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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 18.02.1900
- Erscheinungsdatum
- 1900-02-18
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-190002189
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-19000218
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-19000218
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-02
- Tag 1900-02-18
-
Monat
1900-02
-
Jahr
1900
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 18.02.1900
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Größere Cchristen laut unserem Preis verzeichnis. Tabellarischer und Ziffernsatz nach höherem Taris. frxtra-Beilagen (gesalzt), nur mit der Morgen-Ausgabe, ohne Postdeförderung 60.—, mit Postbesörderung ./l 70.—. Annahmeschlnß für Anzeigen: Abend-Ausgabe: BormittagS 10 Uhr. Morgen-Ausgabe: Nachmittag- 4Uhr. Bei den Filialen und Annahmestellen je eine halbe Stunde früher. Anzeige» sind stets an die Expedition zu richten. Druck und Verlag von ik. Polz in Leipzig. 89. Sonntag den 18. Februar 1900. 91. Jahrgang- Aus der Woche. Prinz Heinrich von Preußen ist bei seiner Rückkehr aus Ostasien mit aufrichtiger Freuve begrüßt worden. Wenn die Absicht bestanden haben sollte, den Bruder des Kaisers zur Erhöhung der Bolksthümlichkeit des deutschen Besitze- in Ost asien und der maritimen Vertretung Deutschlands in jenen Ge wässern auszusenden, so kann man wohl sagen: dieser Aweck ist erreicht worden. Mit dem Worte „Weltpolitik" wird so viel Unfug getrieben, daß man es nicht mehr gern gebraucht. Aber daß unser Volk in seiner großen Mehrheit der systematischen Ver tretung deutscher Interessen jenseits der Meere nur geneigter worden ist, beweist der Antheil, der an der Reise und der Heimkehr de- Prinzen Heinrich genommen worden ist. Sie ist kein ungünstige- Anzeichen für die Aussichten der Flott en fache, fall- das Volk über sie befragt werden sollte. Ob ein solcher Schritt nöthig werden wird, liegt heute noch ebenso im Dunklen, wie un mittelbar nach der ersten Brrathung im Reichstage. Da» Centrum spielt die Sphynxrolle weiter und rechtfertigt schon jetzt die Befürchtung, daß e- die Entscheidung so lange als nur möglich verzögern werde. Ueber den Beginn der Flottenverhandlungen in der Budgetcommission verlautet noch gar nichts Bestimmte-, auch die Nachricht, daß ein Referent für die Vorlage bestellt sei, war verfrüht. Der von Anbeginn an der Spitze der Flottengegner marschirende Theil der Centrumspresse müht sich in zwischen ab, einen der Marineverstärkung geneigten Artikel des römischen „Osscvatore Romano" für bedeutungslos zu erklären — ein überflüssiges Beginnen, denn in Deutschland weiß man, daß, wen» diesem Iesuitenblatte einmal eine nicht deutschfeindliche Auslassung entschlüpft, eS wohl in diesem Falle nicht als Organ de- Vatikan- sich vernehmen läßt. Ebensowenig Bedeutung wie der römische Artikel dürfte eine nicht direct unfreundliche Bemerkung über die Flotte haben, die der badische Centrumsführer Wacker in der Karls ruher Kammer gemacht hat. Er meinte, eS sei nicht logisch, daß man zum Schutz- katholischer Ordensniederlassungen in China Kriegsschiffe entsende und in Baden solche Nieder lassungen nicht gestatte. Dem streitbaren Herrn war eS dabei Wohl nur um eine Zuthat zu seinen Argumenten für völlige Klosterfreiheit zu tbnn; wenn eS dazu kommt, wird gerade von Klerikalen seiner Richtung nicht» zu erwarten sein. Aber Gährung hat die Flottenfrage ins Centrum ge bracht. Und in der Socialdemokratie wird die Einig keit in dieser Frage nur durch die Gewalt der Disciplin bis zuletzt aufrecht erhalten bleiben. Herr Schippel hat wieder einmal bezeugt, daß er nur als Oppositioneller und nicht als Mann, der seiner Ueberzeugung gemäß bandelt, die Flotte bekämpft. Bei der ersten Lesung der Flottenvor- läge hat e- der Abg. Bebel bekanntlich vermieden, sich mit seinem Parteigenossen Schippel auseinanderzusetzen, obwohl eS seine Freunde als bestimmt angekündigt hatten, daß die schon längst angedrohte Abstoßung de- „Ise- grimm" erfolgen werde. Was Bebel damals ab ¬ gehalten hat, den Streit mit Schippel vor versam meltem Reichstag auszufechten, ist nicht bekannt geworden; vielleicht findet er nun aber doch Grund, die reinliche Schei dung zu vollziehen' wenn er hört, waS sein Fractionsgenosse am letzten Montag in Chemnitz über das Thema Social demokratie und Flottenvorlage geäußert hat. Bebel ist mit einem auch an ihm sckon ungewohnt gewordenen Feuereifer gegen die ganze Flottenpolitik aufgetreten; WaS aber Schippel am Montag ausgefübrt hat, nimmt doch in einigen Puncten so deutliche Beziehungen auf die Rede des Führers der Fraction, daß dieser jene Ausführungen nicht unwidersprochen lassen kann. Selbstverständlich bat sich auch Schippel nickt direct siir die Flotten vorlage ausgesprochen, aber er gab doch seinen Zuhörern deutliche Winke, daß die Socialdemokratie durch diese Frage in eine unbequeme Lage kommen könnte, und er überließ es ihnen, daraus den Schluß zu ziehen. Der socialdemokratische Redner knüpfte an die Stimmung an, die sich sogar in der freisinnigen Partei in der Flottenfrage geltend macke, und zog unmittelbar die Worte Bebel's herein, der von Verrath an allen Grundsätzen und Idealen des Liberalismus, von Byzan tinismus, von Liebedienerei und Rückgratlosigkcit gesprochen hat; demgegenüber betonte er, daß man den Aeußerlichkeiten einen zu großen Werth zuschreibe. Vor Allem aber ver dient eS Beachtung, daß er den „großen Altmeister" Friedrich Engels heranzog, der in einer Arbeit über die Reich-gründung deutlich genug den Werth der Kriegsschiffe erkannt und die Behandlung der deutschen Gesandten beklagt habe. Weiter waren aber die Sätze Schippet'S von Bedeutung, in denen er seine Freunde aus die Gefahren aufmerksam machte, die für die Socialdemokratie au- einer Auslösung de- Reichstag- nach Ablehnung der Flottenvorlage entstehen würden. Schippel sprach ganz offen au-, bisher hätten die Socialdemokraten be Militärauslösungen einen Cartellreich-tag immer nur mit Mühe und Noth dadurch verhindern können, daß sie den Freisinn bei den Stichwahlen unterstützten; diesmal Härten sie bei einer ganzen Zahl von Stichwahlkreisen mit marinefreundlichen Freisinnigen zu rechnen. Darf die Chemnitzer Rede Schippel'- auch nicht in ihrer Bedeutung überschätzt werden, denn sein Einfluß in der Partei kann sich mit dem Bebel'S noch nicht messen, so ist sie doch ein recht charakteristische- Stimmungsbild dafür, daß e- in der Socialdemokratie Genossen giebt, die gar nicht unzufrieden darüber wären, wenn die Flottenvorlage zur An- nähme gelangt«. Schippel'» allgemeine Anschauungen können seinen Wählern in Chemnitz nicht unbekannt gewesen sein, und darum ist e» immerhin brmerken-werth, daß sie solche von Bebel'« so stark abweichende Ansichten sich Widerspruchs- lo» vortragen ließen. Die General-Versammlung de» Bunde» der Land. Wirth«, die in drr verflossen«, Woche stattsand, gab zu Commentarin kaum rin«n Anlaß. Die Brdrutuna de» Bunde» zu verkennen, ist eine Thorheit, der nur freisinnige Zeitungen fähig sind, aber waS in diesen geschickt inscenirten Versammlungen unbedingter Anhänger der BundeSleitunz vor geht, beansprucht seit mehreren Jahren keinInteress« m«hr. Man hat hervorgehoben, daß die Reden der BundeSführer stark demagogisch geklungen haben. Aber das läßt sich auch von den meisten Parlamentreden dieser Herren und von den Artikeln ihrer Zeitungen sagen. Namentlich in diesem Augenblicke, wo die Erregung von Bedenken und von Abneigung gegen eine Flottenverftärkung zu den täglichen Leistungen dieser Presse gehört. Dieser Minirarbeit gegen über will eS nicht- besagen, daß die Mitglieder der BundeS- leitung die Forderungen für die Flotte bewilligen zu wollen erklären. Es handelt sich dabei um einige Reichstagsstimmen, das rednerische und publicistische Auftreten dieser Bundes leiter gefährdet aber die Aussichten von Neuwahlen, mit denen gerechnet werden muß. Für Herrn vr. Hahn erklärt die „Kreuzztg." nicht verantwortlich zu sein, aber auch Herr v. Wangenheim tbut das gerade Gegentheil von dem, was da- Blatt seiner Partei nachrühmt, nämlich „mit Nachdruck" für die Flotte einzutreten. Der „Besitz kühlt die Leidenschaft", ist ein altes Wort. Aber auch die Aussicht auf Besitz scheint calmirend zu wirken. Seitdem der preußische Gesetzentwurf über die Be teuerung der großen Waarenbäuser vorliegt, sind sie, die nach einem solchen Gesetz gerufen, lange nicht mehr o erdrosselungsfreudig wie bisher. Selbst die „Kreuz-Ztg." indet, daß daS Gesetz den kleinen Betrieben nichts nutze ind nur die Wirkung eines Ausgleichs in den Communal- inanzen habe; ein sehr bescheidener Effect, wenn man be wirkt, daß der Ertrag der Waarenhaus-Umsatzsleuer für eine Riesenstadt wie Berlin auf nicht mehr als 400 000 ge- chätzt wird. Die purtis iiontous« der Vorlage ist, baß sie Waarenhäuser der Beamten und Ofsiciere unter sieGiicht allen sollen. Nach der Begründung des Entwurfs an- cheinend schon bei der jetzigen Verfassung dieser Anstalten nicht, ganz gewiß aber nicht, wenn die Vorlage Gesetz wird. Sie läßt die lähmende Besteuerung des Groß betriebes bei einem Umsätze von 500 000 Mark beginnen. Die Waarenhäuser für Beamte und Ofsiciere haben es aber in der Hand, durch Theilung, die an ihrer socialen Wirksamkeit nichts ändern würde, unter diesem Satze zu bleiben. Der Officicrverein brauchte dabei nur ungefähr ein früher von ihm beobachtetes Verfahren zu wiederholen. Als gewisse Lieferungen dieses GesckäflS an da- Reich — eS handelte sich hauptsächlich um TropenauSrüstungSgegenstände — im Reichstag hart verurtheilk wurden, that sich ein Specialgeschäft für diese Artikel auf. Der Behauptung aber, daß das neue Geschäft eine Filiale des alten sei, ist nie wider- prochen worden. Der Krieg in Südafrika. DaS Kriegsglück ist wandelbar und wie oft eS wechselt, das beweisen die gestern eingekommenen Nachrichten. Zuerst tclegraphirt Buller, daß sich die Boeren unter Cronje aus dem Rückzüge nach Bloemfontein befänden, vergißt aber nicht zu melden, daß sie dabei einen großen Train mitgenommen >aben. Was der Train enthalten har, ist nicht gesagt, wahrscheinlich Munition und Proviant. ES muß immerhin Wunder nehmen, daß man auf dem Rückzüge Gelegenheit zu einer solchen Beute findet. Bei der Sympathie, deren sich die Boeren bei uns erfreuen, wirkte diese Nachricht nieder- chlagend; um so freudiger wurde folgende Nachricht begrüßt, die wir bereit- durch Extrablatt verbreiteten. r. London, 17. Februar. (Privat-Telegramm.) Telarey ging im Rücken der fliegenden Kolonne Arench's wieder vor, schnitt dessen Verbindungslinie ab und nahm seinen «csammten Proviant- und Munitions- Train we». Delareh steht südöstlich von Aacobsdal, Roberts'Rücken bedrohend. Prinsloo deckt Bloemfontein mit starke» Kommando» und Cronje sucht Roberts gegen die befestigten Höhenrüge nordwärts ,u ziehen. Diese Ansicht entspricht unserer in gestriger Abendnummer ausgefübrten Meinung von den Plänen Cronje's und bei ibr bleiben wir auch heute noch stehen, wenn auch eine weitere Nachricht einer Hiobsbotschaft ähnelt: * London, 17. Februar. (Telegramm.) Feld marschall Roberts meldet au» Aacobsdal vom 17. d. M.: (keneralKelly-Senny erbeutete gestern 78 Waggons Vorräthe, von denen zwei mit Mansergewchren beladen waren, ferner 8 Kisten Granaten und zehn Fässer Sprengstoffe. Tie Beute gehörte dem Lager des Generals Cronje an, das die britische Artillerie noch beschoß, als Lord Kit chencr vorstehende Meldung absandte. * JaeobSdal, 17. Februar. (Telegramm.) Wege» Erschöpfung der Zugochsen mutzte der Bocrcngcncral Cronje mit den ihm verbliebenen Wagen ein Lager bilden, das General Kellh-Kenny's Artillerie gegenwärtig energisch beschießt. („Reuter s Bureau".) Der Inhalt dieser Telegramme wäre rin schlechtes Zeichen für die Aussichten der Boeren, wenn er allenthalben der Wahrheit entspräche. Da aber Cronje aus von ihm verbliebenen Wagen noch ein Lager, waS so viel wir Verschanzung besagen will, bilden konnte, wird der Verlust der angeblichen 78 Wagen ihn nicht zu sehr schmerz««. Vielleicht ist e- auch nur ein Sckachzug von ihm, durch einen schnellen Rückzug einen Theil drr Engländer vom Hauptcorps abzutrennen und nach alter Taktik dann den Kampf mit dem verminderten Feind aufzunehmen: hierauf deutet auch da- amtlich freilich «och nicht be stätigte Eingriffen Delarey'S hin. Die nächsten Tage werden die Entscheidung bringen. Im Süden sind die Boer«n «rfolgreich gewes«n, wie da» au« den Nachrickten hervorgebt. Zur Ergänzung möge noch mitgetheilt sein, das! die Engländer in NenSburg eine Menge Vorrätbe zurück ließen, während zwei Compagnien de- Wilkshire-Regiment-, al- sie sich vom KloofLager zurückzogen, den Weg verloren und vermißt werden. „Ihr Aufenthalt ist jrdoch bekannt. Voraussichtlich werden sie heute Abend befreit werden", bemerkt da» amtliche Telegramm hierzu. Lte Stimmung in London ist natürlich «Ine sehr gehobene. Di« „Dime«" bezeichn«» den Entsatz al» solid« Errungenschaft, dl« di« Begeisterung, mit drr di« Nachricht im Inland« und in den Colonien ausgenommen wurde, völlig rechtfertige. Der „Standard" meint, di« Operationen Le» Generals French, so glänzend sie auch gewesen, seien nur das Vor spiel des Drama«, dessen Hauptact die Zertrümmerung der Streitkr'äste Cronje's bei MagrrSfontein sein müsse. Man dürfe bald von der grüßten Schlacht des Krieges, die bislang geliefert worden ist, hören, vorausgesetzt, daß die Boeren nicht bereits geflüchtet seien. Dies scheine indeß nicht wahrscheinlich, da der Vormarsch der Briten in der Richtung, in der er stattsand, nicht erwartet wurde. Die Lage fei demnach un zweifelhaft günstig und dürfte in Kürze auf diesem Theile des Kriegstheaters entscheidungsvoll werden. Eine Capstädter Drahtung besagt, General French wurde Donnerstag Abend in Kimberley mit stürmischer Begeisterung empfangen, weniger von der Be völkerung al- vom Militär. Die Belagerung von Kimberley hat genau vier Monate gedauert, denn seit dem 15. October, vier Tage nach dem Ausbruche de- Krieges, war der Ort von den Boeren eingeschlossen, welche unbegreiflicher Weise großen Werth auf die Einnahme desselben legten, weil Cecil RhovcS sich daselbst eingeschlossen befand. Da dieser Mann den Engländern ebenso wichtig zu sein schien, veranstalteten sie unter Mißachtung aller militärischen Erwägungen einen förmlichen Feldzug zur Be freiung vesselben. Am 19. November wurden Lord Methuen's Truppen am Oranje-Fluß concentrirt unv am 28. November griff er die Boeren bei Belmont an, worauf diese sich nach EnSlin zurückzogen. Dort wurden sie von Metbuen am 25. No vember angegriffen und wieder zogen die Boeren sich zurück. Dann aber kam der englische Angriff zum Stillstand, denn nachdem Lord Methuen am 28. November vergeblich versucht hatte, den Uebergang über den Modderfluß au-zunutzeu, erlitt er am 11. December bei Magersfontein eine schwere Niederlage, die ihn biS jetzt zum Stillehalten gezwungen hat. Aber auch alle Versuche der Boeren, Kimberley durch Beschießung und Aushungerung zur Uebergabe zu zwingen, waren vergebliche. Vom östlichen Kriegsschauplatz erfährt „Daily Mail" über Lourcnc,» MargueS, daß die Boeren bei Ladysmith jede Nackt durch 2000 Kaffern Sand sacke in das Bett des KlipflusseS legen lassen, um den Fluß abzudämmen. Die Arbeiten können nur Nachts ausgefübrt werden, da die Leute am Tage unter eng lischem Feuer sein würden: 10 000 Säcke sind sckon im Fluß bett und eine ähnliche Quantität wird vorbereitet. Man glaubt, wenn die Abdämmung gelingt, werde das zwei eng lische Meilen außerhalb Ladysmith befindliche Hospital isolirt und zum Theil unter Wasser gesetzt werden und auch andere Stellungen der Engländer würden isolirt werden. Aus dem englischen Lager bei Frere wird dem „Daily Telegraph" unterm 13. Februar gemeldet, daß bas Bombardement von Ladysmith heftig ist. Die Boeren werfen auf dem südlichen Ufer des Tugela Schanzen auf und sie haben zwei, wenn nicht drei hölzerne Brücken über den Fluß, der augenblicklich niedrig ist, gebaut. Der Correspondent des Bureau Reuter in Ladysmith, Herr Hut ton, ist von dort entwischt und in Frere angekommen. Derselbe sagt, daß die Garnison voll Hoffnung sei. Kleine Nachrichten aus der Deutschen Wochenzeitung in den Niederlanden. Die Mängel des englischen Transportwesens. (Privatbrief.) Durch die Bewegung der englischen Truppen von Frerekamp in westlicher Richtung nach dem Tugela zu, welche darauf abzielte, den Flügel der Boeren zu umfassen, bat General Buller zum ersten Male in diesem Kriege die Verbindung mit dem Eisenbahnnetz verlassen und war er aus den Transport per Achse angewiesen. Die Probe ist kläglich ausgefallen. Mehr als 500 mit Maulthieren und Öchsen bespannte Wagen waren nöthig sür die kleine Armee, die sich nur 15 englische Meilen von ihrer Basis entfernt hatte. Wenn man annimmt, daß eder Ochsenwagen mit 12—16 Ochsen und jedes kleinere Fuhrwerk mit 6—8 Maulthieren bespannt ist, kann man !eicht eine Länge des Wagenparks von 4—5 Wegstunden yerauSrecknen. Welch riesigen Wagenpark und welch riesige Heerden Zugthiere wird man nun erst für die gcsammte britische Armee benöthigen, falls sie wirklich den Marsch nach Pretoria antreten könnte? Oben erwähnte TranSportcolonne mußte zwei Fürthen passtren mit ziemlich steilem Ab- und Ausstieg. Beim Uebergang vurck den Zandspruit blieben die Doppelgespanne Ochsen stecken, obgleich man das Flußbett erst mit Steinplatten belegt hatte. So mußten denn verschiedene Hundert Soldaten vom gegenüberliegenden Ufer au» die Wagen mit Hacken und Tauen berauSziehen. Die Proviantsäcke waren natürlich völlig durchnäßt. Nun kommt nock hinzu, daß die Cav-Bevölkerung keine Zugthiere liefern will, dasie behauptet, diese für ihre Existenz zu benöthigen. Viele Wagnermeister annonciren: „Hier werden nur FriedenSwagen angefertigt." Die Regierung will, trotz des Andringen« der Militärbehörden, keine Schritte gegen die Widerspenstigen unternehmen, da e» unter der Bevölkerung allenthalben gahrt. Daß die meisten von den 21 000 Unterschriften unter der Petition der Uit- lander» an Königin Victoria gefälscht waren, erhellt au- den sich mehr und mehr häufenden „Eingesandt" in den süd afrikanischen Blättern. Viele Uitländer» hatten gar keine Ahnung von der Petition, andere sind schon seit Jahren todt u. s. w. Eine romantische Flucht von drr „Penelope." Adrian und Cor Hagen, zwei junge TranSvaaler, waren bei Elanvs« laagte von den Lanciers unter merkwürdigen Umständen gefangen grnommek worden. Adrian, der al» Freiwilliger bei der Staatsartilleri« eingetreten war, bediente sein Geschütz, bis der letzte Kartätschenschuß abgegeben war, dann sprang «r auf daö Pferd, das sein Bruder Cor und ibr Knecht Harm bereit gehalten und ritt in Earriöre weg. Plötzlich fiel sein Pferd, durch eine Kugel getroffen, zusammen. Er wollt« zu seinem Bruder auf» Pferd springen, aber da» glückte ihm nicht; Cor griff ihn jedoch beim einen, Harm beim andern Arm und so zerrten sie ihn mit. Dir Lage war kitzlick, denn ein Wachtmeister der Lanciers setzte ihnen an der Spitze einiger Reiter nach; er warf seine Lanze und traf Cor i» den Arm, sodaß dieser seinen Bruder los lassen mußte, der denn auch von dem Wachtmeister gefangen genommen und von diesem gegen die eigenen Mannschaften verthridigt wurde. Mit seinem Bruder rusammen wurde er nach Capstadt aus die „Penelope" übergesührt. Dort besuchte ihn seine Verlobte, Frl. Bertha Leemhuis, die in Pretoria wohnte und mit ihrem Vater die Reise nach Holland hatte antreten wollen, jedoch in Capsladt Hurückgehalten worden war. Sie brachte ihm drei RettungSgurtel, mittelst deren er, sein Bruder und noch ein Gefangener ans Land schwammen. Ihm und seinem Bruder gelang-die Flucht; ihr Kamerad jedoch wurde Morgens durch die Dampfschaluppe des Wachschiffes noch schwimmend angetroffen und zurückgebracht. Adrian und Cor erreichten nach sehr beschwerlichen Nachtmärschen endlich ihr Commandc und kämpfen nun am Tugela. Der unhöfliche Methuen. — General Cronje theilte General Metbuen mit, daß die englischen Batterien stets unter dem Schutze der Ambulancewagen ihre Positionen änderten und daß er schließlich sich dadurch gezwungen sähe, auf solche Batterien zu feuern, was für die Ambulancen üble Folgen haben könne. Daraufhin theilte ihm General Metbuen mit, er sei nicht gewillt, mit ihm fernerhin zu correspondiren und wolle damit bis zur Beendigung des Krieges warten. Bei Lcholtznek. — (Aus einem Privatbrief.) Ruhig lag ich hinter einer Klippe. Eine Bombe schlug auf den Rand; sie bröckelte ihn ab und rollte zwischen meine Füße durch in den Graben, wo sie mit entsetzlichem Krachen sprang. Ter Boden unter mir rutschte weg und ick fiel in den mit Stick gasen gefüllten Graben, wo meine fünf Kameraden gesessen batten; sie waren durch Vie Bombenscherben zerrissen und ich mußte über ihre Leichen und durch eine tiefe BliClache kriechen, um auf Len stürmenden Feind schießen zu können. Mir war recht Weh und elend zu Muthe und noch trauriger wurde ich, als ich aus diesem Grabe stieg, um einem ver wundeten englischen Soldaten zu helfen, den ich schon Stunden lang hatte stöhnen hören. Ick gab ihm Wasser und Brod; was anderes hatte ich selbst nicht, und da sagte er: „Ach was haben wir doch von diesem Krieg? Nicht-. Ich gehöre zur Reserve, habe eine Frau und zwei Kinder und nun liege ick seit 20 Stunden mit gebrochene» Beinen, ohne Wasser." Er drückte mir die Hand und sagte: „Sie sind ein braver Mensch, Gott wird Sie segnen" und dann war er todt. Dann fand ich den todten Major Ray von den 5. Northumber land Füsilier» in prächtiger Uniform voll Blut, um ihn herum lauter junge Soldaten von 20—25 Jahren. Aber auch von unseren Vicksburger Bürgern waren viele gefallen, da sie sehr gleichgiltig gegen die feindlichen Kugeln und Granaten waren und auch keine Brustwehren bauten. Mein Arm war müde vom Gewehr halten und meine Schulter lhat mir wehe vom Schießen, aber ich ging doch zu den Bürgern, die tiefe Gräber in den auSgesengten Boden gruben, und grub mit. Vielleicht legen sie mich morgen auch hinein. Elender, elender Krieg! . . . Der Tod des Königs Bunu von Swasiland — (Privat brief) Bunu ist todt. Anfänglich zweifelte man daran, daß dieses Scheusal das Zeitliche gesegnet habe, da die Swast's hierüber nicht rapportirten, aber eS ist bei ihnen Gebrauch, den Tod eines Fürsten einen Monat lang zu verschweigen. I Wir batten sckon vor vier Wochen vernommen, daß die Swast's leine schwarze Kuhhaut zu kaufen suchten. Ihre todten Könige werden nämlich in eine schwarze Kuhhaut genäht und dann unter ein „Kopje" gelegt. Ihr angesehenster General muß ihm, nachdem er getödtet worden ist, dort Gesell schaft leisten. Vor der Beisetzung durch einen ganzen „Impi" wird die Leiche erst einen Monat lang im Königs kraal aufgebahrt. Durch die Gerüche von gebratenem Fleisch sucht man den Leichengestank zu vertreiben. Nach vier Wochen ersolgt die Beisetzung. Es geht das Gerücht, daß außer der Königin Mutter und dem Kronprinzen auch nock die Günstlinge des Königs, Zibokwan, Illonitwan und Mani- baan ermordet worden sind. Bunc, ein blutgieriger Tyrann, war den Engländern sehr wohlgesinnt. Da starke Boeren- abtheilungen an der Grenze Swasilands liegen, glaubt man, daß der neue Fürst auf Seite drr Boeren stehen wird. Bet Colenso. (Privatbrief.) .... Ich bin beim Polizei corps und stehe unter Leutnant F. Pohlman. Von Brak- fvntrin mußte» wir in die Richtung von Colenso reiten und einen „Kop" besetzen, von wo au» wir da» englische Lager gut übersehen konnten; eS glich einer Zeltstadt und die Weißen Bezüge schauten brutal zu uns hinauf. Wie klein sahen dagegen die Boerenlager au-, die zwischen den KopjeS hervor schimmerten! Am folgenden Morgen erst sollten wir unsere Befehle empfangen; wir erhielten sie, als die Granaten der Engländer schon in unsere vermeintlichen Stellungen fielen und sollten demgemäß einen Rand gegenüber der gesprengten Eisenbabu- brück« besetzen. Da» war ein kitzlicher Auftrag, denn wir mußten über eine Fläche reiten, welche von der englischen Artillerie bestrichen wurde. Diese stand ungefähr 5ouo Hard« von un» entfernt und sah un» noch nicht: bis sie uns bemerkt hatte und eingeschossen war, saßen wir schon hinter den KopjeS. Nur der Deutsche Pschorr vom Krügersdorp- Commando wurde von einer Granate zerrissen und der siebzig jährige Marai» von einem Granatsplitter verwundet, der den Kolben seines Mauser zerschmettert und den Verschluß verbogen hatte. Er fiel vom Pferde, saß aber im Nu wieder droben und kam dicht binter un- an. So lange die Engländer nicht schießen, ist eS ganz bübsch zu beobachten, wie sis in Ge- fecklSordnung herankomnien. Augeoblichlich waren sie noch 3000 AardS entfernt. Wir verhielten UN» ruhig, um unsere Stellung nicht zu verrathen, aber gespannt waren wir alle, denn wir begriffen nicht, warum sie un» mit ihren Kanonen so dicht auf den Leib rückten. Die Bespannung, Be dienungS- und Deckungsmannschaften bildeten eine große viereckige schwarze Scheibe, die auf 1000 Aard« im Schnecken gang an un» vorbeigezogen wurde, ,/t Is eev kuurt, om nie mis skiet nie!» (Es ist 'ne Kunst, vorbeizuschießen > sagte ein Kamerad neben mir, al» unser Eornet da» Zeichen gab, mit dem Feuern zu beginnen, Darauf sah e« au«, als ob man in einen Ameisenhaufen getreten wäre. Nach allen
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