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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 14.04.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-04-14
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000414015
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900041401
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900041401
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-04
- Tag 1900-04-14
-
Monat
1900-04
-
Jahr
1900
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Größere Schriften laut unserem PreiS- vrrzeichniß. Tabellarischer und Zissernsatz nach höherem Tarif. Eptra-Beilagen (gefalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postbefürderung 00.—, mit Postbeförderuog 70.—. Annahmeschluß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: Bormittags 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittags 4Uhr. Lei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeigen sind stets an di« Expedition zu richte«. Druck und Verlag von E. Polz in Leipzig. Z M Jahrgang. Sonnabend den 14. April 1900. Nm zweiten Oster-Feiertage erscheint keine Nummer unseres Blattes. Anzeigen für die Lrühnummer vom Dienstag, den §7. April, erbitten wir bis spätestens heute Sonnabend Abend ? Uhr. Sächsische Fürstinnen. Constantia von Oesterreich. Heinrich der Erlauchte hatte drei Frauen, Constantia von Oesterreich, Agnes von Böhmen und Elisabeth von Maltitz. Als die Martgräfin Jutta im Jahre 1224 nach Wikn floh, nahm sie ihr kleines Söhnchen Heinrich mit. In Wien wurde nach alter Herrenweise, von der sich Nachklange in den regierenden Häusern noch heute finden, eine Heirath gestiftet. Alles Für und Wider wurde abgewogen, und schließlich fand sich, daß der Prinz Hein rich ganz gut zur Prinzessin Constantia, der Tochter des Her zogs Leopold von Oesterreich, passe. Leopold wurde der Glor reiche genannt, und seine Gemahlin war eine Prinzessin aus dem griechischen Kaiserhause mit Namen Theodora. Wenn nun auch die Ehe gestiftet war, eingegangcn konnte sie freilich nicht werden, denn Beide befanden sich noch im nicht schulpflichtigen Alter. Sie mußten also noch mindestens zehn Jahre warten, was heute noch so manchem Brautpaare unter anderen Umständen beschicken ist. Indessen, di- Zeit vergeht, und als Heinrich sechzehn Jahre alt war, rüstete er sich mit allem Pompe, von seiner Gemahlin Besitz zu nehmen. Der junge Prinz habe ein großes Gefolge, und die Herren von Döben, Leisnig, Park, Choren, Mügeln, Gnand stein, Hirschstein u. s. w. waren darunter. Nicht minder pomp haft als Heinrich's Einzug war sein Empfang. Er kam in sine gute Verwandtschaft. Di« Geschwister Constantia's waren Her zog Friedrich der Streitbare, Gertrud, Gemahlin Heinrich Raspe's, des Landgrafen von Thüringen und späteren Gegen kaisers, und Agnes, Gemahlin Bernhard'» von Anhalt. Bei der Hochzeit versammelte sich eine große Anzahl von Gästen. Da war der König von Ungarn, der König von Böhmen, der Erz bischof von Salzburg, die Bischöfe von Passau, Bamberg, Freisingen, Herzöge von Sachsen und Kärnthen, Landgraf von Thüringen und eine weitere Menge großer Herren und schöner Frauen. Gegen fünftausend Ritter sollen dabei gewesen sein. Alle wurden glänzend bewirthet und sammt Gefolge reich be schenkt. Die Feste folgten unaufhörlich aufeinander. Der Glanz der Hochzeitsfeier war so start, daß er in eigenen Schriften ge schildert worden ist. Ohne ein kleines Erlebniß für Heinrich, daß ihn die Bitterniß dieser Welt kennen lehrte, ging indessen die Vermählung nicht vorüber. Die Hochzeit war vorbei, die Neu vermählten erwachten früh beim ersten Sonnenstrahl, da hörten sie draußen vor ihrer Thür Waffengcklirr, Schwerterklirren und schilderschlagen. Ehe noch Heinrich den Schlaf aus den Augen wischen konnte, stürzte sein geliebter Schwager Friedrich der „streitbare" herein und zwang den ebenso überraschten als ver blüfften jungen sechzehnjährigen Ehemann und die noch jüngere Gemahlin, auf die bedungene Mitgabe Verzicht zu leisten. Ob Friedrich gerade selbst sehr nöthig Moneten brauchte öder ob er !m Interesse seliner Familie, die den schnöden Mammon auch ge brauchen konnte, handelt«, ist nicht bekannt. Die Thatsache wird aber in einem Schreiben Kaiser Friedrich's II. bezeugt. Wenn aber das Geld futsch war, eine für die damalige Zeiit wichtige Mitgabe brachte Constantia ihrem Gemahl doch zu, ein Stück des heiligen Kreuzes. Er ließ (wie es scheint 1234 bis 1236) eine Capelle in Dresden erbauen, in welcher diese heilige Reliquie aufb«wahrt und welche dann „Zum heiligen Kreuze" be nannt wurde. Jenes angebliche Stück vom heiligen Kreuze, so schreibt Stichart, wurde als em Werkzeug göttlicher Wunder be trachtet, von Allen deshalb angerusen und allgemein verehrt. Längere Zeit nach Constantia's und Heinrich's Ableben, nämlich im Jahre 1299, kam dazu ein aüf der Elbe von Böhmen her in stehender Richtung geschwommenes Kreuz, das man auffing und mit feierlicher Procession der inzwischen zur heiligen Kreuz kirche erhobenen Capelle neben dem Scheite aus Oesterreich an vertraute. Dadurch, sowie durch andere Heiligthümer ward die selbe zur Wallfahrtskirche mit von Rom erwirkter Befugniß der Ablaßertheilung. Vorher hatte schon Heinrich, wahrscheinlich getrieben von Dankesgefühlen für die Religion, auf der Heim reise in Prag den Mönchen des Klosters Buch eine größere Schenkung gemacht. Nach der Sitte der damaligen Zeit drängten sich diese immer an die regierenden Herren und suchten auf Kosten des Landes für ihre Klöster Vortheilc. Aus den ersten Jahren ihrer Vermählung, während welcher Markgraf Heinrich mehrmals zu glänzenden Versammlungen sich begab (wie am 10. Juli 1234, die zu Altenburg war, wo der römische König Heinrich einen Hof hielt und eine größere Zahl Fürsten und Bischöfe um sich sah; ferner im August 1235 die von 64 Fürsten und 12 000 Edlen und Rittern besuchte Reichs versammlung in Mainz), sind nur zwei Ereignisse zu erwähnen, welche die Markgräfin Constantia näher berührten, nämlich im Jahre 1236 der harte Kampf des Kaisers gegen ihren Bruder, den geächteten, aber nicht zu besiegenden Herzog Friedrich von Oesterreich, und vom März 1236 bis dahin 1238 der Feldzug ihres 19jährigen Gemahls gegen die heidnischen Preußen. Heinrich sagte jetzt auf längere Zeit seiner Gemahlin Lebewohl, um die ersten Lorbeeren des Ruhmes um feine jugendlichen Schläfe zu winden. Wir übergehen hier diese glorreichen Waffenthaten des Markgrafen und bemerken nur, daß er glück lich zurllckkehrte und nach einer Urkunde vom 21. April 1238 sich zu dieser Zeit bereits wieder in Leipzig befand. In demselben Jähre, in ^welchem Markgraf Heinrich eine mehrjährige blutige Fehde gegen den Markgrafen von Branden burg begann, nämlich im Jahre 1240, gebar Constantia ihren ersten Sohn, Albrecht, welchen der Vater bereits im zweiten Lebensjahre mit der kaiserlichen Prinzessin Margaretha verlobte, 1254 vermählte und welchem er 1265 die Landgrafschaft Thüringen mit der Pfalzgrafschaft Sachsen übergab. Im Jahre 1242 ward die Markgräfin Constantia abermals, und zwar zum letzten Male, Mutter, indem sie des Prinzen Dietrich genas. Dieser Sohn wird mit dem Beinamen des Weisen oder auch des Fetten (Feisten), gewöhnlich aber als Markgraf Dietrich von Landsbera bezeichnet, da diese Mark ihm zugehörte; doch faßte das im Jahre 1265 ihm zugetheülte Gebiet viele einzelne und zerstreute Th«ile (Leipzig, Grimma, Weißen fels, Eula bei Freiburg, Stadt Belgern, Sangerhausen, Schkeüditz u. s. w.) in sich. Um die noch immer fortdauernden Feindseligkeiten mit dem Hause Brandenburg beizulegen, war im Jahre 1254 über die Vermählung Dietrich's mit einer Tochter des Brandenburger Markgrafen Johann I. unterhandelt und, da die Verlobten im vierten Grade blutsverwandt waren, di« päpst liche «Dispensation eingeholt worden. Wahrscheinlich wegen noch zu großer Jugend der Braut, Helena, erfolgte die Vermählung derselben mit Dietrich erst im Jahre 1268. In demselben Jahr« ward Helena's Vater auf einem, oermuthlich vom Markgrafen Heinrich veranstatlteten, Turniere durch einen Lanzenstich ge- tödtet. Die Ehe Heinrich's mit Constantia dauerte nicht lange. Schon im Jahre nach der Geburt Dietrich's starb Constantia, im Jahr« 1243, etwas über zwanzig Jahre alt. Heinrich ist wohl dieser Tod seiner jungen Frau sehr zu Herzen gegangen, war es doch wohl seine erste Liebe. Selbstverständlich profitirten auch hier wieder die Mönche und Nonnen von dem Schmerze des Gatte«, und eine Reihe von Stifungen zu Gunsten der Klöster in Zelle, denen alle Rechte auf Gerichtsbarkeit in den Dörfern des Klosters abgetreten wurden, in Grimma-Nimbschen und in Buch zeugen von der Fürsorge des Markgrafen für das Seelenheil feiner «Gemahlin und das irdische Leben der Klosterinfassen. Agnes von Böhmen. Lange konnte und wollte der junge Markgraf nicht unbeweibt bleiben, und es ist eine psychisch interessante Thatsache, daß er, der junge, lebenslustige und durch die Entdeckung der Silber lager in Freiberg reiche Fürst, sich nicht ein junges Weib erkor, sondern sich eine um mindestens zehn bis fünfzehn Jahre ältere Frau nahm. Hat ihm vielleicht Constantia in ihrer Wirthschafts- führung, weil sie zu jung war, nicht genügt oder wollte er durch aus eine geistig bedeutendere Frau, kurz, er heirathete Agnes von Böhmen. Diese Prinzessin Agnes, damäls mindestens 36 Jahr alt, hatte in ihrem Leben auch mehr Trübsal als Glück gesehen. Ihre Mutter Adele war eine Tochter des Markgrafen Otto des Reichen und Mit dem Wahlkönig Ottokar von Böhmen vermählt. Dieser verstieß sie nach achtzehnjähriger Ehe, Adele zog sich als Nonne ins Kloster zu Meißen zurück und starb dort 1211. Im Jahre 1245 heirathete Heinrich Agnes; sie war also mindestens schon 34 Jahre mutterlos. Obgleich der Unter schied der Jahre der beiden Gatten ein bedeutender war, war doch ihre Ehe, so viel sich erkennen läßt, eine glückliche. Am nach haltigsten mag wohl der Kampf um die Landgrafschaft Thüringen auf ste eingewirkt haben. Als Heinrich Raspe 1247 gestorben war, machte Heinrich seine Ansprüche auf Thüringen geltend und da er das schöne Land nicht gutwillig erhielt, kam es zu einem vieljährigen Kampfe, der schweres Unglück über die Länder brachte. Endlich entschied 1263 die Schlacht zu Gunsten Heinrich's, und die Landgvafschaft fiel ihm zu. Der Sieg war einer kostbaren Feier Werth, und so veranstaltete denn Heinrich zu Nordhausen ein glänzendes Turnier, von dem Stichart folgendes farbenreiches Bild entwirft. Zum Kampfplatz war ein großer Garten vor dem Biekenthor zu Nvrdhäusen ^bestimmt, in welchem die Rennbahn geebnet und mit Schranken umgeben ward. Für Heinrich und seine Ge mahlin Agnes war unter einem prachtvollen Thronhimmel eine reich vergoldete Bühne errichtet, zu deren beiden Seiten Plätze theils für Diejenigen unter den anwesenden Fürsten und Grafen, welche am Turnier nicht thätigen Antheil nahmen, theils für den -weiblichen Hofstaat der Mark- und Landgräfin sich befanden. Vor dieser Bühne erblickte man, gleichfalls prachtvoll aus gestattet, die Tribüne für die vom Markgrafen aus den ältesten und erfahrensten Rittern ausgewählten Kampfrichter, denen es oblag, sowohl über die Würdigkeit der Kämpfer zu den aus gesetzten Preisen zu urtheilen, als auch die Ordnung während des Rennens aufrecht zu erhalten. Zur Linken dieser Bühne waren die markgrä'flichcn Herolde sammt den Trompetern und Paukern aufgestellt. Auf der Rennbahn selbst staken zu beiden Seiten die Lanzen mit den daran aufgehangenen Turnier schildern der Ritter aufgepflanzt, jede mit einem in den Farben des Ritters prangenden Fähnlein an der Spitze. Außerhalb der Schranken befand sich ein« Menge von Zelten zur Bewirthung der Ritter und Frauen vor d«m Beginn des Turniers. Unter Trompeten- und Paukenscball bewegte sich der feier liche Zug aus der Stadt nach den Schranken. Voran Markgraf Heinrich der Erlauchte an der Seite seiner Gemahlin Agnes, sowie die beiden, der ersten Ehe mit Constantia entsprossenen Söhne Albrecht und Dietrich nebst dem ganzen Hofe; ihnen folgte eine Menge Fürst«« und Grafen und an 200 kampsgerüstete Ritter zu Roß. Prinz Albrecht eröffnete das Türmer, welches vier Tage hindurch währte. Die Kämpfe der Ritter endeten allemal mit Sonnenuntergang, worauf an jedem Abend ein Tanzfest folgte. Ein alter Chronist bemerkt dazu: „Es wären die Unkosten solchen Ritterspieles für einen Kaiser genug ge wesen, denn es hat der Markgraf männiglich freigehalten und die Kost gegeben." Die Preise, welche Heinrich der Erlauchte den siegenden Rittern bei diäsem Kämpfspiel hatte aussetzen lassen, waren äußerst werthooll. Der erste derselben bestand in einer zwanzig Pfund schweren silbernen Rüstung, mit goldenen Buckeln und Heftnägeln ausgelegt, in einem Ritterschwert mit goldenem Griff nebst dergleichen Wehrgehänge und Sporen, sowie in einem Streitroß, mit prächtigem Sattel, Zeug und Silberstücken belegt. Die übrigen Preise waren gleichfalls sehr werthvoll. Außerdem aber war noch zur Rechten der Kampfrichter ein stattlicher Baum aufgepflanzt, dessen Stamm aus feinem Silber gearbeitet war; die Blätter bestanden zum Theil aus Gold, zum Thüil au» Silber, die äpfelartigen Früchte aber aus feinstem Golde. Diese Blätter und Früchte durften sich die einzelnen Sieger vom kost baren Baum« pflücken, je nach Verhältniß ihrer Leistungen. Als zuletzt der silberne Baum an Früchten und Blättern ganz leer war, wurden die Hauptpreise vertheilt. Die Mark gräfin Agnes, ihre Schwiegertochter Margarethe, 'Albrecht's Ge mahlin, und Mathilde, Gräfin von Hohenstein, überreichtes den vor ihnen knienden Siegern die Preise. Diese dankten den hohen Frauen durch ehrerbietigen Handkuß und eröffneten mit ihnen beim Banket des letzten Festtages den Tanz. Nach langjähriger Ehe starb Agnes am 10. October 126^ Heinrich war bei ihrem Tode fünfzig Jahre alt, aber ihre ehelich» Liebe scheint immer noch so rein und innig gewesen zu sein, 24 Jahre vorher. Wenigstens war Heinrich thadsächlich sehr über ihren Tod betrübt und eine ganze Reihe von Stiftungen für die Klöster sollte zur Beruhigung seines Schmerzes dienen. Neü-Zelle und Seußlitz kamen äm besten weg. In Alt-Zelle ist Agnes begraben, und diesem Kloster wies Heinrich eine Jahresrente von sieben Stück Silber, etwa hundert 2 Haler«, zu, eine für die damalige Zeit große Summe. Der Zweck der Stiftung ist bezeichnend. Alljährlich sollten nämlich die Mönche am Todestage Agnes' mit Backwerk, Würzburg«! oder gleich gutem Wein«, besser als gewöhnlich, gespeist und beköstigt werden. Das Eingeständniß, daß es den armen Seelen im Jenseits besser geht, wenn die Klöster hier auf dieser Welt gut zu essen und zu trinken haben, ist köstlich. Selbstverständlich war Agnes auch fromm, und so hatte sie auch einen Traum. Als sie nämlich kvank zum Tode lag, erblickte sie träumend «inen Engel, welcher ihr einen goldenen Kelch zum Trinken reichte. Als sic Lenchelben aus seiner Hand genommen und den 'Trank gekostet hatte, sprach sie: „Wie ist doch der Trank so bitter?" Der Engel aber antwortete und sprach: „Ja doch, bitter wohl, aber bald wird eine große Süßigkeit nachfolgen!" Als sie Solches nach dem Erwachen ihrem Gemahl erzählt hatte, ist sie selig ent schlafen. Agnes hatte auS ihrer Ehe zwei Töchter. Alle Beide gingen in das Kloster zu Weißenfels als Nonnen. In das Kloster zu Weißenfels traten später auch ihre Nichten, Sophie und Gertrud, die Töchter des Markgrafen Dietrich, des zweiten Sohnes Hein rich's und der Constantia, ein. Es muß damals «in gewisser religiöser Paroxismus nnter den Verwandten geherrscht und das Kloster zu Weißenfels scheint diesem Fanatismus Vorschub geleistet zu haben. Sophie hatte sich schon in ihrem sechsten Jahre dem Kloster geweiht, weil ihr da die heilige Clara erschienen war, und obgleich sie ihr Latec körperlich mißhandelte und ihrem Eintritt ins Kloster allen Widerstand entgegensetzte, beharrte sie doch auf ihrem Willen und setzte ihn schließlich durch. Ihre Schwester Gertrud war schon verlobt, als sie sich ins Kloster aufnehmen ließ. Sophie wurde später Aebtissin, Gertrud Scholastika. Nach dem Lesen einer Schrift Uber die Dreieinigkeit wurde letztere wahnsinnig. Sophie war es nach unserer heutigen Anschauung wohl nicht minder. Sie schwärmte, hatte Erscheinungen und Verkehr mit Heiligen. Dabei demüthigte sie sich geradezu schauderhaft. So erzählt der ^eniHeton. Aus der Geschichte der Weltausstellung. Zur Eröffnung der Pariser Weltausstellung, 14. April. Von Vincenz Wagner. Nachdruck verte! n. Wieder werden die Nationen zum großen Dölkerfest« geladen; Paris, die alte Sirene, legt ihren verführerischsten Schmuck an, um die Gäste aus allen Welttheilen herbeizulocken. Fast ist ein halbes Jahrhundert seit der Eröffnung der ersten Weltausstellung verflossen; welch' eine Entwickelüng in diesem Zeiträume! Was 1851 neu und unerhört erschien, ist uns jetzt ganz gewohnt ge worden. Di« Weltausstellungen haben an Umfang und an Groß artigkeit der Anlage einander derartig Überboten, daß eben nur das Wunderbarst« genügt, um unsere Erwartungen zu befriedigen. Freilich lassen sich auch die Schattenseiten der Entwickelung nicht übersehen: die Weltausstellungen haben je länger, desto schärfer das Gepräge bunter Jahrmarkt«, riesiger VergnügungSveranstal- tungrn angenommen und sich dadurch von ihrem eigentlichen Zwecke wesentlich entfernt. Dennoch ist als da» Schlußergebniß diese» halben Jahrhundert» AuSftellungsgeschicht« die Thatsache zu verzeichnen, daß die Weltausstellungen rin unentbehrliche» Glied im Weltverkehr«, im Wettbewerbe der Völker geworden sind, daß sie der Lultur, der Industrie, dem Handel, der Kunst höchst werthvolle und unersetzlich« neu« Kenntnisse, Auffassungen, Ge danken vermittelt haben und vielleicht der mächtigste Sporn für di« industrielle Entwickelung der Nationen geworden sind. Ein Blick auf ihr« Geschicht« wird da» bestätig«». Mit Stolz dürfen wir sagen, daß der 'Gedanke der Welt ausstellungen einem Deutschen seine Verwirklichung verdankt. Zwar soll ein ähnlicher Plan ^bereits 1844 in Paris aüfgetaucht sein; doch erst der Prinz-Gemahl Albert gab dem Gsdanken greifbare und klare Form. Er war es, der den damals ventilirten Plan einer britischen Ausstellung zu dem einer weltumfassenden Ausstellung «rweiterte, di« „ein tr«u«s Zeugniß und lebendiges Bild sein soll von dem Standpunkte der Entwickelung, zu dem di« ganze Menschheit gelangt ist, und ein neuer Höhepunct, von welchem auS alle Völker ihre ferneren Bestrebungen in gewisse Richtungen zu bringen vermögen." Das war das Programm, und eS ist verwirklicht worden Dank der gewaltigen Energie und dem Reichthum, über den England — und damals wohl nur die» Land — verfügt«. Schon der GlaSpalast von 1851, Paxton's Meisterwerk, war eine mächtige Leistung. Er brachte einen neuen Baustoff, daS GlaS, zur Geltung und gab durch sein« constructive Neuheit, Klarheit und Kühnheit die Ahnung von einem modernen Baustil. A«ußerlich schlicht und harmonisch, bot der Palast im Innern den Eindruck einer lichtvollen Unermeßlichkeit und er reicht« ein« zauberhaft« Wirkung in dem machtvollen Kuppelbau der Centralhalle, unter deren festen Bogen Vie alten majestätischen Bäume deS HydeparkS, die man hatte stehen lassen, grünten und blühten. DaS Bikd, daS sich den Besuchern dieser Ausstellung bot, war ein unvergeßliches. Sah man doch zum ersten Mal« di« Völker der ganzen Erd« nebeneinander erscheinen, Indien neben Ruß land, Amerika neben Italien, — ein« ganz« ungeahnt« Riesen welt moderner Arbeit. Dle vornehme Einfachheit und Klarheit deS Arrangements, di« Vermeidung allen Zuviels, di« strenge ^Festhaltung eines ernsien und würdigen Charakter» vertieften diesen auch in der Folge in seiner Art nie wieder übertroffenen > Eindruck. England» Industrie feiert« «inen mächtigen Triumph; aber sie erkannte, daß Frankreich an Phantasie und Geschmack ihr überlegen war, Deutschland in den Zweigen, die von dem Ar beiter eine gediegene Schulbildung, Fleiß und Schönheitssinn verlangten, sie schlug. Solche Zweig« waren z. B. der Buchdruck und di« ihm verwandt«!« Gebiet«, ferner di« GlaSwaaren, das Porzellan. Die englisch« Industrie hat sich diese Lehren zu Nutze gemacht; das Jahr 1851 bedeutet für si« den Beginn einer großen Lehrzeit und im Anschlüsse daran eines außerordentlichen Auf schwungs. Vier Jahre waren eine zu kurz« Frist, als 'daß die Pariser Ausstellung von 1855 wesentlich Naue» hätte bringen können. Sie war in der Hauptsache ein Echo der Londoner. Sie zeigt« einen heitereren, festlicheren Charakter, als ihre Vorgängerin, der sich auch schon in der Erscheinung de» JrSdustriepalasteS anckündigte; sie war im Arrangement reicher, al» die Londoner Ausstellung, aber ihr mangelt« der Ernst und die Einheitlichkeit der Idee, der die Londoner Veranstaltung kennzeichnet«. Zudem trug sic einen wesentlich französischen Charakter; die französische Industrie hatte sehr reich und ausgezeichnet ausgestellt, und ihr Ruf besonder» aus dem Gebiet« der LuxuSwaaren befestigte sich aufs Neu«. Auch die Londoner Ausstellung von 1862 bildet keinen Mark stein im AuSstellungSwefen. Sie litt darunter, daß während der Vorbereitungen Prinz Albert, der wieder die Seele der ganzen Unternehmung bildete, verstarb. Fast wär« an diesem Unglllcksfalle das ganze W«rk gescheitert; schließlich kam die Au»- stellung doch zu Stande, aber da» hohe Streben, da» Prinz Albert in di« Vorbereitungen hinetngetragen hatte, machte nun einer nüchternen Geschäftsauffassung Platz. Die 1862er Aus stellung war kein Fest, sondern ein Geschäft; die Harmonie der Veranstaltung von 1851 wurde vermißt. Auch diesmal erfuhr da» Urtheil über die Leistungen der Nationen kein« wesentlich« Berichtigung. Nur machten sich die Fortschritte, die die englische Industrie hinsichtlich der Form seit 1851 gemacht hatte, bereits bemerklich. Oesterreich trat zum ersten Male wohlgeordnet und rmponirerid auf. Der Begriff des KunstgewerbeS und die Be mühungen zu seiner Hebung gehen in ihren Anfängen auf diese Ausstellung zurück. Was 1867 in Paris an Glanz geleistet wurde, übertraf alles bisher Gebotene bei Weitem. Napoleon HI. wollt« die „Nieder lage von Sadowa" hier auf dem friedlichen Schlachtfeld« wett machen und der Welt da» unerschüttert« Prestige Frankreichs vor Augen führen. Um de» glänzenden Eindrucks willen wurde das Marsfeld rn einen zauberhaften Park und der ihm auf der anderen Seite der Deine gegenüberliegende Platz des Trocadtzro auS einem Schuttplatze in einen lachenden Garten verwandelt. Das waren Wunderwerke, und «in Geniestreich war ferner jene bisher unübertroffene Anlage de» Au»strllungSpalast«», di« es ermöglichte, daß man, nach der «inen Richtung wandelnd, alle Erzeugnisse desselben Gebietes, bei dem Gange nach der anderen Richtung die Darbietungen desselben Landes im Zusammen hänge besichtigen konnte. Arrangements und Dekoration zeigten weiter« Fortschritte; die abgerundete ethnographische Darstellung fremdländischer Culturen erweiterte den Gesichtskreis. Zugleich aber feierte der JahrmarkSgeist, der den Ausstellungen so ge fährlich werden sollt«, hier seine ersten Triumph«; etwas Leicht fertiges, Abenteuerliches, das dem unsoliden Geist de» dritten Kaiserreichs entsprach, lag über dieser Ausstellung; da» Schau buden- und WirthrhauSwesen begann sich vorzudrängen. Deutschland schnitt 1867 tm Galten nicht schlecht ab. Die deutsche UntervichtSaurstellung, der deutsche Guhstahl standen an erster Stelle; ebenso siegte Deutschland mit seinen chemischen Probierten uckd legte mit seinem Gla» und Papier Ehre ein. Aber dl« Kluft, di« dl« d«utsch« Industrie htttstchtlich d«S
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