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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 21.12.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-21
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001221019
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900122101
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900122101
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-21
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
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Bezug--Prei- Mm abmmkrt ftrnrr mit entsprechendem Pofiaasschlag bei dm Postaustaltm i» d«r Jtalie», Velgie», Holland, Luxem- bum. Dlwenurrk, Schwebe» und Ronmge», Rußland, dm Doaaustaaten, der Europäisch« Dickt, Egnptm. Für alle üLrkge» Staat« ist der Bezug nur unter Kreuzband durch di» chxp.».«^ dieieä Blatte» miigtich. Di« Moram-Uulaab« erscheint um »/,7 llhch die Aß«»äl»»gabe voehentag« »« » Uhr. Le-artlim und Lr»Mtt-u: Joßauntägaffe 8. Filiale«: Alstrst Hast» Vvrm. v. Klemm's Sortim. Uutversitätsstraße 8 (Paulumm), Lauts Lisch«, Kathariumstr. ich pari, nud Ksuigsplatz 7<t Morgen -Ausgabe. U npMcr T llg Matt Anzeiger. ÄmLsökatt des ÄöMiche« Land- nnd Amtsgerichtes Leipzig, -es Mathes nnd Polizei-Amtes der Ltadt Leipzig. W. Areitag den 21. December 190V. Anzeige«-Preis die 6 gespaltene Petitzeile S5 Rerlainen unter dem Redactiousstrtch (4 gespalten) 7^ vor den Familiennach- richten (6 gespalten) ?>O Tabellarischer und Zifferasatz entspttch-nd bSher. — Gebühren für Nachweisung« und Tfferteiiannahme 25 H iexel. Porto). Extra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Poftbesürderuug 60.—, mit Pofibesörderuug 70.—. Junahuuschluß für Anzeige«: Ab end-Ausgabe: Bormittags 10 Uhr. Morgeu-Ausgabe: Nachmittag- 4 Uhr. Bei den Filialen und Auuahmestellen je «ine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Die Expedition ist Wochentags ununterbrochen geöffnet von früh 8 bis Abends 7 Uhr. Druck und Verlag von E. Bolz in Leipzig. 94. Jahrgang. Der neue Entwurf eines Gesetzes, betreffend Las Urheberrecht an Werken der Literatur und der Tonkunst. Dem nach deu Weihnachtsferien wieder zusammentretenden Reichstage Wirtz in seiner ersten Sitzung am 8. Januar gleich zeitig mnt de. Entwurf« eines 'Gesetzes über tzaS Verlagsrecht der neue Entwurf eines Gesetzes, betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur und 'der Tonkunst, wie er vom Bundes- rathe genehmigt worden ist, zur Berathung vorliegen. Ein Vergleich dieses neuen Entwurfes mit demjenigen vom 13. Juli 1899 läßt erkennen, daß viel« Wünsche, die in den zahl reichen Eingaben niedergelegt waren, Berücksichtigung ge funden haben. MS Gegenstand des Schutzes sind in 8 1 auch Reden «ingefllgt worden, die dem Zwecke der Erbauung, der Belehrung oder der Unterhaltung dienen. In 8 3 wird der Kreis der juristischen Personen, die als Urheber angesehen wer- ven können, auf juristische Personen d«S öffentlichen Rechter beschränkt, so daß einem vom Börsenvereine der deut schen Buchhändler durch seinen Ausschuß für Urheber- und Ver lagsrecht erhobenen Bedenken, es könnten auch Aktiengesell schaften, Gesellschaften Wit 'beschränkter Haftung unter juristische Personen verstanden werden, begegnet worden ist. Als juristische Personen des öffentlich« Rechtes gelten nur der Staat, eine Gemeinde, «ine Akademie ckder Universität und dergleichen. Die Stellen des Schriftwerkes, an denen der Verfasser genannt sein kann, sind im gleichen Paragraphen noch durch -die Worte «oder amSchlusse" vermehrt worden. Der 8,5 des ersten Ent wurfes ist gestrichen worden, 'weil es in das Verlagsrecht gehört, die Verfügung über einen Beitrag in eine Zeitung, Zeitschrift oder ein sonstiges Sammelwerk zu regeln. 'Dem 8 9 (früher 10) ist neu angefiigt worden: „Zulässig sind Aenderungrn, für die der Berechtigte seine Einwilligung ertheilt hat oder nach Treu und Glauben nicht versagen kann." Di« ausschließliche Befug- niß de- Urhebers, daS Werk zu vervielfältigen und gewerbsmäßig zu verbreiten, soll sich nicht auch auf daS Verleihen erstrecken. Der Urheber soll aber, so lange nicht oer wesentliche Inhalt des Werkes öffentlich mitgetheilt ist, ausschließlich zu einer solchen Mittheilung befugt sein (8 11, früher 12). Als 8 14 ist neu eingeschoben worden: „Im Falle einer Uvbertragung deS Ur heberrechtes verbleiben im Zweifel dmn Urheber sein« ausschließ lichen Befugnisse: 1) für di« Uebersetzung eines Werkes in eine andere Sprache, 2) für di« Wiedergabe einer Erzählung in dra matischer Form oder eine- Bühnrnwecks in der Form einer Er zählung, 3) für di« Bearbeitung eines Werkes der Tonkunst, so fern sie nicht bloS in Auszügen oder in Einrichtungen für ein« zelne oder mehrere Instrument« oder Stimmen bestehen." Dir Ziffern 3 und 4 im § 16 de» ersten Entwurfes sind zu einem neuen 8 17 vereinigt worden. Dem Anträge des Urheberrechts ausschusses des Börsenvereins -der deutschen Buchhändler, die Wiedergabe eines Vortrages oder einer Rede, di« Bestandtheile einer öffentlichen Verhandlung sind, auch für die Buchform frei-- zugeben, ist nicht stattgegeben worden. Auch ist in 8 18 (früher 17) der unbestimmte und wandelbare Begriff „Vermischt- Nachrichten" nicht entfernt worden. Im 8 19 (früher 18) ver mißt man wieder die Sammlung „zu einem eigenthümlichen lite rarischen Zwecke" (8 7 deS Gesetzes vom 11. Juni 1870), so daß also die Herstellung der beliebten Anthologien, der Kommers bücher, Liederbücher und Märchensammlungen in Zukunft be deutend erschwert werden, und somit «in tirfer Eingriff in das geistige Leben des deutschen Volkes gethan würde. Einem, aller dings in anderer Form gegebenen Anträge des Vereins der deut schen Musikalienhändler verdankt folgender Zusatz zu 8 20 (früher 18) sein« Entstehung: „Für eine Aufführung deS Werkes (der Tonkunst) darf di« Dichtung auch allein abgedruckt werden, sofern der Abdruck ausschließlich zum Gebrauche der Hörer be stimmt ist." Im Uebrigen schränkt dieser Paragraph di« Be nutzung eines Schriftwerkes als Text zu einem neuen Werke der Tonkunst ein auf „kleinere Th«ilr einer Dichtung oder Gedicht: von geringem Umfange." Dahingegen ist im Interesse der Schul lesebücher die Grenz« erweitert worden, innerhalb deren die Be arbeitung eines Werkes zulässig ist, wenn es auf Grund der Paragraphen IS bi» 23 benutzt werden soll. Der neu« Zusatz zu 8 24 (früher 23) lautet dementsprechend: „Werden einzelne Gedicht«, einzeln« Aufsätze »der kleinere Lheil« eine» Schrift weck» in ein« Sammlung -nm SchuÜgebrauch aufgenommen, so sind auch sonstige für diesen Gebrauch erforderlich« Abänderungen zulässig." Die Dauer de» Schutzes (§ 29) hat durch di« Ein fügung der Dort« „und außerdem" erst klaren Ausdruck erhalten (der Schutz de» Urheberrechts endigt, wenn seit dem Tode de» Urhebers dreißig Jahre undaußerdem söit der ersten Ver öffentlichung dr» Weck» -eh« Jahr« abgelaufen sind.) Auch find hier die Weck der Tonkunst nicht mehr ausgeschlossen, so daß auch sie im Gegensatz zu dem ersten Entwürfe mit Ausnahme deS Aufführungsrechte» keinen längeren Schutz genießen al» Vie anderen Objecte de- UrheberrechtSschutzeS. An Stell« d«S den Schutz von Werken der Tonkunst auf SO Jahre festsetzenden 8 32 de» «rstrn Entwürfe» tritt nun 8 33 d«S neuen Entwurf«» mir folgendem Wortlaute: „Für die ausschließliche Aefugniß zur öffentlichen Aufführung «Ine» BöhnenwerkeS oder eine» Werke» der Tonkunst tritt an die Stell« der Frist von dreißig Jahren rin fünfzigjährige Frist. « 38 de- «rstrn Entwürfe» ist in der neuen Fassung in ß 32 mit unterbracht, so daß der bisherig» » 83 gestrichen ist. In de» Wirkungskreis d«S ß 38 ist im Gegen satz« zum ersten Entwurf« auch di» fahrlässig« Verletz»«« einbezogea, ebenso -die vorsätzlich, »der fahrlässige öffentlich« Aufführung eiuer nach ß 12 unzulässigen dramatische» Be arbeitung, wogegen der demmtsprechend« § SSW» bttheriMN Entwurf» wegfallt. In de» »mm» ß »st stid die Bestimm»«»» de» bisherig«, tz 48 nut hertkbergmonune», aber die Strafe für unberechtigt« Aenderungrn an dew Weck sechst, an dessen Titel oder em der Vezeichnnng dt» Urheber» auf bi» zu dreihundert, Mark cker ckrmt Monat GrstbwSiß vimuludert ward«» (AShe, bis zu eintausend Wart odrr drei Monat» Eefä^niß.) Vie Bestimmungen deS bisherigen ß 44 sind im neuen Entwürfe al» ß 40 einanetht, «brr »»ter Weglassung de» Schutze» der Privat- brirfr, TnstGstcher oder persichkichrn Llftzeichnumzen. Die Uni«- laffungderVurllr»a»g0bewtrdmirmit eiuhandertfünsziaM«! Estldstrafr belegt, «statt Fchfhwchert Mgek tue erste» EvMmefe. Nach brr alte NechtSzustaud ist wieder hergestellt worden, waumch die >e»lcht»»i der widerrechtlich hergßstäte» oder ver breiteten Exemplar« ustd der zur widerrechtlichen Vervielfälti- >ung ausschließlich bestimmten Vorrichtungen nicht nur im dtrafvrrfahren, sondern auch im Wege des bürgerlichen Recht - streite» verfolgt werden kann. Di« Sachverständigenkammern sollen auch über die Vernichtung von Exemplaren odrr Vor richtungen, sowie über Vie Zuerkennung des Rechtes, di« Exem plare und Vorrichtungen zu übernehmen (8 43) als Schiedsrichter verhandeln und entscheiden können, auch sollen die einzelnen Mitglieder der Sachverständigen- Kammern nicht allein nur mit ihrer Zustimmung, sondern auch nicht ohne die Genehmigung des Vorsitzenden von den Gerichten als Sachverständige vernommen werden. Die Udbirgangsbesirmmungen haben in Folge des Wegfalles der fünfzigjährigen Schutzfrist für W«rke der Tonkunst einige. Aende- rungen erfahren und find namentlich oedeutend verkürzt worden. Hatte schon das Reichsjustizamt in seinem zweit«» Entwurf viele Wünsche gus der Reihe der Interessenten beachtet, so hat namentlich der 'BundeSrath noch manchen Antrag im Gesetze ver- werthet und besonders den Vorschlägen des Urheber- und Ver- lagsr«chtsauSfchusseS des Vörsenvereins der deutschen Buch händler weitgehend« Berücksichtigung zu Theil werden lass«». —«n. ZUM Untergang der „Gneisenau". * Verii», 20. December. (Tel.) Von dem Capitän- Leutnant Werner wird nachträglich noch der Büchsenmacher gast Ripperger al« vermißt gemeldet. JaSgesammt werden 41 Mann vermißt. * Berlin, 20. December. (Tel.) Der deutsche Consul in Prag Freiherr v. Seckendorfs richtete nach stehende« Telegramm an den Staatssekretär deS ReichS- Marine-Anne» v. Tirpitz:' „Tieferschüttert von der. schweren Verlusten, die unser Land und unsere Marine durch die Strandung de« „Gneisenau" erlitten bat, bittet die diesige deutsche Gemeinde mich, der kaiser lichen Marine durch Euer Excellenz Vermittlung ihre tiefste Tbeilnahme zum Au«drucke zu bringen. Äch selbst be trauere in dem dabivgeschiedenen Commandanren Kretsch mann eine« Freund, dessen Bild au« der Zeit unseres gemeinsamen Arbeiten« an Ost »sie«« Küste unauslösch lich in mir fortlebrn wird." Die Antwort de« Staatssekretärs im ReichSmarineamt v. Tirpitz auf die Depesche des Prager ConsulS lautet: „Ihnen und der deutschen Gemeinde in Prag im Namen der Marin« von Herzen Dank für die innige Antbeilnabme an dem schmerzlichen Unglück, daS die Marine betroffen." Der commandirende Admiral in KarlSkrona tele- graphirte: „Tief erschüttert durch die Trauerbotschaft über die „Gneisenau" bitten die Seeofficiere der Marinestatiün KarlSkrona hiermit, durch Ew. Excellenz der deutschen Marine ihre innigste Theilnabme ausdrücken zu dürfen. Der Staatssekretär erwiderte: „Ew. Excellenz und den Kameraden von der Marinestation KarlSkrona sage ich im Namen der deutschen Marine warmen Dank für die innige Antbeilnabme an dem traurigen Geschick der „Gneisenau". An Admiral Fisher, Chef des englischen Miitrlmeer- geschwaderS in Malta, wnrde nachstehende Dankdepesche adgesaudt: „Bon Ew. Excellenz Telegramm anläßlich deS Verluste- der „Gneisenau" bin ich durch da- Auswärtige Amt in Aenntniß gesetzt worden. Im Namen der deutschen Marine sage ich Ew. Excellenz und den Kameraden von der Mittelmeerflotte innigen Dank für die Antheilnabme und an gebotene Hilfe. Sollte eine Unterstützung an der Unglücks stelle erforderlich sein, so weiß ich, daß die deutsche Fl otte auf die Mittelmeerflotte I. M. der Königin von England rechnen kann. Tirpitz." Namen« deS Flott en verein« München batte Gaf d» Moulin dem Staat«sekretär de« Reich«marineamte« seine Tbrilnabme an dem Verluste der „Gneisenau" «»«gesprochen. Auch ihm wurde gedankt. Dem Oberbürgermeister der Stadt Berlin ging durch den Staatssekretär v. Tirpitz nachstehendes Dank schreiben zu: „Ew. Hochwohlgeboren spreche ich NamenS der Marine tiefempfundenen Dank au« für die Tbeilnahme, die Ew. Hochwohlgeboren mir anläßlich de- schmerzlichen Unglück«, von dem dir Marine betroffen wurde, im Namen der städtischen Be hörden und der Bürgerschaft von Berlin zum Ausdruck gebracht haben. DaS überall sich kunvgebende Mitgefühl der Bevölkerung von Berli», dem Ew. Hochwohlgeboren so beredten Ausdruck ge geben habt», wird in den Herzen der Officiere und Mannschaften ebeuso warm empfunden werden, wie der begeisterte Empfang, den die städtischen Behörden und Einwohner am Tage de« Unglück« den au« Ostasten heimkrbreudea siegreichen Mann schaften der Mariue bereitet haben. Acker die Ursache» des v»,Iückck UPt sich anch die „Ratl. Eorresp." au«, und zwar nachdem fi« einleitend die persönlich zugespitzten Erörterungen, die doch vorläusia alle «och zu» großen Theil auf Eomb,Nationen beruhe» müssen, ebenso benrtheileu, wie wir da« schon im letzte» Abendblatt« artban habe». Zur Sache selbst wird „auf Gin»» tmgrhender Information an fachkundiger Stelle" ."geführt: »Es ist bemängelt worden, baß da« Schulschiff draußen «Nf der «Hede und nicht im Hafen gelegen. Der Zugang zu» Hake» selbst ist schwierig; hinei»- und hinau-zusahren, macht em zeitraubende« Maoövrireu »öthig. Wie in der englischen SegelanweifiMg für dä« Mittelwert «sagt wird, ist der Hafen van Malaga oft sehr stark ant Schiffen an- gefüllt, so daß mitunter Schiffe -ar nicht i» den Hafen eidlanfnr Sam». 9» vorliegende» Fall kommt hinzu, daß draußen auf der Rhede, dort, wo, wi, auzuaebmrn ist, die „Oneismm»" etwa 600 m vo» der Ostmolr enfferat geankrr» b»t,»ach AewwmS der Seekarte» «in sicherer >»kerar»»d fich besti»^ der schm» »ft «Md tw» deutsche, Erieadschifft» be nutzt worden ist, wie vo» der „Sueismaa". E« ist »eiter darauf hmgewiefe», daß di« St»,«war»»», »icht beachtet worden sei, bisher ist noch nie erwiesen, daß eine solche Warnung thatsächlich erfolgt ist; aber selbst, wenn sie erfolgt wäre, so' würde sie an sich noch nichts bedeuten. Die Sturmwarnungen, wie sie auch an unserer Küste erfolgen, gellen den Fischerbooten und Segelschiffen, ein seetüchtiger KriegSdampfer sucht deswegen allein den Hafen noch nicht auf. DaS geschieht erst, wenn noch besondere Um stände den Commandanken, dem die Entscheidung zusteht, dazu veranlassen. DaS könnten zum Beispiel Störungen der Kessel- und Maschinenanlage sein; und so ist denn auch behauptet worden, daß im vorliegenden Fall die Kessel nicht angeheizt und mit den Koblen am unrechten Orte gespart worden sei. Tbat- sächlich sind die Kessel angeheizt gewesen. Dem Ermessen der Commandanken ist allerdings überlassen, wann die Kessel an gefeuert werden; daß man sich bei einer solchen Anordnung aber durch „Koblen knauserei" bestimmen ließe, ist ausgeschlossen: Kohlenersparnißprämien giebt eS zwar in der Handelsmarine, nicht aber auf Kriegsschiffen. Im Uebrigen lasse» sich Handels schiffe und Marineschulschiffe am allerwenigsten in dieser Beziehung neben einander stellen. Handelsschiffe liegen auch im Hafen unter Dampf wegen der elektrischen Beleuchtung, wegen der Lademaschinen, danu aber weil sie bäufig eine kurze Zeit im Hafen sich aufhalten; Schulschiffe sind mit voller Takelage ausgestattet und benutzen die Maschine nur unter besonderen Voraussetzungen, so daß kein Vorwurf an sich daraus hergeleitet werden könnte, wenn die Feuer nicht gebrannt hätten. Diese Streitfrage aber erledigt sich durch dir Tbatsache, daß die „Gneisenau" Dampf hatte, und auS den vor genommenen Manöver». In der Situation, in der sich das Schiff befand, ist das Schlippen der Ankerkette, daS beißt die Trennung der Ankerkette und die LoSlösung deS Schiffes vom Anker vollständig ausgeschlossen, obne daß man die Maschine betriebsfähig wußte. Bevor der Anker gelichtet wird, muß der Commaudaut die Meldung erhalten, daß die Maschine klar zum Angeben ist, und ehe diese Meldung erfolgt, wird die Maschine vorher probirt. Ein Dampfipill, um die Anker zu lichten, war auf der „Gneisenau" nicht vorhanden, sondern nur ein Gang- bczw. Handspifl. Dieses zu benutzen, batte abe'. seine Bedenken, da das Schiff sehr deftig arbeitete und die Mannschaft, die zum großen Tbeil au- ganz jungen Leuten bestand, in Folge der Bewegungen deS Schiffes. deS starken Wellendruckes und der Spannung der Ankerkette schweren Körperverletzungen auSgesetzt war. In Folge desseu wurde die Ankerkette geschlippt, gelöst, waS ja obne Bedenken geschehen kann, da an dem Anker auck eine Ankerboje befestigt ist, die später den preisgegebenen Anker und daS daran befindliche Kettenstück mit leichter Mühe wiederzufinden ermöglicht. Der Unglücksfall wird also folgendermaßen fick entwickelt haben: DaS Schiff lag auf der Rhede- Dampf war an gemacht; die Maschine hatte auf die Probe sich gedreht; die Meldung war erstattet; so entschloß sich der Commandant, den Anker preiszugeben und in See zu geben, um dort den Sturm auSzubalten. Beim Verlassen dr« Ankerplatzes ver sagte die Maschine; da« Schiff trieb vor dem Winke; der zweite Anker, der sofort herabgelassrn wurde, faßte nicht; daS Schiff trieb weiter und stieß an die Mole und wurde leck. Die Störung an der Maschine in Gang zu dringen oder unter Segel hinauSzugehrn, war nicht möglich; binnen zwei Minuten muß daS Sckiff gegen die Mole ge trieben sein; die Zeit war zu kurz, um Segel zu setzen, ganz abgesehen davon, daß die ganze Mannschaft eS bei diesem Unwetter in so kurzer Zeit nicht vermocht hätte. DaS ist die natürliche Erklärung. Soweit die Ausführungen, die unS von fachmännischer Seite zugeben und mit denen sich im Wesentlichen auch die Darlegungen deS Contre-Admirals z. D. Plüddemann decken. Sie sind einleuchtend und erschöpfend; auf jeden Fall kann man daraufhin da« Ergebniß der amtlichen Klarstellung in Ruhe abwarten, obne nach Vermuthungen zu suchen, die ungerechtfertigter Weise einen Schatten auf Männer werfen, die, ihrer Pflicht getreu, in den Tod gegangen sind." Die Wirren in Llnna. Etat«»»« »er «Schlei * Washington, 20. December. („Reuter'« Bureau.") Die neueste Nachricht über die chinesischeFrage besagt: Durch eine Complication, die nur einem Febler bei der telegraphischen Uebermitteluug odrr einer falschen Uebertragung der Cbiffren zugeschrieben werden kann, ist England, da« gegen den Gebrauch de« Worte- „irrLvocadls" in der an China »u richtenden Note war, veraniaßt worden, zu glauben, daß di« Vereinigt»» Staaten di« Bei behaltung diese« Worte- wünschten. Nach einer langen Erwägung erklärt« England daraufhin, e« sei damit emverstande», daß diese« Wort ia der Note belassen werde. Aber da« war gerade nicht der Wunsch der Bereinigten Staaten. Zwischen beiden Staaten findet ei» lebhafter »euer Au«tausch der Ansichten statt, wobei di« Vereinigte» Staate» bemüht find, da« ,^rr4v<n»dla- de« Ausdrucke wie der Idee »ach wieder an« der Note herau«»ubri»ge». E« zeigt sich aber, daß die« ein schwierige« Unternehme» werden dürste. Dena selbst England scheint, obwohl e« da« Wort „irr-vocadlv" gegen seine ursprüngliche Ansicht acceptirt hat, jetzt geneigt, die B«ih«hatt»»G tzck Worte« p» billige». * Ne» Fvrk, 20. Deeemher. (-Reuter'« B»rea»>") Eine Depesch« au« Peking vom IS. d. M. besagt: Zn einer heute Abend ahgehalteue» Versammlung »er Gesandten wnrde über all« Pu»«« einschließlich der britische» Ab änderung«» «ine Ei«ig»»g erzielt. Di« Gesandte» lehne» e« jedoch ab, sich über de» Inhalt de« Abkomme»« z» äußern, da sie der Mei»»»g sind, baß ihre Regierung«» e« veröffent liche» werde». Ueber die Ausreise der Truppcu-TranSporldampser «ach China liegen folgende letzte Meldungen vor: „Frankfurt" (N.D. Lloyd) 8. Dec. in Tsingtau. „Wittekind" (N.D.Lloyd) 2. - in Nagasaki. „Dresden" (N.D. Lloyd) L - von Moji (Heimreise). „Halle" (N.D.Lloyd) 14. - in Tsingtau. „Batavia" (Hamb. A. 8.) 10. - von Colombo (Heimreise). „Gera" (N. D. Lloyd) 23. Noo. in Nagasaki. „Sardinia" (Hamb.A.L.) 14.Dec. Gibraltar passirt (Heimr.).> „Straßburg"(N.D.Lloyd) 8. - in Sbangbai. „Aachen" (N. D. Lloyd) 19. - in Bremerbafen (Heimr.) „Adria" (Hamb.A.L.) 10. - Ouessant passirt (Heimr). „Palatia" (Hamb.A.L.) 17. Oct. von Tsingtau. „Anbalusia" (Hamb. A.L.) 14.Nov. von Port Said (Heimreise). „Hannover" (N.D.Lloyd) 16. Dec. von Port Said (Heimreise). „Arcadia" «.Hamb. A. L.) 4. - von Kucbinotzu (Heimreise). „Crefeld" (N.D.Lloyd) 18. - in Sbangbai (Heimreise). „Roland" ((N.D.Lloyd) 19. - in Moji (Heimreise). „Valdivia" (Hamb.A.L.) 6. - in Tongku. Der Krieg in Südafrika. Präsident ilrüger scheint sich zu längerem Aufenthalt in Holland ein zurichten; er besieht dort Merkwürdigkeiten und wieder holt in Ansprachen seine Zuversicht auf den Sieg der Boeren-Sache; aber eine Fortsetzung der Rundreise an den continentalcn Höfen scheint nicht beabsichtigt zu sein. Insbesondere verlautet nichts von einer Reise nach Rußland. Was den Versuch der Reise nach Berlin betrifft, so theiit ein Augenzeuge der Abreise deS Präsidenten Krüger von Paris nach Köln der „Nat.-Ztg." mit, daß Herr LeydS auf dem Pariser Bahnhof einem der zurückbleibenden Herren die Worte zugerufen habe: „ES ist ein Waastück, daS wir unternehmen." Diese Aeußerunz bewerft, daß Or. LeydS sich völlig bewußt war, Präsident Krüger trete seine Reise nach Deutschland nickt auf Grund einer Ver ständigung mit den maßgebenden deutschen Kreisen, vielmehr gegen deren schon in Paris höflich, aber deutlich zum Aus druck gebrachten Wunsch an. * Amsterdam, 20. December. (Tel.) Präsident Krüger begab sich heute Vormittag nach dem Zudustriepalast, wo 3000 Schüler bei seinem Erscheine» einen Begrüßungs gesang anstimmten. Sodann wurden zahlreiche Ab ordnungen auS allen Kreisen der Bevölkerung dem Präsidenten vorgestellt. Zn der Neuen Kirche wurde heute Vormittag eine große Versammlung abgehalteu, in der der Präsident des BoerencomitöS eine Rede hielt. Vom llriegSschauplatze. * Kapstadt, 19. December. (Reuler's Bureau.) Tausend Mann werden heute Abend nach Norden abgesandt. * Ltandertou, 19. December. (Reuter s Bureau.) Die Boere» haben gestern eine Farm im hiesigen District ge plündert und dabei 200 Stück Vieh erbeutet. Es verlautet, ein starke« Commando lagere bei RobertSdrist in einer Entfernung von 14 Meilen. Ein kleiner Boerentrupp wurde gestern bei einer anderen Farm 4 Meilen nördlich gesehen. Zwei Granatenschüsse haben ihn verscheucht. Die Familien der Beeren, die sich ergeben haben, sind auS einem Umkreis von wenigen Meilen in die Stadt gebracht worden. * London, 20. December. (Tel.) Ein Telegramm des Lord Kitchener meldet au« Pretoria vom 19. d. MtS.: Eine Boerenabtheilung von 500—800 Mann ging bei Rhenosterboek über den Oranjefluß. Eine zweite Ablhei- lung soll ia der Nähe von Sanbvrift den Fluß überschritten haben. Die britischen Truppen folgen ihnen. Lord Kitchener bat außerdem eine deträcvtliche Abtbeilung Berittene auSgesandt, welche sie zu umzingeln suchen. Den von Rbenosterhoek kom menden Boeren folgten britische Truppen bis Venterstadt dicht auf dem Fuße. Die Boeren verließe» Venterstadt gestern Nachmittag drei Uhr in der Richtung auf SleijnSdurg. Die wichtigen Puncte an der Bahnlinie in der Nähe dieses Platzes werden sorgfältig bewacht. Lord Kitchener hofft, daß die Boerenabthrltungen bald wieder nach Nordea zurückgelrieben werden. Woher kommen die neuen VoerencommandoSk Aus dem Haag Wird uns geschrieben: Ein Herr aus dec nächsten Umgebung 'Krüger's, der Südafrika später als dieser verlassen hatte, gab Ihrem Berichterstatter folgens« Auskunft: „DaS Geheimniß der augenblicklichen Stärk« d«r Bo«rencorps ist Keder zugkich ein« schwere Anklage gegen unsere Heeresleitung auS der Zeit des Anfanges des Krieges. Es ist leider eine Thatsache, daß wir in den erst«» vier Wochen nicht mehr als 15—18 000 Mann unter Waffen hatten, einschließlich der Frem den. Die Hälfte der Boeren hatte den Krieg überhaupt nicht ernst genommen, und sicherlich haben sich in beiden Republiken mindesten- 10000 Boeren durch „Bestellung eines Stell vertreters" vom Dienst« freigekauft. Wären damals unser« Re gierung und di« Heeresleitung mit derjenigen Energie auf getreten, die sie heute anwendet, so hätten wir binnen 14 Tagen mit 30000 Mann 'iu di« Eapcoloni« einbrechen können. Heut- dagegen haben die Regierungen beider Republiken angeortmet, daß jeder Bürger zu kämpfen hat, und jeder General hat die Vollmacht, jeden Bürger zur Ergreifung der Waffen zu zwingen, widrigenfalls <r sofort erschossen wird. Den Neutralität-«^, den ein Bürger den Engländern geleistet hat, ist für mffer« Heeretlsitung «ngiltig. So haben wir jetzt erst in Wahrheit die allgemein« Wehrpflicht eingeführt, und auch im Feld« ist jeder Bürger verpflichtet, dem Eommandanten »»bedingten Gehör am zu leisten. — Die» ist da- Geheimniß der neu erwachten Kraft »er Boeren. E« ist traurig, daß unser Volk erst durch di« chwere» Schlüge g» dieser Erkenntistß gekommen ist, acker noch st e« Nicht zu spät, noch ist nicht- verlöre»!' Ein «»glischer Kckglcorrrspondenl entwirft ein leben-dolle- Bild vo» dem Boerrnführer Peknreh, dem Sieger dom Magalie-bera. General Delarey siebt wie ein Patriarch au« und hat die Manier«» rin«« französisch«» Ebel.
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