabsichtigt, sie am Montag von hier zu vertreiben, ihre eigentliche Festung aber den nächsten oder dann folgenden Tag, je nach den Umständen, anzuzreifen. Der Vormarsch. Am Sonnabend wußten wir im Lager nicht das Geringste davon, daß ein Angriff beabsichtigt sei. Dieser ward sorgfältig vorbereitet und in das strengste Geheimniß gehüllt. Am Vormittag war das schwere 12 Centimeter Schiffsgeschütz 1^2 Kilometer oder mehr vom Lager aus vorge gangen und feuerte 16 Schüsse nach den Magersfontein-Kuppen, zehn davon Lyddit-Granaten; unsere Cavallerie hatte auf der Rechten ein schwaches Gewehrfeuer auf sich gezogen, und die 9. Brigaoe rückte zu ihrer Unterstützung auS. Man sagte uns, das Schiffsgeschlltz solle nur die Entfernung der Kuppen fest stellen, und diese Angabe erwies sich als richtig. Am Sonntag Nachmittag 2 Uhr marschirte die Streitmacht vom Lager ab, und die Artillerie eröffnete ihr Feuer in derselben Richtung wie daS Schiffsgeschütz am Sonnabend. Ungeachtet des bewölkten Himmels und schweren Regens — eine ungewöhnliche Erscheinung in diesem prachtvollen Klima — war doch die Marschkolonne ein erhebender Anblick. Die Lancers ritten voraus mit zwei Ge schützen der reitenden Artillerie, dann kam die Vorhut der Hoch- länder-Brigadr, begleitet von starker Artillerie — eS waren drei Feldbatterien, die 8., 62. und 75., eine Haubitzbatterie mit aus gezeichneter Bespannung, dann der Rest der reitenden Q-Datterie, während da» schwere Marinegeschütz link» von un» durch 20 Joch Ochsen vorwärts bewegt wurde. Nichts in der Welt erhebt das Herz so, nichts ist so kriegerisch, als das Raffeln der Artillerie auf dem Marsche. Die Artillerie, die uns wochenlang gefehlt hatte, jetzt war sie hier, in voller Marschordnung, 31 Geschütze mit ihren Protzen und Nlunitionswagen. Man fühlte einen gewissen Stolz über die Macht des britischen Reiches und etwas wie Mitleid mit den Boeren, die nichtsah-neno unseren Angriff erwarteten. Dieses Gefühl nahm während des Nachmittags allerdings etwas ab, als es klar wurde, daß e» heute nicht zum Gefechte käme. Die Colonne bewegte sich an einem Busch entlang in der sanft ansteigenden Ebene in nordöstlicher Richtung, al» wolle sie rechts die Stellung des Feindes umgehen, während sie sich gut seiner Einsicht entzog. Als dir Avantgarde etwa 3 Kilometer zurückgelegt hatte, eröffnete das Schiffsgeschütz auf unserer äußersten Linken das Feuer auf die Magersfontein-Kuppen, unsere Cavallerie in der Front zog das Feuer der feindlichen Patrouillen auf sich, unsere gesummte Artillerie entwickelte sich rasch und ging in Stellung, die Haubitzen auf dem linken Flügel, die drei Felvbatterien in der Mitte und die reitende Artillerie auf dem rechten Flügel, und ehe man dachte, die Geschütze seien abgeprotzt, war die Luft erfüllt mit pfeifenden Geschossen, und die Kuppen uns zur Linken erglänzten wie im Feuerwerk Wirch die platzenden Shrapnels und' furchtbaren Lyddit-Explosionen. Die Beschießung der Kuppen. Zwei Stunden lang ward die Beschießung mit großer Heftigkeit fortgesetzt; aber kerne Antwort vomFeindeerfolgte. Obdie Boeren vor uns waren, oder nicht, ist schwer zu sagen, denn Keiner zeigte sich an den Felsen; aber sicher ist, wenn sich ein einziger Boere an den Magersfontein- Kuppen befand, sein Leben wäre keinen Pfifferling werth ge wesen. Die Lyddit-Explosionen erfolgten an dem Kamm des Rückens der Magersfontein-Kuppen entlang, jedes Geschoß warf eine Wolke von Trümmern auf, die wie ein gewaltiger Pilz von dem Gipfel des Hügels aufstieg, während die Shrapnels der Felv- und reitenden Batterien jeden Winkel und Spalt der Felsen ab suchten. Als Feuerwerk war das Bombardement sicher von großer Wirkung, besonders als die Nacht hereinbrach und die Salven dec Haubitzen eine Reihe vulkanischer Ausbrüche, werth des Aetna oder Stromboli, hervorbrachten; aber als Gefecht fehlte ihm die Aufregung, die eine Antwort des Feindes verursacht hätte. Wenn er Geschütze dort hatte, so ließ er sie vorsichtig schweigen, ent weder weil er verängstigt war, oder weii er vorzog, ruhig in seinen bombensicheren Stellungen am Fuß der Kuppen sitzen zu bleiben. Seine Schützengräben, die gerade vor uns lagen, waren nicht an den Kuppen, sondern im Feld, 200 Meter von dem Fuße der Hügel entfernt. Dort war er in verhältnißmäßiger Sicher heit, denn unsere Artilleristen hatten hauptsächlich die Kuppen als Ziel genommen. So brach die Nacht herein, ohne daß ein sichtbares Resultat erzielt war, es sei denn, man rechnete den Munitionsverbrauch und die allgemeine Ueberzeugung, daß die Boeren entweder diese vorgeschobene Stellung aufgegeben hätten, oder sie unter dem Schutze der Nacht aufgeben würden, alS ein solches Resultat. 'Die Artilleristen und die Hochländer-Brigade, sowie die 9. Lancers biwakirten dort, wo sie waren, etwa 3 Kilometer von der Station Modder-River, während die Gardebrigäde ihre Zelte abbrach und zur Unterstützung herankam. Feuer waren verboten, selbst Pfeifen durften nicht angczündet werden, Te spräche wurden im Flüstertöne geführt. Als dann der Aufbruch kam, etwa um 1 Uhr, Herade al» her junge Mond am Verschwinden war, sammelte sich die Mannschaft schweigend bei ihren Compagnien, und man hätte glauben können, ein Gespensterheer sei auf dem Marsch; nur wenn ein Streichholz angezündet ward, um den rückwärts marschirenden Bataillonen den Weg zu zeigen, ward diese Einbildung für einen Augenblick zerstört. In Regen und Dunkelheit. Das Schicksal war an diesem Tage wider unseren General: Als der Mond unterging, begann es in Strömen zu regnen, und die Truppen, die nicht gefrühstückt und nur wenig geschlafen hatten, waren lange vor Be ginn der Angriffs bewegung völlig durchnäßt. Waren schon die Elemente auf Seite der Boeren, so waren diese selbst überdies viel besser über unseren beab- sichtigtenAngriffunterrichtet,alsalleOffi- ciere und Mannschaften der Angriffscolonne, den Stab ausgenommen. Allgemein war die Truppe der Ansicht, daß Lord Methuen, im Gegensätze zu seinem sonstigen Verfahren, versuchen wollte, die feindlichen Schützengräben von der Flanke her anzugreifen. Die Magsrsfontein-Kopjes lagen, wie bereit» erwähnt, in nörd licher Richtung, gerade vor uns und endeten plötzlich in einen steilen, einem Vorgebirge ähnlichen Abfall. Die un» bekannten Boeren-Schützengräben zogen sich quer vor unserer Front am Fuße der Kopjes hin. Ging die Colonne in der vorher einge schlagenen Marschrichtung weiter, so konnte sie hoffen, recht» an den Kopjes und damit auch an den Schützengräben vorbeizu kommen, so einen Frontalangriff zu vermeiden und die feindliche Flanke zu gewinnen, während die Artillerie, genau wie am Sonn tag, gegen die Front zu wirken hatte. Thatsächlich aber lagen die Dinge ganz anders. Zunächst er streckten sich die Schützengräben des Gegner» vor unserer Front nach rechts über die Kopses hinaus ins offene Feld, so daß «in viel weiteres Ausholen nöthig gewesen wäre, um sie zu umgchen, und zweitens bestand gar nicht die Absicht, sie zu vermeiden, sondern sie unter dem Schuhe der Dunkelheit mit dem Bajonett zu nehmen. Die Verluste der H 0 ch l ä nd e r - B r i g ad e. In Gemäßheit dieses AngriffSplane» ging die Hochländer- Brigade in geschlossenen BataillonScolonnen bis auf 450 Meter an die feindlichen Schützengräben heran; die Ordnung blieb trotz der vollkommenen Dunkelheit und de» unebenen, mit dichten Dornenbüschen bedeckten Geländes leidlich gewahrt. KOO bis 600 Meter vom Feinde entfernt, stellte sich ein unangenehmer Drahtzaun entgegen; er wurde glücklich überwunden, und die Brigade erreichte ein ebenes Gelände, welche» außer niedrigen Dornenbüschen keine Deckung aufwie» und dem Gegner «in vor« treffliche» Schußfeld darbot.
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