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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 20.12.1900
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-12-20
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19001220027
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900122002
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900122002
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-12
- Tag 1900-12-20
-
Monat
1900-12
-
Jahr
1900
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Ueber die Beerdi gung de- Commandanten des Schulschiffe« „Gneisenau" werden nachfolgende Einzelheiten gemeldet: Da« englische Torpedoboot Nr. 91 traf hier ein, um an den Beerdigungs feierlichkeiten theilzunchmen. Die Leiche war in einem Zimmer des deutschen ConsulatS aufgebahrt. Um 11 Uhr Vormittag begann der TrauergotteSvienst, der durch einen gemeinsamen Gesang der deutschen Colonie und der Besatzung der „Gneisenau" eingeleitet wurde. Hierauf hielt Marinepfarrer Kramm eine ergreifende Trauerrede, in der er aussübrte, Capitän z. S. Kretschmann sei der erste am Bord gewesen, der erste in Gefabr, der erste im Tobe und der erste, den die Wogen an« Ufer gebracht batten; er sei nun auch der erste, der zur Erde bestattet werde. Die Tobten, die fern von der Heimath gestorben seien, hätten ein gemeinsames Vaterland, nämlich da« himmlische Vaterland. Der Sarg wurde von sechs Seecadetten getragen. An der Spitze deS TrauerzugeS gingen der Präfect, der Milnärgouvcrneur, der Marmecommandant, der deutsche Consul, der Mi- litärattachL bei der deutschen Botschaft in Madrid und her zweite Officier der „Gneisenau", Capitän- Leutnant Werner. Es folgten die übrigen Officiere und Cadetten der „Gneisenau", die beulsche Colouie, viele andere Personen, ein spanische« Bataillon mit Fahne und Musik, Abordnungen der spanischen Armee und Marine, die Officiere de« englischen Kreuzer« „Blake" und des Torpedobootes Nr. 91, die Osficrere de« spanischen Kanonenbootes „Nueva Espaua", die Consuln, sowie Vertreter der Municipalität und de« Generalrathe«. Auf dem englischen Kirchhofe schlossen sich die geretteten Mannschaften der „Gneisenau" und die Besatzungen der beiden englischen und des spanischen Schiffes dem Zuge an. Nack einer weiteren Ansprache des Geistlichen wurde dort die Leiche de« CapilänS zur See Kretschmann mit militärischen Ehren beigesetzt. Tas spanische Bataillon gab Trauersalven ab. Au« spanischen Blättern erfährt man jetzt einige Einzel heiten über das RelkungSwerk, daö mit großem Opf.-r- mutb vollfübrt zu sein scheint. Von den keldenmütbigen Rettern wird besonders der Steuermann des Schiffes „Angelina" er wähnt, der mit eigener Lebensgefahr einen Maschinitteuund einen Matrosen rettete, ferner verschiedene spanische Fischer und der Capitän de« italienischen Schiffs „Flavio Gioja", der in einem Boot gegen die Wogen kämpfend, verschiedene Matrosen rettete, endlich ein in Malaga ansässiger franzö sischer Herr Lechat, ein reicher Mann, der sich ganz ent kleidete, sich in daö Wasser stürzte und schwimmend viele Deutsche an« Land trug. Dabei wurde er gegen die Felsen geschleudert und an Händen und Beinen verwundet. Ueber Beileidskundgebungen wird noch berichtet: * Berlin, 19. December. Der Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein bat an den Staatssekretär deS Reichs- Marineamt« nachstehendes Telegramm gerichtet: „Die Herzogin und ich nehme» anläßlich der Unglücksbotichaft aus Malaga innigen Antheil an dem Schmerz der Angehörigen." Darauf ist von dem Staatssekretär nachstehendes Antworttelegramm übersandt worden: „Eueren Hoheiten sage ich im Namen der Morine unterthänigst tiefgefühlten Dank für die innige Antheilnahme an dem Schmerz der Angehörigen der bei Malaga auf S. M. S. „Gneisenau" ver- unglückte» Officiere und Mannschaften." 17, Lucie. Original-Roman von Ferd. Gruner. Nachdruck »erbct-u. Die junge Frau eilte davon. In kürzester Frist brachte sie da« .Gewünschte. vr. Bollant kam mit ihr; er trug eine brempmde Lampe. Die Herren begrüßten sich stumm. Eichentreu, welcher öfters die Besinnung verlor, wurde in sein Bett gelegt, das dicht neben der Thüre stand. Als die ärztliche Untersuchung beendet war, erklärte vr. Jordan: „Die Kugel hat das Gehirn verletzt, Hilfe ist unmöglich." Er hatte dies laut gesagt, weil Eichcntreu ohnmächtig zu sein schien. Der aber schlug die Augen auf und sah entsetzt um sich. Lange hastete sein Blick auf Lucie, die still schluchzte. Dann sah er vr. Jordan in's Gesicht. „Keimen Sie mich?" frug dieser. Der Sterbende schüttelte mit dem Kopfe. „Ich bin Doctor Jordan." „Jordan", murmelte Eichentreu und schien nachzudenten. Dann macht« er ein« Bewegung deS Schreckens. „Ah, ich weiß." „Sie müssen sterben. Eichentreu. Sie werden den Morgen nicht mehr sehen", bemerkte Ör. Bollant und stützte den Kopf Eichentrru'S. „Lucie", tönte eS vom Bette her. Die Gerufen« trat heran. „Du weißt, daß . . . was . . Die junge Frau nickt«. „Aber gestehe, laß nicht einen Anderen unschuldig leiden." 'Schwer athmend lag Eichentreu eine Weile, dann wandte er sich wieder an Vr. Jordan. „Sagen Sie mir, Doctor, auf Ehrenwort, glauben Sie, daß meine Wunde tödtlich ist?" „Absolut tödtlich, das ist meine innerste Ueberzeugung." „Nun dann ... In dem Kasten, Du weißt ja", begann die Augen auf Lucie gerichtet Eichentreu, „waren Briefe, Antwort briefe von Deinem Vater an mich. Ich war sein Schuldner. "Madrid, 19. December. In der Deputirtenkammer wurde ein Antrag, Deutschland daö Beileid der Kammer aus Anlaß der Katastrophe der „Gneisenau" auözusprechcn, einstimmig angenommen. * Kiel, 19. December. Die Zöglinge der italienischen Marineskavemie in Livorno sandten anläßlich des Unter ganges der „Gneisenau" dem Znspccteur des Bildungswesens der Marine, Contre-Admiral v. Arnim, ein Beileids telegramm, für daö dieser sofort telegraphisch dankte. Ueber einige gerettete Mannschaften auS Halle a.S. wird uns geschrieben: -s- Halle a. S., 19. December. Unter den Geretteten der „Gneisenau" befinden sich, soweit bis jetzt festgcstellt, drei Hallenser: die Schiffsjungen Kurt Müller, Richard Klinz und der BootöuiannSmaat Kind. Bei den Angehörigen derselben liefen kurze Telegramme von den Geretteten ein, daß sie bei der Katastrophe mit dem Leben davon ge kommen sind. Ueber -ic Ursachen des Unglücks bat sich bereits eine zum Theil recht scharfe und nicht immer sehr taktvolle Polemik enlfponnen, die in einzelnen, vor schnellen Urtheilen sogar zu ziemlich unverhülllen Angriffen auf Personen übergegaugcu ist. Wir meinen, man solle bis zu einem solchen Vorgehen doch erst die genaueren Fest stellungen abwarten. Vorläufig geben wir hier aus dem vorliegenden Material einen wahrscheinlich auf amtliche Ver anlassung geschriebenen Artikel der „Allgem. Mar.-Corresp." wieder, der lautet: 2m „Berliner Tageblatt" vom 18. December ist ein Schreiben des Herrn Liceadmiral a. D. Livonius zum Ab druck gebracht, in welchem Bezug auf den Untergang der „Gneisenau" genommen ist. Ehe wir auf dieses Schreiben näher eingehen, möchten wir ausdrücklich betonen, daß wir der Schriftleitung des genannten Blattes aus diesem Abdruck in keiner Weise einen Borwurf machen wollen, da dieselbe Vas Ur theil eines Flaggofsiciers füglich als einwandsfrei betrachten mußte. Der Verfasser des Briefe« sagt, daß er sich über den Fall der „Gneisenau" kein Urtheil erlauben wolle, ehe nicht absolut richtig: Daten über Windrichtung, Wetterlage, Schtffsposition u. s. w. vorliegen. Dann aber bemerkt Viccadmiral z. D. Livonius, daß er als Commandant unserer früheren Kreuzer-Fregatte „Äisa- beth" seiner Zeit auf der Rhede von Malaga di: sorgfältigsten Vorbereitungen für die Sicherheit des Schiffes getroffen habe, und erwähnt bei dieser Gelegenheit, daß auch unser Panzerschiff „Friedrich Karl" vor Malaga schwere Havarien erlitten habe. Da es nicht wcgzuleugnen ist, daß in dem Schreiben des Herrn Viceadmirals Livonius ein mittelbarer Vorwurf gegen den mit seinem Schiffe verunglückten Eapitän z. S- Kretschmann liegt, so mag bemerkt sein, daß dec verunglückte Eapitän z. S. Kretischmann sich seiner Zeit als junger Seemann zu seiner Aus bildung an Bord des „Friedrich Karl" befand, und jenes schwere Wetter auf der Rhede von Malaga und die Havarie des Schiffes selbst mitcrlobt, außer dieser einen und besonderen Erfahrung aber die Gelegenheit gehabt hat, während seiner fast 30jährigen Dienstzeit, in der er volle 19 Jahre eingeschifft war, sich die um fassendsten Kenntnisse praktisch anzucignen. Herr Viceadmiral Livonius geht in seinem Schreiben dann auf verschiedene Rcttungsapparate ein, die er erfunven hat, wobei er den maßgebenden Marinebehörden -den bitteren Vorwurf macht, daß sie seine patentirten Erfindungen kühl zurück gewiesen und keiner Prüfung unterzogen hätten. Hinsichtlich der Erfindungen selbst aber und der Vorwürfe Er war ein Edelmann, er hatte lange Geduld. Aber ich ver spielte immer Alles und meine Schuld wuchs. — Da traf ich ihn einmal, damals — Ich kam von Bärenstein, am Breit grund. Ich wollte wieder Geld — er lehnte ab, — weil ich mein Wort betreffs der Rückzahlung nicht gehalten. Dann bar ich um Deine Hand, Lucie — er schlug sie mir ab. — Da erschoß ich ihn. — O, ich habe dies fürchterlich gebüßt ... Es Ivar ein Fluch darauf .... Ich war wahnsinnig, als ich Rawen, Deinen Vater, tödtete. Ich wollte im ersten Augenblicke ins Schloß laufen, selbst Lärm schlagen, mich anklagen, ab:r je näher ich hierher kam, desto mehr sank mir der Muth ... Ich wollte dann Alles anzünden, damit man nicht sogleich daraus komme. In die Eckschcuer drüben warf ich di« brennenden Zündhölzer, aber da erblickte mich der Lump, der Malcher, er ist todt . . . Von dem hing ich nun ab, ich mußte ihn bezahlen, abbetteln, daß er nichts sage . . . Als ich damals nach Hause kam, war ich mehr todt als lebendig. Der Kopf glühte mir, ich betrank mich besinnungslos, nachdem ich einen Brief an das Bezirksgericht in Bärenstein geschrieben. Ich weiß nicht, was und weshalb ich es that, aber ich glaubte, man würde sonst gleich auf mich verfallen. Und weil ich wußte, daß Rawen mit Horwart im Zwiste lebte und ich den in Bären stein vom Bahnhofe kommen gesehen — lenkte ich auf ihn den Verdacht ... O, es dachte Niemand an mich. Wir waren ja immer gut gewesen — Freunde. Und der Bildhauer kam auch richtig dran. Aber ich... hatte keine ... Ruh'... und..." Die Stimme Eichentreu's wurde tonloser und ruckweiser. Die Augen hatten sich ganz geschlossen. Ein Zittern flog durch den hageren Leib. Matt bewegte er die Rechte, als wollte er sie Jemand reichen, aber di« Finger griffen ins Leer«. Er wurde still. Und als vr. Jordan ihm in's Gesicht leuchtete, wühlte schon der Tod darin ..... Sechzehntes Eapitel. Roch standen die Drei stumm und erschüttert an oem Bitte, da näherte sich mit unsicherem Schritte die alte Frau Rawen. Das einst so ausdrucksvolle Gesicht war verschwommen und blaß, die Toilette in Verwirrung, das ergrauende Haar hing links tief in die gefurchte Stirn. Die Augen schauten ein wenig ängstlich mit jenem ungewissen, hilflosen Blicke, der den geistig Kranken eigen. In den wcich«n Hausschuhen wurde der Schritt der Irren fast unhörbar und erst als sie fast beim Bette war, wurde man auf sie aufmerksam, als sie bei ihrem sei bemerkt, daß die „Marine-Rundschau", welche vom Nach richten-Bureau des Reichs-Marine-Amtes redigirt wird, in ihrem Octoberhefte vom Jahre 1900, Seite 1094/5, eine keineswegs abfällige Besprechung der Denkschrift des Herrn Viceadmirals Livonius bringt, aber dabei bemerkt, daß die Zweckmäßigkeit der artiger Einrichtungen erst durch die Praxis erwiesen werden müßte. Zur Sache selbst sei hinzugefügt, daß die Erfindungen des Herrn Viceadmirals Livonius eine Folge der Anthony Pollok-Stiftung sind. Thatsach: ist, daß der erste Preis Lieser Stiftung überhaupt nicht vertheilt worden ist, d a k e i n e r d e r gemachtenVorschlägedenAnforderungenent- sprach. Selbst der zweite Preis ist nicht einem einzelnen Er finder gegeben, sondern auf mehrere vertheilt worden. Hieraus dürfte zur Genüge hervorgehen, daß die sämmtlichen, bisher ge machten Vorschläge zur Rettung von Menschenleben bei Stran dungen von Schiffen — wir wollen nicht sagen werthlos, aber — doch mindestens nicht einwandfrei sind. Herr Viceadmiral Livonius hat erfunden: 1) «inen Netzapparat, 2) eine Vorrichtung zur Rettung der Insassen gekenterrer Boote, 3) ein Rettungsfloß. - Es soll keineswegs abgeleuPnet werden, daß diese Apparate vielleicht unter gewissen Umständen zweckmäßig sein können. Leider haben wir nicht gehört — aber vielleicht täuschen wir uns —, daß die großen Dampfschifffahrts - Ge sellschaften, denen doch in erster Linie daran gelegen sein muß, für die Passagiere alle nur erdenklichen Rettungsmittel zu besitzen, die Livonius'schen Apparate angeschafft haben. Sollte dies aber doch wirklich der Fall sein, so dürfte doch «in Marine- officier nicht übersehen, daß bei der Unterbringung solcher Dinge aus Kriegsschiffen dort sehr vieles anders ist, wie auf Handels schiffen. Die Netzapparate sür die Commandobrücke müßten in so großer Zahl angebracht werden, daß nicht der Commandant allein, sondern auch der erste Officier, der Navigations-Qfficier, der Adjutant, der Steuermann, einige Steuermannsmaaten und einige Signalgasten berücksichtigt werden. Wir sind es aber bei den deutschen Seeleuten sowohl auf Kriegs- als auf Handels schiffen gewöhnt, daß der Commandant als Letzter von Bord oder mit seinem Schiffe untergeht. Die Anbringung dieser oroßen Zahl von Nehapparaten aus der Commandobrücke würde also aus Kriegsschiffen eine vollkommene Schädigung der Disciplin bedeuten. Was die Vorrichtung zur Rettung der Insassen gekenterter Boote an>belangt, so ist dieses weiter nichts als wie ein paar kleiner, unter dem Boden angebrachter Leisten mit einigen Schwimmern; Dinge, die'bei jedem Landungsmanöver und wahr scheinlich auch bei jedem Einsetzen d«r Boote brechen würden. Die dritte Einrichtung, „Das Rettungsfloß", haben wir nicht gesehen, zerbrechen uns indessen vergeblich den Kopf, wo es an Bord von Kriegsschiffen, die schon so wie so mit allen mög lichen Dingen, die, wie das Kriegsschiff selbst, dem Kampfe dienen, untergebracht werden soll. Die Wirren in China. Die chinestsche Beute. Ueber die Einbehaltung der von dem Marine-Jnfanterie- General Frey aus China an den Präsidenten der Republik und verschiedene Museen gesandten Kunstwerke und Beutestücke durch die Zollverwaltung von Marseille auf directe Anordnung der Re gierung verlautet noch Folgendes: 34 riesige Kisten, die mit dem Packetboote „Uruguay", und neun andere, die mit dem Steamer „Les Andes" in Marseille eintrafen, wurden auf telegraphische Weisung des Marineministers einbehalten und bis zum Ein schleppenden Gange den Teppich emporgerissen hatte und tau melnd sich am Bettgestell festhielt. Lucie stieß einen Schrei aus. Sie wollte die Kranke weg ziehen, aber vr. Jordan hielt sie zurück. Frau Rawen hatte sich emporgerichtet und sah starren Blickes in des Todten erdfarbenes Gesicht, dann auf die ge- rötheten Bandagen. Ein Zittern durchlief ihren Körper, twß sie sich fest an das Bett klammerte. Als sie vr. Jordan erblickte, der nun zu Häupten des Todten trat, durchzuckte es sie wie ein Schlag. Das starre Auge fing zu leuchten an, es lag wie Sonnenschein darin, der aber wieder erstarb, wenn sie den Todten ansah. Der Mund bewegte sich heftig. Sie beugte sich vor und sank leblos zu Boden. Als Frau Rawen eine Stunde später wieder zum Bewußt sein kam, war das Leblose, Starre aus ihren Augen ge schwunden, das verzerrte Lächeln, das viele Monate lang ihr Gesicht entstellt hatte, wich einem Ausdrucke der Trauer. Lange blickte sie Lucie ins Gesicht, die mit feuchten Augen lächelte. „Du, Du, nicht wahr, ich war lange " „— Krank, gewiß, liebe Mama, aber nun bist Du gesund", unterbrach Lucie die zitternden Worte. Wieder schwieg Frau Rawen. Sie sann offenbar nach. Nach einer langen Weile erst frug sie neuerdings. „Und der Tobte, dort unten, war . . . Eichentreu?" Die junge Frau bejahte: „Mein Gatte." Der graue Kopf bewegte sich hastig: „So und Max —?" „Er wird kommen, bald kommen." vr. Jordan trat ein. Frau Rawen machte eine Geberde des Schreckens, aber als sie ihn näher anfah, wurd« sie ruhiger. „Verzeihung, gnädige Frau", wandte sich der alte Arzt mit einer tiefen Verbeugung zu derselben, „daß ich als Unbekannter in Ihr Haus dringe. Doctor Jordan ist mein Name. Ich bin Arzt. In Verhinderung meines Freundes und Eollegen Bollant folgte ich der durch den Diener von Frau von Eichcntreu überbrachten Aufforderung, auf das Gut zu kommen, um einem Knechte beizustehen, der sich einen Beinbruch zuge zogen." — Frau Rawen neigte freundlich sen Kopf. „O, ich danke Ihnen, Herr Doctor." — Sie reichte dem Arzte die Hand. „Mein Freund Bollant ist jetzt soeben mit dem Knechte be schäftigt, während ich kam, um mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen. Aber «S ist ja Alles gut", sagte Vr. Jordan, nach treffen weiterer endgiltiger Instructionen in die Lagerräume der Marineverwaltung übergeführt. Diese Sendungen bilden nur einen Theil der von den höheren Officieren des franzö sischen Expeditionscorps aus China eingesandten Beutestücke, und zwar entfällt er allein auf den G e n e r a l F r e y. Dieser führte bekanntlich vor der Ankunft des Generals Boyron in Ostasien den Oberbefehl über die französischen Truppen; in dieser Eigen schaft hatte er die Beutefrage zu regeln und autorisirte nach dem Beispiele der Befehlshaber der Truppen der anderen Nationen zahlreiche Beschlagnahmungen bei gewissen hohen Mandarinen und in einem Theile des kaiserlichen Palastes, dessen die Fran zosen sich bemächtigten. Man nahm ein genaues Inventar der auf diese Weise eingezogenen Gegenstände vor; Alles, was einen hervorragenden künstlerischen Werth hatte, wurde sorgfältig ver packt und nach Frankreich an den Präsidenten der Republik, das Louvre-Museum und das Marseiller Museum geschickt. Aber die Regierung hat dies Vorgehen nicht billigen zu können ge glaubt und die Sendungen einbehalten lassen; dieselben werden wahrscheinlich China zurückgestellt werden, sobald dasselbe seinen Verbindlichkeiten bezüglich der Entschädigungen nachaekommen sein wird. Dagegen hat der Minister die rein militäri schen Beutestücke ratificirt, wie die Einbehaltung dec Batterie von sechs neuen 75-Millimeter-Kanonen, die im Arsenal von Tientsin mit drei Mitrailleusen, die auf die verbündeten Truppen gefeuert hatten, beschlagnahmt worden waren. Unter den anderen Beutestücken befinden sich zwei prächtige 90 Centi- meter hohe Bronzelöwen, die an der Eintrittspforte zu dem Privatpalaste des Kaisers gestanden hatten, Pagoden von hohem Werthe, Gemälde, Teppiche, Stickereien u. s. w. Militärische Operationen. *Rclv Nork, 19. December. Eine Depesche aus Peking vom gestrigen Tage besagt: Feldmarschall Graf Waldersee hat einen Befehl erlassen, durch welchen er die Districte der Um gegend von Peking den einzelnen verbündeten Truppen zur Be aufsichtigung überweist. Der Feldmarschall fügt hinzu, er wisse, daß eine beträchtliche chinesische Streitmacht unter dem Befehle Ma' s sich im Norden der Provinz Schansi und eine andere südlich von Tschangtschang (?) befinde, er erwarte jedoch während des harten Winters, der jetzt einge setzt habe, keine Angriffsbewegung der Chinesen; aber wo immer die Verbündeten irgend ein Gebiet längere Zeit außer Acht ließen, da würden Räuber- und Boxerbanden sich zusammenschaaren; daher wünsche er die Mitwirkung der Verbündeten bei der Ent sendung zahlreicher starker Patrouillen in die einzelnen Districte. Heute findet eine Zusammenkunft der Ge sandten statt. Die Friedensverhandlungen in Peking dürften durch die Erkrankung Li Hnng-Tschang'S keine Verzögerung erleiden, denn das Befinden des alten Herrn bietet zu Besorgnissen keinen Anlaß, er scheint sogar, trotz der Influenza, seinen Verkehr mit den fremden Gesandten gar nicht unterbrochen zu haben. Der Krieg in Südafrika. Element-' Niederlage. Der „Central News" wird aus Pretoria gemeldet: Während des Gefechtes zwischen den Beeren und den Truppen des Generals Elements war das Feuer der Boeren so tödtlich, daß eine Quantität Munition im Stiche gelassen werden mußte. Die Munition fiel in die Hände der Boeren. Diese hielten sie für Vorrath anderer Art und setzten sie in Brand. Es erfolgte eine furchtbare Explosion, wobei «ine Anzahl Boeren dem er der alten Frau den Puls gefühlt und seine Hand über ihre Stirne gelegt. „Ein wenig Fieber, das aber in kurzer Zeit verschwunden sein wird. Nun kann ich Bollant «in wenig helfen gehen." Der Alte, welcher selbst tief erschüttert war, empfahl sich. Der ihm bis zur Thüre das Geleite gebenden Lucie flüsterte er auf einen fragenden Blick zu: „Sie können ihr in Gottes Namen Alles sagen, nur ein wenig vorsichtig. Es ist so besser, wenn Sie ihr Alles mittheilen. Sie ist gerettet, die geistige Nacht vorüber. Sie wird di« Kraft haben, Alles anzuhören." Er hatte Recht. Die alte Frau verlangte, als sie mit ihrer Tochter allein war, dringend Aufklärung über Alles. Und ob sie auch manchmal die Augen schloß, sich zur Seite wandte, um die Thränen zu verbergen, die sie erschütterten, sie blieb gefaßt. Ihr Geist war klar geworden und nur wie die Erinnerung an einen dumpfen Traum lag die Zeit seit ihres Gatten Tode hinter ihr. Ihrem Wunsche gemäß erschienen vr. Bollant und vr. Jordan trotz der vorgerückten Stunde noch an ihrem Lager. In herzlichster Weise dankte sie denselben, insbesondere vr. Bollant für di- thatkräftige Theilnahme an Lucie'S Ge schicken. Zu dieser selbst sah sie mit einem Gefühle dankbarer Freude auf. Sie strich der bleichen, jungen Frau zärtlich über das leidende Gesicht. Lucie war ernst, in einer weichen Stimmung, die der muthigen Frau sonst fremd war. Sie sprach nur wenig, nach innen gekehrt waren ihre Gedanken. Der alte Jordan behandelte sie mit einem gewissen, ehr fürchtigen Respect. Sin wenig besorgt sah er in diese, trotz ihrer Blässe herrlichen Züge, in die klaren, Hellen Augen. „Wenn jetzt nur nicht ein Rückschlag eintritt und die kolossale Nervenspannung sie krank macht", bemerkte er zu seinem Freunde auf der Rückfahrt nach Bärenstein. „Ich glackbe, wir können beruhigt sein", «widerte Vr. Bollant, „sie hat stärkere Nerven all wir Zwei. Geradezu von Stahl. Denn ich sage Dir, die Ann« hat den Gichrntreu aeheirathet, trotzdem sie ihn in dem Verdachte hatte, der Mörder Rawen'L zu sein. Ja, ich sage sogar, weil sie ihn für den Thäter hielt." — „Dann wird sie auch das überstehen. Natürlich, sie wird an der Freude nicht krank werden", gab Jordan nun zu. „Dann freilich nicht." Auf halbem Wege kam ihnen ein Reiter entgegengeinübt.
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