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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 01.12.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-01
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001201016
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900120101
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900120101
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-01
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
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t- - BezugS-PreiS ?a der Hauptexpedition oder den im Stadt« bezirk und den Vororten errichteten Aus gabestellen 'bgeholt: vierteljährlich./L 4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins HauS 5.50. Durch die Post bezogen für Deutschland u. Oesterreich: vierteljährl. 6. Man abounirt ferner mit entsprechendem Postaufschlag bei den Postanstalten in der Schweiz, Italien, Belgien, Holland, Luxem« bürg, Dänemark, Schweden und Norwegen, Rußland, den Donaustaaten, der Europäischen Türkei, Egnpten. Für alle übrigen Staaten ist der Bezug nur unter Kreuzband durch dit Expedition dieses Blattes möglich. Die Morgen-Ausgabe erscheint um */,7 Uhr, die Abend-Ausgabe Wochentags um S Uhr. LeLartion und Expedition: Jvhannisgasse 8. Filialen: Alfred Hahn vorm. O. Klemm'S Sortim. Umversitätsstraße 3 (Paulinum), LouiS Lösche, Katharinenstr. 14, part. und Königsplatz 7. Morgen-Ausgabe. MipMcr TmMatt Anzeiger. Amtsblatt des Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, des Nathes und Nolizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Anzeige» PreiS die 6gespaltene Petitzeile 25 H. Reclamen unter dem Redactionsstrich (Sgespalten) 75 vor den Fannliennach- richten (L gespalten) 50 H. Tabellarischer und Ziffernsatz entsprechend höher. — Gebühren für Nachweisungen und Offertenannahme 25 H (excl. Porto). Ertra Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbcjörderung .L 60.—, mit Postbesörderung 70.— Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Vormittags 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4 Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je ein« halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. Sonnabend den 1. December 1900. 811 94. Jahrgang. Die Nekrutirung Ler französischen Armee. Don militärischer Seite wird uns geschrieben: Die jetzt veröffentlichte Uebersicht über die Ergebnisse der HeereLergänzung in Frankreich für das Jahr 1899 fällt mit den gleichen Veröffentlichungen über die deutsche Armee zu sammen, die jetzt dem Reichstage zugegangen sind, und das an schauliche und sehr lehrreiche Bild, das dadurch vor unseren Augen entwickelt wird, findet naturgemäß das weitestgehende Interesse aller Kreise. Aus den französischen Bestimmungen er sieht man zunächst, daß, obgleich die rigorosen Aushebungs bestimmungen des früheren Kricgsministers, General Merciers, nicht mehr in gleichem Maße zur Anwendung kommen wie früher, die Zahl der dienstfähigen Mannschaften immer noch hinter den gehegten Erwartungen zurückbleibt, so daß an eine Aufstellung aller fehlenden vierten Bataillone der Infanterie thatsächlich noch immer nicht gedacht werden kann. Diese für Frankreich so überaus wichtige und lange vorbereitete Neu organisations - Bestrebung wird naturgemäß auch von Deutsch land mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und um so sorgfältiger in seiner Wciterentwickelung beachtet, als in der französischen Presse über das Vorhandensein und die beabsichtigte Verwendung der vierten Bataillone die verschiedensten, sich oft widersprechenden Angaben verbreitet werden. So hieß es in der vergangenen Woche u. A., die erforderlichen Mannschaften seien in Wahrheit doch vorhanden, aber der Kriegsminister habe außer aus budgetären Rücksichten auf ihre augenblickliche Ver wendung und Einstellung verzichtet, weil er nach und nach sämmtlichc vierten Infanterie Bataillone zu je einer neuen Brigade für die in Frankreich stehenden 19 Armeecorps zu sammenfassen wolle. Wir halten diese Mittheilungen nicht für zutreffend und benutzen eine bessere Quelle, die zuverlässigen Aufschluß über die bis heute thatsächlich bestehenden Formations verhältnisse der vierten Bataillone giebt. Darnach haben von 145 Infanterie-Regimentern erst 93 die gesetzlich zugcstandenen vierten Bataillone zu 4 Compagnien erhalten, 11 Regimenter tonnten die vierten Bataillone nur zu je 3 anstatt zu 4 Com pagnien formiren, 22 Regimenter haben von dem vierten Bataillon nur 2 Compagnien, 16 Regimenter nur 1 Compagnie, während 3 Regimenter noch gar keine Compagnie der vierten Bataillone aufstellcn konnten. Hieraus crgiebt sich mit un zweifelhafter Klarheit, daß sowohl an das Budget von 1901 wie an die Jahrcsclasse 1899 ganz erhebliche Forderungen heran treten müssen, wenn den vorgenannten 52 Regimentern vierte Bataillone mit dem vollen Etat von je 4 Compagnien zuge wiesen werden sollen. Daß in dieser Hinsicht nicht hohe Erwartungen an das jüngste Jahrescontingent geknüpft werden können, haben wir schon Eingangs angedeutct, und dieser Hinweis findet in vollem Umfange seine Bestätigung, wenn man sich die über die NAruti- rung in Frankreich angegebenen Veröffentlichungen etwas näher ansieht. Gestellt hatten sich im Jahre 1899 im Ganzen 324 538 junge Leute oder 6640 weniger, als beim vorhergehenden Jahr gang. Von diesen Gestellungspflichtigen wurden 29 313 Mann als völlig dienstunbrauchbar bezeichnet, so daß für den activen Diensteintritt im Herbst d. I. zunächst 295 225 Mann übrig blieben, hierzu kamen die aus dem Jahrgange 1897 auf ein Jahr zurückgestellt gewesenen 45 276 Leute, die zum zweiten Male auf ihre Dienstbrauchbarleit untersucht und von denen 13 379 für felddienstfähig erachtet wurden, ferner 23 960 Mann der Jahrcsclasse 1896, die sich zum zweiten und letzten Male vorstellten, und von denen 5460 als diensttauglich bezeichnet wurden. Aus der Gesammtzahl all dieser Leute sind aber nach näherer Prüfung der einschlägigen Verhältnisse und nochmaliger Durchsicht aller Papiere und Vorschriften nur 207 443 Mann als für den Heeresdienst geeignet bezeichnet worden, und auch von diesen mußten im letzten Augenblick noch 795 Mann, die sich zum Eintritt in die Colonialarmee meldeten, gestrichen werden, so daß das Jahrescontingent 1899, das also in diesem Jahre zum Eintritt in die Armee gelangen wird, 206 648 Mann beträgt. Demgegenüber werden in Deutschland 1696 760 Mann geführt, und zwar 761998 20jährige, 486 978 21jährige, 362 568 22jährige, 130 216 ältere. Davon sind 94 224 als unermittelt geführt, 97 800 ohne Entschuldigung ausgcblieben, 427 586 anderwärts gestellungspflichtig geworden, 579 429 zurückgestellt, 1245 ausgeschlossen, 43196 ausgemustert, 112 839 dem Landsturm ersten Aufgebots, 82 733 der Ersatzreservc, 1076 der Marine-Ersatzreserve überwiesen, 226 957 ausgehoben, 5187 überzählig geblieben, 23 266 in das Heer, 1222 in die Marine freiwillig eingetreten. Von den 226 957 Ausgchobenen wurden für das Heer 216 880 zum Dienst mit der Waffe bestimmt, 4591 zum Dienst ohne Waffe, für die Marine 2354 aus der Landbevölkerung, 3132 aus der see männischen und halbseemännischen Bevölkerung. Wie bei obigen Zahlenvcrhältniffcn die weitere Entwickelung der französischen Armee vor sich gehen wird, wie sich ferner die im Vordergrund aller militärischen Tagesfragen stehende zwei jährige Dienstzeit gestalten wird, darüber sind die einsichtigen Männer Frankreichs nicht nur sehr im Zweifel, sondern vor allen Dingen sehr besorgt und beunruhigt. Genaue und ein wandfreie statistische Angaben beweisen nämlich, daß die Ge- burtsziffer i» Frankreich von Jahr zu Jahr abgenommen hat, wodurch bei weiterem Heruntergehen dieser Zahlen der Militär verwaltung immer größere Verlegenheiten entstehen müssen. Die Zahl der männlichen Geburten betrug 1895 noch 446 957, 1896 nur 436 663 und 1897 sogar nur 425 889, im Verlauf von nur 3 Jahren war also eine Verminderung von 21086 ein getreten, für deren Ausfall die Heeresverwaltung naturgemäß keinen Ersatz zu schaffen wußte. Freilich hat ja der Statistiker Kolb den Versuch gemacht, nachzuweisen, daß die verringerten Geburtsziffern nicht immer gleichbedeutend mit der Abnahme kriegs« und erwerbsfähiger erwachsener Personen zu sein -rauchten, sondern daß sogar diese Verminderung der Entwicke lung und Kräftigung der Kinder zu Gute komme, aber Herr Kolb hat mit diesem Trost den Franzosen doch nicht über ihre Ihatsäcklichen Verlegenheiten des fehlenden Heeresersatzes hin- weghelfen können und auch bis jetzt noch nicht erreicht, daß mit seinen Vermuthungen daS numerische Gleichgewicht in der fran zösischen Armee auch nur einigermaßen wiedcrhergestellt wird. Mit nicht unberechtigter Besorgniß weisen die Franzosen auf die analogen Verhältnisse in Deutschland hin, das ihnen mit seinem wachsenden Wohlstände, den zunehmenden Bevölke- rungSziffern und mit dem steten Aufschwung aller Heeresein- sstchkungen mehr und mehr als rin unerreichbares Ziel erscheint. Die Wirren in China. Rußland unter einer Decke mit China. Die „Times" berichten auS Peking unter dem 29. No vember: Der russische Gesandte, der schon allen Puncten der von den Gesandten vorbereiteten gemeinsamen Note zu gestimmt hatte, einschließlich der zur Bedingung gemachten Hinrichtung der schuldigen Prinzen und Beamten, hat jetzt den chinesischen Bevollmächtigten mitgetheiit, daß Rußland, daS stets von aufrichtiger Freundschaft für China beseelt gewesen sei, eine Abänderung der Bestimmungen der Note verlange, damit diese China genehm seien. Rußland besteht hauptsächlich daraus, daß die Bestimmung bezüglich der Todesstrafe der schuldigen Prinzen und Be amten ab geändert und statt dessen festgesetzt werde, daß dir Schuldigen von den Chinesen in einer für die Mächte annehmbaren Weise zu bestrafen seien, oder daß die einzelnen Puncte der Note nickt als unwiderrufliche Beschlüsse der Gesandten angesehen würden, mit anderen Worten, daß sie nach weiteren Unterhandlungen mit den chinesischen Bevollmächtigten abgeändert werden können. Augen blicklich werden die chinesischen Bevollmächtigten über die Debatten in den Versammlungen der Gesandten so gut unterrichtet, und cs sind die Be ziehungen zwischen L i-H nn g-T s ch a ng und den Russen so intim, daß man nickt recht einsicht, weshalb Li-Hung-Tschang nicht gleich aufgefordert worden ist, den Sitzungen der Gesandten beizuwobnen. Auch Japan ver langt eine Abänderung der von den Gesandten entworfenen Note durch Hinzufügung der Bestimmung, daß China dem ermordeten Kanzler der japanischen Gesandtschaft Sngiahama ein Denkmal errichte. Tie Tchanhaikwan-Bahli. Tie Londoner Blätter berichten unter dem 28. November auS Peking: Heute verlautet hier, daß die Russen die Eisenbahn Schanhaikwan-Tieutsiu den Deutschen ausliesern, die sie wiederum den Engländern über geben würden. Die Engländer würden die Bahn wieder in Stand setzen. Die Arbeiten zur Instandsetzung der Bahn sind noch nicht einmal begonnen worden. < Weitere Meldungen. * London, 30. November. (Telegramm.) Die „Times'- berichten aus Peking unter dem 29. November. Eine französische Truppenabtheilnng befindet sich jetzt an der Grenze dec Provinz Schenji westlich von Tsching-ting, und beabsichtigt, nach Toycnfu aufzubrechcn. — Dem „Standard" wird aus Shanghai unter dem 29. November berichtet: Am Sonnabend sind in Hangtschou durch eine Pulverexplojion 40 Personen getödtct worden. (Wiederlwlt.) k'. Peking, 29. November. (Telegramm des Deutschen Flotten vereins.) Graf Dork ist am 27. November an der Kohlcugas- Vergiftung in Kalgan gestorben. Graf Waldersee reist zum Besuch nach Kalgan. — Die Nachricht von dem Vordringen fran zösischer Truppen in der Provinz Schensi ist unrichtig. (Wdrhlt.) * Berlin, 30. November. (Telegramm.) „Wolss's Tclegr.- Bnreau" berichtet aus Peking unter dem 29. November: Aus Be treiben der deutschen Gesandtschaft ist durch den Prinzen Tsching die Absetzung des Magistrats in Tschanglo wegen christen- srindlicher Agitationen durchgesetzt worden. * Petersburg, 30. November. (Telegramm.) Das Kriegs ministerium theilt mit, daß ein am 24. November gecharterter Dampfer mit 13 Osficieren und 1088 Mann, die dem 14. und 15. Schützenregiincnt und anderen Trnppentheilcn augchören, von Port Arthur nach Odessa abgegangen ist. Eiu Attentat auf die Kaisertu-Wittwe k Etwas verspätet wird jetzt ein kaiserliches Decret, datirt den 4. October, bekannt, welches besagt, vaß versucht worden ist, die Kaiserin-Wittwe während der Flucht nach Singan-fu zu ermorden. Die Bekanntmachung lautet nach der Uebersehung der „North China Daily News": „Als der kaiserliche Zug auf seinem Wege nach unserer neuen Hauptstadt Singan heute durch das Dorf Kan Dian im District Kioshiu der Provinz Shansi kam, stürzte sich plötzlich ein Wahnsinniger, Namens Kuo Teng- yuan, der sich für einen Boxerführer ausgegeben hatte, auf den kaiserlichen Cortöge los, sprach sonderbare Worte und nahm eine sonderbare Haltung an, durch die er unseren Weitermarsch be hinderte. Der besagte Kuo Teng-yuan wurde deshalb auf der Stelle ohne Gerichtsverfahren sumarisch hingerichtet. Ch'cn, der Präfect des besagten Districtes Khinshiu, ist schuldig, die Borer ermuthigt und angefcuert zu haben und wird deshalb hiermit seines Amtes enthoben und für immer aus dem öffentlichen Dienste gestoßen." Der Ueberseher bemerkt hierzu, daß die Aus drücke „sonderbarer Haltung" auch bedeuten „Rache rufend und Waffen tragend". Ferner ist die sumarische Enthauptung des sogenannten Attentäters außerordentlich bezeichnend, da daS chinesische Gesetz verlangt, daß eine Person, die sich des Ver brechens schuldig macht, „einen kaiserlichen Zug auf seinem Wege aufzuhalten oder zu stören", dem Minister, der der Vorsitzende des Strafcollegiums ist, übergeben werden soll. Die Strafe ist stets nur Verbannung für drei Jahre auf eine Entfernung von 3000 Li von seinem Wohnorte und 100 Stockstreiche. Es scheint also, daß der Mann in Nothwehr getödtet wurde; jedoch fehlen außer diesem Decret bis jetzt alle Nachrichten über den Vorfall. Nach einer Zusammenstellung der „Nordd. Allgem. Ztg." sind die deutschen Streitkräfte in China augenblicklich folgendermaßen vertheilt: In Peking: Armee-Obercommando, 1. und 2. See bataillon, 1. Jnf.-Brig. (ohne 1. Batl. Jnf.-Regts. 2 und die 9. Compagnien), Jäger-Comp. 2. Esc. des Reiter-Regts., 1. Abtheilung des Feldart.-Rcgts., Marine-Feldbatt. des Ost asiatischen Expeditionscorps, Pion.-Detachement; im Ganzen: 5^ Batle., 1 Esc., 3 Batt., 1 Pion.-Det. — ca. 5800 Mann; inTicntsin: Commando des Ostasiatischen Expeditions korps, 3. Jnf.-Brig. (ohne die 9. Compagnien), Stab, 3. und 4. Esc. deS Reiter-RegtS., Stab und 3. Abtheilung des Feld artillerie-Regts., Pion.-Bail. (ohne 2 Detachements); imGanzen: 4 Batle. Inf., 2 Esc., 2 Batt., ca. Pion.-Batl. --- ca. 4360 Mann; in Paotingfu: 2. Jnf.-Brig. (ohne die 9. Compagnien), 1. Esc. des Reiter-Regts., 2. Abtheilung des Feldart.-Negts., Pion.-Det.; im Ganzen 4 Batle., I Esc., 3 Batt., 1 Pion.- Detachement ca. 4055 Mann. Kleinere Etappencommandos, welche von den bisher genannten Truppen abgegeben sind, befinden sich auf den Linien Tientsin- Peking, Ticntsin-Paotingfu unv Peking-Paotingfu, währens bas Eisenbahn-Bataillon mil ver Wiederherstellung der Bahnlinie Dangtsun-Peling beschäftigt ist. In Peking unv Paotingfu stellen die Deutschen das größte Kontingent dec verbündeten Truppen, in Tientsin die Engländer. Im Verein mit den Truppen anderer Mächte stehen zur Sicherung der Operationsbasis deutsche Truppen folgendermaßen: in S ch a n h a i k w a n: Stab und 2 Comp. 1. Batls. Jnf.-Regts. 2 — ca. 425 Mann; in Dungpingfu (ca. 80 Kilometer westlich Schan- haikwan): 2 Comp. 1. Batls. Jns.-Regts. 2 — ca. 425 Mann; inTangku : Etappen-Commando, die 9. Comp. der Jnf.- Regtr. 3, 4 und 6 — ca. 600 Mann; in Taku (Südfort): 1. Batt, vom Batl. schw. Feld haubitzen — ca. 250 Mann. Abgesehen von den in der Provinz Tschili untergebrachten Truppen befinvcn sich in China noch an folgenden zwei Plätzen deutsche Garnisonen: in S h a n g h a i: 9. Comp. Jnf.-Regts. 1, 9. Comp. Jnf.-Regts. 2 — ca. 400 Mann; in Tsingtau: 9. Comp. Jnf.-Regts. 5, 2. Batt, vom Batl. schw. Feldhaubitzcn und, als nicht zum Expeditionscorps gehörig, das 3. Seebataillon mit der zugehörigen Marine- Feldbatterie — ca. 1700 Mann. Zum Schluß sei noch die Zusammensetzung der beiden augen blicklich unterwegs befindlichen Expeditionen genannt, seren Truppen als zur Garnison Peking gehörig dort mit aufgcfllhrt wurden. Es befinden sich bei der Colonne Uorck: 1. Batl. Jnf.-Regts. 1 (ohne 3. Comp.), Jäger-Comp., 2. Esc. des Reiter-Regts., ^/:i 7. (Ge- birgs-) Batt, (zur 1. Abtheilung gehörig), außerdem: 1 Comp. Qesterr-io;cr, ( Brtl i Gebirgs Batt. Italiener. Cotonne Mühlenfels: 2 Comp., 2 Geschütze und berittene Mannschaften. Die Rückkehr beider Kolonnen nach Peking kann Ende dieses oder Anfang nächsten Monats erwartet werden. Ob jedoch an einem der von der erstgenannten Colonne berührten größeren Orte ein vorgeschobener Posten belassen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Der Krieg in Südafrika. Krüger in Paris. Tie meisten Pariser Blätter äußern sich zustimmend zu der Kundgebung in der Kammer für den Präsidenten Krüger. Die nationalistischen Organe legen Ler Kundgebung eine große Bedeutung im Sinne einer Förderung der Ver- mitteliingsirce bei. „Figaro" meint, ein Vermittelungö- Vorschlag könne nur von ter holländischen Negierung ausgeben, da die Holländer desselben Stammes wie die Boeren seien und die Sckiedsgerichlstbcorie zuerst im Haag formulirt worden sei. „Siöcle" befürchtet, die Kundgebung der Kammer werde nur die Feindseligkeiten vermehren, die die Nationalisten zwischen England und Frankreich angesacht hätten. Die Londoner Blätter urtbeilen, wie der „Voss. Ztg." gemeldet wird, sehr abfällig über den gestrigen Beschluß der französischen Kammer, durch den Krüger deren Theilnabme bekundet wird. Tie „Times" sagen, die Kammer Frankreichs versetze sich in eine höchst unwürdige, ja lächerliche Lage, wenn sie sich in internationale Angelegenheiten mit dem NuSvruck rein platonischer Gesinnungen mische, die sie nicht in Tbaten übertrage, die französische Regierung sei allerdings nicht mit diesem kindischen Vorgehen in Verbindung zu bringen. Sie that das Beste, was unter den Umständen getban werden konnte. „Daily Telegrapü" beklagt lies den Mangel an Zurückhaltung der französischen Kammer. Wenn etwas erforderlich wäre, um unseren Entschluß zu stärken und bei der Ausgabe zu ver harren, die wir in Südafrika unternommen haben, so würde eS dieser Versuch sein, die öffentliche Meinung auf dem Festlande zu Gunsten einer Eininischung zu beeinflussen, thatsächlich wird keine Macht eS unter nehmen, uns irgend welche Vorstellungen zu machen. Denn dies würde ei» diplomatisches Fasboda für die Mackt werden, die dergleichen versuchte. „Standard" und „Daily Mail" erklären mit Nachdruck, England würde eine Ein mischung nicht einen Augenblick dulden nnd keinerlei Drohungen weichen. van» Kriegsschauplätze. * Lranjeriver, SO. November. (Telegramm.) Eine Ab- »Heilung des Generals Eettle wurde am letzten Dienstag von 400 Boeren unter dem Coinmandaiiten Hcrtzog in der Nähe von Lückhoff angegriffen. Die Feinde hatten eine starke Stellung eingenommen, sie wurden aber nach heftigem Kampfe daraus ver trieben; sie sollen schwere Verluste erlitten haben. Die englischen Verlust, sind gering. Hertzog versucht, eine Verbindung mit Dewet herzustellen, der sich in der Nachbarschaft befinden soll. (Rentermeldung.) Eatzftadt, 30. November. (Telegramm.) Eine vorläufige Versammlung des vereinigten LomitSS der Flüchtlinge aus Transvaal ist am letzten Dienstag im hiesigen RrgierungSgeSäude abgehalten worden. Ter Gouverneur Miluer führte in dieser Ver sammlung auS, daß sein letzter Beiuch in TrauSvaal ihn zu der Ansicht bekehrt habe, daß eS kür die UitlanderS noch nicht möglich sei, in genügender Anzahl, die Eingeborenen eingerechnet, nach Trans vaal zurückzukehren, uin die Geschäfte wieder aufnrhmen zu können. Er sei der Ansicht, daß di« gänzliche Wiederaufnahme der Geschäfte erfolgen könne, bevor die Ordnung allgemein wieder herqestellt sei, er bitte aber dringend, die Leute möchten nicht zurückkehren, bevor man in der Lage sei, ihnen zu helfen. — 300 Mann wurden in das Lager von Worcester entsandt, wo der Eongreß der Afrikander am 6. December zusauimenkoinmt. — Feldmarschall Roberts hat Johannesburg verlassen und ist nach Durban ab gereist. Er wird ain 7. December in Capstadt erwartet, wo er sich einige Tage auihalten wird. (Neuterineldung.) " Wien, 30. November. (Telegramm.) Gestern hat in Fiume der englische Dampfer „Mouinouth" angelegt, nm abermals 950 Pferde für England nach Südafrika aufzu* nehmen. (Boss. Ztg.) Tic Verluste Ser Voercu. Zwischen der „Cap Times" und „Hct Zuiowesten", zwei in der Capcolonie erscheinenden Blätter, herrscht Meinungsver schiedenheit über die Verluste der Boeren. Die „Cap Times" giebt die Verluste an Todten nach Informationen aus englischer Quelle auf 2448 an. „Het Zuidwestcn" stellt dieser Behauptung eine Berechnung nach Angaben des Lehrers Hondius in Pretoria gegenüber, welcher als Beamter unter Prof. Molengraasf beim Jnforniationsbuceau thätig war, wo alle Legitimationskarten cinliefen, die von englischer und Boerenseite bei gefallenen Boeren gefunden wurden. Es fielen demnach in den Schlachten bei: Elandslaagte 75, Dundee 91, Modderspruit 33, Colcnso 7, Stormberg 15, Belmont, Graspan, Modderriocr 120, Magers- fontein 70, Spionkop 70, Kimberley 30, Colesberg, Dordrecht 35, Ladysmith 115, Mafeking 30, Paardeberg 30, Pieters Hoogte .50, Abrahamstraal 25, Wepener 15, spätere Gefechte bis August 154. Zusammen 1000. Professor Molengraasf, der vor Kurzem aus Südafrika zurückgekehrt ist und nunmehr in Bussum bei Amsterdam wohnt, erklärt, daß die Gesammt- Verluste der Boeren an Todten bis zum 4. Juni (der Tag vor der Besetzung Pretorias), sich auf 1058 beliefen. — Präsident Krüger erklärte, daß bei seiner Abreise von Lourenc;o Marquez die Namen von 12—1400 Todten bekannt gegeben waren. (Die Ausländer sind in diese Summe einbegriffen.) Ter bevor stchcuSe Vocrcutrck uach Tcutsch-Wcstafrika. Wir lesen in ver in Amsteroam erscheinenden „Deutschen Wochenzeitung in den Niederlanden": Gegen fünfzig der in Amsteroam weilenden C a p c o l o n i st c n haben beschlossen, m:l ihren Familien nach Groß-Namaqua und Damara- lanv a n s z u w a n d e r n. Die ttnirrhanblungeu mit der oeutschen Regierung sind im vollen Gange, denn die Boeren wünschen direct von der Regierung Land anzutaufen uns nur im Bedarfsfälle sich an die Gesellschaft zu wenden, in welcher ein Rhodes Summe hat. Die Boeren rühmen oa- Entgegenkommen des Directors des Colonialamtes, Herrn Dr. Stükel, der die von beiden Parteien gestellten Bedingungen stipulirk uns geprüft hat. Es fehlt nur noch die Sanctio.ürung der Ilebereinkunft, in welcher die Boeren sich u. A. bereit erklärten, Kriegsdienste z.- leisten, für den Fall deutsches Grundgcbiet, ans welchem sie wohnen, angegriffen wird. Gewehre und Munition empfangen sie zum Selbstkostenpreis vom deutschen Gouvernement. Sie genießen Las volle Bürgerrecht. Der Lehrplan ihre: Schulen weicht einigermaßen von dem Ler deutschen ab. So wird z. B. oer Unterricht in der holländischen Sprache obliga torisch gestellt. Durcb ein Gesetz für den Bergbau werden Fälle geregelt, in welchem Grundbesitzer in iyrcm Grund und Boden Mineralien finden. Etwa- Schwierigkeit scheint das Ersuchen um freie Ausfuhr von Schlachtvieh nach der Capcolonie und an deren benachbarten Märkten zu bereiten. Nach dem Dafürhalten der Boeren ist der Umsatz von Schlachtvieh in der deutschen Kolonie selbst nicht bedeutend genug. Auch behalten sich Vie Boeren das Recht vor, ihre Besitztümer vorkommenden Falls, ohne Zustimmung des Gouvernements verkaufen zu dürfen, an wen sie wollen. Eine Petition um Erlassung des Einfuhrzolls auf Artikel welche sie zu Einrichtung ihrer Farmen u. s. w. benöthigen, ist beigefügt, ferner ein Ersuchen an die Direction der Woerman linie nm Ermäßigung der Passagier- und Frachtpreise. Unter den genannten Boeren befinden sich solche, welche in der Capcolonie zu den Millionären gezählt wurden. Einen, von ihnen wurden von den Engländern Mobilien confiscirt und öffentlich zum Spottpreis von 20 000 Pfund Sterl. versteigert. Die Immobilien blieben im Besitz der Familie und werden von dieser nunmehr verkauft. Mehrere der sehr vermögenden Boeren werden binnen Kur zem eine Reise nach Deutschland antreten, um bei den dortigen Fabrikanten große Einkäufe in verschiedenen Artikeln zu machen, für welche, wie oben erwähnt, von der Regierung Er lassung des Einfuhrzolles erbeten imirde. Auch in Zukunft wer den diese Boeren, denen nock viele andere Familien aus Ser Cap colonie zu folgen gedenken, alle Bedarfsartikel direct aus Deutschland beziehen. Wir haben uns davon überzeugt, welche vortheilhaften Anerbietungen den Boeren gemacht werden, falls sic gewillt sind, nach Madagaskar oder Amerika aus zuwandern. Sie ziehen es jedoch vor, in der Nähe ihrer alten Heimath zu bleiben, wo so viele Verwandte von ihnen wohnen und ein leich ter Verkehr mit diesen zu bewerkstelligen ist. Man kann der deutschen Colonialregierunz nur Glück zu diesem „Boerentret" wünschen, denn die Theilnehmcr an dem selben sind durchweg praktische Landwirthe von riesigem Körper bau uns bedeutender Intelligenz. Sie Alle haben auf Andringc» der Präsidenten Krüger und Steijn Pretoria kurz vor der In besitznehmung durch öie Engländer verlassen und die Reise nach Europa angetrctcn, da sie nach eventueller Gefangennahme als Rebellen behandelt worden wären. Deutsches Reich. * Lcipzta, 3V. November. Die bayerisch« Regierung ist der „Allgem. Ztg." zufolge ersucht, für die am 1. Januar zu besetzende Stelle eines ReichSzericht-rathS einen Vorschlag zu macken. ' Leitzzt«, 30. November. Die ulir «montane „Köln. Volk sztg." und ihr Dresdener Bericht erstatten springen in ihrem Bemühen, die Zustände in Sachsen und den „Terrorismus" der angeblich im Banne des Svanqe lischen Bundes befindlichen sächsischen Presse als unerträglich erscheinen zu lassen, mit der Wahrheit seltsam um. DaS ge nannte Blatt läßt sich nämlich aus Dresden melden: ,Um auf die Schrift der Prof. Nippold: „Der sächsische Adel und der
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