Suche löschen...
01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 19.04.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-04-19
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000419017
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900041901
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900041901
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-04
- Tag 1900-04-19
-
Monat
1900-04
-
Jahr
1900
- Links
- Downloads
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Bezugs-PreiS in der Hauptexpkditio» oder den im Stadt bezirk und den Vororten errichteten AuS- stvbestellen abgeholt: vierteljährliche4.50, bei zweimaliger täglicher Zustellung ins Haus —* 5.50. Durch die Post bezogen für Deutschland und Oesterreich: vierteliährlich e 6.—. Direkte tägliche Kreuzbandsendung in- Ausland: monatlich e 7.50. Die Morgen-Ausgabe erscheint um '/,7 Uhr, tie Abend-Ausgabe Wochentag- um 5 Uhr. Nedaction und ErpeLition: JohanntSgafse 8. Tie Expedition ist Wochentag- ununterbrochen geöffnet von früh 8 bi- Abend» 7 Uhr. Filialen: Alfred Hahn vorm. v. Klemm'» Sortim. Universitütsstrabe 3 (Paulinum), Louis Lösche, tlatharinenstr. 14, part. und König-Platz 7. Morgen-Ansgabe. NWM TagMatt Anzeiger. Amtsblatt -es Königlichen Land- und Amtsgerichtes Leipzig, -es Mathes und Nolizei-Ämtes der Ltadt Leipzig. Anzeigen-PreiS die 6 gespaltene Petitzeile 20 Pfg. Reklamen unter dem Redactionsstrich (-ge spalten) 50-4, vor den Familiennachrichieu (6 gespalten) 40-4- Größere Schriften laut unserem Preis« verzeichniß. Tabellarischer und Zissernsatz nach höherem Taris. Sxtra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbesörderunz 60.—, mit Postbesörderunz .6 70.—. Rnnahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausaabe: Vormittag- 10 Uhr. Morgen »Ausgabe: Nachmittag- 4 Uhr. Lei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an die Expedition zu richten. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. 188. Donnerstag den 19. April 1S00. 9L Jahrgang. Rußland, Bulgarien und Montenegro. V. 8. Der Balkan ist in letzter Zeit in erhöhtem Maße Gegen stand der politischen Erörterung gewesen. Zwischen Bulgarien und Montenegro einerseits und dem Zarenreiche andererseits sind Beziehungen angeknüpft und Verhandlungen eröffnet worden, die auf besondere Ereignisse deuten. Russische Würdenträger trafen in Cettinje und Sofia ein, angeblich, um die Finanzlage der Fürstenthümer zu studiren und den Boden für ein Geldgeschäft zu ebnen. Unmittelbar darauf hat der bulgarische Kriegsminifter eine Reise nach Petersburg angetreten, deren schließlicher Zweck nicht bekannt geworden ist, aber allgemein als die Einleitung einer militärischen Vereinbarung angesehen wird. Dieses Alles deutet um so mehr auf etwas Ungewöhnliches hin, als bereits seit Wochen Las Verhältniß zwischen Rußland und Bulgarien die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. Gerüchtweise hieß es, Fürst Ferdi nand trage sich mit der Absicht, sein Land für unabhängig zu er- t'.üren und die Königskrone anzunehmen. ^>as kann aber ohne die Unterstützung anderer Mächte, Rußlands zumal, nicht vor sich gehen. Es verlautet nun, daß die Einwilligung des letzteren ge schert sei, und daß Bulgarien die Abtretung oder Verpachtung Les Schwarzmeerhafens Burgas zugestanden habe. Trotz der bestimmtesten Widerrufung von russischer und bulga rischer Seite ist diese Meldung nicht verschwunden, sondern wird nach wie vor in den Bereich des Möglichen gezogen. Das Streben Fürst Ferdinand's nach Unabhängigkeit und .stönigthum ist nicht neu. Seit Jahren wird von seinem Ehrgeiz gesprochen, und das Verhältniß zu Rußland hat gerade im Hin blick auf die gewünschte Krone die augenblickliche intime Gestalt angenommen. Es ist nun natürlich, daß man an der Newa das verlangen des Bulgarenherrschers nicht unbedingt zurückweist, sondern in ihm die Hoffnung nährt, es werde der Zar seine mächtige Hilfe nicht versagen, wenn in Sofia Ernst gemacht werde. Man benutzte dabei aber auch die Erwartungen Ferdi nand's, um Zugeständnisse zu erlangen und seinen Einfluß im Fürstenthum zu festigen. Die Bedingung der Aussöhnung war ? kanntlich der Uebertritt des Prinzen Boris zur griechischen Kirche. Dann folgte die Forderung, die verbannten hochver- rätherischen Officiere zu begnadigen und sie wieder in di« bul garische Armee einzureihen. Auch das wurde vom Fürsten nach anfänglichem Widerstreben anstandslos erfüllt. Damit war die Abhängigkeit vom zarischen Willen im Grunde schon zur That- sache geworden; aber man will dem Ganzen das Siegel aufdrücken and plant deshalb eine Reorganisation des bulga rischen Heeres, an der ausschließlich russische Officiere theilnehmen sollen. Es heißt, dec Kriegsminister Kuropatkin werde Jnstructeure nach Sofia senden, um die rulgarischsn Truppen seinen Wünschen entsprechend heranzubilden. Alles im Fürstenthum soll so werden, wie man es gleich nach dem letzten Türkenkriege plante, dessen Ausführung aber später Lurch Alexander von Battenberg verhindert wurde. Von besonderer Bedeutung für die russisch-bulgarischen Be ziehungen erscheinen zwei Reisen zarischer Würdenträger nach Sofia, des Obersten Jepantschin und des Geheimraths Kobeko. Ersterer hatte jedenfalls den Zweck, die Reorganisation der bul garischen Armee vorzubereiten, und Letzterer leitete eine Anleihe ein, hinter der sich ein großes politisches Geschäft verbirgt. Herr Kobeko soll die Finanzwirthschaft Bulgariens studiren, um Ruß land dann die Möglichkeit zu bieten, mit Geldmitteln helfend cinzugreifen. Hier handelt es sich um ähnliche Dinge, wie sie sich in Persien und in Korea soeben erst zugetragen haben. Rußland, Las selbst beständig mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen bat, wird gewiß nicht so thöricht sein, eine bedeutende Summe der unsicheren bulgarischen Regierung zu übergeben, wenn es nicht gleichzeitig besondere Ziele damit verbindet. Aehnliches ereignet sich auch in M o n t e n e g r o, wo der Staatsrath Müller kürzlich als Vertrauensmann des Finanzministers Witt« und des Grafen Murawjew weilte. Diese merkwürdige Fürsorge der russischen Diplomatie die Geldverhältnisse in Bulgarien und Montenegro gestattet die Annahme, daß der alte, nie aufgegebsne Balkan- bundin Petersburg abermals auf die Tagesordnung gesetzt ist. Eine derartig« Vereinigung würde von Rußland nur dann gefördert werden, wenn ihm die Führung und Leitung zugewiesen wird. Dazu wäre man in Sofia und Cettinje auch gewiß bereit, und nur eines könnte die Sache zweifelhaft machen, nämlich die etwaigen Forderungen der kleinen Slawenstaaten. Das Zaren reich wird sich durch die Uebernahme des Protektorats über einen Balkanbund niemals zum Teilhaber der phantastischen und kriegerischen Pläne hergeben, welche man in Bulgarien und Montenegro verfolgt. Sollten die Fürsten Ferdinand und Nikita der Meinung sein, daß Rußland «inwilligt, die makedonische Frage durch blutige Mittel zu lösen, die bulgarische Königskrone auf dem Schlachtfelde zu schmieden und ein großserbisches König reich mit Nikolaus von Montenegro an der Spitze gewaltsam zu errichten, so ist das ein Jrrthum, über den si« gewiß in kürzester Frist aufgeklärt werden. Das Zarenreich wünscht die moralische Herrschaft über Bulgarien und Montenegro im eigenen Interesse, um sichere Vasallen zur Hand zu haben, um die Pforte seinen Wünschen gefügig zu machen, und um den Engländern, falls uöthig, Furcht «inzuflößen. Dazu aber ist die Entfesselung eines Krieges gewiß nicht nöthig. Dagegen wird man sich in Petersburg vor Allem angelegen sim lassen, sein« militärische Stellung am Schwarzen Meere zu festigen, um die Möglichkeit «ine- Vorstoßes zum Bosporus zu erleichtern. Unter diesen Umständen ist die Meldung von der Erwerbung oder Pachtung deS HafenS von Burga» durchaus nicht unwahrscheinlich. Der Werth dieses Platzes für daS Zaren reich liegt auf der Hand. Man würd« auS Burgas einen Anker platz für die Flotte und einen militärischen Beobachtung-Punkt schaffen, von dem aus ein wirksamer Druck auf Konstantinopel ausgeübt werden kann. Gelingt der Plan, so wäre der Tag, da die Meerengen in den unbestrittenen Besitz Rußlands g«langen, erheblich näher gerückt. Es ist indeß nicht anzunehimn, daß die Staatsmänner an der Newa hierbei überstürzt oder voreilig vorgehen. Man ist sich in Petersburg der ernsten Folgen, welche eine solche Action nach sich ziehen muß, wohl bewußt. Man wird deshalb die Entwickelung der Dinge ruhig abwarten und dann erst zugreifen, wenn die Lage nach allen Richtungen gesichert ist. Die Ungeduld deS Fürsten Ferdinand nach der Königstrone ist freilich so groß, daß er neuer dings entschlossen sein soll, den griechischen Glauben anzunehmen. Aber auch das wird in Petersburg kerne Beschleunigung ver anlassen; Bulgarien ist Rußland so wie so verfallen. Dagegen sind die Zustände in Asien zu wenig geklärt und erfordern so sehr die Aufmerksamkeit des Zarenreichs, daß dieses sich davor hüten wird die orientalische Frage grundloser Weise aufzurollen. Die jüngsten Verhandlungen in Sofia und Cettinje schließen keine unmittelbare Gefahr in sich. Si« haben nur Rußland die Gewißheit gebracht, daß es bei diplomatischen Schritten einen kräftigen Rückhalt an den kleinen Staaten besitzt, und sollte eS doch zum Schlagen kommen, auf dieselben zuversichtlich rechnen kann. Der Krieg in Südafrika. Aus London, 17. April, wird geschrieben: Die verschollene S. Division ist schließlich glücklich wieder aufgetaucht, aber weder bei Springfontein, noch bei Smithfield, wo sie eigentlich bin- gehörte, noch viel weniger bei Wepener, das sie entsetzen sollte und eigentbllmlicher Weise nicht einmal an der Eisen bahnlinie, deren Schutz ihr anvertraut war, und an welche sie naturgemäß hätte zurückkehren müssen, wenn sie weder Redders- burg besetzt halten, noch auf der Straße gegen DewetSdorp erfolgreich Vordringen konnte. Es müssen an allen diesen Stellen ihr überlegene BoerencommandoS den Weg verlegt haben, denn General Pole-Carew, welcher nach Gatacre'S Aufsehen erregender Absetzung den Oberbefehl der 3. Division übernommen, hat dieselbe zwischen RedderSburg und der Bahnlinie querfeldein direkt gegen Norden auf Bloemfontein zugeführt und ist auf diesem seinen Rückzüge inRosendahl, etwa 8 Icw südöstlich von Bloemfontein und ebenso weit östlich von der Bahnlinie, eingetroffen. Dabei stellt sich heraus, daß die „3. Division" nur noch der Schatten ihrer selbst ist. Vier Fünftel ihrer ursprünglichen Infanterie befinden sich bei Buller in Natal, ihre gesammte Cavallerie ist General French zugetheilt und ihre Artillerie befindet sich größtentheilS in Kimberley und bei dem Corps Methuen's. So blieb schon vor den letzten Operationen General Gatacre von der ganzen Division nur noch ein schwaches Bataillon Royal ScotS, daS 2. Bataillon Northumber- land Fusileers, daS 2. Bataillon Royal Berks (zwei halbe Compagnien nur), einige Compagnien Royal Munster Fusileere und das Snerword Förstercorps; dazu 3>/r Batterien der Divisions-Artillerie. Ein Vergleich mit den Verlustlisten von RedderSburg zeigt, daß gerade diese Truppen dort decimirt wurden, wenn sie auch officiell unter dem Namen ihrer CadreS dort nicht vollständig figuriren. Und so ergiebt sich, daß daS, was heute auf dem Papiere und in den Depeschen den Namen der 3. Division führt, nur noch die letzten Reste dieses Truppenkörpers repräsentirt. Als Gegenstück zu dem Vorhergehenden kommt, allerdings aus Boerenquelle, die Mittbeilung, daß Commandant Froneman „ein englisches CorpS am Oranjefluß ge schlagen, das in der Richtung auf Wolverpoort über den Oranjefluß geflohen sei". Welches CorpS dies gewesen, wird leider nicht gesagt: ES kann sich offenbar nur um eine kleinere Abtheilung Colonialtruppen handeln, denen dort der Schutz der Eisenbahn anvertraut war, denn nachdem General Clements, ebenso wie Gatacre'S einstige dritte Division auf Bloemfontein zurückgezogen, bleiben offenbar zwischen NorwalS Point und Springfontein - Bethulie nur noch schwache Colonialcorps übrig. Commandant Froneman aber warf die Geschlagenen an einer Stelle über den Oranje fluß, welche sich weit westlich von Norwals Point, im Süd westen von Philipstown befindet. Haben die Boeren nicht längst sich an mehreren Stellen der Bahnlinie nach Bloemfontein bemächtigt, so darf man sich fragen, welches ihr eigentliches Ziel bei diesen Einzelkämpfen ist, bei denen sie sich immer wieder nach einem Siege von der Bahn abzuwenden scheinen, ohne diese vorher zerstört zu haben. Auch vor ihrem Rück züge von Bloemfontein verzichteten sie auf eine gründliche Zerstörung der Bahnlinie, wie sie das auch in Natal getban, und so liegt die Annahme nahe, daß sie ein gründ liches Vernichten derselben nickt wollen und auf leicht wiederherzustellende Theilzerstörungen keinen großen Werth legen. (Auch wir haben unser Befremden über diese Taktik der Boeren schon ausgesprochen. D. Red.) Sie müssen entweder einen ganz eigenen Plan verfolgen oder fast ziello« nach einfacher Guerillaart in von untereinander unabhängigen CommandoS operiren. Vielleicht wird ihr Vorgehen verständlicher, wenn man sich erinnert, daß sie auch die Bahnlinie Victoria West—De Ar—Oranjefluß-Station bis hinauf zur Modder niemals ernstlich zu stören suchte», obwohl sie wiederholt und an den verschiedensten Stellen sich dazu in der Lage befanden. Und daß auch ihr Zug gegen Estcourt- Maritzburg in derHauptsache nickt« andere» bezweckte, al-Zeit zur Beendigung ihrer Befestigungsarbeiten und dem Heranbringen ihrer Gcsckütze zu schaffen. Auch jetzt scheint daS der Haupt zweck zu sein, wobei al« zweites Motiv zweifellos der Wunsch verläuft, dem Feinde durch Angreifen und möglichstes Ver nichten kleinerer CorpS soviel Schaden als möglich zuzufügen und ihn allmählich bi» zur Erschöpfung zu fchwächen. Es mag auch notbwendig sein, durch fortwährende Thätigkeit die jüngeren Elemente in den CommandoS zu befriedigen und durch stetige kleinere Erfolge den Muth derselben zu beleben und andererseits den Freistaatlern zu beweisen, daß sie viel zu früh den Augenblick der Unterwerfung schon für gekommen hielten. DaS Letztere würde besonder» daS Durchstreifen deS gesammten weiten Gebiete» erschweren. vor Wepcner scheint die Lage fast unv-rändert, obwohl die kleine Garnison offenbar erschöpft ist. Eine englische Depesche giebt den Verlust der letzten Woche auf über 200 Mann an, von denen allein während der letzten vier Tage, vom ll. bis 15., 18 todt und 132 verwundet aus dem Kampfplatze blieben. Der Platz ist von den Boeren vollständig eingeicklossen, welche im Uebrigen die steilen Anhöhen im Osten desselben gegen die Basutogrenze bin besetzt haben, so daß Oberst Dalgety seine Leute nicht einmal über die Grenze retten kann, an welcher angeblich 3000 bewaffnete BasutoS unter ihrem Oberhäuptlinge Lerothodi ungeduldig auf die Erlaubniß des englischen Residenten harren, sich auf die Boeren stürzen zu dürfen. Dieser hat ihnen, wie es weiter beißt, indeß letzteres streng unsersazt, wobei man sich aller dings fragen darf, wc-balb er sich dann soviel ANiibe ge geben, den schwarzen Häuptling zur Hilfeleistung zu über reden und mit seinen 3000 Kriegern an die Grenze zu bringon. Die englische Antwort daraus lautet: Zur Ver- theidigung dieser Grenze, aber nicht zum Angriff. Im Norden Bloemfontein» haben die Boeren ihre Positionen bis 18 Kilometer vor die britischen Stellungen herangeschoben und sich dort stark be festigt. General Delarey wartet südlich vom Vaalflusse und zwischen diesem und Hoopstad auf Lord Methuen, welcher in dieser Richtung eine Diversion zur Wiedergewinnung der Stellungen bei Fourteenstreams versucht. Bei der notorischen Schwäche der dem Gardegeneral unterstehenden Colonne er scheint es kaum glaublich, daß dieser sich weiter vsrwagt, denn sein Schicksal würde fast hoffnungslos und von vornherein besiegelt sein, wenn er sich wirklich auf einen Kampf mit Delarey einließe, welcher ihn leicht schlagen und ihm bann den Rückzug abschneiven könnte. AuS Christiania wird heute gemeldet, daß die ganze Vaalflutzlinie jetzt vollständig bewacht und alle wichtigen strategischen Puncte derselben befestigt und mit Artillerie versehen seien. Es scheint da- unsere oben ausgesprochene Ansicht zu be stätigen, daß die Offensivoperationen der Boeren zum guten Tbeil zum Zwecke unternommen würden, Zeit und Deckung für die Befestigung ihrer eigenen Vertbeibigungslinien zu schaffen. Wir werden darnach mitbin auch nur eine Fort setzung dieser Offensive solange und soweit erwarten dürfen, al« sich dieselben erfolgreich und mit leichten Opfern fortsetzen läßt, und die Föderirten dürften danach den Freistaat geradeso räumen, wie sie seiner Zeit Süd-Natal aufgegeben, und sich zur Vertkeidigung der Vaalflußlinie auf diese, schrittweise kämpfend, zurückzieben, sobald sich die Offensive nicht mehr als leicht und vortbeil- baft erweist. Allerdings gehört dazu vor Allem, daß Lord Roberts sich endlich imstande fühlt, seinerseits zur Offensive Lberzugehen, und darauf deutet vorläufig noch sehr wenig. Allerdings sind die ersten Zelte und Uniformen, sowie einige Tausend Pferde eingetroffen, aber eine ausführliche Meldung des Correspondenten der „Morning Post" sagt ausdrücklich, daß die Thiere in so schwachem Zustande eintreffen uno so dringend nothwendig sind, daß sie, weil man ihnen keine Zeit zur Erholung lasse, kaum eingestellt, schon wieder dienst untauglich würden. Tie Lage in Natal hat sich so gut wie nickt verändert. General Botha, welcher seine Operationen glücklich durchgeführt, befindet sich nock immer in Pretoria, um den weiteren Operationsplan zu berathen. Seine Untercommandanlen halten den Distrikt um Elandslaagte und das ganze Gebiet nördlich vom Modderspruit (nach englischen Angaben), während die aus den westlichen Pässen noch immer herabkommenden Boeren- züge fick den Verbindungslinien General Buller's in süd östlicher Richtung immer mehr nähern, offenbar, wie der Corre- spondent der „Daily News" meldet, in der Absicht, dieselben abzuschneiden. Nach demselben Correspondenten haben auch die Freistaatler inzwischen die Bertheid igung ihrer Pässe vollendet und schwere Artillerie in denselben aufgestellt. „Zahleiche kleinere Abtheilungen von Boeren", schließt er seinen Bericht, „sind östlich und westlich in nächster Nähe von Ladysmith gesehen worden und haben einige unserer Kund schafter aufgehoben." Die Meldung der „Central News", die Boeren und Natalrebellen des ElandSlaagte-Districts hätten sich über die BiggarSberge zurückgezogen, hat sich wie alle deren früheren Nachrichten, wieder als erfunden erwiesen. Der amerikanische Consul in Pretoria meldet — es klingt fast wie eine pointirte Antwort auf Lord Roberts' gestern gemeldete Beschwerde ob der schlechten Ver pflegung der englischen Gefangenen — er, der Consul, welchem bekanntlich der Schutz der englischen Interessen anvertraut ist, habe die Gefangenen, welche bei Waterval untergebracht sind, besucht und nach eingehender Besichtigung des Lagers gefunden, daß sich dasselbe in den denkbar befriedigenden Zustande befände und den Gefangenen jeder Comfort und alle Verpflegung zu Tbeil werde, welcke ihnen unter den gegenwärtigen Zuständen überhaupt zu Tbeil werden könnten. Mr. Hay betont besonders, daß die TranSvaalbehörden ihm in jeder Weise die Untersuchung erleichtert, wie Alles gethan hätten, um die Lage der Gefangenen wie der Verwundeten zu einer möglichst befriedigenden zu gestalten. So hätten sie alle für die Gefangenen auS England gesandten Geschenke, die Pri vate, Vereine oder Behörden aus Capstadt und der Colonie für sie gesandt hätten, zoll- und frachtfrei durchgelassen und er selbst habe über 700 Centner solcher Geschenke als Luxus artikel jeder Art, Betten, Cigarren u. s. w. denselben zugehen lassen können. (Dir Boeren zeigen sich da wieder weit generöser al« di« Engländer selbst eS sind, welcke die Geschenke für die Truppen weder zoll- noch frachtfrei befördern und meist monatelang liegen lassen.) Dieser Vorgang erinnert in recht peinlicher Weis« wieder an den ersten entrüsteten Protest General Robert-', der be kanntlich gegen einen uw stattgehabten planmäßigen Mißbrauch der weißen Fahne protestirte. Auch hier muß man sich wieder fragen, wer mehr^Glauben verdient: die Zuträger de» General Roberts, auf deren Bericht hin dieser die Boeren der Miß handlung der Gefangenen und der Vernachlässigung der Ver wundeten vor aller Welt und in feierlichster Form bezichtigte, oder der amerikanische, mit dem Schutz der britiscken Unter- thanen betraute Consul, welcher au- eigener Anschauung und gleichzeitig erklärt, daß für Gefangene wie Kranke und Vcr wundete in befriedigender Weise gesorgt ist. Aus Mafekiug berichtet Lady Sarak Wilson untern« 5. April per Läufer über GaberoneS, 8. April: „Wir beginnen den Hunger zu fühlen. Nichts meldet uns den baldigen Entsatz, der ferner denn je erscheint. Seit Oberst Plumer's Demonstration am 3l. März gab eS kein Bombardement bis heute, weil General Snyman am 2. April mit einer bedeutenden Macht von Burghern und Geschützen uns verlassen hatte, uni der vom Norden kommenden Eutsatzcolonne den Weg zu verlegen. Er kehrte gestern zurück und heute Morgen sand ein zweistündiges schweres Bombardement statt mit den prachtvollen, 14psündige Bomben aus weite Entfernungen schleudernden Geschützen und Maxims. Die ersteren waren seit den ersten Tagen der Belagerung hier nickt verwandt worden. Die Militärbehörden constatiren, daß die britische Artillerie nichts besitzt, was mit ihnen verglichen werden könne. Einige Bomben sielen nahe dein KinderhoSpital nieder, Gott sei Dank, ohne irgend Jemand zu verletzen Es stellt sich jetzt heraus, daß der junge Crvuje hier ist (offenbar eine Verwechselung mit dem Neffen Krüger's) und am 27. März während deS furchtbaren Bombardements die Stadt wegnebmen wollte, cs aber nicht riScirte, als er unsere Leute nach sechsstündigen« Bombardement noch in ihren Stellungen fand. Einige ter Boeren sind sehr versöhnlich gestimmt und schicken an Eng länder hier in der Stadt, mit denen sie früher befreundet waren, Botschaften, in denen sie ihren guten Willen zum Ausdruck bringen. Der Feind scheint zu glauben, das ein Bombardement von 175 Tagen daran nicktS ändert und nichts damit zu thun hat. Coininandan' Botha, welcher während Snyman's Abwesenheit hier befehligte, war sehr höflich bezüglich Hauptmann Mac Lanen'S, welcher jetzt schwer verwundet iin Lager, 2 engl Meilen von der Stadt, liegt. Da dieser Officier ein Frei maurer ist und andere Freimaurer unter den Boeren saut, so widmete man ihm jede Aufmerksamkeit und ihre Sorge um ihn ist überaus auffallend. Sie schicken täglich Kranken berichte und die letzten derselben lauteten günstig." Ter Vertragsbruch Portugals. In Pariser diplomatischen Kressen herrscht, wie man der „Pol. Corr." von dort schreibt, die Ueberzeugung vor, daß die Regierung der südafrikanischen Republik es bei, ihrem Proteste gegen den Durch zug englischer Truppen durch portugiesischesGebiet von Beira aus bewenden lassen und nicht versuchen werde, sich durch Repressalien gegen Portu gal eine Art Genugthuung zu verschaffen. Man könne sich in Pretoria darüber nicht täuschen, daß irgend eine mili tärische Action gegenüber Portugal aller Voraussicht nach ein offenes Bündniß dieses Staates mit England zur Folge hader, und dadurch das Thor von Lvuren^o-Marques für die englische Streitmacht geöffnet würde. Frau Krüger hat in einer Unterredung mit einem Correspondenten des Bureau Laffan am vorigen Freitag bemerkt, sie hoffe zuversichtlich, daß Gort bald dem Blutvergießen ein Ende machen werde, aber die Republik würde energisch oertheidigt werden, selbst wenn Pre toria genommen werden sollte. Sie habe bis jetzt 4 Söhne, 33 Enkel, 6 Schwiegersöhne und unzählige andere Verwandte im Felde gehabt; von den Enkeln seien L getestet worden. Tas Nothe Kreuz. In der letzten Nummer -der „Dereinsamtlichen Mittheilungen" des Centralcomitös der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz wird ein Bericht des Marinestabsarztes vr. Matthiolius aus Jacobsdaal vom 20. Januar ver öffentlicht, in dem sich folgende interessante Notiz befindet: „Ein Herr vonAlphen aus Pretoria, der einige Zeit inDeutsch- land Elektrotechnik stüdirt hat, hat hinter unserem Lazareth einen Motor aufgestellt, und liefert mit demselben Nicht allein die für die Accumulatoren nöthige Elektricität, sondern hat auch das Haupthaus des Lazareths mit elektrischer B e - leuchtung versehen, so daß dasselbe allabendlich zur höchsten Bewunderung der Einwohner im elektrischen Lichte strahlt. Sehr ! vortheilhaft ist, daß Herr von Alphen auf meine Bitte im Ope rationssaal und im großen Aufnahmeraum eine größere Anzahl von elektrischen Pa'mpen aNbrachte, so daß diese beiden Räume bei nächtlichem Eintreffen von Verwundeten und bei ihrer not wendigen Operation, wie -sich dies bereits einmal trefflich be währte, ein gutes Licht hüben. Mittels des Röntgenapparates ist von Herrn I)r. Küttner bereits eine Reihe von 16 sehr gut gelungenen Aufnahmen gemacht worden. Dieselben haben uns besonders in der Erkennung der Wirkung kleincalibriger Mantel geschosse auf die Knochen werthvolle Di«nste geleistet. Auch haben wir dem Apparat, dessen Aufstellung in der Umgebung sehr bald bekannt wurde, bereits in der kurzen Zeit die Zusendung einiger schwerer Patienten aus anderen Lazarethen- denen hier durch Operation geholfen werden konnte, zu danken. Zur Hebung des Ansehens der „Deutschen Ambulanz" trägt derselbe sicher lich bei. Vielfach treten Wünsche von Einwohnern und von außerhalb Kommenden an uns heran, 'den Apparat sehen zu dürfen, was ihnen von Herrn vr. Küttner in bereitwilliger Weil gewährt wird." Schlachtenbummler. X. ll. Londan, 17. April. In der letzten Zeit ist e» Mode geworden, daß -i« englischen Touristen und Touristinnen, deren Typus auch in Deutschland nicht ganz unbekannt ist, zur Be friedigung ihrer Neuster Ausflüge nach Südafrika und dem Kriegsschauplätze machen. Dort stehen sie natürlich Jedermann im Wege, und der englische Tourist wird jetzt selbst »den englischen Behörden peinlich. Sir Alfred Miln er hat, in aller Milde natürlich, sein Mißfallen über >däs Benehmen dieser Schlachten bummler, die zuweilen sogar, Herren und Damrn, Schlachten und Scharmützel besichtigen konnten, ausgesprochen. Natürlich beanspruchen sie die besten Plätze auf d«r Bahn und sonst wo uno machen den militärischen Behörden Arbeit genug. Die Unzahl Correspondenten, Zeichner und Vertreter kinematozrapchiicher
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
Erste Seite
10 Seiten zurück
Vorherige Seite